01.04.2026 | Christian Roch
Wer zum ersten Mal das schmucke „Haus des Handwerks“ in der Pforzheimer Wilferdinger Straße 6 ansteuert, ahnt bereits, dass ihn hier nicht das Klappern schwerer Maschinen erwartet. In der liebevoll restaurierten Gründerzeit-Villa herrscht vielmehr die konzentrierte Atmosphäre eines modernen Beratungszentrums. Und genau das ist es auch, denn hier befindet sich die Schaltzentrale der regionalen Handwerkerschaft. Wenn Catarina Haberstroh, seit April 2026 Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis, über ihre Arbeit spricht, schwingt eine Begeisterung mit, die auf den ersten Blick so gar nicht zu dem trockenen Image passt, das Wirtschaftsverbänden oft anhaftet.
„Das Einzigartige am Handwerk ist doch, dass du jeden Abend nach Hause gehst und genau weißt, was du erschaffen hast“, sagt sie. „Zu wissen, dass beispielsweise ein schönes Möbelstück über Jahrzehnte genutzt und danach vielleicht sogar weitervererbt wird – da bekomme ich immer noch Gänsehaut.“ Es ist diese Mischung aus greifbaren Ergebnissen, Denk- und Handarbeit sowie technischer Raffinesse, die das moderne Handwerk definiert. Doch um diesen Kern herum sammeln sich auch Herausforderungen: Bürokratische Auflagen und Dokumentationspflichten, Digitalisierungsdruck und Nachwuchssorgen sind nur einige davon. Genau hier kommt die Kreishandwerkerschaft ins Spiel.

Für Außenstehende ist die Organisationsstruktur im Handwerk nicht immer leicht zu durchschauen. Da gibt es die Handwerkskammern, Handwerksinnungen und eben die Kreishandwerkerschaften. Doch wo liegen die Unterschiede? Die regionalen Handwerkskammern sind die gesetzlichen Dachorganisationen für alle Handwerksbetriebe. Jeder zulassungspflichtige Handwerksbetrieb muss sich dort in ein zentrales Verzeichnis, die Handwerksrolle, eintragen lassen und wird so zum Pflichtmitglied. Im Unterschied dazu ist die Kreishandwerkerschaft die Interessenvertretung der freiwillig in unterschiedlichen Innungen (zum Beispiel Elektrohandwerk, Glaser oder Schreiner) organisierten Handwerksbetriebe. Handwerkskammern und Kreishandwerkerschaften arbeiten eng zusammen. So erfüllen Letztere zahlreiche hoheitliche Aufgaben, die ihr von den Kammern übertragen werden, allen voran das Prüfungswesen in der Handwerkerausbildung. Auch die Schiedsstelle der Kfz-Innung, die bei Streitigkeiten zwischen Werkstatt und Fahrzeugbesitzern vermittelt, ist im Haus des Handwerks angesiedelt. Doch im Kern ist die Kreishandwerkerschaft ein Dienstleister. „Wir verstehen uns als Sparringspartner und Problemlöser für die alltäglichen Herausforderungen vor Ort“, erklärt Catarina Haberstroh.

Die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis betreut aktuell knapp 1.000 Mitgliedsbetriebe. Das Spektrum reicht vom Ein-Mann-Betrieb bis zum mittelständischen Unternehmen mit Dutzenden Angestellten. Insgesamt sind unter dem Dach der Kreishandwerkerschaft 20 Innungen vereint. Für 14 dieser Innungen übernimmt die Kreishandwerkerschaft auch die Geschäftsführung, kümmert sich also um Finanzen, Controlling und die strategische Planung. Die „großen Sechs“, darunter Schwergewichte wie Kfz- oder Elektrohandwerk, verfügen über eigene Strukturen, arbeiten aber ebenfalls eng mit der Kreishandwerkerschaft zusammen. Besonders beeindruckend ist die Effizienz der Organisation: Das operative Geschäft in der Pforzheimer Geschäftsstelle wird von gerade einmal vier hauptamtlichen Kräften gestemmt. Haberstroh: „Unser kleines Team macht einen super Job, das stimmt. Aber was uns richtig stark macht, ist das großartige ehrenamtliche Engagement aus unseren Innungen, angeführt von Kreishandwerksmeister Frank Herrmann (Metall-Innung) und seinen Stellvertretern Timo Gerstel (Kfz) und Patrick Vester (Zimmerer).“

Die Aufgaben der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis sind so vielfältig wie die Werkzeugkästen ihrer Mitglieder. Sie lassen sich grob in fünf Säulen unterteilen: Ausbildung, Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit und hoheitliche Aufgaben. Ein aktuelles Beispiel zeigt die Agilität des Verbands: Nach einem schweren Kranunfall in der Region wandten sich verunsicherte Betriebe an die Kreishandwerkerschaft: Was, wenn so etwas bei mir passiert? Wie sieht es mit Regressansprüchen aus? Welche Versicherungen greifen? Catarina Haberstroh: „Innerhalb kürzester Zeit haben wir Experteninformationen und Partner organisiert, um rechtliche Sicherheit zu geben.“
Das vielleicht wichtigste Standbein ist das Prüfungswesen. Die Kreishandwerkerschaft stellt im Auftrag der Handwerkskammer die Gesellenprüfungsausschüsse und sorgt für die Abwicklung der praktischen Prüfungen. Aber auch zur öffentlichen Meinungsbildung trägt die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis bei. Wichtige Events hierfür sind unter anderem das Handwerkerforum im Februar sowie die Gesellenfreisprechungsfeier im Herbst.

Trotz des guten Rufs und einer meist sehr guten Auftragslage sinkt auch im Verantwortungsbereich der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis die Zahl der Betriebe von Jahr zu Jahr. „Wir verlieren Betriebe, weil es keine Nachfolge gibt und sich immer weniger Handwerker selbstständig machen wollen“, so Catarina Haberstroh. Viele junge Menschen würden insbesondere vor der Papierarbeit zurückschrecken, die eine Selbstständigkeit mit sich bringt. Auch hier reicht die Kreishandwerkerschaft eine helfende Hand: „Wir sagen: Selbstständigkeit im Handwerk ist machbar, weil wir euch mit euren Fragen nicht alleine lassen.“
Das größte Hindernis für die Zukunft des Handwerks ist ein oftmals veraltetes Bild in den Köpfen der Menschen. Haberstroh nennt es „alttestamentarische Vorstellungen“. Viele sähen im Handwerk immer noch primär schwere körperliche Arbeit und schmutzige Hände.
„Das stimmt längst nicht mehr. Ein Elektriker muss heute ein IT-Experte sein, Stichwort Smart Home“, stellt die Geschäftsführerin klar. „Auch im Kfz-Gewerbe erfolgt die Fehlersuche heute per Diagnosegerät, nicht mehr nur durch Hinhören am Motor.“ Um dieses Bild geradezurücken, leistet die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis unermüdlich Aufklärungsarbeit: In den 8. und 9. Klassen aller Schularten, bei Elternabenden und Infotagen, aber auch auf Ausbildungsmessen und zahlreichen weiteren Veranstaltungen möchten Haberstroh und ihre Mitstreiter beweisen, dass der Slogan „Handwerk ist geiler!“ keine Übertreibung ist. „Das Handwerk kann es sich erlauben, selbstbewusst und auch ein wenig provokativ aufzutreten. Dazu gehört natürlich auch, auf den relevanten Social Media-Kanälen präsent zu sein. Darum produzieren wir hochwertigen Video-Content, flitzen auf Events mit der Handkamera herum und schauen genau hin, was Handwerker und ihr Zielpublikum bewegt.“

Ein besonderer Fokus liegt auch auf der Gewinnung von Frauen für eine Laufbahn im Handwerk. Dass eine Frau Dachdeckerin oder Zimmerin wird, sollte im Jahr 2026 keine Schlagzeile mehr wert sein, ist aber immer noch mit Vorurteilen behaftet. Haberstroh nutzt einen lebensnahen Vergleich: „Wer sich morgens einen perfekten Lidstrich ziehen kann, besitzt genau die Feinmotorik und den Präzisionsgedanken, den wir im Handwerk brauchen.“ Es gehe darum, Schwellenängste abzubauen, sowohl bei den Bewerberinnen als auch bei den Betrieben, die zu oft noch vor Randthemen wie getrennten Sanitärräumen oder Arbeitszeitmodellen zurückschreckten.
Die Zeiten, in denen man „halt ins Handwerk ging“, wenn es für die Schule nicht reichte, sind lange vorbei. „Tatsächlich ist die Ausbildung deutlich anspruchsvoller geworden, während die schulischen Voraussetzungen der Bewerber nicht immer Schritt halten“, weiß Catarina Haberstroh. Die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis sieht sich hier in der Pflicht, zu vermitteln. In Kooperation mit beruflichen Schulen wie der Alfons-Kern-Schule in Pforzheim oder der Beruflichen Schule Mühlacker werden Berufsinformationstage organisiert, die zeigen, wie ein digitalgestützter Reifenwechsel oder die CAD-Planung eines Möbelstücks funktioniert. Haberstroh: „Heute ist Handwerk ein faszinierender Spagat zwischen Tradition und Transformation.“

In der Tat ist das Thema Digitalisierung im Pforzheimer Handwerk längst kein Modewort mehr, sondern gelebte Realität. Der Digitalisierungsgrad ist bisweilen höher als in der Industrie, schlicht weil die Technik es erfordert. Catarina Haberstroh: „Wenn ein Druckluftbehälter heute WLAN-fähig sein muss, muss der Handwerker auch die entsprechende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) kennen und anwenden können. Auch beim Thema KI gehen wir als Kreishandwerkerschaft voran und bieten unseren Mitgliedern praxisgerechte KI-Einsteigerkurse. Dabei geht es nicht darum, dass eine KI die Wand streicht, sondern darum, wie ChatGPT und Co. die Verwaltung entlasten können. Lösungen wie automatisierte Angebotserstellung oder KI-gestützte Telefonie, die von bürokratischen Rückfragen entlastet, sind bereits in Anwendung. Das Handwerk ist sehr offen für Fortschritt, solange der Mehrwert erkennbar ist.“
Trotz aller Herausforderungen von Bürokratie bis Fachkräftemangel blickt Kreishandwerkerschaft-Geschäftsführerin Catarina Haberstroh optimistisch in die Zukunft: „Das Handwerk ist das Fundament der Wirtschaft. Ohne Elektriker keine Energiewende, ohne Sanitär-Heizung-Klima-Experten keine Wärmewende und ohne Kfz-Werkstätten keine Elektromobilität.“ Handwerk biete zudem etwas, das in der digitalisierten Welt immer seltener werde: Sinnhaftigkeit. Diese emotionale Komponente, gepaart mit modernster Technik und einer familiären Atmosphäre in den Betrieben, so Haberstroh, mache die Branche krisenfest. Die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis wird hierfür auch künftig die Rolle des Navigators einnehmen. Sie ist das Sprachrohr, das sich dafür einsetzt, dass das Handwerk auch in Zukunft goldenen Boden hat. Ein Teilnehmer des Handwerkerforums im Februar 2026 brachte die Stimmung im Handwerk auf den Punkt: „Wir ziehen hier den Karren. Für die Wirtschaft, für die Region, für die Menschen. Damit wir erfolgreich sein können, brauchen wir von der Politik ein starkes Fundament – und keine neuen Gewichte.“
Mehr über die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis auf
www.kh-pforzheim.de

Wilferdinger Str. 6
75179 Pforzheim
Telefon: 07231-313140
info@kh-pforzheim.de



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01.04.2026 | Christian Roch
Wer zum ersten Mal das schmucke „Haus des Handwerks“ in der Pforzheimer Wilferdinger Straße 6 ansteuert, ahnt bereits, dass ihn hier nicht das Klappern schwerer Maschinen erwartet. In der liebevoll restaurierten Gründerzeit-Villa herrscht vielmehr die konzentrierte Atmosphäre eines modernen Beratungszentrums. Und genau das ist es auch, denn hier befindet sich die Schaltzentrale der regionalen Handwerkerschaft. Wenn Catarina Haberstroh, seit April 2026 Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis, über ihre Arbeit spricht, schwingt eine Begeisterung mit, die auf den ersten Blick so gar nicht zu dem trockenen Image passt, das Wirtschaftsverbänden oft anhaftet.
„Das Einzigartige am Handwerk ist doch, dass du jeden Abend nach Hause gehst und genau weißt, was du erschaffen hast“, sagt sie. „Zu wissen, dass beispielsweise ein schönes Möbelstück über Jahrzehnte genutzt und danach vielleicht sogar weitervererbt wird – da bekomme ich immer noch Gänsehaut.“ Es ist diese Mischung aus greifbaren Ergebnissen, Denk- und Handarbeit sowie technischer Raffinesse, die das moderne Handwerk definiert. Doch um diesen Kern herum sammeln sich auch Herausforderungen: Bürokratische Auflagen und Dokumentationspflichten, Digitalisierungsdruck und Nachwuchssorgen sind nur einige davon. Genau hier kommt die Kreishandwerkerschaft ins Spiel.

Für Außenstehende ist die Organisationsstruktur im Handwerk nicht immer leicht zu durchschauen. Da gibt es die Handwerkskammern, Handwerksinnungen und eben die Kreishandwerkerschaften. Doch wo liegen die Unterschiede? Die regionalen Handwerkskammern sind die gesetzlichen Dachorganisationen für alle Handwerksbetriebe. Jeder zulassungspflichtige Handwerksbetrieb muss sich dort in ein zentrales Verzeichnis, die Handwerksrolle, eintragen lassen und wird so zum Pflichtmitglied. Im Unterschied dazu ist die Kreishandwerkerschaft die Interessenvertretung der freiwillig in unterschiedlichen Innungen (zum Beispiel Elektrohandwerk, Glaser oder Schreiner) organisierten Handwerksbetriebe. Handwerkskammern und Kreishandwerkerschaften arbeiten eng zusammen. So erfüllen Letztere zahlreiche hoheitliche Aufgaben, die ihr von den Kammern übertragen werden, allen voran das Prüfungswesen in der Handwerkerausbildung. Auch die Schiedsstelle der Kfz-Innung, die bei Streitigkeiten zwischen Werkstatt und Fahrzeugbesitzern vermittelt, ist im Haus des Handwerks angesiedelt. Doch im Kern ist die Kreishandwerkerschaft ein Dienstleister. „Wir verstehen uns als Sparringspartner und Problemlöser für die alltäglichen Herausforderungen vor Ort“, erklärt Catarina Haberstroh.

Die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis betreut aktuell knapp 1.000 Mitgliedsbetriebe. Das Spektrum reicht vom Ein-Mann-Betrieb bis zum mittelständischen Unternehmen mit Dutzenden Angestellten. Insgesamt sind unter dem Dach der Kreishandwerkerschaft 20 Innungen vereint. Für 14 dieser Innungen übernimmt die Kreishandwerkerschaft auch die Geschäftsführung, kümmert sich also um Finanzen, Controlling und die strategische Planung. Die „großen Sechs“, darunter Schwergewichte wie Kfz- oder Elektrohandwerk, verfügen über eigene Strukturen, arbeiten aber ebenfalls eng mit der Kreishandwerkerschaft zusammen. Besonders beeindruckend ist die Effizienz der Organisation: Das operative Geschäft in der Pforzheimer Geschäftsstelle wird von gerade einmal vier hauptamtlichen Kräften gestemmt. Haberstroh: „Unser kleines Team macht einen super Job, das stimmt. Aber was uns richtig stark macht, ist das großartige ehrenamtliche Engagement aus unseren Innungen, angeführt von Kreishandwerksmeister Frank Herrmann (Metall-Innung) und seinen Stellvertretern Timo Gerstel (Kfz) und Patrick Vester (Zimmerer).“

Die Aufgaben der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis sind so vielfältig wie die Werkzeugkästen ihrer Mitglieder. Sie lassen sich grob in fünf Säulen unterteilen: Ausbildung, Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit und hoheitliche Aufgaben. Ein aktuelles Beispiel zeigt die Agilität des Verbands: Nach einem schweren Kranunfall in der Region wandten sich verunsicherte Betriebe an die Kreishandwerkerschaft: Was, wenn so etwas bei mir passiert? Wie sieht es mit Regressansprüchen aus? Welche Versicherungen greifen? Catarina Haberstroh: „Innerhalb kürzester Zeit haben wir Experteninformationen und Partner organisiert, um rechtliche Sicherheit zu geben.“
Das vielleicht wichtigste Standbein ist das Prüfungswesen. Die Kreishandwerkerschaft stellt im Auftrag der Handwerkskammer die Gesellenprüfungsausschüsse und sorgt für die Abwicklung der praktischen Prüfungen. Aber auch zur öffentlichen Meinungsbildung trägt die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis bei. Wichtige Events hierfür sind unter anderem das Handwerkerforum im Februar sowie die Gesellenfreisprechungsfeier im Herbst.

Trotz des guten Rufs und einer meist sehr guten Auftragslage sinkt auch im Verantwortungsbereich der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis die Zahl der Betriebe von Jahr zu Jahr. „Wir verlieren Betriebe, weil es keine Nachfolge gibt und sich immer weniger Handwerker selbstständig machen wollen“, so Catarina Haberstroh. Viele junge Menschen würden insbesondere vor der Papierarbeit zurückschrecken, die eine Selbstständigkeit mit sich bringt. Auch hier reicht die Kreishandwerkerschaft eine helfende Hand: „Wir sagen: Selbstständigkeit im Handwerk ist machbar, weil wir euch mit euren Fragen nicht alleine lassen.“
Das größte Hindernis für die Zukunft des Handwerks ist ein oftmals veraltetes Bild in den Köpfen der Menschen. Haberstroh nennt es „alttestamentarische Vorstellungen“. Viele sähen im Handwerk immer noch primär schwere körperliche Arbeit und schmutzige Hände.
„Das stimmt längst nicht mehr. Ein Elektriker muss heute ein IT-Experte sein, Stichwort Smart Home“, stellt die Geschäftsführerin klar. „Auch im Kfz-Gewerbe erfolgt die Fehlersuche heute per Diagnosegerät, nicht mehr nur durch Hinhören am Motor.“ Um dieses Bild geradezurücken, leistet die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis unermüdlich Aufklärungsarbeit: In den 8. und 9. Klassen aller Schularten, bei Elternabenden und Infotagen, aber auch auf Ausbildungsmessen und zahlreichen weiteren Veranstaltungen möchten Haberstroh und ihre Mitstreiter beweisen, dass der Slogan „Handwerk ist geiler!“ keine Übertreibung ist. „Das Handwerk kann es sich erlauben, selbstbewusst und auch ein wenig provokativ aufzutreten. Dazu gehört natürlich auch, auf den relevanten Social Media-Kanälen präsent zu sein. Darum produzieren wir hochwertigen Video-Content, flitzen auf Events mit der Handkamera herum und schauen genau hin, was Handwerker und ihr Zielpublikum bewegt.“

Ein besonderer Fokus liegt auch auf der Gewinnung von Frauen für eine Laufbahn im Handwerk. Dass eine Frau Dachdeckerin oder Zimmerin wird, sollte im Jahr 2026 keine Schlagzeile mehr wert sein, ist aber immer noch mit Vorurteilen behaftet. Haberstroh nutzt einen lebensnahen Vergleich: „Wer sich morgens einen perfekten Lidstrich ziehen kann, besitzt genau die Feinmotorik und den Präzisionsgedanken, den wir im Handwerk brauchen.“ Es gehe darum, Schwellenängste abzubauen, sowohl bei den Bewerberinnen als auch bei den Betrieben, die zu oft noch vor Randthemen wie getrennten Sanitärräumen oder Arbeitszeitmodellen zurückschreckten.
Die Zeiten, in denen man „halt ins Handwerk ging“, wenn es für die Schule nicht reichte, sind lange vorbei. „Tatsächlich ist die Ausbildung deutlich anspruchsvoller geworden, während die schulischen Voraussetzungen der Bewerber nicht immer Schritt halten“, weiß Catarina Haberstroh. Die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis sieht sich hier in der Pflicht, zu vermitteln. In Kooperation mit beruflichen Schulen wie der Alfons-Kern-Schule in Pforzheim oder der Beruflichen Schule Mühlacker werden Berufsinformationstage organisiert, die zeigen, wie ein digitalgestützter Reifenwechsel oder die CAD-Planung eines Möbelstücks funktioniert. Haberstroh: „Heute ist Handwerk ein faszinierender Spagat zwischen Tradition und Transformation.“

In der Tat ist das Thema Digitalisierung im Pforzheimer Handwerk längst kein Modewort mehr, sondern gelebte Realität. Der Digitalisierungsgrad ist bisweilen höher als in der Industrie, schlicht weil die Technik es erfordert. Catarina Haberstroh: „Wenn ein Druckluftbehälter heute WLAN-fähig sein muss, muss der Handwerker auch die entsprechende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) kennen und anwenden können. Auch beim Thema KI gehen wir als Kreishandwerkerschaft voran und bieten unseren Mitgliedern praxisgerechte KI-Einsteigerkurse. Dabei geht es nicht darum, dass eine KI die Wand streicht, sondern darum, wie ChatGPT und Co. die Verwaltung entlasten können. Lösungen wie automatisierte Angebotserstellung oder KI-gestützte Telefonie, die von bürokratischen Rückfragen entlastet, sind bereits in Anwendung. Das Handwerk ist sehr offen für Fortschritt, solange der Mehrwert erkennbar ist.“
Trotz aller Herausforderungen von Bürokratie bis Fachkräftemangel blickt Kreishandwerkerschaft-Geschäftsführerin Catarina Haberstroh optimistisch in die Zukunft: „Das Handwerk ist das Fundament der Wirtschaft. Ohne Elektriker keine Energiewende, ohne Sanitär-Heizung-Klima-Experten keine Wärmewende und ohne Kfz-Werkstätten keine Elektromobilität.“ Handwerk biete zudem etwas, das in der digitalisierten Welt immer seltener werde: Sinnhaftigkeit. Diese emotionale Komponente, gepaart mit modernster Technik und einer familiären Atmosphäre in den Betrieben, so Haberstroh, mache die Branche krisenfest. Die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis wird hierfür auch künftig die Rolle des Navigators einnehmen. Sie ist das Sprachrohr, das sich dafür einsetzt, dass das Handwerk auch in Zukunft goldenen Boden hat. Ein Teilnehmer des Handwerkerforums im Februar 2026 brachte die Stimmung im Handwerk auf den Punkt: „Wir ziehen hier den Karren. Für die Wirtschaft, für die Region, für die Menschen. Damit wir erfolgreich sein können, brauchen wir von der Politik ein starkes Fundament – und keine neuen Gewichte.“
Mehr über die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis auf
www.kh-pforzheim.de

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