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Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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Kenza Ait Si Abbou: Tanzen auf Algorithmen

Künstliche Intelligenz ist keine Science-Fiction. Kenza Ait Si Abou arbeitet schon seit über 15 Jahren in der IT. Sie ist eine der wenigen weiblichen Expertinnen auf dem Gebiet der Robotik und Künstlichen Intelligenz. Für den Umgang mit KI hat sie einen lockeren Erziehungsratgeber geschrieben. Ihr Buch ist eine Brücke zwischen KI und Laien.
Kenza Ait Si Abbou. Foto: Gräfe und Unzer/Hendrik Gergen

von Tanja Meckler

"Wir müssen nicht plötzlich alle programmieren können– aber wir müssen all unsere Erfahrung einbringen. Damit die Technik den Menschen bestmöglich unterstützen kann."
Kenza Ait Si Abbou

Digitalisierung passiert nicht um des Entwickelns, des Forschens, des Programmierens Willen, sondern um das Leben der Menschen besser zu machen. Ein Tool ohne einen Purpose bleibt ein Tool.

Kenza Ait Si Abbou

Kenza Ait Si Abbou selbst bezeichnet sich als Weltbürgerin. Aufgewachsen ist die heutige KI-Expertin in Afrika, zum Studium ging es nach Europa, gelebt und gearbeitet hat sie unter anderem in China und den USA. Heute ist ihr Zuhause in Berlin.

Insgesamt spricht Kenza Ait Si Abbou sieben Sprachen, sie brennt für Künstliche Intelligenz, Diversität und Networking. Ihr Ziel ist es, unterschiedliche Menschen, mit unterschiedlichen Denkweisen zusammenzubringen und so bestmögliche Lösungen zu finden.

Zu sehen das man bestimmte Problem anders lösen kann oder an Sachen total anders herangehen kann, das macht das Leben um einiges einfacher, weil man dadurch weniger gegen Wände stößt , sondern man findet Auswege und je mehr Möglichkeiten man im Kopf für möglich hält, desto besser der Ausweg„, so Kenza Ait Si Abbou gegenüber Wirtschaftskraft am Telefon.

Für viele Menschen klingt KI wie Magie, sie setzen es mit Science Fiction gleich und haben Angst, weil sie diese neue „Sprache“ nicht verstehen. Dabei ist KI nicht ein Zukunftswort, sondern durchzieht längst unseren Alltag. Kenza Ait Si Abou ist fest davon überzeugt, dass sich jeder mit dem Thema auseinandersetzen sollte und deshalb hat sie ein Buch geschrieben. Es trägt den schwungvollen Namen: „Keine Panik ist nur Technik. Warum man auf Algorithmen super tanzen kann und wie wir ihnen den Takt vorgeben .“ Wenn man so will, ist das Buch ein lockerer Erziehungsratgeber für eine neue Welt, die uns alle etwas angeht.

Das Buch ist für Nicht-Technologen gedacht. Es ist einfach geschrieben, weil ich damit versuchen wollte, die Künstliche Intelligenz, die bisher als eine Art Geheimwort oder Magie gilt, zu erklären. Mein Anliegen war es ein Beitrag zur Aufklärung zu leisten. KI verändert unser ganzes Leben und auch den Arbeitsalltag massiv. Viele Menschen denken ich benutze kein facebook, ich habe damit nichts zu tun. Das stimmt aber gar nicht, alles im Büro verändert sich, wir automatisieren Prozesse, eine KI kann auch Entscheidungen antriggern, Rechnungen schreiben, Buchhaltung wird immer mehr automatisiert genauso wie der Kundenservice. Deshalb bin ich der Meinung, je früher sich die Menschen drauf einstellen und das verstehen, desto besser können sie sich auf die Zukunft vorbereiten.“

In ihrem Buch zeigt Kenza Ait Si Abou auf unterhaltsame Weise die Chancen und Risiken von KI auf. Manchmal schwingt ihre Meinung durch die Zeilen mit, generell überlässt sie diese aber den Lesern. Auf unterhaltsame Weise macht sie Lust auf IT und enthüllt auch so manches Geheimnis. Sie lässt eine fremde, für viele unverständlich Sprache lebendig werden. Themen sind unter anderem selbstfahrende Autos oder auch die Liebe im digitalen Zeitalter.

KI hat für sie nicht nur einen wirtschaftlichen Mehrwert, sondern auch einen gesellschaftlichen. Positiv ausgedrückt, wir stehen vor einer neuen Revolution und durch KI soll das Leben einfacher werden, lästige Arbeit automatisiert werden, damit auf der anderen Seite mehr Zeit für anderes entstehen kann.

Die besten Ideen , so sagt Kenza Ait Si Abou, hat sie beim joggen. Hier hat ihr Gehirn sozusagen Freigang. Corona hat die Digitalisierung beschleunigt, Zoom Konferenzen haben ein absolutes Hoch erlebt. Doch nach einem Jahr Pandemie stellt sich auch die Frage wie sinnvoll ist es acht Stunden am Tag vor dem Rechner zu sitzen und im Halbstundentakt von einem Call in den nächsten zu hüpfen? Beim Telefoninterview mit Wirtschaftskraft berichtet Kenza Ait Si Abou von einer Unternehmenschefin die bewusst einen Schritt zurück gegangen ist und für Freitags ein Zoom Verbot verhängt hat, um ihre Mitarbeiter zu entlasten.

Manchmal kann es gut sein einen Schritt zurück zu gehen, Neues zu adaptieren und dann auch neue Lösungen zu entwickeln, um ein gutes Gleichgewicht herzustellen.

Women in Tech

Kenza Ait Si Abou hat eine Branche gefunden in der sie glücklich ist, eine Branche, die aber auch immer noch sehr männerdominiert ist. Deshalb hat es sich die engagierte Autorin zur Aufgabe gemacht, Frauen sichtbarer zu machen und sie fordert das die IT weiblicher werden soll. Frauen sollten Teil der Gestaltung sein, denn sie bringen eine andere Perspektive mit und stellen immerhin die Hälfte der Bevölkerung dar.

Bei der Telekom hat Kenza Ait Si Abou unter anderem einen Hackathon nur für Frauen initiert. Ein erfolgreiches Projekt, das auch für Aufsehen gesorgt hat.

Für ihr Engagement für mehr Frauen in der IT Branche, wurde Kenza unter anderem mit dem Digital Female Leader Award der #DFLA, einer Initiative von Global Digital Women- ausgezeichnet.

„Wir müssen nicht plötzlich alle programmieren können– aber wir müssen all unsere Erfahrung einbringen. Damit die Technik den Menschen bestmöglich unterstützen kann. Damit Artifical Intelligence Aufgaben übernehmen kann, die uns freier in unserer Zeit- und Zukunftsgestaltung machen. Dies kann umso besser gelingen, je mehr Informationen wir für die Robotik zur Verfügung stellen können. Durch authentische und diverse Teams, die die Vielfalt der Zukunftswünsche und auch –ängste spiegeln.

Digitalisierung, KI und Kindererziehung

Kenza Ait Si Abbou ist nicht nur nur Expertin und Buchautorin, sondern auch Mutter von zwei Kleinkindern. Kinder wachsen heutzutage ganz anders auf, aber viele Eltern trennen immer noch zwischen der analogen und digitalen Welt. Auch hier besteht Handlungsbedarf.

„Regeln die auf dem Spielplatz gelten „Du darfst kein anderes Kind schubsen“ gelten auch digital, nur haben sie dort einen anderen Namen (Cyber bullying). Kinder haben weniger Berührungsängste mit Technik, sie lernen schnell. Deshalb sollten auch anologe und digitale Werte nicht länger getrennt voneinander betrachtet werden“, meint Kenza Ait Si Abbou. Plattformen wie Tiktok sieht die Expertin kritisch, da der Datenschutz fehlt. Verbote helfen allerdings keinem weiter. Eltern alleine könnten diese Aufgabe aber auch nicht meistern. Kenza Ait Si Abou sieht es als eine gemeinschaftliche, gesellschaftliche Verantwortung. Neben Mathe und Deutsch muss ein neues Fach her, eines dass Medienkompetenz auf allen Ebenen vermittelt.

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Foto: Gräfe und Unzer
Foto: Gräfe und Unzer

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