16+ mit Marcus Bartle, geschäftsführender Gesellschafter von ROLAND ELECTRONIC in Keltern

16 Fragen – ein klarer Kurs. Marcus Bartle ist alleiniger Gesellschafter der Roland Electronic GmbH – und führt das Traditionsunternehmen mit Herz, Beständigkeit und dem Blick nach vorn. In unserer Reihe „16+“ zeigt er sich als bodenständiger Unternehmer, der Verantwortung lebt, offen über Rückschläge spricht und Zukunftsthemen mit gesundem Bauchgefühl und Menschlichkeit angeht.
Marcus Bartle, alleiniger Gesellschafter der Roland Electronic GmbH. Foto: Jens Rommel

25.09.2025

Marcus Bartle ist seit Juli 2023 alleiniger Gesellschafter der Roland Electronic GmbH. Schon beim Einstieg 2020 war schnell klar: „Wenn’s passt, dann passt’s.“ Mit Offenheit, Verlässlichkeit und dem Blick für die Menschen im Unternehmen hat er den Generationenwechsel erfolgreich vollzogen – und führt Roland Electronic nun mit Herz, Beständigkeit und Zukunftsorientierung weiter.

1. Was hat Sie ursprünglich dazu inspiriert, Ihren Beruf oder Ihre Karriere zu verfolgen?

Mein Vater ist „Maschinenbauer“ – insofern ist es meiner ausgebliebenen Kreativität geschuldet, dass ich Maschinenbau studiert habe. Ich habe eine Berufsausbildung und ein Studium schon immer lediglich als gute Basis für den Start ins Berufsleben betrachtet – was dann jemand daraus macht, steht auf einem ganz anderen Blatt. Meine Karriere zum Beispiel habe ich nicht „geplant“ – ich habe immer verantwortungsbewusst gehandelt und meinen Job erledigt, und es wurde gesehen, dass ich Verantwortung übernehmen möchte und kann. Beides gehört dazu.

2. Was hätten Sie im Berufsleben gerne früher gewusst?

Dass es zu gegebener Zeit wichtig sein kann, den Sinn des Arbeitslebens zu hinterfragen. Nachdem ich mehr als 15 Jahre in höheren leitenden Positionen immer als „Angestellter“ war, wurde mir irgendwann klar, dass ich so nicht zufrieden bis ans Ende der Lebensarbeitszeit funktionieren kann. So kam ich zur Selbstständigkeit, die mir noch mehr Verantwortung abverlangt, mich aber viel glücklicher macht!

3. Wie gehen Sie mit Rückschlägen oder Misserfolgen um?

Jeder Rückschlag und jede schwierige Phase lassen einen Menschen oder eine Organisation stärker werden, wenn er / sie die richtigen Schlüsse draus zieht. Dass in meinem Berufsleben nicht alles nach Norm lief, ist wie bei anderen Menschen auch – ich habe aber früh gemerkt, dass man aus diesen Situationen was Positives machen kann, und dass nach jedem Misserfolg auch wieder ein Erfolg kommt.

4. Wie treffen Sie wichtige Entscheidungen? Kopf oder Bauch?

Das eine schließt das andere nicht aus. Als ich jüngere Führungskraft war, musste der Kopf oft bemüht werden, was in fortgeschrittenem Alter aufgrund der Erfahrungen, die man gesammelt hat, nicht mehr derart nötig ist. Somit lässt mich mein Bauch-Gefühl in den allermeisten Fällen heute nicht im Stich.

5. Was haben Sie kürzlich zum ersten Mal ausprobiert?

Eine Bilanz-Analyse durch die KI durchführen zu lassen. Das Ergebnis war gut – ich muss aber sagen, dass auch hier die Erfahrung von Menschen und das Lesen zwischen den Zeilen durch nichts zu ersetzen ist. Soll heißen: KI hilft uns, mit wenig Aufwand einen groben Überblick zu diversen Themen zu bekommen – erfahrene Menschen können allerdings Zusammenhänge besser erkennen und bewerten. Daher halte ich es, wie mein Mathematik-Lehrer es immer zu mir gesagt hat: „Du musst das Gehirn jetzt mal auf ON schalten!“

6. Welche Ziele haben Sie sich (beruflich oder privat) für die nächsten Monate gesetzt?

Ich möchte, dass meine Mitarbeitenden weiter zufrieden mit mir als Arbeitgeber sind. In dem Sinne werde ich weiter versuchen, die ROLAND Electronic GmbH sicher durch das aktuell unruhige Fahrwasser zu manövrieren. Wir werden das schaffen, und aufgrund der volatilen Zeiten ist das ein Ziel, über das ich aktuell gar nicht hinausschauen möchte. Dass wir parallel unsere Marktführerschaft durch immer weitere, neue Produkte, die wir in den nächsten Monaten ausrollen werden, ausbauen werden, ist selbstverständlich.

7. Haben Sie eine Morgenroutine und wenn ja, welche ist das?

Meine Morgenroutine besteht in einem Rundgang durchs Unternehmen, bei dem ich sowohl berufliche aber oft auch persönliche Themen mit den Mitarbeitenden bespreche. Das ist der Vorteil einer kleinen Einheit mit 40 Mitarbeitenden – man kann auf jede Person individuell eingehen – eine Leistung, die ein größeres Unternehmen bzw. ein Konzern nicht leisten kann, und die uns täglich stärker werden lässt und synchronisiert die Themen verfolgen lässt.

8. Wenn Zeit, Alter und Geld keine Rolle spielen würden, gäbe es einen Beruf, den Sie gerne noch erlernen würden?

Nein – ehrlich gesagt nicht.

Durch meine Einstellung, dass jede gute Ausbildung oder jedes Studium an sich eine gute Basis für die berufliche Zukunft eines Menschen ist, ist es meist nicht von großen Belangen, welche Richtung man einschlägt. Hauptsache das, was man macht, macht Spaß – und das ist bei mir (meist) der Fall.

9. Welchen Ratschlag würden Sie Ihrem jüngeren Ich geben?

Als jüngerer Mensch will man oft schnell und unmittelbar Ergebnisse sehen, und man will oft mit dem Kopf durch die Wand gehen. Das ist nicht immer sinnvoll und gut, weil man auch das Umfeld oft nicht mitnehmen kann. Der Rat lautet also: „Bleib‘ erstmal cool, und gebe dem einen oder anderen Thema etwas mehr Zeit!“

10. Welchen Menschen bewundern Sie und warum?

Ich bewundere unsere Politiker – egal welche Partei sie vertreten. Denn ich bin immer wieder erstaunt, wie man mit derart wenig Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl gegenüber den Menschen, von denen man gewählt und bezahlt wird, agieren kann, ohne dabei Skrupel zu haben. Arbeitnehmer oder Unternehmer könnten sich ein derartiges Verhalten nicht erlauben.

11. Was waren ihre drei wichtigsten Learnings?

  • Jeder Mensch „kocht mit Wasser“ – auch vermeintliche Genies haben ihre Grenzen
  • Ein „Bitte“ und ein „Danke“ öffnet alle Türen
  • Bereite Dich auf jeden vermeintlich noch so unbedeutenden Termin zumindest ganz kurz vor

12. Womit kann man Ihnen immer eine Freude bereiten?

Mit dem Anblick eines schönen alten Autos aus den 1970er und frühen 1980er Jahren. Und hier sind es tatsächlich die gut erhaltenen Brot-und-Butter-Fahrzeuge, die mir Freude bereiten und nicht die eh schon teuren Autos.

Schließlich ist dies mein Hobby, zu dem 6 dieser alten aber gut erhaltenen Autos gehören.

13. Wie würde sich Ihr Leben verändern, wenn Sie aus finanzieller Sicht nicht mehr arbeiten müssten?

Gar nicht.

Ich komme aus recht einfachen Verhältnissen, und mir wurde schon als Jugendlicher von meinen Eltern beigebracht, dass man sich nur etwas leisten kann, wenn man dafür arbeitet. Das habe ich Zeit meines Lebens so gehalten und kann und möchte es auch nicht mehr ändern. Und dadurch habe ich auch die Chance, mir das zu leisten, was mir auch in der Freizeit Freude bereit. „Zufriedenheit“ ist das Stichwort – und die habe ich jetzt schon.

14. Welche Erfindung ist für Sie die bedeutendste?

Die Erfindung der Mikroelektronik.

Denn diese hat die Erfindung und Funktion des Computers maßgebend beeinflusst, was heutzutage Fluch und Segen für Menschheit ist.

Fluch, weil die Informationsgeschwindigkeit den Menschen extrem (auch negativ) beeinflussen kann – Segen, weil der richtige Umgang mit dieser Technik extreme Vereinfachungen mit sich bringt.

Das Tolle ist, dass meine Generation den Durchbruch dieser Entwicklung miterleben durfte und daher nicht nur weiß, wie man diese Technik anwendet, sondern auch, wie sie seit den Anfängen funktioniert und sich entwickelt hat.

15. Was müsste Ihrer Meinung nach dringend erfunden werden?

Mir fehlt die Vorstellungskraft, eine bedeutende weitere Entwicklung zu nennen, sonst hätte ich das Thema selbst schon verfolgt. Ich bin mit dem aktuellen Stand der entwickelten Produkte und Leistungen durchaus zufrieden.

16. Was hat Sie in Ihrem Job am meisten überrascht?

Dass meist in den zurückhaltenden und ruhigen Menschen viel mehr Potenzial steckt, als sie nach außen zeigen, und – dass man aus jeder Organisation viel Potenzial heben kann, wenn man die Menschen (durch kleine Dinge) motiviert und wertschätzend behandelt.

Und das ist es, was täglich Spaß macht – dieses Potenzial zu heben.

+ Mal angenommen, Sie könnten die ganze Welt erreichen: Welche Botschaft(en) würden Sie den Menschen mitteilen?

Seid Euch doch bitte bewusst, wie gut es den meisten von Euch geht – arbeitet dafür und daran, dass das so bleibt, und neidet keinem anderen Menschen irgendwas – denn dann haben schwerwiegende Konfikte und Kriege keine Chance!

Und zum Thema „Arbeit“ in der westlichen Welt:

Hört doch bitte auf, Arbeit grundsätzlich als was Negatives zu sehen – es kommt darauf an, wie man sie gestaltet – und an der Stelle sind wir gerade in der westlichen Welt zu sehr verwöhnt!

Das Interview führte Tanja Meckler

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