16+ mit Catarina Haberstroh, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis

16 Fragen – eine starke Persönlichkeit. Catarina Haberstroh übernimmt ab 2026 die Geschäftsführung der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis – und bringt frischen Wind, Herzblut und eine klare Vision fürs Handwerk mit. In unserer Reihe „16+“ lernen wir die 31-Jährige von ihrer persönlichen Seite kennen – charmant, klug und überraschend nahbar.
Catarina Haberstroh, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis. Foto: C. Haberstroh

07.07.2025

Sie ist 31 Jahre jung und übernimmt in knapp einem Jahr die Geschäftsführung der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis. Dann wird sie in die Fußstapfen von Matthias Morlock treten. Catarina Haberstroh kennt das Handwerk nicht nur aus der Theorie. Sie kennt die Abläufe, die Sprache, die Zwischentöne. Was sie mitbringt? Ein gutes Gespür für Menschen, einen klaren Blick aufs Wesentliche – und keine Angst davor, auch mal Grenzen zu setzen. Ob bei der Nachwuchswerbung an Schulen, auf Ausbildungsmessen oder im Ehrenamt bei der Maschinen- und Werkzeugbau-Innung: Catarina Haberstroh brennt für das, was sie tut.

Ihr Ziel: Die Kreishandwerkerschaft und ihre Innungen fit für die Zukunft machen – mit Leidenschaft, Haltung und frischen Ideen.

1. Was hat Sie ursprünglich dazu inspiriert, Ihren Beruf oder Ihre Karriere zu verfolgen?

Der Ursprung liegt tatsächlich in der Familie. Ich habe erleben dürfen, wie ein kleines Familienunternehmen größer wurde und mit welchen wachsenden Herausforderungen man im Handwerk konfrontiert wird – vor allem aber, wie schwer es ist, junge Menschen für das Handwerk zu gewinnen. Daraus habe ich eine Passion und Leidenschaft entwickelt – und hier die Möglichkeit, dieser zu folgen. Ich habe nicht nur meinen Beruf, sondern auch meine Berufung gefunden. 😉

2. Was hätten Sie im Berufsleben gerne früher gewusst?

Ich hätte gerne früher gewusst, dass nicht jede Kritik konstruktiv gemeint ist – und dass es leider Menschen gibt, die es nicht immer gut mit einem meinen. Das hat nichts mit mir zu tun, sondern oft mehr mit ihnen. Heute höre ich genau hin – aber ich nehme nicht mehr alles ungefiltert auf.
Ich hätte auch gerne früher gewusst, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, Fragen zu stellen, Grenzen zu setzen oder auch mal „Nein“ zu sagen. Und dass man sich den Kaffee nicht verdienen muss, indem man vorher zehn To-dos abarbeitet.
Karriere ist kein Sprint. Man darf zwischendurch auch mal stehen bleiben, durchatmen – und überlegen, ob man überhaupt noch in die richtige Richtung rennt.

3. Wie gehen Sie mit Rückschlägen oder Misserfolgen um?

„Rückschläge“ und „Misserfolge“ klingt sehr hart – nennen wir es mal Fehler. Damit gehe ich lösungsorientiert um! Aus jedem Fehler hat man die Möglichkeit, etwas zu lernen und es beim nächsten Mal anders oder sogar besser zu machen.

4. Wie treffen Sie wichtige Entscheidungen? Kopf oder Bauch?

Ich treffe Entscheidungen im Zusammenspiel von Bauch und Kopf – aber mit klarer Rollenverteilung: Mein Bauch liefert oft den ersten Impuls, ob sich etwas grundsätzlich richtig oder falsch anfühlt. Danach übernimmt mein Kopf – und der denkt gerne analytisch. Ich betrachte die Optionen, prüfe Risiken, Chancen und vor allem auch: Was bedeutet das für die nächsten Schritte?
Mir ist wichtig, nicht nur eine Entscheidung für den Moment zu treffen, sondern auch zu verstehen, welche Auswirkungen sie haben kann – für mich, das Team oder das Projekt. Intuition zeigt mir die Richtung, der Kopf plant die Route.

5. Was haben Sie kürzlich zum ersten Mal ausprobiert?

Tatsächlich habe ich erst vor Kurzem mein persönliches Soulfood gefunden: selbst eingelegte Oliven. 😄
Das war etwas, das mir bis dahin so gar nicht geschmeckt hatte – aber inzwischen muss es immer im Kühlschrank sein.

6. Welche Ziele haben Sie sich (beruflich oder privat) für die nächsten Monate gesetzt?

Bis jetzt bin ich stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. Nach dem Ausscheiden meines Vorgängers im Frühjahr 2026 bin ich die Geschäftsführerin – da ist noch viel Wissen zu transferieren. Das muss abgerufen werden, und eine saubere Übergabe muss stattfinden. Glauben Sie mir: Das ist noch viel Stoff!
Aber parallel dazu werde ich weiterhin wegweisende Projekte zusammen mit unseren Innungen voranbringen.
Im Privaten möchte ich einfach ein bisschen bewusster mit meiner Zeit umgehen – und ab und zu Dinge tun, die keinen Zweck erfüllen, außer Freude zu bereiten.

7. Haben Sie eine Morgenroutine und wenn ja, welche ist das?

Meine Morgenroutine beginnt meistens damit, dass ich nicht der Hauptcharakter bin – das sind nämlich meine zwei Kater, die sehr deutlich machen, dass sie jetzt sofort Futter brauchen.
Danach gönne ich mir meine persönliche Care Time: kein Snoozen, kein Scrollen – lieber eine große Tasse Tee, ein bisschen Ruhe und gern auch mal eine Runde Dehnen oder einfach in den Tag reinspüren.
Ich bin ein früher Vogel, aber keiner, der sofort loszwitschert – ich brauche meinen sanften Anlauf. Und wenn alles gut läuft, verlasse ich das Haus ausgeglichen, ruhig, mit zwei bis drei Katzenhaaren auf der Kleidung – und einem klaren Kopf. 😄

8. Wenn Zeit, Alter  und Geld keine Rolle spielen würden, gäbe es einen Beruf, den Sie gerne noch erlernen würden?

Ich glaube tatsächlich, ich würde genau das machen, was ich jetzt auch mache.
Mir ist Handwerk wichtig, ich bin in die Handwerkswelt hineingeboren, dort aufgewachsen – ich kann mir nichts anderes vorstellen. Beruf = Berufung

9. Welchen Ratschlag würden Sie Ihrem jüngeren Ich geben?

Ich würde sagen: Es ist okay, dass du gerade nicht reinpasst. Du bist nicht zu viel. Du fühlst nicht zu viel, du denkst nicht zu viel, du willst nicht zu viel – du bist genau richtig, so wie du bist. Du bist nur in der falschen Umgebung. Später wirst du dir Räume schaffen, in denen du nicht weniger sein musst, sondern einfach du selbst sein darfst. Du wirst nicht jedem gefallen – und das ist weder dein Job noch dein Problem. Sei stolz auf die Frau, die du bist!

10. Welchen Menschen bewundern Sie und warum?

Ich bewundere Menschen, die Dinge wirklich anpacken – die mit ihren Händen etwas schaffen, mit klarer Haltung auftreten und sich nicht scheuen, für ihre Überzeugungen einzustehen. Besonders beeindruckt mich, wenn jemand in schwierigen Situationen Ruhe bewahrt, ehrlich bleibt und dennoch empathisch handelt. Menschen, die sagen, was sie denken – ohne laut werden zu müssen. Die Authentizität und Rückgrat zeigen, auch wenn es unbequem wird. Diese Haltung inspiriert mich sehr, weil sie mir immer wieder zeigt, wie wertvoll es ist, sich selbst treu zu bleiben – und mit Klarheit und Herz durch herausfordernde Zeiten zu gehen.

11. Was waren ihre drei wichtigsten Learnings?

  1. Die Schönheit der Selbstannahme entdecken
  2. Gesunde Grenzen setzen – ein Zeichen von Fürsorge
  3. Intuition und Verstand als Team verstehen

12. Womit kann man Ihnen immer eine Freude bereiten?

Womit man mir eine Freude machen kann? Ganz ehrlich: mit einem guten Tee, einer Portion ehrlicher Worte und dem Gefühl, dass jemand wirklich zuhört. Wenn mir dann noch jemand mal spontan einen entspannten Abend ohne Ablenkungen schenkt, bin ich schon mehr als glücklich,

13. Wie würde sich Ihr Leben verändern, wenn Sie aus finanzieller Sicht nicht mehr arbeiten müssten?

Es würde sich gar nicht verändern!
Ich denke, ein Leben ohne eine Aufgabe, die einen Menschen erfüllt, ist nicht meine Welt.
Ich bleibe gerne engagiert und aktiv. Nur beim Urlaub würde ich definitiv eine Schippe drauflegen – schließlich muss man wissen, wie man entspannt, um mit voller Energie durchstarten zu können!

14. Welche Erfindung ist für Sie die bedeutendste?

Ich glaube, das kann ich so gar nicht beantworten.
Aber im Moment – als Bewohnerin einer Dachgeschosswohnung – ist es die Klimaanlage. 😅
Grundsätzlich finde ich aber alles gut, was einem den Alltag erleichtert und keine Zeit frisst. Eine gute Erfindung ist eine, die Freiraum schafft.

15. Was müsste Ihrer Meinung nach dringend erfunden werden?

Ein Computerprogramm oder eine App – auch für Handy und Tablet –, die zu 100 % herausfiltert, was online alles Fake ist und was nicht.
#fürmehrrealitätundwahrheit

16. Was hat Sie in Ihrem Job am meisten überrascht?

Am meisten überrascht hat mich, wie vielfältig und dynamisch mein Job tatsächlich ist.
Man denkt oft, man weiß, was einen erwartet – aber täglich kommen neue Herausforderungen, die Kreativität und Flexibilität erfordern. Das macht den Job spannend – und hält mich immer auf Trab.

+ Mal angenommen, Sie könnten die ganze Welt erreichen: Welche Botschaft(en) würden Sie den Menschen mitteilen?

Sei du selbst – mit all deinen Ecken und Kanten, deinem Mut und deinem Herz.
Denn nur, wenn du ehrlich zu dir bist, kannst du auch ehrlich für andere da sein.
Wir brauchen mehr Menschen, die sich trauen, in die Welt des Handwerks einzutauchen und mit Leidenschaft anzupacken.
Und ganz ehrlich: Ein bisschen mehr Anstand, Gehirn und Vernunft in diesen verrückten Zeiten wäre auch nicht verkehrt – denn am Ende sind wir alle miteinander verbunden.
Ein bisschen Selbstachtung und ein bisschen mehr Zusammenhalt – das ist ein Rezept, um den Herausforderungen des Lebens mit einem Lächeln zu begegnen.

Das Interview führte Tanja Meckler.

Jetzt Newsletter abonnieren und von vielen Vorteilen profitieren!