30.04.2026
Der jüngst von Tesla gemeldete drastische Rückgang des Krankenstands in seinem Brandenburger Werk sorgt für Aufmerksamkeit – und Diskussionen. Nach Angaben des US-Autobauers sei die Quote von knapp 17 Prozent auf unter fünf Prozent gefallen. Welche Maßnahmen zu diesem deutlichen Rückgang geführt haben, ist Gegenstand anhaltender Debatten. Doch wie ordnet sich diese Entwicklung im Vergleich zum industriellen Mittelstand ein?
Eine aktuelle Auswertung der wvib Schwarzwald AG liefert dazu einen belastbaren Referenzrahmen. In den Monaten von September 2025 bis Februar 2026 lag der durchschnittliche Krankenstand bei rund 130 Mitgliedsunternehmen mit insgesamt etwa 40.000 Beschäftigten bei 5,3 Prozent – und damit stabil im niedrigen Bereich.
Ein genauerer Blick zeigt jedoch: Krankenstand ist nicht gleich Krankenstand. Im gewerblichen Bereich, insbesondere in der Produktion mit höherem körperlichen Einsatz, lag die Quote im Schnitt bei 7,2 Prozent. Im kaufmännischen Bereich dagegen lediglich bei 3,1 Prozent. Diese Differenz unterstreicht, wie stark die Art der Tätigkeit die Fehlzeiten beeinflusst.
Gleichzeitig weist der Verband darauf hin, dass nicht alle Unternehmen ihre Daten systematisch nach Tätigkeitsfeldern differenzieren. Die Vergleichbarkeit im Detail bleibt daher eingeschränkt.
Für Heidrun Riehle, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des wvib, greift eine isolierte Betrachtung des Krankenstands ohnehin zu kurz: „Der Krankenstand ist kein eindeutiger Indikator. Er wird von unterschiedlichen, teils gegenläufigen Faktoren beeinflusst – vom Betriebsklima bis zur konjunkturellen Lage.“ Entsprechend schwierig sei es, einzelne Ursachen eindeutig zu identifizieren.
Viele Unternehmen im Verband setzen daher auf ein Bündel an Maßnahmen: betriebliches Gesundheitsmanagement, strukturiertes Eingliederungsmanagement, offene Rückkehrgespräche und eine transparente Unternehmenskultur. Diese Kombination trage maßgeblich dazu bei, die Fehlzeiten langfristig stabil zu halten.
Dass das Thema auch wirtschaftlich relevant ist, betont wvib-Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme. Ihr Kommentar: „Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall wird für bis zu sechs Wochen allein vom Arbeitgeber geleistet. Krankenstände können viel Geld kosten und die Produktivität senken, weil sie die Belastung von gesunden Kolleginnen und Kollegen erhöhen. Die Diskussionen um einen einzelnen Karenztag – für den im Krankheitsfall noch keine Lohnfortzahlung erfolgt – als eine Form der Selbstbeteiligung sind durchaus sinnvoll. Was pikant klingt, wäre im internationalen Vergleich nicht ungewöhnlich.“
pm/tm
30.04.2026
Der jüngst von Tesla gemeldete drastische Rückgang des Krankenstands in seinem Brandenburger Werk sorgt für Aufmerksamkeit – und Diskussionen. Nach Angaben des US-Autobauers sei die Quote von knapp 17 Prozent auf unter fünf Prozent gefallen. Welche Maßnahmen zu diesem deutlichen Rückgang geführt haben, ist Gegenstand anhaltender Debatten. Doch wie ordnet sich diese Entwicklung im Vergleich zum industriellen Mittelstand ein?
Eine aktuelle Auswertung der wvib Schwarzwald AG liefert dazu einen belastbaren Referenzrahmen. In den Monaten von September 2025 bis Februar 2026 lag der durchschnittliche Krankenstand bei rund 130 Mitgliedsunternehmen mit insgesamt etwa 40.000 Beschäftigten bei 5,3 Prozent – und damit stabil im niedrigen Bereich.
Ein genauerer Blick zeigt jedoch: Krankenstand ist nicht gleich Krankenstand. Im gewerblichen Bereich, insbesondere in der Produktion mit höherem körperlichen Einsatz, lag die Quote im Schnitt bei 7,2 Prozent. Im kaufmännischen Bereich dagegen lediglich bei 3,1 Prozent. Diese Differenz unterstreicht, wie stark die Art der Tätigkeit die Fehlzeiten beeinflusst.
Gleichzeitig weist der Verband darauf hin, dass nicht alle Unternehmen ihre Daten systematisch nach Tätigkeitsfeldern differenzieren. Die Vergleichbarkeit im Detail bleibt daher eingeschränkt.
Für Heidrun Riehle, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des wvib, greift eine isolierte Betrachtung des Krankenstands ohnehin zu kurz: „Der Krankenstand ist kein eindeutiger Indikator. Er wird von unterschiedlichen, teils gegenläufigen Faktoren beeinflusst – vom Betriebsklima bis zur konjunkturellen Lage.“ Entsprechend schwierig sei es, einzelne Ursachen eindeutig zu identifizieren.
Viele Unternehmen im Verband setzen daher auf ein Bündel an Maßnahmen: betriebliches Gesundheitsmanagement, strukturiertes Eingliederungsmanagement, offene Rückkehrgespräche und eine transparente Unternehmenskultur. Diese Kombination trage maßgeblich dazu bei, die Fehlzeiten langfristig stabil zu halten.
Dass das Thema auch wirtschaftlich relevant ist, betont wvib-Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme. Ihr Kommentar: „Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall wird für bis zu sechs Wochen allein vom Arbeitgeber geleistet. Krankenstände können viel Geld kosten und die Produktivität senken, weil sie die Belastung von gesunden Kolleginnen und Kollegen erhöhen. Die Diskussionen um einen einzelnen Karenztag – für den im Krankheitsfall noch keine Lohnfortzahlung erfolgt – als eine Form der Selbstbeteiligung sind durchaus sinnvoll. Was pikant klingt, wäre im internationalen Vergleich nicht ungewöhnlich.“
pm/tm
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