30.04.2026
Trotz Konjunkturflaute liegt der Anteil an Stellenanzeigen mit Remote-Option weiterhin bei rund 20 Prozent – und damit auf dem Niveau der Vorjahre. Was einst ein pandemiebedingtes Provisorium war, hat sich fest im Arbeitsmarkt verankert. Allerdings zeigt sich: Von dieser Entwicklung profitieren längst nicht alle Beschäftigten gleichermaßen.
Die Zahlen des Jobmonitors der Bertelsmann Stiftung, der 79 Millionen Online-Stellenanzeigen ausgewertet hat, zeichnen ein klares Bild: Der Homeoffice-Anteil ist seit dem Ende der Corona-Krise nicht zurückgegangen. Vor 2020 lag er noch bei mageren 3,7 Prozent, bis 2022 stieg er auf 16,8 Prozent. Seit 2024 pendelt er sich bei etwa 20 Prozent ein – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
„Wer geglaubt hat, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle wieder ins Büro zurückkehren müssen, hat sich getäuscht. Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben“, sagt Gunvald Herdin, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung. Die Konjunkturschwäche hat diesem Trend nichts anhaben können, erklärt Herdin zum Tag der Arbeit.
Doch der Boom hat eine Schlagseite. Besonders häufig finden sich Homeoffice-Angebote in männerdominierten Branchen – allen voran in der IT. Unter den zehn Berufen mit der höchsten Remote-Quote stammen sieben aus dem Software- und IT-Bereich. Spitzenreiter sind etwa IT-Anwendungsberater:innen, bei denen 69 Prozent der Stellen Homeoffice ermöglichen.
Ganz anders sieht es in frauendominierten Berufen aus. Hier liegt der Anteil bei lediglich 13 Prozent – gegenüber 22 Prozent in männerdominierten Tätigkeiten. Besonders deutlich wird die Lücke bei hochqualifizierten Jobs: Während knapp 46 Prozent der männerdominierten akademischen Berufe Homeoffice bieten, sind es bei den weiblich geprägten Pendants nur 22 Prozent.
„Homeoffice ist ein wichtiges Vereinbarkeitsinstrument. Gerade für Eltern und Pflegende ist ortsflexibles Arbeiten oft entscheidend“, sagt Michaela Hermann, ebenfalls Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung. „Aber weder der Gender Care Gap noch der Gender Pay Gap verschwinden deshalb automatisch.“
Das Problem liegt strukturell tiefer: Viele Berufe mit hohem Frauenanteil – etwa in Pflege, Erziehung oder Gesundheit – lassen sich schwer ins Homeoffice verlagern. Doch genau hier sehen Expert:innen Handlungsbedarf. Es gehe darum, auch in diesen Bereichen mehr Flexibilität und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.
Zugleich warnen sie vor Fehlentwicklungen. „Wer allerdings Homeoffice mit ständiger Verfügbarkeit oder der Verpflichtung zu Überstunden verwechselt, lässt das gleichstellungspolitische Potenzial von Homeoffice ungenutzt“, sagt Hermann.
Auch regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In Großstädten liegt der Anteil an Homeoffice-Angeboten bei über 28 Prozent, während ländliche Regionen deutlich hinterherhinken. An der Spitze steht Stuttgart mit einer Quote von 38 Prozent, gefolgt von Düsseldorf (37 Prozent) und Frankfurt am Main (36 Prozent).
pm/tm
30.04.2026
„Wer geglaubt hat, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle wieder ins Büro zurückkehren müssen, hat sich getäuscht. Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben."
Trotz Konjunkturflaute liegt der Anteil an Stellenanzeigen mit Remote-Option weiterhin bei rund 20 Prozent – und damit auf dem Niveau der Vorjahre. Was einst ein pandemiebedingtes Provisorium war, hat sich fest im Arbeitsmarkt verankert. Allerdings zeigt sich: Von dieser Entwicklung profitieren längst nicht alle Beschäftigten gleichermaßen.
Die Zahlen des Jobmonitors der Bertelsmann Stiftung, der 79 Millionen Online-Stellenanzeigen ausgewertet hat, zeichnen ein klares Bild: Der Homeoffice-Anteil ist seit dem Ende der Corona-Krise nicht zurückgegangen. Vor 2020 lag er noch bei mageren 3,7 Prozent, bis 2022 stieg er auf 16,8 Prozent. Seit 2024 pendelt er sich bei etwa 20 Prozent ein – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
„Wer geglaubt hat, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle wieder ins Büro zurückkehren müssen, hat sich getäuscht. Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben“, sagt Gunvald Herdin, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung. Die Konjunkturschwäche hat diesem Trend nichts anhaben können, erklärt Herdin zum Tag der Arbeit.
Doch der Boom hat eine Schlagseite. Besonders häufig finden sich Homeoffice-Angebote in männerdominierten Branchen – allen voran in der IT. Unter den zehn Berufen mit der höchsten Remote-Quote stammen sieben aus dem Software- und IT-Bereich. Spitzenreiter sind etwa IT-Anwendungsberater:innen, bei denen 69 Prozent der Stellen Homeoffice ermöglichen.
Ganz anders sieht es in frauendominierten Berufen aus. Hier liegt der Anteil bei lediglich 13 Prozent – gegenüber 22 Prozent in männerdominierten Tätigkeiten. Besonders deutlich wird die Lücke bei hochqualifizierten Jobs: Während knapp 46 Prozent der männerdominierten akademischen Berufe Homeoffice bieten, sind es bei den weiblich geprägten Pendants nur 22 Prozent.
„Homeoffice ist ein wichtiges Vereinbarkeitsinstrument. Gerade für Eltern und Pflegende ist ortsflexibles Arbeiten oft entscheidend“, sagt Michaela Hermann, ebenfalls Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung. „Aber weder der Gender Care Gap noch der Gender Pay Gap verschwinden deshalb automatisch.“
Das Problem liegt strukturell tiefer: Viele Berufe mit hohem Frauenanteil – etwa in Pflege, Erziehung oder Gesundheit – lassen sich schwer ins Homeoffice verlagern. Doch genau hier sehen Expert:innen Handlungsbedarf. Es gehe darum, auch in diesen Bereichen mehr Flexibilität und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.
Zugleich warnen sie vor Fehlentwicklungen. „Wer allerdings Homeoffice mit ständiger Verfügbarkeit oder der Verpflichtung zu Überstunden verwechselt, lässt das gleichstellungspolitische Potenzial von Homeoffice ungenutzt“, sagt Hermann.
Auch regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In Großstädten liegt der Anteil an Homeoffice-Angeboten bei über 28 Prozent, während ländliche Regionen deutlich hinterherhinken. An der Spitze steht Stuttgart mit einer Quote von 38 Prozent, gefolgt von Düsseldorf (37 Prozent) und Frankfurt am Main (36 Prozent).
pm/tm
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