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Inhorgenta Munich abgesagt: Europas führende Plattform für Schmuck, Uhren und Edelsteine erst wieder 2022

Aufgrund der anhaltenden Reise- und Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der weltweiten Corona-Pandemie hat sich die Messe München in einem längeren Prozess entschieden, 2021 die Inhorgenta, das führende europäische Event für die Schmuck- und Uhrenbranche, auszusetzen. WirtschaftsKRAFT beleuchtet die Hintergründe und spricht mit dem Branchenverband BVSU.
©GerdLache

Von Gerd Lache | 16.02.2021

Gerade in diesen fordernden Zeiten ist es umso wichtiger, der Branche eine Perspektive zu bieten.
Elena Jasper, Projektleiterin der Inhorgenta

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und diese ist nun auch tot. Nachdem die Messe München verschiedene Szenarien und Alternativtermine durchgespielt hatte – in der Hoffnung, mit der Inhorgenta 2021 doch noch eine Präsenzveranstaltung für die Schmuck- und Uhrenbranche und ihre verwandten Industrien auf die Beine zu stellen –, ist jetzt die Entscheidung zur Absage aus der bayrischen Messemetropole bekannt gegeben worden. Vom ursprünglichen Termin Februar war die Inhorgenta zunächst auf April verlegt worden, danach wurden Optionen für Juni, Juli und September diskutiert (WirtschaftsKRAFT hat berichtet).

Die Absage sei nach eingehender Beratung mit dem Fachbeirat sowie Ausstellern, Besuchern und Partnern der Inhorgenta erfolgt. „Der Fokus liegt nun auf der Vorbereitung einer erfolgreichen Inhorgenta Munich 2022“, heißt es weiter. Diese ist traditionell auf den Monat Februar terminiert, konkret: 11.-14.02.2022.

Auch Pforzheimer Unternehmen wie Trauring-Gerstner sind traditionell als Aussteller auf der Inhorgenta Munich. ©MesseMünchen

 Wie steht der Sprecher des in Pforzheim ansässigen Bundesverbandes Schmuck + Uhren (BVSU) zu der Entscheidung – immerhin sind zahlreiche Unternehmen der Branche in der Region um Pforzheim und den Enzkreis von der Absage betroffen? „Bitter, aber aus Sicht der Messe absolut verständlich“, sagt BVSU-Hauptgeschäftsführer Guido Grohmann auf Anfrage von WirtschaftsKRAFT. Er ist Mitglied im Fachbeirat der Messe, in dem eine große Bandbreite der Branche vertreten ist.

Aus Sorge um die Premium-Marke „Inhorgenta“

In der jüngsten Sitzung des Fachbeirats am 11. Februar habe es einerseits zwar Teilnehmer gegeben, die gerne eine der Termin-Optionen für 2021 umgesetzt hätten. Aber es seien andererseits „deutliche Stimmen“ zu hören gewesen, die sagten, dass eine Messe mit weniger Ausstellern und weniger Besuchern „nicht wirklich Sinn macht“. Auch hätten Aussteller die Sorge geäußert, dass die Premium-Marke Inhorgenta möglicherweise Schaden nehme, wenn eine kleine A- oder B-Lösung durchgeführt werde. Unter anderem auch deshalb hätten sich nicht wenige Aussteller für eine Absage der Inhorgenta ausgesprochen.

Digital-Messe als Alternative?

Wäre eine Digital-Inhorgenta keine Lösung gewesen? Grohmann bekräftigte seine Meinung: „Rein digital wird keine Schmuckmesse funktionieren.“ Beispielsweise deshalb nicht: Ein Juwelier oder Schmuckeinkäufer wolle einen Diamant oder eine Goldkette, die er in mehrfacher Stückzahl kaufen wolle, vorher prüfend unter die Lupe nehmen. Und das würde er entweder beim Hersteller in dessen Räumen vornehmen oder wenn ihn der Vertreter besucht oder er macht dies auf einer Präsenzmesse. „Aber er macht es mit Sicherheit nicht anhand eines Fotos oder einer Video-Präsentation.“ Aber: „Als ergänzendes Geschäftsmodell kann das sehr wohl funktionieren. Als Ersatz für eine Messe auf keinen Fall“, macht der Verbandshauptgeschäftsführer deutlich.

Inhorgenta Trendfactory im Herbst 2021

Ist aber nicht gerade die digitale Inhorgenta Trendfactory im vergangenen Jahr mit gutem Erfolg durchgeführt worden? Ja, meint Grohmann, „aber nicht als Alternative zu einer Messe im Sinne von wir verkaufen Produkte“. Vielmehr sei es eine Art klassische Themenkonferenz mit tollen Sprechern gewesen. Bleibe abzuwarten, ob und wie die Wiederholung dieser Veranstaltung „thematisch noch etwas aufgebohrt wird“.

Jedenfalls zeigt sich die Messe München fest entschlossen, die digitale Inhorgenta Trendfactory weiter auszubauen, wie Projektleiterin Elena Jasper bekräftigt. Die Veranstaltung diene den Unternehmen als ganzjährige Gelegenheiten zur Produkt- und Markenpräsentation sowie zum Austausch. Jasper: „Gerade in diesen fordernden Zeiten ist es umso wichtiger, der Branche eine Perspektive zu bieten. Dafür sorgen wir mit maßgeschneiderten Angeboten, die das wachsende Bedürfnis nach Orientierung, Networking und Wissenstransfer erfüllen.“ Der nächste Trendfactory-Termin ist für Herbst 2021 vorgesehen.

Erst wieder im Februar 2022 soll eine Inhorgenta in München stattfinden. ©MesseMünchen

Erhebliche Risiken durch mutierten Virus

Im Übrigen begründet Messechef Klaus Dittrich die Absage der Präsenz-Inhorgenta wie folgt: „Leider haben die Entwicklungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie nicht den erhofften Lauf genommen. Es bestehen immer noch weitreichende internationale Reise- und Kontaktbeschränkungen. Die Verbreitung des mutierten Virus birgt zudem erhebliche Risiken für den zukünftigen Verlauf des Infektionsgeschehens. Selbst wenn im ersten Halbjahr aufgrund der örtlichen Situation in München die Durchführung einer Präsenzmesse möglich sein sollte, könnte die Inhorgenta Munich ihrem Anspruch als internationale Leitveranstaltung auf Erfolgskurs gegenüber ihren Kunden unter diesen Voraussetzungen leider nicht gerecht werden.“

www.inhorgenta.com

Zum Thema siehe auch den Beitrag auf WirtschaftsKRAFT „Corona verhagelt der Messe München den Umsatz 70 Prozent unter Plan – 170 Arbeitsplätze fallen weg – Digitalisierung als Hoffnungsträger“:

https://wirtschaftskraft.de/artikel/corona-verhagelt-der-messe-muenchen-den-umsatz-70-prozent-unter-plan-170-arbeitsplaetze-fallen-weg-digitalisierung-als-hoffnungstraeger

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