20.05.2026
von Claudia Keller
Vier Referenten haben einen umfassenden Einblick zur Umsetzung der EU-Vorgaben in Betrieben gegeben.
Der WSP-Personaldialog ist eine Veranstaltungsreihe des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP), die vor allem Personalverantwortliche aus Unternehmen der Region anspricht. Neben fachlichen Impulsen zu verschiedenen Themen steht auch der Austausch untereinander im Mittelpunkt. Markus Epple, WSP Geschäftsbereichsleiter Wirtschaftsförderung, freute sich bei der Begrüßung über rund 80 Interessierte, die sich zur Veranstaltung „Zukunftsfähige Vergütungssysteme – Transparenz, Fairness, Struktur“ im CongressCentrum Pforzheim (CCP) angemeldet hatten.
Zum Auftakt lenkte Johanna Jüngling, Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf Nordschwarzwald, den Blick auf den Gender-Pay-Gap. „Ungleichbehandlungen sollte es in modernen Organisationen nicht geben und trotzdem sprechen wir seit Jahren über den Gender-Pay-Gap“, sagte sie. „Er entsteht nicht an einer einzelnen Entscheidung, er entsteht über die Zeit anhand vieler kleiner Bewertungen und Weichenstellungen.“ Moderne Ungleichheit geschehe heutzutage nicht mehr durch offene Benachteiligung, sondern innerhalb von Systemen, die sich selbst für objektiv halten. „Die Entscheidungspsychologie zeigt uns, Menschen urteilen nicht komplett neutral“, sagte Jüngling. „Wir arbeiten mit Erwartung, Erfahrung und mentalen Vereinfachungen.“ Das Entgelttransparenzgesetzt schaffe nicht automatisch Gerechtigkeit, sondern vielmehr Sichtbarkeit, damit Unterschiede überhaupt wahrgenommen und hinterfragt werden können.
Professor Carsten Weber von der Hochschule Pforzheim erklärte, dass die EU-Entgelttransparenzrichtlinie eigentlich bis zum 7. Juni 2026 in deutsches Recht umgesetzt werden müsse. Allerdings gebe es noch keinen entsprechenden Referentenentwurf. Bei einer Klage müsste das Gericht auf Basis der EU-Richtlinie entscheiden. Auch wenn durch das Entgelttransparenzgesetz hohe Implementierungs- und Verwaltungskosten auf die Unternehmen zukommen, denen kein direkter Nutzen entgegenstehe, sah er auch positive Wirkungen. „Wenn die Systeme fair gebaut sind, kann Transparenz zu höherer Motivation, Performance, Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität führen“, hob er hervor. Die Offenlegung eines niedrigen Gender-Pay-Gap könne außerdem Frauen zur Bewerbung motivieren.
„Es geht um die gerechte Bezahlung für gleichwertige Arbeit“, betonte Isabel Meister, Geschäftsführerin von Meister Digital GmbH. Sie legte den Zuhörern dar, wie Unternehmen die Vorgaben ganz praktisch umsetzen können. Dafür empfahl sie zunächst eine Projektgruppe zu starten, um alle Funktionen in einem Unternehmen zu erfassen. Für jede Position werden dann Kompetenz, Verantwortung, Arbeitsbedingungen und Belastung in einem mehrstufigen System bewertet und entsprechende Gehaltsbänder festgelegt. Dadurch werde in vielen Unternehmen erstmals sichtbar, was vergleichbare Tätigkeiten sind. Meister empfahl von Anfang an, den Betriebsrat mit einzubeziehen.

„Menschen vergleichen nicht Zahlen, sie vergleichen Gerechtigkeit“, wies Karin Bacher, Geschäftsführerin von Karin Bacher Consultants & Coaching e.K. hin. Sie hob hervor, dass ohne entsprechende Kommunikation Misstrauen entstehe. Typische Fehler in Unternehmen seien die zu späte Kommunikation, die Weitergabe von Fakten ohne Erklärung, mangelnde Vorbereitung der Führungskräfte und das Ignorieren von Emotionen. „Transparenz alleine reicht nicht“, sagte Bacher. „Es ist entscheidend, dass die Logik hinter den Gehältern transparent gemacht wird und Entwicklungsperspektiven aufgezeigt werden.“ Im Anschluss an die Vorträge nutzen die Besucher bei einem kleinen Imbiss die Gelegenheit, untereinander und mit den Referenten ins persönliche Gespräch zu kommen.
20.05.2026
von Claudia Keller
Vier Referenten haben einen umfassenden Einblick zur Umsetzung der EU-Vorgaben in Betrieben gegeben.
Der WSP-Personaldialog ist eine Veranstaltungsreihe des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP), die vor allem Personalverantwortliche aus Unternehmen der Region anspricht. Neben fachlichen Impulsen zu verschiedenen Themen steht auch der Austausch untereinander im Mittelpunkt. Markus Epple, WSP Geschäftsbereichsleiter Wirtschaftsförderung, freute sich bei der Begrüßung über rund 80 Interessierte, die sich zur Veranstaltung „Zukunftsfähige Vergütungssysteme – Transparenz, Fairness, Struktur“ im CongressCentrum Pforzheim (CCP) angemeldet hatten.
Zum Auftakt lenkte Johanna Jüngling, Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf Nordschwarzwald, den Blick auf den Gender-Pay-Gap. „Ungleichbehandlungen sollte es in modernen Organisationen nicht geben und trotzdem sprechen wir seit Jahren über den Gender-Pay-Gap“, sagte sie. „Er entsteht nicht an einer einzelnen Entscheidung, er entsteht über die Zeit anhand vieler kleiner Bewertungen und Weichenstellungen.“ Moderne Ungleichheit geschehe heutzutage nicht mehr durch offene Benachteiligung, sondern innerhalb von Systemen, die sich selbst für objektiv halten. „Die Entscheidungspsychologie zeigt uns, Menschen urteilen nicht komplett neutral“, sagte Jüngling. „Wir arbeiten mit Erwartung, Erfahrung und mentalen Vereinfachungen.“ Das Entgelttransparenzgesetzt schaffe nicht automatisch Gerechtigkeit, sondern vielmehr Sichtbarkeit, damit Unterschiede überhaupt wahrgenommen und hinterfragt werden können.
Professor Carsten Weber von der Hochschule Pforzheim erklärte, dass die EU-Entgelttransparenzrichtlinie eigentlich bis zum 7. Juni 2026 in deutsches Recht umgesetzt werden müsse. Allerdings gebe es noch keinen entsprechenden Referentenentwurf. Bei einer Klage müsste das Gericht auf Basis der EU-Richtlinie entscheiden. Auch wenn durch das Entgelttransparenzgesetz hohe Implementierungs- und Verwaltungskosten auf die Unternehmen zukommen, denen kein direkter Nutzen entgegenstehe, sah er auch positive Wirkungen. „Wenn die Systeme fair gebaut sind, kann Transparenz zu höherer Motivation, Performance, Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität führen“, hob er hervor. Die Offenlegung eines niedrigen Gender-Pay-Gap könne außerdem Frauen zur Bewerbung motivieren.
„Es geht um die gerechte Bezahlung für gleichwertige Arbeit“, betonte Isabel Meister, Geschäftsführerin von Meister Digital GmbH. Sie legte den Zuhörern dar, wie Unternehmen die Vorgaben ganz praktisch umsetzen können. Dafür empfahl sie zunächst eine Projektgruppe zu starten, um alle Funktionen in einem Unternehmen zu erfassen. Für jede Position werden dann Kompetenz, Verantwortung, Arbeitsbedingungen und Belastung in einem mehrstufigen System bewertet und entsprechende Gehaltsbänder festgelegt. Dadurch werde in vielen Unternehmen erstmals sichtbar, was vergleichbare Tätigkeiten sind. Meister empfahl von Anfang an, den Betriebsrat mit einzubeziehen.

„Menschen vergleichen nicht Zahlen, sie vergleichen Gerechtigkeit“, wies Karin Bacher, Geschäftsführerin von Karin Bacher Consultants & Coaching e.K. hin. Sie hob hervor, dass ohne entsprechende Kommunikation Misstrauen entstehe. Typische Fehler in Unternehmen seien die zu späte Kommunikation, die Weitergabe von Fakten ohne Erklärung, mangelnde Vorbereitung der Führungskräfte und das Ignorieren von Emotionen. „Transparenz alleine reicht nicht“, sagte Bacher. „Es ist entscheidend, dass die Logik hinter den Gehältern transparent gemacht wird und Entwicklungsperspektiven aufgezeigt werden.“ Im Anschluss an die Vorträge nutzen die Besucher bei einem kleinen Imbiss die Gelegenheit, untereinander und mit den Referenten ins persönliche Gespräch zu kommen.