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Hightech-Unternehmen Ziehl-Abegg erwartet für 2021 Umsatzzuwachs – Aber: „Keiner weiß, ob nächste Woche wieder eine Talfahrt beginnt“

Grenzschließungen, Materialabriss, Umsatzeinbruch und Auftragsanstieg im wilden Wechsel: „Das Jahr 2020 glich einer Achterbahnfahrt“, sagt Peter Fenkl, Vorstandsvorsitzender Elektromotoren- und Ventilatorenherstellers Ziehl-Abegg.
Hausfarbe Blau und ein Ventilator als Markenzeichen – das Hightech-Unternehmen Ziehl-Abegg mit Hauptsitz in Künzelsau. ©Ziehl-Abegg

Von Gerd Lache | 19.04.2021

Der Vorstandsvorsitzende von einem der international führenden Unternehmen im Bereich der Luft-, Regel und Antriebstechnik gibt für das Jahr 2020 einen Umsatz von 639 (2019: 633) Millionen Euro bekannt, eine Steigerung von 1 Prozent. Für das laufende Jahr sieht Fenkl aufgrund der  bisherigen Entwicklung „einen guten Umsatzzuwachs“.

Ziehl-Abegg mit Sitz im baden-württembergischen Künzelsau hat eigenen Angaben zufolge eine hohe Fertigungstiefe. Dies bedeute „eine enorme Anstrengung: für die komplette Organisation und besonders für alle Beschäftigten“. Allerdings habe das Unternehmen einen großen Vorteil: „Wir haben in der Krise weltweit mehrere große Bauvorhaben gestartet und in Maschinen investiert – so ist Ziehl-Abegg nun in der Lage, das Wachstum abzufangen“, macht Fenkl in einer Unternehmensmitteilung deutlich.

Allerdings werde die Produktion, ebenso wie der Vertrieb, durch die Corona-Regelungen deutlich behindert. Hinzu komme eine globale Verknappung von Bauteilen. Und über allem schwebe das Damoklesschwert der Pandemie – „keiner weiß, ob nächste Woche wieder eine Talfahrt beginnt“.

Will den Personalstand von Ziehl-Abegg aufstocken: Vorstandsvorsitzender Peter Fenkl. ©Ziehl-Abegg

Das Unternehmen war dem Vorstandsvorsitzenden zufolge eines der ersten, das auf den Ausbruch der Pandemie reagieren musste: Der Hohenlohekreis, in dem sich die drei deutschen Produktionswerke und der Firmensitz befänden, sei in der ersten Corona-Welle einer der drei deutschen Corona-Hotspots gewesen. Der Grund laut Fenkl: Mehrere öffentliche Veranstaltungen hatten die Verbreitung des Virus rasant beschleunigt. „Wir haben als eines der ersten deutschen Unternehmen eine Reisewarnung von und nach China und kurz darauf auch nach Italien ausgesprochen.“

Von den ursprünglichen Umsatzplänen hatte sich Ziehl-Abegg 2020 rasch verabschieden müssen, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Und weiter: „Dass es in Teilen, etwa im Bereich Antriebstechnik für Aufzüge, schon im Frühsommer zu einer sehr guten Umsatzentwicklung kam, hat den Einbruch bei der Lufttechnik nicht kompensiert. Die Lufttechnik startete erst im vierten Quartal zu einer Aufholjagd, so dass Ziehl-Abegg letztlich doch noch ein geringes Wachstum beim Jahresumsatz erreichen konnte.“

Ahmed Hamdi Hamodi fertigt bei Ziehl-Abegg einen EC-Ventilator im Werk Kupferzell. ©Ziehl-Abegg

Der Vorstandsvorsitzende lobte den „unermüdlichen Einsatz unserer Kolleginnen und Kolleginnen“, denen die positiven Zahlen im Jahresendspurt  zuzuschreiben seien. Sie hätten „in Deutschland und weltweit einen sehr guten Job gemacht“.

Die Beschäftigtenzahl gibt Ziehl-Abegg für 2020 mit konstant 2.400 Mitarbeitenden am Standort Deutschland an. Global seien insgesamt 4.300 Menschen beschäftigt. Das Unternehmen will jedoch den Personalstand erhöhen, wie Fenkl sagt: „Derzeit suchen wir händeringend nach Mitarbeitenden, die an unseren drei Standorten in Deutschland in der Produktion mit anpacken.“


VIDEO: Made in Südwest- TV-Portrait über Ziehl-Abegg. ©SWR-Fernsehen

Ziehl-Abegg über Ziehl-Abegg

Mit Firmensitz in Künzelsau gehört Ziehl-Abegg zu den international führenden Unternehmen im Bereich der Luft-, Regel und Antriebstechnik. Beispiele für Einsatzgebiete der Produkte sind Wärme- und Kälteanlagen oder Reinraum- und Agraranlagen. Bereits in den fünfziger Jahren wurde die Basis für moderne Ventilatorenantriebe geschaffen: Außenläufermotoren, die noch heute weltweit Stand der Technik sind. Ein weiterer Bereich sind elektrische Motoren, die beispielsweise in Aufzügen, medizinischen Anwendungen (Computertomographen) oder Tiefsee-Unterwasserfahrzeugen für Antrieb sorgen. Das Thema Elektromobilität im Straßenverkehr wurde 2012 bei Ziehl-Abegg Automotive angesiedelt.

Das High-Tech-Unternehmen besticht eigenen Angaben zufolge durch eine hohe Innovationskraft. Ziehl-Abegg (alle Angaben sind bezogen auf das Jahr 2020) beschäftigt 2.400 Mitarbeitende in Süddeutschland. Weltweit sind im Unternehmen 4.300 Beschäftigte tätig. Diese verteilen sich global auf 16 Produktionswerke, 29 Gesellschaften und 107 Vertriebsstandorte. Die rund 30.000 Artikel werden in mehr als 100 Ländern verkauft.  Der Umsatz liegt bei 639 Mio. Euro. Etwa 80 Prozent davon werden im Export erzielt.

Emil Ziehl hat die Firma 1910 in Berlin als Hersteller von Elektromotoren gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Firmensitz nach Süddeutschland verlegt. Die Ziehl-Abegg SE (SE steht für eine europäische Aktiengesellschaft) ist nicht börsennotiert und befindet sich in Familienbesitz.

www.ziehl-abegg.de

Die Mess- und Prüfkammer des Herstellers im Bereich  Luft-, Regel und Antriebstechnik. ©Ziehl-Abegg

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