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Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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stiegele büro + objekt GmbH & Co. KG

Einer der 50 besten Büroeinrichter Deutschlands hat seinen Sitz in Pforzheim-Brötzingen. Der Firmenslogan „… mehr Lust aufs Büro“ hat mehr als 25 Jahre auf dem Buckel, ist jetzt aber gerade wieder brandaktuell, denn die Kernfrage lautet: Hat das Büro seine Daseinsberechtigung verloren? Im Interview spricht der Pforzheimer Büroexperte Florian Wahlefeld außerdem über typische Einrichtungsfehler, Spartipps und Trends für 2022.
Das inhabergeführte Familienunternehmen stiegele büro + objekt GmbH & Co. KG gehört zu den 50 besten Büroeinrichtern Deutschlands. Foto: Studio Gieske

von Tanja Meckler

„Neuer Chef, neue Struktur – alle Wände raus, alle in einen Raum – und fertig ist das neue open space Büro? Das geht schief.“

Florian Wahlefeld, Geschäftsführer stiegele büro+ objekt GmbH & Co. KG

Office-Kultur: Hat das Büro seine Daseinsberechtigung verloren?

In den letzten 20 Jahren hat stiegele das komplette Klavier in Sachen Büroeinrichtung von links nach rechts bespielt: von ganz klassisch bis hin zu völlig ausgeflippt war alles dabei, sagt Geschäftsführer Florian Wahlefeld. Das Ziel sei allerdings immer das Gleiche gewesen, Räume zu schaffen, in denen Arbeiten Spaß macht. Für die innovative Gestaltung von Bürolandschaften wurde das Team jüngst auch für den internationalen Architektenpreis „Best Workspaces 2022“ nominiert, dazu später mehr.

Seit mehr als 70 Jahren plant, betreut und realisiert stiegele anspruchsvolle Bürolösungen und innovative Arbeitswelten im Großraum Pforzheim. Großkunden mit mehreren Standorten werden auch deutschlandweit betreut. Das zehnköpfige Team scheut dabei keine ungewöhnlichen Wege. Rund, eckig, blassblau kariert – möglich ist vieles, das Wichtigste allerdings sei, dass es zum Unternehmen passe.

Die neue Art zu arbeiten

Der Firmenslogan „… mehr Lust aufs Büro“ hat mehr als 25 Jahre auf dem Buckel, ist jetzt aber gerade wieder brandaktuell, denn letztendlich dreht sich derzeit alles um die Kernfrage: Wie kriegt ein Unternehmen die Leute zurück ins Büro? Welche Anreize müssen geschaffen werden, und wie sieht eine lebendige Office-Kultur aus? Schließlich will keiner einen Möbelfriedhof, sei er noch so hip und modern.

Die gesamte Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Vor Corona galt die Möglichkeit remote zu arbeiten noch als Joker, heute ist es State of the Art. Mit Beginn der Pandemie flüchteten die Menschen mit dem Laptop unterm Arm scharenweise ins Homeoffice. Dort landeten viele Arbeitnehmer*innen am heimischen Küchentisch. Die gesundheitlichen Folgen werden sicher noch zu Tage kommen, aber der Stellenwert des Büros wird seither neu verhandelt. Die Neue Züricher Zeitung zitierte jüngst die renommierte Designerin Sevil Peach mit den Worten: „Das Office hat sein historisches Monopol als Arbeitsort verloren.“

Dieser These stimmt auch Florian Wahlefeld voll zu. Auf die eingangs gestellte Frage, ob das Büro noch eine Daseinsberechtigung hat, gibt der Pforzheimer Büroexperte eine klare Antwort: „Auf jeden Fall, nur die Rolle wird eine andere sein und die wird in den jeweiligen Räumlichkeiten sichtbar werden. Die Arbeitsweisen und auch der Platzbedarf haben sich verändert, das ist die Challenge, in der aber gleichzeitig ein großes Potenzial steckt, das es nun aufzudecken gilt.“

„Die one-size Lösung existiert nicht – nicht jeder will im Bällebad plantschen“

Augenzwinkernd spricht Florian Wahlefeld gerne vom lebensbejahenden, grauen Bürotypen, aber sowohl Menschen als auch Unternehmen seien unterschiedlich und das spiegle sich in der Bürolandschaft wider. Die Google Rutsche mit Bällebad und ein schwäbisches Maschinenbauunternehmen? Das sei wohl eher kein Match für die Ewigkeit. Florian Wahlefeld sieht die Aufgabe eines guten Büroeinrichters darin, festzustellen, welche Bewandtnis das Büro der Zukunft hat und ein auf die Unternehmens-DNA zugeschnittenes Konzept zu kreieren.

Willkommen im Lebensraum Büro

Unternehmen haben gelernt, dass die gelebte Office-Kultur ein Abbild der eigenen Peformance ist, deshalb sei der Gestaltungsanspruch der einzelnen Projekte heute auch viel höher, erzählt Florian Wahlefeld im Gespräch mit WirtschaftsKRAFT.

So wird das office zum place to be.  E+H Versicherungsmakler GmbH. Einrichtung von ca. 60 Arbeitsplätzen, Besprechungs- und Aufenthaltsräumen und der Loungebereich. Konzeption, Planung und Realisierung by stiegele büro + objekt GmbH & Co. KG . Foto: GIESKE Studios

Design trifft auf Funktionalität. Berufsförderungswerk Schömberg. Konzeption und Realisierung eines multifunktionalen Besprechungs- und Pausenraum durch stiegele büro + objekt GmbH & Co. KG. Foto: GIESKE Studios

„Innovationsprozesse finden eher im Büro, als im Homeoffice statt“, meint der Pforzheimer Büroexperte. Der beste Nährboden für neue Ideen sei deshalb der direkte Austausch und dafür brauche es attraktive Team Spaces, in denen in ungezwungener Atmosphäre auch halb-private Unterhaltungen möglich sind. Es geht darum, coole und motivierende Räume zu schaffen, in denen die physische Interaktion im Vordergrund steht.

Das hat auch der Neuenbürger Geschäftsführer Simeon Ruck, erkannt: „Wir haben unseren Bedarf für die kommenden fünf Jahre geplant und dabei die Ausstattung jeder Abteilung, jedes einzelnen Arbeitsplatzes hinterfragt. Unser Kernziel war es, die Arbeitskultur offener und transparenter zu gestalten.“

Bei der Einrichtung der 80 Arbeitsplätze, Schulungsbereiche, Restaurant und Mitarbeiterlounge vertraute das Unternehmen – wie bereits bei ähnlichen Projekten in den vergangenen 20 Jahren – auf die Zusammenarbeit mit stiegele.

Die Grenzen zwischen Wohnzimmer und Büro verschwimmen.
Erarbeiten und realisieren eines Einrichtungskonzeptes für rund 80 Arbeitsplätze, Restaurant und Schulungsbereiche sowie Mitarbeiterlounge by stiegele büro + objekt GmbH & Co. KG .
Foto: ©HELLMUT RUCK GmbH
So geht Arbeiten heute. Foto: ©HELLMUT RUCK GmbH

„Für uns war die Projektabwicklung ausschlaggebend. Stiegele ist wirklich extrem nah am Kunden und versteht seine Bedürfnisse. Die Firma bietet einen hohen Detaillierungsgrad und die Visualisierung der Planung ist sehr gut. Gerade bei unserem Betriebsrestaurant, der ‚GENUSS KULTUR Black Forest‘, hatte dies einen großen Stellenwert. So etwas in dieser hohen Qualität zu planen, war auch für stiegele neu und durchaus eine Herausforderung. Hier hat das Team sehr viel Kreativität gezeigt.

Für die Neugestaltung der Räumlichkeiten der HELLMUT RUCK GmbH ist stiegele jetzt auch für den 1. Internationalen Architekturpreis für intelligente Arbeitswelten „Best Workspaces 2022“ nominiert.

Für stiegele ist das nicht die erste Auszeichnung. Das renommierte Fachmagazin AW Architektur & Wohnen hat das Familienunternehmen bereits zum dritten Mal zu den 50 besten Büroeinrichtern Deutschlands gekürt.

Das Kerngeschäft ist der B2B Markt, da Büromöbel aber auch immer mehr in den privaten Wohnbereich abstrahlen, sind auch Privatpersonen willkommen. 80% der Kunden stammen aus der Region. Großkunden mit mehreren Filialen werden auch deutschlandweit von stiegele betreut.

„Neuer Chef, neue Struktur – alle Wände raus, alle in einen Raum – und fertig ist das neue open space Büro? Das geht schief.“

Großraumbüros liegen im Trend, keine Frage, allerdings gibt es dabei mehr als nur eine Sache zu beachten. Office für Neues. Fakt ist: Es geht nicht nur um Möbel – das Büro von morgen muss Charakter haben, es muss den Zeitgeist atmen, eine Wohlfühlatmosphäre versprühen und Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen berücksichtigen. Wichtig sind Florian Wahlefeld zum Beispiel gut durchdachte Rückzugsmöglichkeiten, die den Stress-Level senken. Er und sein neunköpfiges Team arbeiten selbst in einem open space office. Der 450 Quadratmeter große Showroom dient nämlich nicht nur dem puren Ausstellungsvergnügen, sondern auch als Arbeitsplatz. Arbeiten am lebendigen Objekt, nennt Wahlefeld es. Das Team von stiegele probiert hier selbst vieles aus und testet neue, moderne Bürokonzepte auf Herz und Nieren.

Die Telefonbox finde ich schon echt cool. Ich kann aus einer großen Fläche rein in die Box gehen und da bin ich abgeschottet. Ich kann telefonieren, ohne dass ich andere störe, in Ruhe etwas abarbeiten oder auch mal mit jemandem ein vertrauensvolles Gespräch führen. Die Leute wissen, wenn man da drin ist, will man nicht gestört werden.

Florian Wahlefeld, Geschäftsführer stiegele büro + objekt GmbH & Co. KG

Dank des Verbundsicherheitsglases und des cleveren „Baukasten“-Systems bieten Officebricks Acoustic Pods eine beidseitige Schalldämmung. Geräusche außerhalb des Pods bleiben draußen, und Gespräche im Pod bleiben privat. Eine geräuscharme Lüftungsanlage sorgt für ein gesundes Klima und eine angenehme Atmosphäre, ohne dabei die Akustik zu beeinträchtigen.
 ©Steelcase AG

Firmengeschichte: Alles begann in einer Garage in der Nachkriegszeit

1949 gründete der Großvater von Florian Wahlefeld, Hans Stiegele, das Unternehmen in der Calwer Straße. Heute würde man ihn als Garagengründer bezeichnen. Nach dem Krieg lag der Fokus auf der Reparatur von Schreib- und Rechenmaschinen. Es folgte die komplette Entwicklung der Bürotechnologie von der elektrischen Schreibmaschine bis hin zu den ersten raumfüllenden Computern. Die Eltern stiegen 1972 und 1980 in die Firma mit ein. Zum damaligen Zeitpunkt machten Möbel den kleinsten Teil des Umsatzes aus. Erst als der Umzug nach Brötzingen erfolgte, ging es mit den Büromöbeln richtig los. 2001 verkaufte der Vater das Unternehmen, das damals den Fokus auf Computer-Netzwerke, Software, Drucker und Kopierer legte. Der Bereich Möbel war vom Verkauf ausgeklammert, diesen Bereich führte die Mutter fort. Seit dem Jahr 2002 konzentrierte sich die Firma dann ausschließlich auf das Thema Büroeinrichtung und das hat sich in den vergangen 20 Jahren richtig gut entwickelt. Florian Wahlefeld, der zuvor beim Herstellungspartner steelcase in Rosenheim eine Ausbildung als Industriekaufmann absolviert hatte, kam 2009 ins Unternehmen. Nach einem Traineeprogramm im elterlichen Betrieb übernahm Florian Wahlefeld 2012 die Geschäftsführung.

MARKEN: USM, Vitra, Waldmann Licht, Sedus, Wilkhahn, Foscarini, Object Carpet, Muuto, Artemide, Nimbus, Renz, Bolia, Palmberg, Brunner, Flos, Steelcase

SERVICES: Ergonomieberatung, Ausmess-/Aufmaßservice, Leihmöbel, Akustikberatung, Betreuung Bauprojekte, Innenarchitektur, Sonder-/Maßanfertigungen, Montageservice, 3D Planung, Tischler/Schreiner, Events im Store/Showroom, eigene Monteure

stiegele büro + objekt GmbH & Co. KG
Kirchenstraße 60
D-75172 Pforzheim
Telefon 07231 4907-0

https://www.stiegele-bo.de

Berufsförderungswerk Schömberg. Realisierung durch stiegele büro + objekt GmbH. Foto: GIESKE Studios
Berufsförderungswerk Schömberg. Realisierung durch stiegele büro + objekt GmbH. Foto: GIESKE Studios
 E + H / Zeitsprung. Realisierung by stiegele büro + objekt GmbH. Foto: GIESKE Studios
E + H / Zeitsprung. Realisierung by stiegele büro + objekt GmbH. Foto: GIESKE Studios
Berufsförderungswerk Schömberg. Realisierung durch stiegele büro + objekt GmbH. Foto: GIESKE Studios
Berufsförderungswerk Schömberg. Realisierung durch stiegele büro + objekt GmbH. Foto: GIESKE Studios
Arbeiten in Wohlfühlatmosphäre. 
Foto: ©HELLMUT RUCK
Arbeiten in Wohlfühlatmosphäre. Foto: ©HELLMUT RUCK
Foto: ©HELLMUT RUCK
Foto: ©HELLMUT RUCK
Florian Wahlefeld, Geschäftsführer stiegele büro + objekt GmbH. Foto: GIESKE Studios

Florian Wahlefeld, Geschäftsführer stiegele büro + objekt GmbH & Co. KG

Welche häufigen Einrichtungsfehler stellen Sie als Büroexperte immer wieder fest?
Der Trend geht dahin, dass aus vielen Zellenbüros ein Großraumbüro entstehen soll. Dass dazu aber mehr gehört, als einfach Wände rausreißen und Tische zusammenstellen, das haben noch nicht alle verstanden. Damit ein Open Space Office seine volle Wirkung entfalten kann, gibt es schon einige Punkte zu beachten. Das fängt bei Akustik und Licht an und endet bei einer cleveren Wegeführung. Es geht auch darum Ruhezonen für stilles Arbeiten, vertrauensvolle Gespräche oder ruhige Telefonate zu schaffen. Wenn der Stress-Level nicht beachtet wird, stört man sich im Großraumbüro viel eher und vielleicht rennen dann alle zum Telefonieren in die Teeküche, dann ist nichts gewonnen. Oftmals liegen auch die Budgetvorstellungen und das, was eigentlich sinnvoll wäre, weit auseinander. Das ist möglicherweise in der badisch-schwäbischen Mentalität verankert. Aber dann braucht es einen Perspektivwechsel. Ich frage mein Gegenüber oft, welches Hobby er hat, am liebsten sind mir Skifahrer*innen. Da wird viel Geld in die Ausrüstung gesteckt für eine effektive Nutzung von sagen wir mal zehn Tagen im Jahr. Aber der Bürostuhl, auf dem man, je nachdem wie es läuft, acht bis zehn Stunden täglich sitzt, der darf nicht mehr als 400 Euro netto kosten. Und da gilt es eben eine neue Sichtweise zu etablieren in Richtung, hey das ist ein wichtiges Teil, ich will professionell arbeiten, da brauche ich auch professionelles Equipment - und das kostet halt auch Geld.
Gibt es trotzdem ein paar Spartipps?
Da lohnt es sich, die Frage zu stellen: Was braucht mein Team, um wirksam arbeiten zu können? Wie viel Raum brauchen wir? Die teuerste Ressource, die das Unternehmen hat, sind die Mitarbeiter*innen, und wenn ich an der falschen Stelle spare, wird es schnell teuer. Also wenn ich jetzt Person X auf der Orangenkiste statt auf einem guten Stuhl sitzen lasse und X fällt dann mit einem Bandscheibenvorfall ein Vierteljahr aus, dann ist nichts gespart. Ich glaube, dass man in der Zukunft wirklich die räumlichen Gesichtspunkte hinterfragen muss. Oft gibt es diesen einen Besprechungsraum für 30 Personen, der effektiv einmal im Jahr genutzt wird. Macht es nicht mehr Sinn, ihn in einen Teambereich umzuwandeln, der einem jeden Tag hilft - und man geht für eine Betriebsversammlung in den Konferenzraum in der Nähe? Vielleicht kann man Fläche abtrennen, untervermieten einen Coworking-Space anbieten und so vielleicht Einnahmen generieren.
Was sagt der Büroexperte, wie sollte das Homeoffice eingerichtet sein?
Ein guter Stuhl ist wichtig, optimal wäre auch ein Arbeitstisch, der sich elektrisch verstellen lässt. Wir Menschen sind nur für Bewegung gemacht, also weder für langes Sitzen noch für Stehen. Deshalb ist mein Tipp, sich so viel wie möglich zu bewegen, zum Beispiel beim Telefonieren herumlaufen. Es geht wirklich darum, häufig die Haltung zu wechseln. Auf keinen Fall acht, neun Stunden starr auf irgendeinem Hocker oder Küchenstuhl - womöglich noch in der falschen Höhe zu sitzen, das rächt sich wirklich. Früher hat man in den Unternehmen einen riesigen Aufwand betrieben, es gab strenge Arbeitsschwellenrichtlinien, den Obstkorb, Betriebssport und jetzt verflüssigt sich das im Homeoffice alles. Allerdings bemerken wir auch gerade, dass es vermehrt Unternehmen gibt, die bereit sind, einen Zuschuss für die Homeoffice-Einrichtung zu bezahlen, weil sie eben sicher gehen wollen, dass ihre Mitarbeiter*innen gut ausgestattet sind. Wir setzen dann einen Typenkatalog auf mit Tisch A/B/C, Stuhl A/B/C und auf Basis von Rahmenvereinbarungskonditionen kann entsprechend ausgewählt werden. Das Unternehmen zahlt dann ein Kick-back.
Was sind die Trends für 2022?
Das Thema Hybrid wird uns sicher noch eine ganze Weile begleiten, also die Abwechslung von mobilem Arbeiten und der Anwesenheit vor Ort. Die meisten Unternehmen halten noch ausreichend Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter bereit. Ich denke aber, dass man das in Frage stellen muss, weil Raum eine strategische Ressource ist, die viel Geld kostet. Muss ich bei 60 Mitarbeitern tatsächlich 60 Arbeitsplätze bereit stellen oder kann ich aufgrund der zwei Tage Homeoffice-Regel, Urlaub, Krankheit, Elternzeit etc. mit weniger Plätzen auskommen? Ich denke, das ist sicherlich ein ganz großes Thema. Das flexible Arbeiten bringt ja auch Challenges mit sich. Der Aufwand, das Team virtuell zu steuern ist ein anderer - und man freut sich als Chef*in richtig, wenn die Leute mal wieder ins Büro kommen. Das Büro von morgen wird ein Ort der Zusammenkunft, des Austausches, des kreativen Arbeitens, der Innovationsschmiede sein. Und da geht es um die Frage, was brauchen die Leute und was kann das Unternehmen dafür tun, dass die Menschen gerne kommen.
Was wünschen Sie sich für Ihre Branche?
Vor 15 Jahren musste man noch argumentieren, dass Wertschöpfung nicht nur in der Fertigungshalle passiert, sondern eben auch im Büro. Heute ist der Arbeitsplatz ist ein Wettbewerbsfaktor. Ich glaube, dass die Unternehmer die kommende Generation Anfang 20 einbeziehen sollten. Es ist eine große Challenge, alle mitarbeitenden Generationen abzuholen, denn da liegen wirklich Welten dazwischen. Wir haben gerade eine Anfrage von einem Start-Up, die keinen Stauraum mehr haben. Im täglichen Doing gibt es nicht einmal einen Stift. Dieses papierlose Büro ist jetzt vielleicht eine krasse Ausnahme, es wird aber zunehmend kommen. Ich weiß von anderen Büroeinrichtern, die sich deshalb Sorgen machen, aber ich glaube, da liegen auch neue Chancen. Zeiten ändern sich - und ebenso die Büroeinrichtungen.
Wie viel Handwerk und Kreativität bedarf es, um ein neues Raumwunder zu schaffen?
Viel. Es beginnt in der Regel mit einem weißen Blatt Papier. Wir kommen in unterschiedlichen Stufen ins Projekt. Mal ist da quasi noch grüne Wiese, mal sind die Fenster schon drin oder es ist eine Bestandsimmobilie, dann ist räumlich nichts mehr zu machen. Wir haben sehr viele Bestandsveränderungen, gerade jetzt durch die Corona-Zeit, denn da werden Flächen frei, die man cleverer nutzen möchte oder abteilen muss, um etwa unterzuvermieten. Vielleicht existiert der Rahmen, der durch den Grundriss vorgegeben wird, aber schlussendlich beginnt alles mit diesem einen weißen Blatt Papier und dann muss man schauen, was man daraus macht.
Inwiefern trägt eine gute Bürokultur zum Unternehmenserfolg bei?
Die trägt viel dazu bei. Der Raum prägt das Verhalten. Das kennt jeder aus dem privaten Umfeld. Ich verhalte mich in einer Kirche anders als in einem Restaurant oder in einem Kino. An die Atmosphäre, in die ich eintrete, passe ich mich an - und genau so prägt auch ein neues Office mein Verhalten. Es trägt ganz klar zur Kultur und zum Miteinander bei. Man kann darauf gezielt Einfluss nehmen, indem man sich konkret fragt, wie möchte ich als Unternehmen sein, und wie möchte ich wahrgenommen werden. Jahrzehntelang wurden Unsummen ausgegeben für Employer- Branding, um eine Unternehmenskultur zu etablieren. Das verflüssigt sich gerade alles. Deshalb sollten sich Unternehmen wirklich die Frage stellen, was für Anreize sie schaffen können und welche Office-Kultur sie leben wollen, am besten eine, die im Einklang mit der Unternehmenskultur steht.

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