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Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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Caritas Pforzheim

CARITAS – hinter diesen 7 Buchstaben verbirgt sich einiges, wenn man so will ein eigener kleiner Kosmos. Auf alle Fälle viel Engagement, zupackende Hände und unterstützende Hilfe.
Bunte Vielfalt. Foto: Caritas Pforzheim

von Tanja Meckler

Wir lassen uns nicht von der Bürokratie auffressen. Wir lösen intelligent konventionelle Regeln und helfen somit Außenseitern.

Frank Johannes Lemke, Caritasdirektor

CARITAS – hinter diesen 7 Buchstaben verbirgt sich einiges, wenn man so will ein eigener kleiner Kosmos. Auf alle Fälle viel Engagement, zupackende Hände und unterstützende Hilfe.

Die Caritas Pforzheim besteht aus den folgenden Teilen:

  • Caritasverband e.V. Pforzheim
  • Caritasheim Pforzheim e.V.
  • Caritas-Integrations-Betriebe gGmbH (Caribe)
  • Betriebsträgergesellschaft St. Josef gGmbH
  • Caritas-Stiftung-Zukunft und in Treuhand: Dr. Jörg-Krieg-Stiftung

In diesem Jahr dürfen in der Goldstadt die Sektkorken knallen, denn der Caritasverband e.V. Pforzheim feiert sein 100-jähriges Bestehen. Das sind umgerechnet mehr als 36 500 Tage, an denen unzählige haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen auf unterschiedliche, teils kreative Weise ein JA zu den Menschen am Rande unserer Gesellschaft ganz bewusst gelebt und gestaltet haben. Eine Zeit, in der viel auf den Weg gebracht wurde und natürlich auch neue Visionen entstanden sind.

Foto: Caritas Pforzheim

Rund 900 hauptamtliche und ca. 270 ehrenamtliche Mitarbeitende stellen das Rückgrat der Caritas Pforzheim dar. Es gibt 40 Einrichtungen und Dienste: für Kinder, Jugend und Familie, für Senioren, Menschen mit Behinderung, Menschen mit Migrationshintergrund und überhaupt für Menschen mit sozialer Benachteiligung.

Gabriele Weber, stellv. Vorstandsvorsitzende, Foto: Caritas Pforzheim

Wir nehmen den Bedarf der betroffenen Menschen sehr bewusst wahr und ernst, sodass gemeinsam eine möglichst konkrete Hilfe entwickelt werden kann, egal ob es dabei um eine individuelle Begleitung oder um die Schaffung neuer Unterstützungsangebote geht.“ (Gabriele Weber, stellv. Vorstandsvorsitzende)

Die Caritas Pforzheim begleitet Menschen durch das Leben: aktiv und mit Herz.

Das Leben ist bunt, vielfältig, schön und manchmal auch unberechenbar, traurig und einsam.

Für die Caritas Pforzheim zählen die Menschen. Der katholische Wohlfahrtsverband will ganz nah dran sein am Leben und helfen wo Not ist. Kompetent, professionell, einfühlsam, denn Not kann viele Gesichter haben. Ziel ist es, Menschen zu stärken, Selbstbestimmtheit zu fördern und ihnen einen würdevollen Rahmen für ihren Alltag zu bieten.

Das fängt mit der Geburt an und endet mit einem hoffentlich würdevollen Abschied. Dafür möchte sich die Caritas Pforzheim stark machen und ist auch bereit neue Wege einzuschlagen.

Zuspruch, Fürsorge, Anteilnahme und dann ein Lächeln, das alles sein kann!

Das Lächeln eines alten Menschen in einer neuen Umgebung kann Dankbarkeit und Wertschätzung ausdrücken. Das Lächeln eines Jungen, der sich nichts zugetraut hat und jetzt vor der Klasse sein Referat mit jeder Menge Selbstbewusstsein hält, ist so viel wert.

Diese Art von Lächeln in die Gesichter von Menschen zu bringen, ist der Ansporn, mit dem die Mitarbeiter jeden Tag zur Arbeit kommen.

Lynn Sowa, Caritas Mitarbeiterin, Foto:privat

Ich arbeite gerne bei der Caritas Pforzheim, da auf jeden einzelnen Mitarbeiter geachtet wird und jeder Wertschätzung erfährt.
Zudem bereichert die Arbeit täglich mein Leben, da ich dort immer neue Erfahrungen sammeln kann und Neues dazu lerne.“ (Lynn Sowa)

Annabell Iwan, Caritas Mitarbeiterin

Für mich ist die Caritas ein sehr wertschätzender Arbeitgeber, gerade weil man einen sehr respektvollen Umgang erfährt. Vor allem schätze ich jedoch die Arbeit als angehende Heilerziehungspflegerin. Die Besonderheit daran ist die Vielfältigkeit sowie das gemeinsame Erreichen von Zielen und das Teilhaben an tollen Momenten. Der Berufsalltag wird nie langweilig, und es gibt vieles um gemeinsam zu lachen“, so beschreibt Annabell Iwan ihren Arbeitgeber.

Martina Sarah Beyer, Caritas Mitarbeiterin, Foto: privat

Ich bin bei Caritas, da sie für mich eine Vielfalt an Möglichkeiten bedeutet. Es wird ein breites Spektrum an sozialen Einrichtungen dargeboten, das einen Einblick in viele Berufsfelder ermöglicht“, erzählt Marina Sarah Beyer begeistert. Sie arbeitet im Schulkindergarten.

Die Aufgabenvielfalt in der sozialen Arbeit hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Caritas Pforzheim möchte die helfende Hand sein, die es manchmal einfach bedarf, um das Leben wieder in schönere Bahnen zu lenken.

Frank Johannes Lemke, Caritasdirektor

Wir lassen uns nicht von der Bürokratie auffressen. Wir lösen intelligent konventionelle Regeln und helfen somit Außenseitern. Die zukünftigen Herausforderungen sind eine sich permanent verändernde Arbeitswelt, die zunehmende Kinderarmut und die polyglotte Welt, die Familien leicht auseinanderführt. Deswegen ist der Aufbau und Erhalt von sozialen Netzwerkstrukturen so wichtig.“ (Caritasdirektor Frank Johannes Lemke)

Insbesondere mit dem Integrationsunternehmen (Caribe) schafft die Caritas Pforzheim Arbeitsplätze für Menschen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt kaum eine Chance hätten: In den Betriebsteilen Großwäscherei und Garten- und Landschaftsbau gehen rund 35 Beschäftigte einer beruflichen Tätigkeit mit regulärem Gehalt nach. Diese Menschen können sich heute selbstständig versorgen und haben sich eine relative Unabhängigkeit erarbeitet. Ein besonderes Anliegen sind Caritasdirektor Frank Johannes Lemke Menschen mit schwerst-mehrfacher Behinderung.

Bis zur Eröffnung unseres „Haus am Kappelhof“ 1995 wurden diese Menschen wie Postpakete deutschlandweit verschickt, nur weil es in unserer Region keine adäquaten Wohnplätze gab. Das hat sich gebessert, ist aber noch lange nicht gut. Deshalb bauen wir gerade in Illingen eine kleine Wohneinrichtung mit 24 Dauerwohn- und Tagesplätzen. Unsere Planung löste in Illingen aber nicht nur Freude aus. Einige wenige Anlieger bereiteten jede Menge Ärger. Es kam bis zu einer offiziellen Bürgerbefragung, ob dieses Haus gebaut werden darf. Mit überzeugender Mehrheit stimmten die Illinger bei einer über 40%igen Wahlbeteiligung dafür“, sagt Caritasdirektor Frank Johannes Lemke.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Haus am Kappelhof kommen ausschließlich aus der Stadt Pforzheim und dem Enzkreis. Die Regionalität ist wichtig, denn sie ermöglicht einen engen Kontakt zu Angehörigen und Freunden. Von Übernachtungsbesuchen in der Familie bis hin zu Urlaubsreisen ist alles möglich. Im Haus am Kappelhof haben 52 Frauen und Männer ein schönes Zuhause gefunden. Es geht oft fröhlich und heiter zu.

Alle sprechen über die Digitalisierung, die Caritas feiert sie.

Einmal im Jahr verwandelt sich die Eingangshalle in eine Großraumdisco. Unter dem Motto „We dance together“ findet alljährlich eine große Party statt. Letztes Jahr fand sie aufgrund der Pandemie virtuell statt. Bei der Caritas Pforzheim geht es alltäglich darum, aus gegebenen Situationen das Beste herauszuholen, lösungsorientiert zu denken und Umstände nicht einfach hinzunehmen.

Jürgen Halbleib, stellv. Vorstandsvorsitzender

Bei der Caritas Pforzheim steht der soziale Auftrag und der bedürftige Mensch im Mittelpunkt und nicht die Rendite. Das Ergebnis des guten Wirtschaftens wird dafür investiert, damit mehr Menschen am Leben in der Gesellschaft teilhaben können.“ (Jürgen Halbleib, stellv. Vorstandsvorsitzender)

Interview mit Caritasdirektor Frank Johannes Lemke:

Welchen Stellenwert hat die Caritas Pforzheim für die Stadt und den Landkreis?

Die Caritas Pforzheim ist in der Region fest verankert und ist auch nur ausschließlich in der Stadt und im Enzkreis aktiv, daher sind wir in allen sozialen und politischen Fragen eng miteinander verbunden.

Wie digital ist die Caritas aufgestellt?

Wir haben mittlerweile rund 400 eigenständige User, die von zwei hauptamtlichen EDV-Administratoren betreut werden. Zusätzlich verfügen wir über einen professionellen Hintergrunddienst, den wir von extern einkaufen. Wir investieren seit einigen Jahren jährlich hohe fünfstellige Beträge in unsere digitale Infrastruktur, um die notwendigen technischen Arbeitserleichterungen stets aktuell zu halten – das ist eine Riesenherausforderung, zumal der Zuwachs an EDV unterstützten Arbeitsplätzen gerade aktuell rapide steigt.

Wie wird die Arbeit der Caritas in 10 Jahren aussehen?

Noch sehr viel digitaler. Die künstliche Intelligenz und die sogenannten Pflegeroboter werden dann unsere ständigen Begleiter sein. Smart-home, die elektronische Unterstützung im Wohnumfeld und darüber hinaus werden dann allgemeiner Standard sein. Bereits heute sind alle unsere Häuser für Senioren voll verkabelt. Heute ist eine der ersten Fragen von Senioren, die einen Heimplatz oder einen seniorengerechten Wohnplatz begehren, ob wir auch freies W-LAN haben. In 10 Jahren werden wir die Welt in elektronischer Hinsicht nicht mehr wiedererkennen.

Was macht die Menschen aus, die bei der Caritas arbeiten?

Das Mensch-Sein! Besonders in der sich zunehmend abzeichnenden digitalen Welt werden die Dienste besonders hilfreich sein, die die künstliche Intelligenz für ihre Belange dienlich machen und menschliche Werte wie Echtheit, Verlässlichkeit, Zugewandtheit und Empathie nicht verloren haben.

Inwiefern ist die Caritas ein attraktiver Arbeitgeber?

Bei uns ist niemand eine Nummer, die aktive Mitarbeiterbeteiligung ist nicht nur wichtig, sondern eine Grundvoraussetzung zur Lösung der zahlreichen Herausforderungen. Bei uns kann man aktiv mitgestalten, wenn man will. Wir sind zuverlässig und stark – das macht uns sehr attraktiv.

Was bietet die Caritas ihren Mitarbeitern?

Ein Tarifgehalt mit der Möglichkeit auf Leistungsprämien, eine zusätzliche Altersversorgung, individuelle Arbeitsmodelle, Betreuungsmöglichkeiten für die eigenen Kinder und Eltern im Alter. Eine starke Dienstgemeinschaft, deren Rentner uns auch nach ihrem beruflichen Ausscheiden als Mensch wichtig bleiben. Wir leisten uns eine sehr aktive Personalentwicklung mit zahlreichen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Welche Themen möchte die Caritas in Zukunft angehen? Was sind wichtige Punkte auf der Agenda?

Den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Stadt und Region stärken durch politische Einflussnahme, aber auch durch die neue Gestaltung unseres Zusammenlebens auf allen Ebenen. Wir möchten auch weiterhin für die Menschen Anwalt bleiben, die abgehängt sind von der raschen Entwicklung in dieser Welt.

Können Sie sich an eine besondere Geschichte erinnern?

Ja, ich habe mehrfach in beeindruckender Weise erfahren dürfen, wie wichtig eine funktionierende Dienstgemeinschaft ist. Derartiges wird erst in Krisensituationen deutlich. In einer früher von mir geleiteten Einrichtung gab es unter den Klienten einmal einen Todesfall, deren Ursache zunächst unklar blieb, bis umfassende medizinische Untersuchungen unter Hinzuziehung von verschiedenen Gutachtern meine Kollegen und mich von jeglicher Schuld entlasteten. Aber zunächst zog das polizeiliche Ermittlungen nach sich, in deren Zentrum ich als Verantwortlicher stand. Mein damaliger Chef kam zu mir und sagte, er könne mir nicht mein Gewissen erleichtern, aber er kann alles dafür tun, damit ich meine Unschuld beweisen kann. Und so kam es dann auch. Dieses Erlebnis hat mich nachhaltig geprägt und ich hoffe, ich konnte auch meinen Mitarbeitenden das Gefühl von Sicherheit geben.

Die Caritas lebt ihre Wertvorstellungen, deshalb haben Sie sich auch dazu entschlossen im Rahmen der Vesperkirche auf Spenden von Müller-Fleisch zu verzichten. Warum war das die richtige Entscheidung?

Müller-Fleisch hat uns über viele Jahre hinweg unterstützt. Aber offensichtlich hat man doch einen eher nachlässigen Umgang mit dem Personal zugelassen. Übrigens wurden derartige Hinweise in mehreren Großschlachtbetrieben in Deutschland festgestellt. Und vermutlich ist das ja auch kein nationales Problem allein. Mir ging es nicht darum, einen Einzelbetrieb zu bestrafen. Aber der Umgang mit Tieren darf nicht zu einem reinen Geschäft verkommen. Tiere sind ein wesentlicher Teil unserer gesamten Schöpfungsgeschichte. Mensch und Tier sind auch aufeinander angewiesen. Und auch in dieser Hinsicht gilt für mich die goldene Regel von Immanuel Kant: „Was du nicht willst, dass man dir tu´, das füg auch keinem andern zu“, und das ist durchaus übertragbar.

Hinsehen statt wegschauen, das ist das Credo der Caritas Pforzheim. Auf die nächsten 100 Jahre!

Foto: Caritas Pforzheim
Foto: Caritas Pforzheim
Foto: Caritas Pforzheim