Von Gerd Lache | 28.06.2026
Um was es bei der Bewältigung der Transformation geht, machte Gastgeber Jochen Protzer in seiner Begrüßungsrede deutlich: Es gehe „um den Erhalt und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Um den Erhalt von Wertschöpfung in der Region und um das Sichern von Arbeitsplätzen“, so der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG), die das Projekt Transformationsnetzwerk (TraFoNetz) Nordschwarzwald federführend betreut.

Matthias Nagl, Principal bei Roland Berger, eröffnete die Analyse mit einem Blick auf die globale Landkarte. Das Jahrzehnt des scheinbar unendlichen Wachstums in China, das viele strukturelle Probleme in Europa überdeckt hatte, sei endgültig vorbei. Während der globale Markt noch leicht wachse, stagniere der europäische Kernmarkt bestenfalls.
Nagl verwies auf Effizienzlücken deutscher Unternehmen: So hätten in den vergangenen zehn Jahren europäische Zulieferer massiv an Mitarbeiterproduktivität verloren. Chinesische Konkurrenten dagegen hätten diese um mehr als 30 Prozent gesteigert. Einer der Gründe dafür liegt Nagl zufolge in den aufgeblähten Verwaltungskosten. Er berichtete von einem Gespräch mit einem chinesischen Partner, der die Devise in China so formulierte: „We don’t need paper pushers“ (Wir brauchen keine Paragraphenreiter). In Europa läge die Quote für indirekte Funktionen deutlich höher.

Als weiteren kritischen Punkt nannte Nagl den Verlust von Skaleneffekten. „Wo früher ein Weltauto wie der Golf VII über seinen Lebenszyklus 5,5 Millionen Mal vom Band lief, erreicht ein modernes Elektroauto wie Volkswagens ID.3 kaum noch die Marke von einer Million Einheiten.“ Die Variantenvielfalt nahm zu, während die Stückzahlen pro Modell schrumpfen – ein toxischer Mix für die Profitabilität klassischer Zulieferer.
Beim Vergleich traditioneller und neuer Zulieferer-Segmente stellte Nagl fest: Während Batterie-, Halbleiter- und Softwareanbieter starkes Wachstum und hohe Margen verzeichnen, kämpfen konventionelle Bereiche (Antrieb, Chassis, Interieur etc.) mit strukturell sinkenden Margen. Beim Blick auf chinesische Automobilhersteller in Europa prognostizierte er einen deutlichen Anstieg des Marktanteils. Gleichzeitig würden sich Chancen durch geplante Local-Content-Anforderungen auf EU-Ebene eröffnen. Viele chinesische Hersteller müssten Wertschöpfung in Europa aufbauen – möglicherweise also eine gute Gelegenheit für einheimische Zulieferunternehmen, um ins Geschäft zu kommen. „Das wäre natürlich ein großer Anreiz, dass sich chinesische Hersteller in Europa ansiedeln.“

Dr. Leon Zacharias lenkte die Aufmerksamkeit auf die fragilen Adern der Weltwirtschaft: die Lieferketten. Er illustrierte, wie regionale Konflikte, wie etwa in der Straße von Hormus, sofortige Schockwellen auslösen. Wenn der Suezkanal blockiert ist, müssen Schiffe den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung nehmen, was 10 bis 14 Tage Zeitverlust und massive Kostensteigerungen bedeute.
Die Frequenz von Disruptionen nehme zu – von Pandemien über Kriege bis hin zu Konflikten im Persischen Golf und Roten Meer. Als unterschätztes Risiko nennt Zacharias die digitale Infrastruktur. Da 95 bis 99 Prozent des globalen Datenverkehrs über ungeschützte Unterseekabel laufen würden, sei die Wirtschaft bei Sabotageakten extrem verwundbar. Er betonte, dass Unternehmen Szenarien wie einen Konflikt um Taiwan durchspielen müssten, um vorbereitet zu sein, wenn wichtige Handelsrouten plötzlich unterbrochen werden.

Zacharias betonte die Notwendigkeit resilienter regionaler Netzwerke. Sie würden Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit stärken. In Zeiten fragiler globaler Ketten gewinne die Stärkung lokaler und regionaler Wertschöpfung an Bedeutung. Gerade für mittelständische Zulieferer, die in der automobilen Wertschöpfungskette weiter hinten stehen und sich oft in einer reinen Abhängigkeit wähnen, ergäben sich neue Handlungsspielräume. Durch die tektonischen Verschiebungen im Markt besitzen sie laut Zacharias unter bestimmten Voraussetzungen einen weitaus größeren Gestaltungsspielraum als jene Akteure, die ganz an der Spitze der Kette stünden.
„Wer frühzeitig reagiert und neue Partnerschaften eingeht, kann aus dem Umbruch gestärkt hervorgehen“, betonte Matthias Friedrich, TraFoNetz-Teilprojektleiter und Organisator der Veranstaltung. Friedrich sieht in den Vorträgen der Transformationslounge ein weiteres Aufbruchsignal für die Region Nordschwarzwald.

In seinen Schlussworten lobte WFG-Geschäftsführer Jochen Protzer, dass die Vorträge nicht nur Krisen benannt, sondern auch Chancen aufgezeigt hätten. Protzer appellierte: „Nichts zu tun ist keine Option.“ Denn der Wandel sei unaufhaltsam. Deshalb: „Einfach anpacken, von den Herausforderungen nicht einschüchtern lassen und mit Optimismus und Zuversicht konsequent den neuen Weg gehen.“

TraFoNetz unter dem Dach der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG) ist die größte regionale Gemeinschaftsinitiative für Transformation und Innovation zur Unterstützung der Unternehmen und ihrer Beschäftigten im Nordschwarzwald bei der Bewältigung des Wandels.
Das Netzwerk bringt Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen. Ziel ist es, die Region Nordschwarzwald als führenden Standort für innovative Unternehmen und zukunftsfähige Technologien zu erhalten.
Partner des Transformationsnetzwerks Nordschwarzwald sind unter anderem die Hochschule Pforzheim, die Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, die AgenturQ mit Südwestmetall und IG Metall, die IHK Nordschwarzwald, die Handwerkskammer Karlsruhe, e-mobil BW, IAB Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Senioren der Wirtschaft sowie Steinbeis InnoBW, wvib Wirtschaftsverband und weitere.
Das Projekt TraFoNetz wird zu 100 Prozent vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert.
Von Gerd Lache | 28.06.2026
Um was es bei der Bewältigung der Transformation geht, machte Gastgeber Jochen Protzer in seiner Begrüßungsrede deutlich: Es gehe „um den Erhalt und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Um den Erhalt von Wertschöpfung in der Region und um das Sichern von Arbeitsplätzen“, so der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG), die das Projekt Transformationsnetzwerk (TraFoNetz) Nordschwarzwald federführend betreut.

Matthias Nagl, Principal bei Roland Berger, eröffnete die Analyse mit einem Blick auf die globale Landkarte. Das Jahrzehnt des scheinbar unendlichen Wachstums in China, das viele strukturelle Probleme in Europa überdeckt hatte, sei endgültig vorbei. Während der globale Markt noch leicht wachse, stagniere der europäische Kernmarkt bestenfalls.
Nagl verwies auf Effizienzlücken deutscher Unternehmen: So hätten in den vergangenen zehn Jahren europäische Zulieferer massiv an Mitarbeiterproduktivität verloren. Chinesische Konkurrenten dagegen hätten diese um mehr als 30 Prozent gesteigert. Einer der Gründe dafür liegt Nagl zufolge in den aufgeblähten Verwaltungskosten. Er berichtete von einem Gespräch mit einem chinesischen Partner, der die Devise in China so formulierte: „We don’t need paper pushers“ (Wir brauchen keine Paragraphenreiter). In Europa läge die Quote für indirekte Funktionen deutlich höher.

Als weiteren kritischen Punkt nannte Nagl den Verlust von Skaleneffekten. „Wo früher ein Weltauto wie der Golf VII über seinen Lebenszyklus 5,5 Millionen Mal vom Band lief, erreicht ein modernes Elektroauto wie Volkswagens ID.3 kaum noch die Marke von einer Million Einheiten.“ Die Variantenvielfalt nahm zu, während die Stückzahlen pro Modell schrumpfen – ein toxischer Mix für die Profitabilität klassischer Zulieferer.
Beim Vergleich traditioneller und neuer Zulieferer-Segmente stellte Nagl fest: Während Batterie-, Halbleiter- und Softwareanbieter starkes Wachstum und hohe Margen verzeichnen, kämpfen konventionelle Bereiche (Antrieb, Chassis, Interieur etc.) mit strukturell sinkenden Margen. Beim Blick auf chinesische Automobilhersteller in Europa prognostizierte er einen deutlichen Anstieg des Marktanteils. Gleichzeitig würden sich Chancen durch geplante Local-Content-Anforderungen auf EU-Ebene eröffnen. Viele chinesische Hersteller müssten Wertschöpfung in Europa aufbauen – möglicherweise also eine gute Gelegenheit für einheimische Zulieferunternehmen, um ins Geschäft zu kommen. „Das wäre natürlich ein großer Anreiz, dass sich chinesische Hersteller in Europa ansiedeln.“

Dr. Leon Zacharias lenkte die Aufmerksamkeit auf die fragilen Adern der Weltwirtschaft: die Lieferketten. Er illustrierte, wie regionale Konflikte, wie etwa in der Straße von Hormus, sofortige Schockwellen auslösen. Wenn der Suezkanal blockiert ist, müssen Schiffe den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung nehmen, was 10 bis 14 Tage Zeitverlust und massive Kostensteigerungen bedeute.
Die Frequenz von Disruptionen nehme zu – von Pandemien über Kriege bis hin zu Konflikten im Persischen Golf und Roten Meer. Als unterschätztes Risiko nennt Zacharias die digitale Infrastruktur. Da 95 bis 99 Prozent des globalen Datenverkehrs über ungeschützte Unterseekabel laufen würden, sei die Wirtschaft bei Sabotageakten extrem verwundbar. Er betonte, dass Unternehmen Szenarien wie einen Konflikt um Taiwan durchspielen müssten, um vorbereitet zu sein, wenn wichtige Handelsrouten plötzlich unterbrochen werden.

Zacharias betonte die Notwendigkeit resilienter regionaler Netzwerke. Sie würden Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit stärken. In Zeiten fragiler globaler Ketten gewinne die Stärkung lokaler und regionaler Wertschöpfung an Bedeutung. Gerade für mittelständische Zulieferer, die in der automobilen Wertschöpfungskette weiter hinten stehen und sich oft in einer reinen Abhängigkeit wähnen, ergäben sich neue Handlungsspielräume. Durch die tektonischen Verschiebungen im Markt besitzen sie laut Zacharias unter bestimmten Voraussetzungen einen weitaus größeren Gestaltungsspielraum als jene Akteure, die ganz an der Spitze der Kette stünden.
„Wer frühzeitig reagiert und neue Partnerschaften eingeht, kann aus dem Umbruch gestärkt hervorgehen“, betonte Matthias Friedrich, TraFoNetz-Teilprojektleiter und Organisator der Veranstaltung. Friedrich sieht in den Vorträgen der Transformationslounge ein weiteres Aufbruchsignal für die Region Nordschwarzwald.

In seinen Schlussworten lobte WFG-Geschäftsführer Jochen Protzer, dass die Vorträge nicht nur Krisen benannt, sondern auch Chancen aufgezeigt hätten. Protzer appellierte: „Nichts zu tun ist keine Option.“ Denn der Wandel sei unaufhaltsam. Deshalb: „Einfach anpacken, von den Herausforderungen nicht einschüchtern lassen und mit Optimismus und Zuversicht konsequent den neuen Weg gehen.“

TraFoNetz unter dem Dach der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG) ist die größte regionale Gemeinschaftsinitiative für Transformation und Innovation zur Unterstützung der Unternehmen und ihrer Beschäftigten im Nordschwarzwald bei der Bewältigung des Wandels.
Das Netzwerk bringt Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen. Ziel ist es, die Region Nordschwarzwald als führenden Standort für innovative Unternehmen und zukunftsfähige Technologien zu erhalten.
Partner des Transformationsnetzwerks Nordschwarzwald sind unter anderem die Hochschule Pforzheim, die Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, die AgenturQ mit Südwestmetall und IG Metall, die IHK Nordschwarzwald, die Handwerkskammer Karlsruhe, e-mobil BW, IAB Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Senioren der Wirtschaft sowie Steinbeis InnoBW, wvib Wirtschaftsverband und weitere.
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