20.05.2025
Ein Hoffnungsschimmer kommt vor allem aus der Industrie. Und auch die Erwartungen an die nächsten zwölf Monate steigen branchenübergreifend – trotz deutlicher struktureller Risiken und hoher Erwartungen an die Politik.
„Die aktuelle Lage ist weiterhin keine gute, die Erwartungen an die Politik sind groß und die Unternehmen schöpfen aber zunehmend wieder Mut“, so fasste es IHK-Präsidentin Claudia Gläser bei der Pressekonferenz zur Veröffentlichung der neuesten regionalen Konjunkturdaten zusammen.
Die IHK Nordschwarzwald hat von Mitte April bis Mitte Mai rund 300 regionale Unternehmen zur deren wirtschaftlichen Situation befragt.
Seit Jahren sprechen die regionalen Konjunkturberichte dieselbe Sprache: Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Auch im Frühsommer 2025 ist das nicht anders. Lediglich 17 Prozent der rund 300 befragten Unternehmen aus dem Nordschwarzwald bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als gut – ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahreszeitraum. 22 Prozent berichten von einer schlechten Lage. Die überwiegende Mehrheit (61 Prozent) sieht ihre Situation als „befriedigend“ – was nüchtern betrachtet einer fortgesetzten Stagnation gleichkommt.
„Insofern ist die Lage weiterhin sehr ernst, denn die Werte sind vor dem Hintergrund der letzten Jahre relativ zu sehen. Einige Unternehmen gaben bereits bei den letzten Erhebungen an, dass die Geschäftslage schlecht oder nur befriedigend sei“, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub.
„Es gibt kleine, aber sichtbare Anzeichen für Verbesserungen. Das zeigt sich bei den sogenannten Früh-Indikatoren – also den ,Auftragseingängen‘ und den ,Geschäftserwartungen‘“, so Traub weiter. 24 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Auftragseingänge. Das waren im Vorjahreszeitraum 11 Prozent. 43 Prozent erwarten eine gleichbleibende Auftragslage (Frühsommer 2024: 48 Prozent). Etwas weniger als 33 Prozent erwarten fallende Auftragseingänge. Bei der Industrie zeigt sich der Unterschied noch deutlicher – bei aktuell 24 Prozent mit steigender Auftragslage im Vergleich zu nur zehn Prozent im Frühsommer 2024.
Auch die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate hellen sich auf: 25 Prozent aller Befragten erwarten eine Verbesserung – ein Zuwachs von fünf Prozentpunkten. In der Industrie liegt dieser Wert bei sogar 24 Prozent, während nur acht Prozent mit einer Verschlechterung rechnen.
„Die Region Nordschwarzwald ist eine produktionsstarke Wirtschaftsregion. Deshalb stimmen diese Zahlen und auch frische bundesdeutsche Zahlen zuversichtlich“, sagt IHK-Präsidentin Gläser. Letzte Woche veröffentlichte das Statistische Bundesamt, dass im März 2025 die Bestellungen in der Industrie um 3,6 Prozent gemessen am Vormonat angezogen haben. „Gleichwohl muss man ob der internationalen Lage und möglichen Vorzieheffekten bei damals erwarteten neuen beziehungsweise steigenden Zöllen vorsichtig optimistisch bleiben.“, so Gläser weiter.
Investitionsbereitschaft im Sinkflug
„Andere Zahlen zeigen einmal mehr, welch schwierigen Rahmenbedingungen die Unternehmen international und national ausgesetzt sind“, sagt Tanja Traub: Nur 19 Prozent der hiesigen Unternehmen erwarten steigende Exporte. Das waren im Vorjahreszeitraum noch 38 Prozent. Und nur weniger als neun Prozent gehen von zunehmenden Inlandsinvestitionen aus (Frühsommer 2024: 23 Prozent). „Diese Zahlen zeigen nicht nur die weltpolitische Volatilität, sondern auch, dass es wirtschaftsfreundlichere Rahmenbedingungen für Investitionen hierzulande braucht. Wir haben eine klare Erwartungshaltung an die schwarz-rote Bundesregierung“, sagen Traub und Gläser deutlich.
Die Hoffnung ruht auf den wirtschaftspolitischen Versprechungen der neuen Bundesregierung. Im Koalitionsvertrag wurden ein Abbau überbordender Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren und steuerliche Erleichterungen angekündigt. Nun müsse daraus Realität werden. „Die Bundesregierung muss jetzt den angekündigten Kurswechsel kraftvoll umsetzen“, fordert IHK-Präsidentin Gläser.
Bei aller vorsichtigen Hoffnung bleiben die wirtschaftlichen Risiken greifbar. Am häufigsten genannt werden die verhaltene Inlandsnachfrage (71 Prozent), hohe Arbeitskosten (69 Prozent) und die nach wie vor drückenden Energiepreise (52 Prozent).
„Es braucht diesen politischen Kurswechsel, damit aus der leicht gestiegenen Zuversicht auch eine begründete wird“, so Traub. Nur so lasse sich Wettbewerbsfähigkeit sichern, Beschäftigung erhalten – und der Generationenwechsel im Mittelstand meistern.
pm/tm
20.05.2025
Ein Hoffnungsschimmer kommt vor allem aus der Industrie. Und auch die Erwartungen an die nächsten zwölf Monate steigen branchenübergreifend – trotz deutlicher struktureller Risiken und hoher Erwartungen an die Politik.
„Die aktuelle Lage ist weiterhin keine gute, die Erwartungen an die Politik sind groß und die Unternehmen schöpfen aber zunehmend wieder Mut“, so fasste es IHK-Präsidentin Claudia Gläser bei der Pressekonferenz zur Veröffentlichung der neuesten regionalen Konjunkturdaten zusammen.
Die IHK Nordschwarzwald hat von Mitte April bis Mitte Mai rund 300 regionale Unternehmen zur deren wirtschaftlichen Situation befragt.
Seit Jahren sprechen die regionalen Konjunkturberichte dieselbe Sprache: Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Auch im Frühsommer 2025 ist das nicht anders. Lediglich 17 Prozent der rund 300 befragten Unternehmen aus dem Nordschwarzwald bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als gut – ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahreszeitraum. 22 Prozent berichten von einer schlechten Lage. Die überwiegende Mehrheit (61 Prozent) sieht ihre Situation als „befriedigend“ – was nüchtern betrachtet einer fortgesetzten Stagnation gleichkommt.
„Insofern ist die Lage weiterhin sehr ernst, denn die Werte sind vor dem Hintergrund der letzten Jahre relativ zu sehen. Einige Unternehmen gaben bereits bei den letzten Erhebungen an, dass die Geschäftslage schlecht oder nur befriedigend sei“, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub.
„Es gibt kleine, aber sichtbare Anzeichen für Verbesserungen. Das zeigt sich bei den sogenannten Früh-Indikatoren – also den ,Auftragseingängen‘ und den ,Geschäftserwartungen‘“, so Traub weiter. 24 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Auftragseingänge. Das waren im Vorjahreszeitraum 11 Prozent. 43 Prozent erwarten eine gleichbleibende Auftragslage (Frühsommer 2024: 48 Prozent). Etwas weniger als 33 Prozent erwarten fallende Auftragseingänge. Bei der Industrie zeigt sich der Unterschied noch deutlicher – bei aktuell 24 Prozent mit steigender Auftragslage im Vergleich zu nur zehn Prozent im Frühsommer 2024.
Auch die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate hellen sich auf: 25 Prozent aller Befragten erwarten eine Verbesserung – ein Zuwachs von fünf Prozentpunkten. In der Industrie liegt dieser Wert bei sogar 24 Prozent, während nur acht Prozent mit einer Verschlechterung rechnen.
„Die Region Nordschwarzwald ist eine produktionsstarke Wirtschaftsregion. Deshalb stimmen diese Zahlen und auch frische bundesdeutsche Zahlen zuversichtlich“, sagt IHK-Präsidentin Gläser. Letzte Woche veröffentlichte das Statistische Bundesamt, dass im März 2025 die Bestellungen in der Industrie um 3,6 Prozent gemessen am Vormonat angezogen haben. „Gleichwohl muss man ob der internationalen Lage und möglichen Vorzieheffekten bei damals erwarteten neuen beziehungsweise steigenden Zöllen vorsichtig optimistisch bleiben.“, so Gläser weiter.
Investitionsbereitschaft im Sinkflug
„Andere Zahlen zeigen einmal mehr, welch schwierigen Rahmenbedingungen die Unternehmen international und national ausgesetzt sind“, sagt Tanja Traub: Nur 19 Prozent der hiesigen Unternehmen erwarten steigende Exporte. Das waren im Vorjahreszeitraum noch 38 Prozent. Und nur weniger als neun Prozent gehen von zunehmenden Inlandsinvestitionen aus (Frühsommer 2024: 23 Prozent). „Diese Zahlen zeigen nicht nur die weltpolitische Volatilität, sondern auch, dass es wirtschaftsfreundlichere Rahmenbedingungen für Investitionen hierzulande braucht. Wir haben eine klare Erwartungshaltung an die schwarz-rote Bundesregierung“, sagen Traub und Gläser deutlich.
Die Hoffnung ruht auf den wirtschaftspolitischen Versprechungen der neuen Bundesregierung. Im Koalitionsvertrag wurden ein Abbau überbordender Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren und steuerliche Erleichterungen angekündigt. Nun müsse daraus Realität werden. „Die Bundesregierung muss jetzt den angekündigten Kurswechsel kraftvoll umsetzen“, fordert IHK-Präsidentin Gläser.
Bei aller vorsichtigen Hoffnung bleiben die wirtschaftlichen Risiken greifbar. Am häufigsten genannt werden die verhaltene Inlandsnachfrage (71 Prozent), hohe Arbeitskosten (69 Prozent) und die nach wie vor drückenden Energiepreise (52 Prozent).
„Es braucht diesen politischen Kurswechsel, damit aus der leicht gestiegenen Zuversicht auch eine begründete wird“, so Traub. Nur so lasse sich Wettbewerbsfähigkeit sichern, Beschäftigung erhalten – und der Generationenwechsel im Mittelstand meistern.
pm/tm
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