27.08.2025 (Archivartikel) | Christian Roch
Freitagmorgen im EDEKA-Markt von Frank Berger im Pforzheimer Stadtteil Huchenfeld: Eine Kundin steuert zielstrebig einen der drei SB-Kassen an. Routiniert zieht sie ihre Einkäufe über den Scanner, tippt kurz auf den Touchscreen und zahlt dann kontaktlos per Smartphone. Nach kaum zwei Minuten ist sie auf dem Weg zum Ausgang. Berger, der neben Huchenfeld zwei weitere EDEKA-Märkte betreibt, deutet auf die winzigen Kameras über den Touchscreens: „Das System wird immer besser: Beim Kauf von Alkohol musste bis vor kurzem eine Mitarbeiterin das Alter verifizieren. Jetzt prüft das unser System selbständig und anonym anhand von Gesichtsmerkmalen. Nur in Grenzfällen wird noch eine Mitarbeiterin benötigt.“ Tatsächlich: An den drei Stationen geht es gelassen und effizient zu. Und doch hängt ein Hauch Distanz in der Luft.
Laut Einzelhandelsverband EHI gab es Ende 2023 rund 4.270 Geschäfte mit insgesamt 16.000 Selbstbedienungskassen – doppelt so viele wie noch zwei Jahre zuvor. „Wenn man mal eben ein paar Artikel kaufen möchte, sind SB-Kassen unschlagbar schnell“, weiß Frank Berger. „Technikaffine Kunden jeden Alters nehmen diese Möglichkeit sehr gerne wahr. Vor allem unter der Woche entlasten die Systeme mein Personal enorm.“
Auch bei der Drogeriemarktkette dm setzt man auf SB-Kassen und macht damit gute Erfahrungen. Martin Dallmeier, Geschäftsführer Finanzen und Controlling, bestätigt gegenüber WirtschaftsKRAFT: „Insbesondere bei kleineren Einkäufen und wenn ein dm-Markt stark besucht ist, ermöglichen Selbstbedienungskassen eine schnellere Bezahlung.“ Laut einer Studie von EHI Retail Institute und KPMG bewerten 82 Prozent der regelmäßigen Nutzer von Self-Checkouts ihr Einkaufserlebnis insgesamt positiver, 62 Prozent heben die Zeitersparnis hervor.
Doch es gibt auch Schattenseiten: 40 Prozent der Befragten empfinden die Bedienung als zu komplex, 37 Prozent fühlen sich gestresst. Auch die Händler haben eine Lernkurve zu absolvieren. Frank Berger erinnert sich: „Unsere ersten SB-Kassen hatten integrierte Waagen. Die waren so empfindlich, dass sogar der Luftzug vom Markteingang gestört hat.“ Trotzdem setzt Berger konsequent auf Innovation: „Vor drei Jahren waren wir einer der ersten, die SB-Kassen eingeführt haben. In unserem Markt in Birkenfeld können Kunden ihre Einkäufe bereits am Regal per Handscanner erfassen. Am Checkout wird dann nur noch bezahlt.“ Welche Technik zum Einsatz komme, hänge auch vom Standort ab, so Berger.
Neben Technik und Investitionskosten treibt das Thema Ladendiebstahl die Händler um: Laut Handelsverband summierten sich die Schäden im Jahr 2023 auf 2,8 Milliarden Euro, ein Plus von 15 Prozent zum Vorjahr. Auch wenn SB-Kassen an dieser Summe nur einen geringen Anteil haben: das Diebstahlrisiko steigt mit der Möglichkeit des unbeobachteten Bezahlens. Stephan Rüschen, Professor für Lebensmittelhandel an der DHBW Heilbronn, schätzt die Verluste in Märkten mit SB-Kassen auf ein bis zwei Prozent des Umsatzes. Frank Berger nennt keine Zahlen, bestätigt aber: „Da werden gerne mal vier Artikel eingepackt, aber nur drei gescannt.“ dm-Geschäftsführer Dallmeier äußert sich diplomatisch: „Diebstähle stellen den gesamten Einzelhandel vor Herausforderungen, unabhängig von der Art der Kassen.“
Berger betrachtet die aktuell verbreiteten Selbstbedienungskassen und mobilen Scanner als Übergangslösungen auf dem Weg in eine smarte Zukunft: „Ich bin überzeugt, dass sich auf Dauer der ‚smarte Einkaufswagen‘ durchsetzen wird. Dabei registrieren integrierte Kameras und eine Waage automatisch alle Artikel, die in den Wagen gelegt werden. Das System erkennt auch, wenn ein Artikel wieder entfernt wird. Das wird die Zukunft sein, auch wenn die Technologie heute noch nicht ausgereift und zu teuer ist.“
Egal, wie raffinert die Technik in Zukunft sein wird: „Für uns ist klar, dass der persönliche Kundenkontakt immer Priorität haben wird“, sagt Martin Dallmeier. Auch Frank Berger betont: „Der persönliche Kontakt ist einfach unverzichtbar, an der Bedientheke wie an der Kasse. Bei uns erhalten die Kunden noch ihre 50 Gramm Aufschnitt und nicht nur die abgepackten 100 Gramm – das wird honoriert.“ Sein Ziel: Nähe, Beratung und ein Einkaufserlebnis, das den Markt als sozialen Ort erhält. „Wie wichtig das ist, hat man während Corona gesehen. Die Leute konnten nirgends mehr hin, aber bei uns hat man sich getroffen und konnte sich austauschen.“

Für Frank Berger steht fest, dass in Zukunft Technik und menschliche Begegnung friedlich miteinander koexistieren werden. „Hier kennt man sich. Wenn ich in meinen Märkten unterwegs bin, finde ich immer jemanden zum Plaudern – und meinen Kunden geht es genauso“. Das ist vielleicht das Beste daran: Wer weiß, dass er an der Kasse nicht wertvolle Zeit verliert, der ist gerne bereit für einen Plausch am Regal.
27.08.2025 (Archivartikel) | Christian Roch
„Ich will mit aller Macht gegen den Trend arbeiten und Theken und Kassen weiterhin mit Menschen besetzen.“
Freitagmorgen im EDEKA-Markt von Frank Berger im Pforzheimer Stadtteil Huchenfeld: Eine Kundin steuert zielstrebig einen der drei SB-Kassen an. Routiniert zieht sie ihre Einkäufe über den Scanner, tippt kurz auf den Touchscreen und zahlt dann kontaktlos per Smartphone. Nach kaum zwei Minuten ist sie auf dem Weg zum Ausgang. Berger, der neben Huchenfeld zwei weitere EDEKA-Märkte betreibt, deutet auf die winzigen Kameras über den Touchscreens: „Das System wird immer besser: Beim Kauf von Alkohol musste bis vor kurzem eine Mitarbeiterin das Alter verifizieren. Jetzt prüft das unser System selbständig und anonym anhand von Gesichtsmerkmalen. Nur in Grenzfällen wird noch eine Mitarbeiterin benötigt.“ Tatsächlich: An den drei Stationen geht es gelassen und effizient zu. Und doch hängt ein Hauch Distanz in der Luft.
Laut Einzelhandelsverband EHI gab es Ende 2023 rund 4.270 Geschäfte mit insgesamt 16.000 Selbstbedienungskassen – doppelt so viele wie noch zwei Jahre zuvor. „Wenn man mal eben ein paar Artikel kaufen möchte, sind SB-Kassen unschlagbar schnell“, weiß Frank Berger. „Technikaffine Kunden jeden Alters nehmen diese Möglichkeit sehr gerne wahr. Vor allem unter der Woche entlasten die Systeme mein Personal enorm.“
Auch bei der Drogeriemarktkette dm setzt man auf SB-Kassen und macht damit gute Erfahrungen. Martin Dallmeier, Geschäftsführer Finanzen und Controlling, bestätigt gegenüber WirtschaftsKRAFT: „Insbesondere bei kleineren Einkäufen und wenn ein dm-Markt stark besucht ist, ermöglichen Selbstbedienungskassen eine schnellere Bezahlung.“ Laut einer Studie von EHI Retail Institute und KPMG bewerten 82 Prozent der regelmäßigen Nutzer von Self-Checkouts ihr Einkaufserlebnis insgesamt positiver, 62 Prozent heben die Zeitersparnis hervor.
Doch es gibt auch Schattenseiten: 40 Prozent der Befragten empfinden die Bedienung als zu komplex, 37 Prozent fühlen sich gestresst. Auch die Händler haben eine Lernkurve zu absolvieren. Frank Berger erinnert sich: „Unsere ersten SB-Kassen hatten integrierte Waagen. Die waren so empfindlich, dass sogar der Luftzug vom Markteingang gestört hat.“ Trotzdem setzt Berger konsequent auf Innovation: „Vor drei Jahren waren wir einer der ersten, die SB-Kassen eingeführt haben. In unserem Markt in Birkenfeld können Kunden ihre Einkäufe bereits am Regal per Handscanner erfassen. Am Checkout wird dann nur noch bezahlt.“ Welche Technik zum Einsatz komme, hänge auch vom Standort ab, so Berger.
Neben Technik und Investitionskosten treibt das Thema Ladendiebstahl die Händler um: Laut Handelsverband summierten sich die Schäden im Jahr 2023 auf 2,8 Milliarden Euro, ein Plus von 15 Prozent zum Vorjahr. Auch wenn SB-Kassen an dieser Summe nur einen geringen Anteil haben: das Diebstahlrisiko steigt mit der Möglichkeit des unbeobachteten Bezahlens. Stephan Rüschen, Professor für Lebensmittelhandel an der DHBW Heilbronn, schätzt die Verluste in Märkten mit SB-Kassen auf ein bis zwei Prozent des Umsatzes. Frank Berger nennt keine Zahlen, bestätigt aber: „Da werden gerne mal vier Artikel eingepackt, aber nur drei gescannt.“ dm-Geschäftsführer Dallmeier äußert sich diplomatisch: „Diebstähle stellen den gesamten Einzelhandel vor Herausforderungen, unabhängig von der Art der Kassen.“
Berger betrachtet die aktuell verbreiteten Selbstbedienungskassen und mobilen Scanner als Übergangslösungen auf dem Weg in eine smarte Zukunft: „Ich bin überzeugt, dass sich auf Dauer der ‚smarte Einkaufswagen‘ durchsetzen wird. Dabei registrieren integrierte Kameras und eine Waage automatisch alle Artikel, die in den Wagen gelegt werden. Das System erkennt auch, wenn ein Artikel wieder entfernt wird. Das wird die Zukunft sein, auch wenn die Technologie heute noch nicht ausgereift und zu teuer ist.“
Egal, wie raffinert die Technik in Zukunft sein wird: „Für uns ist klar, dass der persönliche Kundenkontakt immer Priorität haben wird“, sagt Martin Dallmeier. Auch Frank Berger betont: „Der persönliche Kontakt ist einfach unverzichtbar, an der Bedientheke wie an der Kasse. Bei uns erhalten die Kunden noch ihre 50 Gramm Aufschnitt und nicht nur die abgepackten 100 Gramm – das wird honoriert.“ Sein Ziel: Nähe, Beratung und ein Einkaufserlebnis, das den Markt als sozialen Ort erhält. „Wie wichtig das ist, hat man während Corona gesehen. Die Leute konnten nirgends mehr hin, aber bei uns hat man sich getroffen und konnte sich austauschen.“

Für Frank Berger steht fest, dass in Zukunft Technik und menschliche Begegnung friedlich miteinander koexistieren werden. „Hier kennt man sich. Wenn ich in meinen Märkten unterwegs bin, finde ich immer jemanden zum Plaudern – und meinen Kunden geht es genauso“. Das ist vielleicht das Beste daran: Wer weiß, dass er an der Kasse nicht wertvolle Zeit verliert, der ist gerne bereit für einen Plausch am Regal.
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