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Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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Zwischen Aufbruch und Abgehängtsein: Wie KI die Arbeitswelt verändert – und spaltet

Eine neue Studie der Universität Konstanz zeigt: Immer mehr Beschäftigte nutzen Künstliche Intelligenz im Job. Doch nicht alle profitieren gleichermaßen vom digitalen Wandel.
Eine neue Studie von Forschenden des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz zeigt: Immer mehr Beschäftigte in Deutschland nutzen Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz – aber die Kluft zwischen Berufsgruppen und Bildungsniveaus bleibt bestehen. Luftbild Universität Konstanz. Foto: Universität Konstanz, Patrick Doodt

14.07.2025

Künstliche Intelligenz ist in deutschen Büros auf dem Vormarsch – doch auf dem Bau, in der Werkstatt oder im Kleinbetrieb bleibt sie oft außen vor. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konstanzer KI-Studie 2025, durchgeführt vom Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz. Die Befragung von über 1.000 Erwerbstätigen zeigt: 35 Prozent der Beschäftigten nutzen inzwischen KI-Tools im Arbeitsalltag – ein Plus von elf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.

Der Liebling unter den digitalen Helfern: Programme zur automatisierten Textgenerierung wie ChatGPT. Aber auch Tools für Prognosen, Datenanalysen oder robotergestützte Anwendungen halten zunehmend Einzug – allerdings nicht überall.

Wer profitiert – und wer nicht?

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass KI in Deutschland zwar immer wichtiger wird – die gesellschaftliche Debatte aber stark von Unsicherheit und Ungleichheiten geprägt ist“, erklärt Florian Kunze, Leiter der Studie und Professor für Organizational Behavior an der Universität Konstanz.

Besonders stark wächst der KI-Einsatz demnach in wissensintensiven Berufen: In Bereichen wie IT, Verwaltung oder Forschung setzen bereits 45 Prozent der Beschäftigten entsprechende Tools ein. Ganz anders sieht es in produktiven oder handwerklichen Berufen aus – hier liegt der Anteil bei nur 21 Prozent. Die Konstanzer KI-Studie beleuchtet darüber hinaus die Rolle des Bildungsniveaus. Zwar steigt die Nutzung gegenüber dem Vorjahr über alle Gruppen hinweg – aber die Unterschiede bleiben bestehen: Beschäftigte mit abgeschlossenem Studium nutzen KI dreimal so häufig wie Personen mit niedrigem Bildungsabschluss. Die Bereitschaft zur Weiterbildung im Umgang mit KI steigt, besonders unter Beschäftigten mit höherem Bildungsniveau: „Wer bereits privilegiert ist, profitiert stärker von den Chancen der Technologie. Ohne gezielte politische oder betriebliche Unterstützung droht eine dauerhafte digitale Spaltung des Arbeitsmarkts“, erklärt Carolina Opitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt.

Unterschiede je nach Unternehmensgröße

Während Beschäftigte sich zunehmend mit KI auseinandersetzen, verläuft der Wandel auf Organisationsebene deutlich langsamer. Vor allem kleine Unternehmen investieren kaum in Weiterbildung oder klare Kommunikationsstrategien zur Nutzung von KI. Größere Betriebe zeigen hier mehr Initiative – doch auch dort bleibt das Gesamtniveau niedrig. „Es besteht die Gefahr, dass sich abgehängte Organisationen herausbilden, in denen der technologische Wandel kaum ankommt und Beschäftigte dauerhaft schlechtere Entwicklungschancen haben“, betont Kunze. „Das Risiko einer wachsenden sozialen Spaltung erfordert gezielte Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen.“

Trotz zunehmender Nutzung ist die Stimmung zwiegespalten: Ein Drittel der Befragten fühlt sich unsicher, was die Auswirkungen von KI auf den eigenen Job betrifft. Fast die Hälfte befürchtet negative Folgen für den Arbeitsmarkt – doch nur jeder Fünfte glaubt, selbst vom Arbeitsplatzverlust bedroht zu sein.

pm/tm

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