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Zig Millionen Menschen müssen für neue Jobs geschult werden

Bis zum Jahr 2030 müssen schätzungsweise 1 Milliarde Menschen umgeschult werden. Die Automatisierung macht bestimmte Berufe überflüssig, aber neue Tätigkeiten entstehen. Viel zu tun also für die Bildungsträger, macht Digitalexperte Patrick Walz bei der Zertifikatsvergabe der AHP (Akademie an der Hochschule Pforzheim) in Nagold deutlich.
Digitalexperte Patrick Walz sieht die größte Herausforderung der Unternehmen im Fachkräftemangel und glaubt, dass Weiterbildung der Beschäftigten eine der Lösungen sein kann. ©GerdLache

Von Gerd Lache | 12.09.2021

Im 19. Jahrhundert habe noch die Erkenntnis gegolten, dass sich Wissen alle 100 Jahre verdoppele. „Heute ist das alle elf bis 13 Stunden der Fall“, nennt Patrick Walz eine Studie zur rasenden Zunahme des Wissens. Der Leiter des Digitalisierungszentrums Nagold hält seinen Impulsvortrag als Themenbündel von  Künstlicher Intelligenz (KI), Virtual und Mixed Reality bis hin zum spielenden Lernen (Gamification) vor Zertifikatsempfängern der Akademie an der Hochschule Pforzheim (AHP) am Standort Nagold. Die jungen berufstätigen Frauen und Männer haben neben ihren Jobs eines oder mehrere von inzwischen 27 Moduln erfolgreich absolviert.

„Lebenslanges Lernen wird uns alle begleiten“, prognostiziert Walz. Rund 65 Prozent der heutigen Grundschüler würden später einmal in Berufen arbeiten, die man heute noch gar nicht kenne. „Verrückt“, sagt er und sieht darin auch neue Herausforderungen für die Bildungslandschaft.

Derweil werde Lernen individueller und maßgeschneiderter. Adaptives Lernen, unter anderem mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI), nehme dabei an Bedeutung zu. Soll heißen: Lernen werde dem einzelnen Lernenden und nicht einer ganzen Gruppe angepasst. Jeder werde somit dort  abgeholt, wo er aktuell mit seinem bisherigen Können stehe. Aber: „KI wird den Lehrer nicht ersetzen, sondern ihm als Coach zur Seite stehen“, ist Walz überzeugt.

Lebenslang im selben Job tätig sein ist laut Digitalexperte Patrick Walz heutzutage keine Garantie mehr, dafür aber lebenslanges Lernen in einer sich rasant wandelnden Arbeitswelt. ©GerdLache

Den Dozenten und Professoren stünden in der neuen Bildungs- und Weiterbildungswelt vielfältige Medien zur Auswahl. Unterdessen ist Walz vom Konzept des „Blended Learning“, übersetzt integriertes Lernen, überzeugt. Hierbei werden  die Vorteile von Präsenzveranstaltungen und E-Learning ideal kombiniert.

Und genau dieses Blended Learning sei Bestandteil „unserer DNA“, erklärt AHP-Geschäftsführer Dr. Reinhard Rupp, Professor für Controlling, Finanzen und Rechnungswesen. Dieses Konzept werde im bundesweiten Vergleich noch selten praktiziert. Rupp bezeichnete es deshalb als eines von zwei Alleinstellungsmerkmalen der Akademie. „Nur wenige machen das so konsequent wie wir“, sagt er zu der Mixtur aus Online und Präsenz.

Ein zweites Alleinstellungsmerkmal der Akademie ist Rupp zufolge die Modularität. Im Sommersemester 2021 hätten sich an der AHP 60 Teilnehmende mit insgesamt 101 Modulen weiter- und fortgebildet. Jedes einzelne Zertifikat für sich stelle schon einen Wert dar. „Man hat damit sozusagen eine Währung, die bei anderen Hochschulen oder Bildungsträgern verwendet werden kann.“

Bianca Schurr (links), Projektleiterin der Bosch-Gruppe, hat bereits sechs AHP-Module belegt und erhält ein Zertifikat von Professor Reinhard Rupp und Cleo Fuhrländer, Marketing und Kommunikation bei der AHP in Nagold. ©DorisLöffler

Zur Erklärung die Darstellung der Hochschule Pforzheim: „Unser flexibles und modular aufgebautes Programm führt Sie Stufe für Stufe bis zum Master. Die erste Stufe stellen Einzelzertifikate dar, die Sie als gezielte Weiterbildung zu einem bestimmten Thema nutzen können. Die zweite Stufe sind unsere Diplomas of Advanced Studies, die größere Themengebiete abdecken und aus insgesamt 5 Einzelzertifikaten bestehen. Die dritte Stufe stellt der Master of Arts ‚Strategisches Innovationsmanagement‘ dar. Für diesen benötigen Sie 11 Zertifikate, eine interdisziplinäre Projektarbeit sowie die Master-Thesis.“

Tobias Riethmüller, Laborleiter beim Campus Schwarzwald in Freudenstadt, bedankt sich für sein AHP-Zertifikat bei Professor Rupp mit der Corona-konformen Ghetto-Faust. Mitte: Cleo Fuhrländer, Marketing und Kommunikation bei der AHP in Nagold. ©DorisLöffler

Vorteil des Programms: „Sie müssen nicht sofort eine der drei Stufen wählen. Sie können mit Einzelzertifikaten beginnen und sich später entscheiden, ob Sie ein Diploma oder auch den ganzen Master absolvieren möchten. Des Weiteren gibt es keine Mindestanzahl zu belegender Zertifikate pro Semester, weswegen auch Pausieren möglich ist.“

Hochschulrektor Professor Ulrich Jautz zitierte eine Aussage von Joachen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald. Demnach müsse die Region, um weiter voran zu kommen, „Wissenschaft und Unternehmen“ vernetzen.

Jautz: „Und genau das tun wir mit unserem Weiterbildungsprogramm. Berufstätige aus den Unternehmen der Region könnten sich vor Ort aktuelles Wissen aneignen. Und für die Unternehmen biete sich die Möglichkeit, die Beschäftigten in der Region zu halten. Der Rektor der Hochschule Pforzheim sprach von einer fruchtbaren Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Stadt Nagold, dem Landkreis Calw, den hier ansässigen Firmen sowie der Hochschule.

Spricht von einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen der Stadt Nagold, dem Landkreis Calw, den in der Region Nordschwarzwald ansässigen Firmen sowie der Hochschule Pforzheim: Rektor Ulrich Jautz. ©DorisLöffler

„Und wir alle, wir Partner wissen, dass unsere Zukunft ganz entscheidend davon abhängt, was Sie zwischen Ohren haben“, spielt Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann auf die Denkkraft der Zertifikatsempfänger bei der Übergabe an. „Je mehr Sie zwischen den Ohren haben, desto erfolgreicher werden die Unternehmen sein, in denen Sie wirken.“

Beim Leiter der Volkshochschule Oberes Nagoldtal, Dr. Mario Gotterbarm, bedankte sich der OB, dass die AHP unter dem Dach der VHS eine Heimat gefunden hat. Und: „Das Dach hier wird ja noch größer werden.“ Demnächst beginne ein Straßenstück weiter unten die IHK Nordschwarzwald mit der Einrichtung ihres Bildungszentrums, „sodass wir hier ein richtiges Bildungsquartier haben“, so Großmann.

Freut sich auf das entstehende Bildungsquartier, wenn neben der Volkshochschule und der Akademie an der Hochschule Pforzheim (AHP) nun noch das Bildungszentrum der IHK nach Nagold kommen wird: Oberbürgermeister Jürgen Großmann. ©GerdLache

Die AHP

… die Akademie an der Hochschule Pforzheim, ist eine gGmbH, eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Gesellschafter sind die Hochschule Pforzheim sowie der Förderverein Design PF e.V. und der Förderverein Förderer und Alumni der Hochschule Pforzheim e.V. In der Gesellschafterversammlung werden die Gesellschafter durch den Rektor der Hochschule sowie die Vorsitzenden der beiden Fördervereine vertreten.

Das Weiterbildungsprogramm der Hochschule Pforzheim wird über die AHP organisiert. Standorte der AHP ist laut AHP-Geschäftsführer, Professor Reinhard Rupp, das Bildungsdreieck Pforzheim (Büro im Zentrum für Präzisionstechnik ZPT), Nagold (unter dem Dach der VHS) und Freudenstadt (Campus Schwarzwald).

Die AHP unterstützt nach eigenen Angaben als Teil der Hochschule Pforzheim durch innovative Weiterbildungsangebote den Auftrag des lebenslangen Lernens. Es wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt, der die Verzahnung mit allen Fakultäten der Hochschule realisiert.

Da die AHP eine anerkannte Bildungseinrichtung nach dem Bildungszeitgesetzt Baden-Württemberg ist, können Sie Bildungszeit nach dem Bildungszeitgesetz Baden-Württemberg in Anspruch nehmen. (pm/gel)

Gruppenbild vor dem VHS-Gebäude in Nagold mit AHP-Akteuren und –Förderern sowie mit einigen der Akademie-Teilnehmenden, die neben ihrem Job Zertifikate in verschiedenen Modul-Angeboten erworben haben. ©GerdLache

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