Wirtschaftsforum Nordschwarzwald 2026: Wie Generation Z die Arbeitswelt verändert

Begrüßungs-Talk, Impulsvortrag und Podiumsdiskussion waren die prägenden Elemente des Wirtschaftsforums Nordschwarzwald 2026. Das zugkräftige Thema der gut besuchten Veranstaltung im TurmQuartier Pforzheim lautete: Next-Gen-Economy: Wie die Generation Z die Arbeitswelt verändert.
Power-Frauen beim Wirtschaftsforum 2026, v. l. n. r.: Prof. Dr. Cathrin Eireiner, Ariane Bertz und Cindy Fernandez. Foto.: Robin Daniel Frommer

23.04.2026

„Im Heckengäu ist die Gen Z und ihr Wertesystem anders als beispielsweise in Berlin“
Philip Reisert, Co-Ceo, C. Hafner GmbH

von Robin Daniel Frommer

Moderatorin Ariane Bertz aus Karlsruhe führte sachkundig und charmant durch alle Programmteile. Klischeehafte Bilder, trug Ariane Bertz vor, „verzerren den Blick auf eine Generation, die gerade dabei ist, die gesamte Berufswelt zu verändern“, und beflügelte so den Austausch im Rahmen des Begrüßungstalks mit Kerstin Gatzlaff (Vorstandsmitglied der Sparkasse Pforzheim Calw) und den Wirtschaftsjunioren, Projektleiter Tobias Fricke und Kreissprecher Philipp Ringwald. Die Kooperation zwischen Sparkasse und Wirtschaftsjunioren, unterstrich Kerstin Gatzlaff, sei „gerade für Gründerinnen und Gründer wertvoll, weil sie quasi eine ganzheitliche Beratung bietet“.

Strukturelle Probleme sind hausgemacht

Dirk Wentzel, Professor der Hochschule Pforzheim, referierte die Keynote des diesjährigen Wirtschaftsforums. Seine „Perspektiven 2026“ leite er mit dem Hinweis ein, zu Trump wolle er ausdrücklich nicht sprechen, denn: „Unsere strukturellen Probleme sind hausgemacht und müssen zu Hause, also von uns alleine gelöst werden. Die 25. Regierung ist noch kein Jahr im Amt, es ist zu früh um jetzt ein Urteil zu sprechen. Nach ökonomischen Kriterien geht es uns zumindest nicht schlechter, als vor einem Jahr“.

Für die Unternehmen wertete er folgende Maßnahmen als positiv: Bezahlbare Energie, (kontrakariert durch den Iran-Krieg), Stromsteuersenkung zum 1. Januar, Abschaffung der Gasspeicherzulage, Investitions-Booster-Initiative (30 Prozent Abschreibung jährlich). Die Senkung der Körperschaftssteuer zieht er angesichts der Finanzlange eher in Zweifel. „Die Talsohle scheint durschritten, ein ganz großer Wurf ist leider nicht gelungen. Aber immerhin, die Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten ein moderates Wachstum von einem Prozent – nach drei Jahren Negativwachstum. Der Auftragseingang im Baugewerbe geht mit 16 Prozent in die richtige Richtung – und der DAX bereitet sich trotz weltweiter Krisen auf ein Allzeithoch vor“. In den USA, so Prof. Wentzel weiter, „werde, nach Öffnung der Straße von Hormus für die Schifffahrt, tatsächlich eine Börsen-Rallye erwartet“.

Wachstumskrisen dürfen nicht schön geredet werden

In seinen Schlussgedanken unterstrich Wentzel: „Wir brauchen eine Strukturreform in Deutschland, die ausschließlich auf Wachstum setzt. Das Schönreden von Wachstumskrisen muss beendet werden. Wir brauchen ein zeitlich befristetes Moratorium, von mindestens fünf Jahren, für neue zusätzliche Sozialaufgaben – die Kindergrundsicherung hätte zwölf Milliarden Euro gekostet und die Mütterrente ist auch nicht gerade billig. An der Grundsicherung werden wir noch Jahre knapsen, denn wir haben im letzten Jahr 41,5 Milliarden für Bürgergeld ausgegeben, davon waren alleine acht Milliarden Verwaltungskosten. Wir sind im internationalen Vergleich bei der Unternehmensbesteuerung eindeutig zu hoch und die Debatte um die Wiedereinführung einer Reichensteuer ist nicht wirklich zielführend. Wir sollten, alle wirtschaftspolitischen Initiativen darauf richten, die Wirtschaft zum Laufen zu bringen; sonst werden wir die politischen Konsequenzen tragen müssen“.

Gen Z will keine dysfunktionalen Organisationen ertragen

Mit der abschließenden Podiumsdiskussion ging der Fokus der Veranstaltung zurück zur Generation Z. Ariana Bertz präsentierte die Teilnehmer des Panels mit Cathrin Eireiner (Professorin Hochschule Pforzheim), Philip Reisert (Co-Ceo, C. Hafner GmbH) und die 29-jährige Gründerin Cindy Fernandez (Naturkosmetik Bloomwood). Hochschul-Professorin Eireiner stellte rasch richtig: „Wenn wir sagen, die Generation Z ist schwieriger als die Generation davor, dann missdeuten wir den Fakt, dass diese Generation vielleicht einfach weniger gewillt ist, dysfunktionale Organisationen zu ertragen. Oft lesen Unternehmen eine zu hohe Anspruchshaltung daraus. Aber vielleicht haben wir aber auch jemanden vor uns sitzen, der uns transparent und ehrlich sagt, wenn ihr keine gute Führung habt und wenn ihr keine Klarheit besitzt, dann kann ich mich nicht bei euch engagieren“.

Cindy Fernandez, die als Einzige des Podiums der Generation Z aktuell selbst angehört, spielte das viel beschriebene Selbstbewusstsein der Jungen, wie einen Ball zurück: Im Bewerbungsgespräch, die Gehaltsforderungen klar zu formulieren, „wird uns gerade von älteren Generationen so beigebracht. Die fordern uns auf: Leg alles auf den Tisch. Dreistigkeit siegt“. Philip Reisert ergänzte mit Bezug auf den Firmenstandort in Wimsheim: „Im Heckengäu ist die Gen Z und ihr Wertesystem anders als beispielsweise in Berlin“. Was er aber an den Zoomern klar kritisiert, ist ihre deutlich gesunkene Bereitschaft sich sinnstiftend zu engagieren, bei Organisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz oder der Freiwillige Feuerwehr.

Führungskräfte der Babyboomer-Generation müssen sich ändern

Philip Reiserts Expertise zur künftigen Führung und innerbetrieblichen Zusammenarbeit kam knapp und zukunftsorientiert: „Die Führenden, die aus der Babyboomer-Generation, die müssen sich ändern. Mag sein, es fällt manchen schon verdammt schwer, den Jüngeren den Raum zu geben, aber das muss so sein, sonst sind wir keine attraktiven Arbeitgeber“.

In die sich wenig später anschließende Diskussion wurde auch das Saalpublikum einbezogen. Aus der ersten Reihe erreichte Cindy Fernandez beispielsweise die Frage, zu den Starbedingungen ihrer Selbständigkeit. Ihr Feedback lautete: „Es ist nicht einfach. Ich habe mich in einer Branche selbstständig gemacht, die überlaufen ist. Bigplayer, wie L’Oréal oder Estée Lauder, teilen sich weit über 50 Prozent des Weltmarktes. Meine Kosmetika binden natürlich viel Kapital, um überhaupt produzieren zu können. Außerdem: Man glaubt es fast nicht, die Kosmetikbranche wird sehr von Männern dominiert. Aber vielleicht ist mein Start-Up ein schönes Beispiel dafür, dass man der Gen Z nicht generell nachsagen kann, sie wollen nichts mehr leisten. Ich habe ja an der Hochschule Pforzheim studiert und ich kenne keine einzige studierende Person, die nicht während ihres Studiums irgendwo gearbeitet hat. Also wirklich nicht“.