Wie „Weihnachten neu erleben“ mit einer starken Botschaft Karlsruhe berührt

Was einst als kleines Experiment begann hat sich heute zu einer der größten Weihnachtsproduktionen Deutschlands entwickelt. Als das Projekt 2014 erstmals im Filmpalast am ZKM auf die Bühne kam, war nicht absehbar, welche Entwicklung es nehmen würde. In diesem Jahr waren rund 80.000 Tickets innerhalb einer Stunde vergriffen – eine Dimension, die sonst nur internationalen Großstars vorbehalten ist.
Statt eines traditionellen Krippenspiels wird die Handlung in eine Schrottwerkstatt verlegt – einen Ort, an dem Dinge, die beschädigt oder wertlos erscheinen, ein neues Leben erhalten. Foto: Sandra Gallian

14.12.2025

von Sandra Gallian

Schon die Generalprobe am 11. Dezember um 16 Uhr in der dm-Arena in Karlsruhe vor rund 4.000 Besucherinnen und Besuchern gab einen Eindruck davon, wie viel Energie in dieser Produktion steckt.

Gründer Michael Hoffmann erinnerte sich an die Anfänge. „Wir hätten uns das damals nie ausmalen können“, sagte er rückblickend. „Aber wenn Menschen gemeinsam an einer Vision festhalten, kann etwas entstehen, das jede Vorstellung übertrifft.“

Zwei Jahre Arbeit für einige magische Tage

Hinter der Show steckt laut Pressesprecher Jonathan Bauer ein hoher Planungs- und Probenaufwand. Bereits ein Jahr vorher arbeitete ein zehnköpfiges Kreativteam am Drehbuch, danach begann das Casting und ein erstes Table Reading. Nach den Sommerferien starteten die Proben dann mit zwei bis drei Terminen pro Woche, ab September folgten die dreieinhalbmonatige Intensivphase, in der alle Elemente zusammengeführt wurden – alles ehrenamtlich und ohne Gagen.

Rund 4.000 Besucherinnen und Besuchern waren schon bei der Generalprobe anwesend.

2000 ehrenamtliche Mitwirkende

Der Chor mit seinen rund 400 Stimmen, das Orchester aus 40 Musikerinnen und Musikern und die rund 80 Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne sind der sichtbare und emotionale Teil des Musicals. Doch hinter den Kulissen arbeiten hunderte weitere Menschen. Sie organisierten den Ticketverkauf, betreuten den Weihnachtsmarkt in Halle 1, koordinierten Licht, Ton, Kostüme, Catering und Fotografie. Sogar ein Crowdfunding-Team war im Vorfeld aktiv gewesen, um die hohen Fixkosten zu decken.

Moderne Geschichten mit Herz und Tiefgang

Inhaltlich setzt die Show auf eine moderne Erzählweise. Statt eines traditionellen Krippenspiels wird die Handlung in eine Schrottwerkstatt verlegt – einen Ort, an dem Dinge, die beschädigt oder wertlos erscheinen, ein neues Leben erhalten. Dieser Schauplatz dient als Metapher für menschliche Beziehungen, die ebenfalls wieder heil werden dürfen.

Rachel Silberhorn, die erstmals in einer Hauptrolle zu sehen war, beschrieb die Botschaft so: „Der Satz ‚Was kaputt geht, kann wieder repariert werden‘ zieht sich durch die gesamte Handlung. Er steht für Versöhnung und für die Hoffnung, die viele von uns gerade in dieser Zeit brauchen.“

Musikalisch spannt die Show einen weiten Bogen zwischen zeitgenössischen Pop- und Rocksongs. Titel von Queen, Adele und P!nk erhalten durch den Chor und das Live-Orchester eine beeindruckende Kraft, die beim Publikum unmittelbar ankam.

Rund 80 Darstellerinnen und Darsteller sind auf der Bühne zu sehen, neben einem Chor mit 400 Personen und einem Orchester mit 40 Personen.

Charity als Herzstück des Projekts

Auch in dieser Ausgabe richtet sich der Fokus nicht allein auf das Show-Element. Der gesamte Erlös der Produktion fliesst an regionale Kinderhilfsprojekte. In diesem Jahr sind dies die Kinder- und Jugendarche Karlsruhe, die Hanne-Landgraf-Stiftung und die Villa Kunterbunt in Büchenau.

Michael Hoffmann betonte immer wieder den zentralen Gedanken des Projekts: „Wir wollten echte Hilfe leisten. Uns geht es darum, dass Kinder und Jugendliche in unserer Region Unterstützung erfahren – nicht nur an Weihnachten, aber gerade dann.“

Die Laiendarsteller haben ein halbes Jahr intensiv gebprobt und verzichten alle auf eine Gage.

Gemeinschaft über Grenzen hinweg

Ein wesentlicher Teil des Erfolgs liegt laut Hoffmann auch in der Vielfalt der Beteiligten. Menschen aus unterschiedlichen Konfessionen, Berufen, Lebensrealitäten und Hintergründen arbeiten hier zusammen.

Der evangelische Stadtdekan Thomas Schalla beschrieb dieses Miteinander als eine Erfahrung, die „mit tiefer Freude erfüllte“. Auch Markus Miles, katholischer Stadtdekan von Karlsruhe, sah darin ein beeindruckendes Zeichen: „Diese Zusammenarbeit hat gezeigt, was möglich wird, wenn Christinnen und Christen unterschiedlicher Traditionen gemeinsam handeln.“ Alexander Gimbel von der Freien evangelischen Gemeinde Karlsruhe formulierte es noch deutlicher: „Wir haben gemeinsam ein Wunder erlebt.“

Auch im Bühnenbild und der Performance liegt viel Herzblut und Energie.

Ein gesellschaftliches Signal

Während viele Gemeinden bundesweit über sinkende Mitgliederzahlen diskutieren, setzt Karlsruhe ein deutliches Zeichen. Die Show zeigt, dass Glaube, Gemeinschaft und Hoffnung weiterhin eine starke Anziehungskraft besitzen – wenn sie zeitgemäß und authentisch vermittelt werden.

Hoffmann erklärte, wie wichtig es sei, den Fokus auf das Wesentliche zu richten. „Wenn Menschen ihre Unterschiede nicht zum Hindernis machen, sondern sich auf ein gemeinsames Ziel konzentrieren, kann etwas entstehen, das weit über den Moment hinauswirkt“, sagte er.

Noch bis zum 14. Dezember können sich Besucherinnen und Besucher zwei mal täglich die ausverkaufte Show ansehen.

Musikalisch spannt die Show einen weiten Bogen zwischen zeitgenössischen Pop- und Rocksongs – von Queen, Adele und P!nk.

Alle Fotos: Sandra Gallian

Jetzt Newsletter abonnieren und von vielen Vorteilen profitieren!