Wie das CongressCentrum Pforzheim seit fast 40 Jahren den Eventmarkt prägt

Vom umkämpften Saalbau zur wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte: Ein Blick hinter die Kulissen des CCP (Congress Centrum Pforzheim) zeigt, warum das Haus heute weit über die Region hinaus gefragt ist.
Mit Maximalbestuhlung fasst der große Saal des CCP 2000 Plätze. Foto: Sandra Gallian

7.1.2026

von Sandra Gallian

Mit über 4.000 Quadratmetern Fläche, drei großen Sälen und bis zu 19 Räumen bietet das CCP ein hohes Maß an Flexibilität. Die Nähe zum Bahnhof, die Anbindung an das Parkhotel und die zentrale Lage machen es attraktiv – auch für Gäste, die wie Anke Engelke kürzlich ganz selbstverständlich mit der Bahn anreisen. Der Veranstaltungskalender des CCP liest sich prominent: internationale Acts geben hier ebenso Gastspiele wie landesweit bekannte Künstlerinnen und Künstler. Hinzu kommen Parteitage, Verbandskongresse, Tanzgalas, Sportevents, Fernsehproduktionen und Jubiläumsfeiern. Jährlich besuchen zwischen 80.000 und 100.000 Menschen das CCP – hochgerechnet auf fast 40 Jahre über drei Millionen Gäste.

Daniel Schuch, Vertriebsleiter des CongressCentrums, gewährte einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des CCP.

Betrieb hinter den Kulissen

Wirtschaftskraft durfte gemeinsam mit Daniel Schuch, Vertriebsleiter des CongressCentrums, einen exklusiven Blick hinter die Kulissen werfen und erhielt spannende Einblicke in die Historie und Räumlichkeiten des Hauses. Im Stuhllager stapeln sich Tische und Stühle, auf dem gemeinsamen Hof von CongressCentrum und Parkhotel rangieren zwei große Trucks mit Bühnenbauelementen. Bühnentechniker ziehen Traversen über die Rampe in den Saal, während im Hintergrund bereits Licht- und Tontechnik für den Abend installiert werden. Das Musical, das am Abend über die Bühne geht, bringt ein komplettes eigenes Setup mit – Bühnenbild, Technik, Personal.

„Für solche Produktionen ist der Aufwand deutlich höher“, sagt Daniel Schuch, Vertriebsleiter des CongressCentrums. „Das ist eine ganz andere Dimension als bei Comedy- oder Lesungsveranstaltungen.“

Künstler, Garderoben und unterschiedliche Ansprüche

Auf dem Weg in den Großen Saal geht es vorbei an den Garderoben – Räume, die zuletzt Namen wie Bülent Ceylan, Iris Berben oder Anke Engelke beherbergten. 

„Anke Engelke kam mit einem kleinen Rucksack am Bahnhof an“, erinnert sich Schuch. Iris Berben hingegen wurde von Paul Taube, Geschäftsführer des Kulturhauses Osterfeld, persönlich vom Flughafen Stuttgart abgeholt. „Sie brauchten kaum Technik, keinen eigenen Techniker. Bülent Ceylan dagegen hatte vier bis fünf Leute dabei – inklusive Tontechniker und Koch.“

Daniel Schuch mit dem Architekturmodell des CCP, entworfen vom Pforzheimer Architekten Gerhard Aeckerle.

Der Sold-Out-Award als Markenzeichen

Im Verwaltungsbereich hängen sie gut sichtbar an der Wand: 14 sogenannte Sold-Out-Awards. Eine Auszeichnung, die das CCP exklusiv an Veranstalter und Künstler für ausverkaufte Events oder Kongresse vergibt.

„Das Feedback ist durchweg positiv“, sagt Schuch. „Viele Künstlerinnen und Künstler finden das großartig – sowas haben andere Häuser nicht.“
Der Award wirkt dabei auch wirtschaftlich: Er schafft Aufmerksamkeit und Anreize. Für eine Landesverbandstagung wurde sogar ein Messe-Sold-Out-Award für 2025 vergeben – 92 Messestände, über 600 Teilnehmende, alle verfügbaren Flächen belegt.

Mit diesem 40 Jahre alten Modell ist der langjährige Geschäftsführer der Stadthalle Pforzheim, Günter Ihlenfeld, damals durch die Lande getourt und hat die Modularität der Säle potentiellen Kunden vorgestellt.

Der Große Saal: Modularität als Erfolgsfaktor

Direkt von den Garderoben führt ein Gang auf die Bühne, wo gerade der Aufbau läuft. Der Große Saal ist das Herzstück des Hauses.

„Mit Maximalbestuhlung kommen wir auf knapp 2.000 Plätze – dann sprechen wir von sold out“, erklärt Schuch. Die Bühne ist hochgradig variabel: Ein fester hinterer Bereich mit fünf Metern Tiefe wird durch drei verschiebbare Elemente ergänzt, die sich in Höhe und Tiefe anpassen lassen.

„Beim Goldstadt-Pokal haben wir zum Beispiel eine maximale Tanzfläche. Die Band steht dann im festen Bühnenbereich.“
Einen klassischen Orchestergraben gibt es nicht – Opern stehen hier auch nicht auf dem Spielplan. Konzerte und Shows finden direkt auf der Bühne statt.

Ein besonderes Highlight sind die integrierten Trennwände: Neun Meter hohe, fest verbaute Wände, die ausgezogen und verschoben werden können. „Damit stellten wir beim Einbau tatsächlich einen Weltrekord auf“, sagt Schuch nicht ohne Stolz. So lassen sich Teilbereiche abtrennen oder öffnen – etwa für parlamentarische Bestuhlungen mit bis zu 400 Personen oder für Kongresse mit erweitertem Foyer von bis zu 1.200 Quadratmetern.

Der Mittlere Saal im Obergeschoss bietet rund 600 Quadratmeter Fläche bei fünf Metern Höhe und bietet auch durch die hellen Fensterfronten eine ideale Kulisse für festliche Anlässe.

Kleine und mittlere Räume mit großer Wirkung

Auch der Kleine Saal ist wandelbar: Er lässt sich von einem großen Raum in bis zu fünf kleinere Einheiten unterteilen. Besonders ist seine Kubatur – viel Tageslicht, das bei Bedarf vollständig abgeschirmt werden kann, etwa für Präsentationen.

Der Mittlere Saal im Obergeschoss bietet rund 600 Quadratmeter Fläche bei fünf Metern Höhe. Große Fensterflächen sorgen für Helligkeit, ein Lastenaufzug für reibungslose Logistik. Aktuell ist der Raum festlich für das jüdische Chanukka-Fest eingedeckt – inklusive integrierter Hubbühne mit Ton- und Lichttechnik.

Vom Saalbau zur wirtschaftlichen Institution

Die Geschichte des CCP ist eng mit dem urbanen Wandel Pforzheims verbunden – und mit dem Engagement einer Bürgerin. Wo heute das Reuchlinhaus im Stadtgarten steht, befand sich einst der prunkvolle Pforzheimer Saalbau von 1900, im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Nach dem Krieg verschwanden viele Neubaupläne in Schubladen, bis Käthe Bauer, engagierte Bürgerrechtlerin, über Jahrzehnte hinweg für einen neuen Saalbau kämpfte. Mit Förderverein, Aktionen und schließlich einem Verwaltungsgerichtsverfahren erzwang sie den Neubau. 1979 verpflichtete ein Urteil die Stadt zum Bau eines modernen Kongresszentrums auf dem Waisenhausplatz.

1987 wurde das CCP eröffnet, entworfen vom Pforzheimer Architekten Gerhard Aeckerle. 1991 folgte das direkt angeschlossene Parkhotel, 2002 der Mittlere Saal – wichtige Schritte für die wirtschaftliche Positionierung im deutschen Kongressmarkt.

Das Kunstwerk „Die vier Jahreszeiten“ im Foyer des CCP wurde von dem Künstler Erich Heckel (einem der Hauptvertreter des Expressionismus) geschaffen.

MICE-Standort mit strategischer Bedeutung

Heute gilt das CCP als größtes Veranstaltungshaus im Nordschwarzwald – und als vielseitiger MICE-Standort für Meetings, Incentives, Conferences und Events. 2019 wurde es in den städtischen Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim integriert, was die wirtschaftliche Ausrichtung weiter stärkte.

Mit der Einweihung des Bertha-Benz-Platzes im April 2024 erhielt das Haus nicht nur eine neue Adresse, sondern auch ein starkes Symbol für Innovationsgeist und regionale Identität.

Nachhaltigkeit und Lage

Auch Nachhaltigkeit spielt eine wachsende Rolle: Fernwärme, digitale Prozesse statt Papier und seit Mai 2025 eine Photovoltaikanlage mit 90 Kilowatt Peak, die den Strombedarf des Hauses zu einem nicht geringen Teil deckt. „Der größte Hebel bleibt die Anreise und Übernachtung“, so Schuch. „Und da sind wir mit unserer zentralen Lage und dem Parkhotel direkt nebenan klar im Vorteil.“

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