Wenn Standard nicht ausreicht: MSE entwickelt Filterpressen nach Maß

Ob Edelmetallrecycling, chemische Industrie oder andere anspruchsvolle Verfahren: Wo Flüssigkeiten und Feststoffe zuverlässig voneinander getrennt werden müssen, sind häufig individuelle Lösungen gefragt. Die MSE Filterpressen GmbH aus Remchingen entwickelt und fertigt Filterpressen, die exakt auf die Prozesse, Medien und Sicherheitsanforderungen ihrer Kunden zugeschnitten sind. Wie komplex solche Aufgaben sein können, zeigt ein aktuelles Projekt für ein führendes europäisches Unternehmen im Metallrecycling.
Das aktuelle Großprojekt: eine von mehreren individuellen Filterpressen zur Rückgewinnung von Edelmetallen. Foto: Sandra Gallian

2.9.2026 von Sandra Gallian


Jede Anwendung stellt andere Anforderungen

Keine Branche, kein Prozess und kein zu filtrierendes Medium ist genau wie das andere. Während bei einer Anwendung ein klassischer Spritzschutz genügt, erfordern andere Prozesse eine weitreichende Einhausung. Auch die eingesetzten Werkstoffe, der Automatisierungsgrad und die einzelnen Funktionen der Filterpresse müssen an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden.

Genau hier liegt eine der Stärken von MSE Filterpressen: Das Remchinger Unternehmen liefert nicht einfach eine überdimensionierte Standardmaschine, sondern entwickelt gemeinsam mit seinen Kunden eine Lösung, die zu deren konkreter Aufgabe passt.

Ein aktuelles Großprojekt macht diese Arbeitsweise besonders deutlich. Für eine neue Recyclinganlage entwickelte MSE mehrere individuelle Filterpressen zur Rückgewinnung von Edelmetallen. Dort werden komplexe metallhaltige Materialien und Zwischenprodukte aufbereitet, aus denen unter anderem Silber, Gold, Kupfer und Schwefelsäure zurückgewonnen werden.

Bei dem Großprojekt fiel die Wahl aufgrund der aggressiven Medien auf die CellTRON Advanced. Foto: Sandra Gallian

Wertvolle Rohstoffe sicher zurückgewinnen

Bei der Rückgewinnung von Silber und Gold entstehen metallhaltige Schlämme. Eine Filterpresse trennt diese unter hohem Druck in feste und flüssige Bestandteile: Zurück bleiben ein sogenannter Filterkuchen und ein flüssiges Filtrat. Je nach Prozess befindet sich das Wertvolle in dem einen oder dem anderen Bestandteil.

Gerade bei Edelmetallen kommt es auf eine besonders präzise Trennung an. Bereits geringe Verluste können wirtschaftlich relevant sein. Gleichzeitig enthalten die Schlämme teilweise toxische und stark korrosive Stoffe. Sie stellen hohe Anforderungen an die Technik und können selbst robuste metallische Bauteile angreifen.

Für MSE bedeutete das: Die Maschinen mussten nicht nur zuverlässig und vollautomatisiert arbeiten, sondern auch dauerhaft den aggressiven Medien standhalten und Bediener sowie Umgebung bestmöglich vom Prozess abschirmen.

Maschinenbauingenieur Eric Zerr hat das Projekt bei MSE technisch begleitet. Foto: Sandra Gallian

Neuentwicklung aus dem konkreten Bedarf

Gemeinsam mit dem Kunden entwickelte MSE für diese Aufgabe die CellTRON Advanced. Sie ist Teil einer Produktfamilie mit drei unterschiedlichen Einhausungskonzepten: CellTRON Light, Advanced und Xtreme.

Die CellTRON Light bietet einen klassischen Spritzschutz. Die CellTRON Advanced verfügt über einen erweiterten Spritz- und Eingriffsschutz, während die CellTRON Xtreme für Anwendungen mit vollständig dichter Einhausung konzipiert ist. Alle Ausführungen können bei Bedarf zusätzlich mit überwachten Sicherheitsschaltern ausgestattet werden.

Die drei Varianten folgen einem klaren Prinzip: Der Kunde erhält genau das Schutzkonzept, das seine Anwendung erfordert. Ist ein klassischer Spritzschutz ausreichend? Wird ein zusätzlicher Eingriffsschutz benötigt? Oder verlangt der Prozess eine gasdichte Einhausung? Auf diese Weise lassen sich technische Anforderungen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit sinnvoll miteinander verbinden.

Eric Zerr erklärt die komplexen Funktionen der Filterpresse. Foto: Sandra Gallian

Kunststoff schützt vor aggressiven Medien

Für das aktuelle Recyclingprojekt fiel die Wahl auf die CellTRON Advanced. Die zu filtrierenden Medien waren so aggressiv, dass eine herkömmliche Einhausung aus lackiertem Stahl nicht an allen Stellen infrage kam. Deshalb wurde sie vollständig aus widerstandsfähigem Kunststoff gefertigt.

Das betrifft auch die Schiebetüren und die integrierte Trichtereinheit, durch die der Filterkuchen ausgetragen wird. Weitere Komponenten wurden ebenfalls an die besonderen Bedingungen angepasst. Speziell konstruierte Hydraulikaggregate lassen sich für Wartungsarbeiten aus der Einhausung herausschieben und bleiben dadurch gut zugänglich.

Die Anlage arbeitet vollautomatisiert. Unterschiedliche Funktionen ermöglichen es, den Filterkuchen nachzupressen, zu waschen und zu trocknen. Messsysteme überwachen dabei unter anderem die Qualität des Filtrats. So lässt sich der gesamte Prozess sicher steuern und auf eine möglichst präzise Rückgewinnung der enthaltenen Wertstoffe ausrichten.

Viele Details der hoch komplexen Filterpressen entstanden Schritt für Schritt im Austausch mit dem Kunden. Foto: Sandra Gallian

Entwicklung im engen Austausch mit dem Kunden

Die Filterpressen für das Projekt sind keine baugleichen Serienmaschinen. Sie wurden in unterschiedlichen Größen konstruiert und jeweils an ihre spätere Aufgabe angepasst.

Für den Maschinenbauingenieur Eric Zerr, der das Projekt bei MSE technisch begleitet, war die Entwicklung in dieser Dimension eine besondere Aufgabe. Viele Details entstanden Schritt für Schritt im Austausch mit dem Kunden. „Das war mein erstes Projekt in diesem Ausmaß“, sagt Zerr.

Bei einem komplexen Vorhaben dieser Größenordnung lassen sich nicht alle Entwicklungen von Beginn an exakt vorhersehen. Umso wichtiger war die transparente Abstimmung zwischen MSE, dem Kunden und den beteiligten Fachabteilungen. Herausforderungen konnten dadurch gemeinsam bewertet und passende Lösungen entwickelt werden.

Lösungen für unterschiedlichste Branchen

Das Projekt aus dem Edelmetallrecycling ist nur ein Beispiel dafür, wie individuell die Anforderungen an moderne Filtrationstechnik sein können. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel aus Medium, Prozess, Werkstoff, Automatisierung und Sicherheit.

Mit seiner Entwicklungs- und Fertigungskompetenz begleitet MSE Filterpressen Kunden aus unterschiedlichen Branchen – von der ersten Aufgabenstellung bis zur einsatzbereiten Anlage. Dabei geht es nicht darum, eine vorhandene Maschine möglichst passend zu machen. Vielmehr entsteht eine Lösung, die von Anfang an für den jeweiligen Prozess gedacht ist.

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