27.05.2026
von Christian Roch
Tatort Pforzheim: Eine Familie mit Eigenheim beauftragt einen vermeintlichen Zimmermann mit der Sanierung ihrer Dachkonstruktion. Doch die eigentlich überschaubare Maßnahme endet als Totalschaden. Das Dach beginnt nach wenigen Wochen, sich zu verformen, weil während der Arbeiten tragende Sparren geschwächt worden waren. Ein anderer Hausbesitzer aus dem Enzkreis macht nach einer Dachsanierung ähnliche Erfahrungen: Bereits beim ersten stärkeren Regen dringt Wasser ein. Schimmel bildet sich und das Dach muss von einem qualifizierten Betrieb komplett neu aufgebaut werden.
Catarina Haberstroh, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis beobachtet derartige Fälle mit wachsender Sorge. Die Zahl der Beschwerden von Verbrauchern nähme zwar zu, gleichzeitig warnt sie davor, das Problem zu pauschalisieren: „Die große Mehrheit der Handwerksbetriebe arbeitet qualifiziert und zuverlässig. Leider richten die wenigen schwarze Schafe einen überproportional großen Schaden an, unter dem auch seriöse Betriebe leiden.“
Der Schwerpunkt der Beschwerden liegt laut Haberstroh bei Handwerkerleistungen rund ums Eigenheim. Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten seien besonders betroffen, weil Mängel hier oft erst spät sichtbar würden, dann aber umso schwerwiegendere Folgen hätten. Gleiches gelte für Elektroinstallationen sowie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik: „Drei Faktoren treffen hier zusammen: hohe Investitionssummen, technische Komplexität und für Laien kaum einschätzbare Qualität. Das macht diese Gewerke anfällig für Anbieter, die auf schnellen Gewinn aus sind.“ In anderen Gewerken, wie beim Friseur oder in der Kfz-Werkstatt, sind Mängel für Kundinnen und Kunden oft leichter erkennbar. Trotzdem gibt es auch dort immer wieder Ärger: In einer Pforzheimer Kfz-Werkstatt fiel beispielsweise auf, dass grundlegende Umwelt- und Sicherheitsstandards nicht eingehalten wurden. Haberstroh: „Da stand die Öllache gut sichtbar auf dem Betriebsgelände.“ Solche Missstände färben auf die gesamte Branche ab.
Unseren Innungsbetrieben schlägt immer öfter Misstrauen entgegen, obwohl sie nachweislich hochwertige Arbeit leisten.
Catarina Haberstroh, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis

Das Vorgehen unseriöser Handwerksbetriebe folgt häufig ähnlichen Mustern. Die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis empfiehlt, von Anfang an genau hinzuschauen, um sich wirksam zu schützen:
Wer Zweifel hat ob er an einen unseriösen Handwerker geraten ist, sollte sofort reagieren. Catarina Haberstroh: „Schon vor der Beauftragung gilt: möglichst Angebote von unterschiedlichen Anbietern einholen. Kunden bekommen bereits hier einen Eindruck von Beratungsqualität und Verlässlichkeit. Wenn Sie etwas nicht verstehen oder Unklarheiten vorliegen, stellen Sie Fragen und verlangen Sie Nachweise, gerade bei Qualifikationen.“ Haberstroh empfiehlt, offizielle Stellen zu nutzen.
Die Innungen, die Kreishandwerkerschaft und die Handwerkskammer helfen bei der Prüfung, ob ein Betrieb qualifiziert und eingetragen ist. Eine solche Prüfung vor der Vergabe ist oft der wirksamste Schutz.
Catarina Haberstroh, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis
Während der Ausführung sollten Auftraggeber Verdachtsmomente sofort dokumentieren: Catarina Haberstroh rät: „Machen Sie Fotos und Notizen, kommunizieren Sie bevorzugt schriftlich und bewahren Sie Angebote und Nachrichten auf.“ Bei schwerwiegenden Mängeln kann es sinnvoll sein, die Ausführung zu stoppen und eine fachliche Zweitmeinung einzuholen. Nach Abschluss der Arbeiten gilt: keine Rechnung ungeprüft zahlen. Bei mangelhafter Leistung besteht das Recht auf Nachbesserung, Minderung oder Schadenersatz.

Catarina Haberstroh richtet einen eindringlichen Appell an Verbraucher: „Warum erst hinterher beschweren? Ein kurzes Vorabinformieren macht oft den Unterschied zwischen einem sauber ausgeführten Auftrag und einem teuren Problemfall.“ Gleichzeitig fordert sie Handwerksbetriebe auf, Missstände in den eigenen Reihen klar zu benennen: „Schwarze Schafe schaden nicht nur den Kunden. Sie schaden auch den vielen Betrieben, die jeden Tag ehrlich und fachlich korrekt arbeiten. Vertrauen entsteht nicht durch den günstigsten Preis, sondern durch Qualifikation, Transparenz und Verlässlichkeit. Genau das ist es, wofür das ehrbare Handwerk steht.“
Anlaufstellen für Verbraucher in der Region: Kreishandwerkerschaft Pforzheim/Enzkreis (www.kh-pforzheim.de), Handwerkskammer Karlsruhe (www.hwk-karlsruhe.de)
27.05.2026
„Schwarze Schafe schaden nicht nur den Kunden. Sie schaden auch den vielen Betrieben, die jeden Tag ehrlich und fachlich korrekt arbeiten.“
von Christian Roch
Tatort Pforzheim: Eine Familie mit Eigenheim beauftragt einen vermeintlichen Zimmermann mit der Sanierung ihrer Dachkonstruktion. Doch die eigentlich überschaubare Maßnahme endet als Totalschaden. Das Dach beginnt nach wenigen Wochen, sich zu verformen, weil während der Arbeiten tragende Sparren geschwächt worden waren. Ein anderer Hausbesitzer aus dem Enzkreis macht nach einer Dachsanierung ähnliche Erfahrungen: Bereits beim ersten stärkeren Regen dringt Wasser ein. Schimmel bildet sich und das Dach muss von einem qualifizierten Betrieb komplett neu aufgebaut werden.
Catarina Haberstroh, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis beobachtet derartige Fälle mit wachsender Sorge. Die Zahl der Beschwerden von Verbrauchern nähme zwar zu, gleichzeitig warnt sie davor, das Problem zu pauschalisieren: „Die große Mehrheit der Handwerksbetriebe arbeitet qualifiziert und zuverlässig. Leider richten die wenigen schwarze Schafe einen überproportional großen Schaden an, unter dem auch seriöse Betriebe leiden.“
Der Schwerpunkt der Beschwerden liegt laut Haberstroh bei Handwerkerleistungen rund ums Eigenheim. Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten seien besonders betroffen, weil Mängel hier oft erst spät sichtbar würden, dann aber umso schwerwiegendere Folgen hätten. Gleiches gelte für Elektroinstallationen sowie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik: „Drei Faktoren treffen hier zusammen: hohe Investitionssummen, technische Komplexität und für Laien kaum einschätzbare Qualität. Das macht diese Gewerke anfällig für Anbieter, die auf schnellen Gewinn aus sind.“ In anderen Gewerken, wie beim Friseur oder in der Kfz-Werkstatt, sind Mängel für Kundinnen und Kunden oft leichter erkennbar. Trotzdem gibt es auch dort immer wieder Ärger: In einer Pforzheimer Kfz-Werkstatt fiel beispielsweise auf, dass grundlegende Umwelt- und Sicherheitsstandards nicht eingehalten wurden. Haberstroh: „Da stand die Öllache gut sichtbar auf dem Betriebsgelände.“ Solche Missstände färben auf die gesamte Branche ab.
Unseren Innungsbetrieben schlägt immer öfter Misstrauen entgegen, obwohl sie nachweislich hochwertige Arbeit leisten.
Catarina Haberstroh, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis

Das Vorgehen unseriöser Handwerksbetriebe folgt häufig ähnlichen Mustern. Die Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis empfiehlt, von Anfang an genau hinzuschauen, um sich wirksam zu schützen:
Wer Zweifel hat ob er an einen unseriösen Handwerker geraten ist, sollte sofort reagieren. Catarina Haberstroh: „Schon vor der Beauftragung gilt: möglichst Angebote von unterschiedlichen Anbietern einholen. Kunden bekommen bereits hier einen Eindruck von Beratungsqualität und Verlässlichkeit. Wenn Sie etwas nicht verstehen oder Unklarheiten vorliegen, stellen Sie Fragen und verlangen Sie Nachweise, gerade bei Qualifikationen.“ Haberstroh empfiehlt, offizielle Stellen zu nutzen.
Die Innungen, die Kreishandwerkerschaft und die Handwerkskammer helfen bei der Prüfung, ob ein Betrieb qualifiziert und eingetragen ist. Eine solche Prüfung vor der Vergabe ist oft der wirksamste Schutz.
Catarina Haberstroh, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis
Während der Ausführung sollten Auftraggeber Verdachtsmomente sofort dokumentieren: Catarina Haberstroh rät: „Machen Sie Fotos und Notizen, kommunizieren Sie bevorzugt schriftlich und bewahren Sie Angebote und Nachrichten auf.“ Bei schwerwiegenden Mängeln kann es sinnvoll sein, die Ausführung zu stoppen und eine fachliche Zweitmeinung einzuholen. Nach Abschluss der Arbeiten gilt: keine Rechnung ungeprüft zahlen. Bei mangelhafter Leistung besteht das Recht auf Nachbesserung, Minderung oder Schadenersatz.

Catarina Haberstroh richtet einen eindringlichen Appell an Verbraucher: „Warum erst hinterher beschweren? Ein kurzes Vorabinformieren macht oft den Unterschied zwischen einem sauber ausgeführten Auftrag und einem teuren Problemfall.“ Gleichzeitig fordert sie Handwerksbetriebe auf, Missstände in den eigenen Reihen klar zu benennen: „Schwarze Schafe schaden nicht nur den Kunden. Sie schaden auch den vielen Betrieben, die jeden Tag ehrlich und fachlich korrekt arbeiten. Vertrauen entsteht nicht durch den günstigsten Preis, sondern durch Qualifikation, Transparenz und Verlässlichkeit. Genau das ist es, wofür das ehrbare Handwerk steht.“
Anlaufstellen für Verbraucher in der Region: Kreishandwerkerschaft Pforzheim/Enzkreis (www.kh-pforzheim.de), Handwerkskammer Karlsruhe (www.hwk-karlsruhe.de)