„Wenn die Arbeit stimmt, sollte es keine Rolle spielen, ob man jung oder eine Frau ist.“

Catarina Haberstroh übernimmt mit 31 Jahren die Geschäftsführung der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis – und bringt frischen Wind in eine traditionsreiche Institution. Im Interview mit WirtschaftsKRAFT spricht das „Handwerkskind aus Leidenschaft“ über ihren Weg zwischen Werkbank und Management, ihre Ziele für die Branche und warum Leistung wichtiger ist als Alter oder Geschlecht.
Catarina Haberstroh (Zweite von links) übernimmt die Geschäftsführung der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis. Kreishandwerksmeister Frank Herrmann, Kammerpräsident Karsten Lamprecht und der stellvertretende Kreishandwerksmeister Timo Gerstel (v.l.n.r.) freuen sich auf die Zusammenarbeit. Foto: Kreishandwerkerschaft

10.04.2026

"Am Ende zählt im Handwerk zum Glück weniger, wer man ist, sondern was man kann und wie man die Dinge anpackt."
Catarina Haberstroh

von Christian Roch

Catarina Haberstroh (31) ist seit 1. April 2026 Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis. Sie löst Matthias Morlock ab, der fast 34 Jahre lang an der Spitze der Interessenvertretung des lokalen Handwerks stand. WirtschaftsKRAFT hat mit dem „Handwerkskind aus Leidenschaft“ über ihre Motivation und ihre Ziele in ihrer neuen Position gesprochen.

WirtschaftsKRAFT: Frau Haberstroh, Glückwunsch zu Ihrer neuen Position als Geschäftsführerin. Wie haben Sie den Führungswechsel erlebt?

Catarina Haberstroh: Vielen Dank. Den Wechsel habe ich als intensiv, aber auch als sehr wertschätzend erlebt. Mir war es wichtig, die bestehenden Strukturen und Themen in der Kreishandwerkerschaft zu verstehen, gerade im persönlichen Austausch mit dem Team und unseren Mitgliedsbetrieben. Ich hatte seit Anfang 2025 als stellvertretende Geschäftsführerin Zeit, mich auf die Übergabe vorzubereiten. In dieser Zeit hat es auch manchmal geknirscht. Aber das gehört zu Veränderungsprozessen dazu, wenn unterschiedliche Sichtweisen aufeinandertreffen und man gemeinsam versucht, das Beste für die Sache herauszuholen.

Haben Sie selbst einen handwerklichen Hintergrund?

Ich bin buchstäblich zwischen Werkbank, Maschinen und Werkzeugen aufgewachsen. Mein Vater ist Werkzeugmachermeister, der Familienbetrieb besteht in dritter Generation. Während andere Kinder auf dem Spielplatz waren, stand ich oft zwischen Dreh- und Fräsmaschinen, habe zugeschaut und irgendwann selbst mit angepackt. Dabei habe ich nicht nur handwerkliche Fähigkeiten erlernt, sondern auch, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, Lösungen zu finden und am Ende stolz auf das zu sein, was man geschaffen hat. Mit meinem Vater habe ich Motorräder zerlegt, umgebaut und wieder fahrbereit gemacht. Diese Begeisterung für Technik und Selbermachen begleitet mich bis heute, egal, ob beim Renovieren oder beim Kochen. Beruflich habe ich mich bewusst für eine Ausbildung zur Industriekauffrau mit technischer Zusatzqualifikation entschieden, weil ich genau diese zwei Welten verbinden wollte: das kaufmännische Denken und das technische Verständnis.

Wie kamen Sie dann zur Kreishandwerkerschaft?

Nach meiner Ausbildung war ich unter anderem in der Stanz- und Umformtechnik tätig. Zur Kreishandwerkerschaft bin ich über diese Verbindung gekommen und auch durch meine persönliche Überzeugung: Für mich war schnell klar, ich möchte nicht nur Teil des Handwerks sein, sondern aktiv dazu beitragen, die Branche zu stärken und sichtbar zu machen. Genau diese Mischung aus persönlicher Verbundenheit, praktischem Verständnis und wirtschaftlichem Denken bringe ich heute in meine Rolle als Geschäftsführerin ein.

Ihr Vorgänger Matthias Morlock hat 34 Jahre lang die Kreishandwerkerschaft geprägt.
Was von seinem Wirken möchten Sie weiterführen?

Matthias Morlock hat es über beeindruckende 34 Jahre hinweg mit Weitblick geschafft, stabile Strukturen aufzubauen und die Kreishandwerkerschaft als verlässliche Stimme des Handwerks in der Region zu etablieren. Was ich auf jeden Fall weiterführen möchte, ist genau diese enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Mitgliedsbetrieben und Innungen. Gleichzeitig sehe ich meine Aufgabe auch darin, neue Impulse zu setzen, gerade mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen und die Zukunftsfähigkeit der Selbstverwaltung im Handwerk.

Sie konnten sich seit Anfang 2025 auf Ihre neue Tätigkeit vorbereiten. Was waren die wichtigsten Erkenntnisse in diesen 15 Monaten?

Diese Zeit war für mich unglaublich wertvoll, um Schritt für Schritt in die neue Rolle hineinzuwachsen. Mein Vorgänger und meine ehrenamtlichen Kollegen und Kolleginnen haben mich dabei mit Offenheit, Vertrauen und ehrlichem Feedback unterstützt. Dafür bin ich wirklich dankbar. Mein wichtigstes Learning war, wie vielfältig und wie eng verzahnt die Themen im Handwerk sind. Es geht eben nicht nur um einzelne Betriebe oder Gewerke, sondern um ein starkes Zusammenspiel aus Ehrenamt, Organisation, Interessenvertretung und persönlichem Austausch. Viele Themen lassen sich nicht vom Schreibtisch aus verstehen, sondern nur im persönlichen Gespräch mit Innungen, Betrieben und Ehrenamtlichen. Was ich anfangs vielleicht unterschätzt habe, ist die Dynamik und auch die Bandbreite der täglichen Aufgaben, von konkreten Anliegen einzelner Betriebe bis hin zu strategischen Fragestellungen. Gleichzeitig hat sich für mich aber auch bestätigt, dass es genau diese Vielfalt ist, die mich reizt.

Welche eigenen Akzente möchten Sie künftig setzen?

Ein wichtiger Schwerpunkt wird für mich sein, den Fokus wieder klar auf den Erhalt der Selbstverwaltung im Handwerk zu legen. Das ist ein hohes Gut, das über viele Jahre erarbeitet wurde und das wir unbedingt bewahren und weiterentwickeln müssen. Dazu gehört für mich auch, dass wir uns konsequent auf die Aufgaben konzentrieren, die uns anvertraut sind, egal ob delegiert, hoheitlich oder strategisch. Ich habe den Anspruch, mich mit meinem Team weniger mit Nebenschauplätzen aufzuhalten, sondern die großen Themen in den Mittelpunkt zu stellen: die Interessenvertretung des Handwerks, die Stärkung unserer Strukturen und die Weiterentwicklung unserer Organisation in einer sich wandelnden Zeit. Inhaltlich sehe ich Themen wie Fachkräftesicherung, Nachwuchsgewinnung, Digitalisierung und die Sichtbarkeit des Handwerks als zentrale Handlungsfelder. Gleichzeitig ist mir wichtig, die enge Verbindung zu unseren Betrieben weiter auszubauen.

Wie reagiert die Handwerkerschaft darauf, dass ihre Interessen künftig federführend von einer jungen Frau vertreten werden? Haben Sie Vorbehalte erlebt?

Insgesamt erlebe ich sehr viel Zuspruch und echtes Vertrauen. Ich bin im Handwerk groß geworden, die meisten merken schnell, dass ich weiß, wovon ich spreche und das schafft eine gute Basis. Natürlich gibt es hier und da auch mal eine spitze Bemerkung aber das gehört dazu. Aussagen wie „Mal schauen, wie lange sie das macht“ nehme ich dabei ehrlichgesagt eher sportlich. Ich sehe das als Ansporn und antworte dann gerne mit einem Augenzwinkern: „Ich bin gekommen, um zu bleiben und um zu gestalten.“ Am Ende zählt im Handwerk zum Glück weniger, wer man ist, sondern was man kann und wie man die Dinge anpackt. Wenn die Arbeit stimmt, wenn man verlässlich ist und für die Sache brennt, dann sollte es keine Rolle spielen, ob man jung ist und schon gar nicht, ob man eine Frau ist. Ich habe sogar den Eindruck, dass mein Werdegang auch als Chance gesehen wird, neue Impulse zu setzen und das Handwerk authentisch zu vertreten.

Wie sehen Sie generell die Zukunft des Handwerks in der Region?

Grundsätzlich sehr positiv. Das Handwerk in der Region ist innovativ, anpassungsfähig und unverzichtbar für Wirtschaft und Gesellschaft. Gleichzeitig stehen wir vor großen Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, dass wir als starke Gemeinschaft auftreten und unsere Interessen klar vertreten. Genau daran möchte ich mitwirken: dem Handwerk eine klare Stimme geben und die Rahmenbedingungen so mitgestalten, dass es auch in Zukunft erfolgreich bleiben kann.

Können Sie sich vorstellen, wie Ihr Vorgänger Matthias Morlock über Jahrzehnte der Kreishandwerkerschaft vorzustehen?

34 Jahre in einer solchen Position zu wirken verdient meinen allergrößten Respekt. Wenn ich eines aus dem Handwerk mitgenommen habe, dann: Gute Arbeit erkennt man daran, dass sie bleibt. Wenn ich am Ende sagen kann, ich habe Dinge verbessert und das Handwerk ein Stück weitergebracht, dann ist es zweitrangig, ob ich das zehn, zwanzig oder dreißig Jahre lang gemacht habe. Mein Leitmotto dabei ist: Verantwortung übernehmen und Dinge vorantreiben, verlässlich und mit einem klaren Blick nach vorne.

Lesen Sie auch:

🏢 Weitere Unternehmen entdecken

Machen Sie Ihr Unternehmen sichtbar.
Mit einem Unternehmensportrait auf wirtschaftskraft.de erreichen Sie Entscheider, Partner und Talente aus der Region. Interesse? Dann schreiben Sie uns:

https://wirtschaftskraft.de/kontakt

Jetzt Newsletter abonnieren und von vielen Vorteilen profitieren!