Wenn Azubis Orientierung geben

Ausbildungsbotschafter der IHK Nordschwarzwald erreichen so viele Jugendliche wie nie zuvor. Wer könnte Jugendlichen besser erklären, wie Ausbildung heute wirklich funktioniert, als diejenigen, die gerade selbst mittendrin sind? Genau auf diesem Gedanken basiert die Initiative der Ausbildungsbotschafter.
Die Ausbildungsbotschafter:innen bei der Ehrung durch die IHK Nordschwarzwald. Mit ihnen auf dem Bild: Günter Brecht, Leiter Ausbildung der IHK Nordschwarzwald (vordere Reihe, 3. von links), Alexandra Holler, Koordinatorin des Projekts Ausbildungsbotschafter (vordere Reihe, 5. von rechts) und Martin Exner (1. von rechts), der als Dozent die Schulungen der Ausbildungsbotschafter:innen. Foto: Vanessa Freundt / IHK Nordschwarzwald

10.06.2026

Wenn Erfahrungen mehr überzeugen als Broschüren

Junge Auszubildende besuchen Schulklassen, berichten von ihrem Alltag im Betrieb, erzählen von Herausforderungen, Erfolgserlebnissen und Zukunftsperspektiven – auf Augenhöhe und ohne erhobenen Zeigefinger.

Dass dieses Konzept funktioniert, zeigen die aktuellen Zahlen der IHK Nordschwarzwald eindrucksvoll. Im laufenden Schuljahr engagieren sich 113 Ausbildungsbotschafterinnen und Ausbildungsbotschafter aus der Region. Mit bislang 142 Schuleinsätzen wurde bereits jetzt ein neuer Höchststand erreicht. Auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die von den Besuchen profitiert haben, ist auf Rekordniveau gestiegen: 2.757 Jugendliche wurden bisher erreicht. Und das Schuljahr ist noch nicht beendet.

Für ihr besonderes Engagement zeichnete die IHK Nordschwarzwald jetzt die aktiven Ausbildungsbotschafterinnen und Ausbildungsbotschafter aus. 61 von ihnen nahmen an der Ehrungsveranstaltung teil.

Berufsorientierung auf Augenhöhe

Die Bedeutung ihres Einsatzes geht weit über einzelne Schulbesuche hinaus. In einer Zeit, in der viele junge Menschen die Schule verlassen, ohne einen konkreten Berufswunsch entwickelt zu haben, schaffen die Botschafter Orientierung. Sie vermitteln nicht nur Informationen über Ausbildungsberufe, sondern geben persönliche Einblicke in eine Lebensphase, die den Schülerinnen und Schülern unmittelbar bevorsteht.

Dabei entstehen Gespräche, die klassische Berufsorientierung oft nicht leisten kann. Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus? Welche Aufgaben machen besonders Spaß? Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es? Fragen wie diese beantworten die jungen Botschafter aus eigener Erfahrung – authentisch und glaubwürdig.

„Unsere Ausbildungsbotschafterinnen und Ausbildungsbotschafter bringen die berufliche Praxis direkt ins Klassenzimmer. Mit ihren authentischen Einblicken helfen sie bei der Berufsorientierung und begeistern junge Menschen für die duale Ausbildung“, betont Günter Brecht, Leiter Ausbildung der IHK Nordschwarzwald. „Dieses Engagement – zusätzlich zur eigenen Ausbildung – verdient unsere besondere Anerkennung.“

Ein Gewinn für Jugendliche und Unternehmen

Von diesem Einsatz profitieren nicht nur die Jugendlichen. Auch die Unternehmen der Region gewinnen. Denn die Ausbildungsbotschafter machen die Vielfalt beruflicher Möglichkeiten sichtbar und helfen dabei, Vorurteile und Unsicherheiten abzubauen. Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels wird die Nachwuchsgewinnung für viele Betriebe zu einer entscheidenden Zukunftsfrage.

Möglich wird das Engagement auch durch die Ausbildungsunternehmen selbst. Sie stellen ihre Auszubildenden für die Schulbesuche frei und unterstützen damit aktiv die Berufsorientierung in der Region.

Berufsorientierung aus erster Hand wirkt

Die Initiative „Ausbildungsbotschafter“ wird seit 2011 landesweit umgesetzt und vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Mehr als 30.000 Ausbildungsbotschafterinnen und Ausbildungsbotschafter wurden seit dem Start geschult und eingesetzt. Landesweit haben sie inzwischen über 28.000 Schuleinsätze absolviert und dabei mehr als 650.000 Schülerinnen und Schüler erreicht.

Die Rekordzahlen im Nordschwarzwald zeigen, wie groß die Nachfrage nach authentischen Einblicken in die Berufswelt ist. Und sie belegen, dass Berufsorientierung besonders dann gelingt, wenn junge Menschen nicht nur über Berufe lesen, sondern von Gleichaltrigen erfahren, wie sich der Weg in Ausbildung und Beruf tatsächlich anfühlt.

tm

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