28.08.2026
Die Äpfel, die jetzt am Bodensee geerntet werden, schmecken. Die Obstbauern sprechen von einem ausgewogenen Verhältnis von Zucker und Säure, von guter Fruchtfestigkeit und einem attraktiven Erscheinungsbild. Die Voraussetzungen für eine gute Vermarktung seien da.
Nur: Es sind weniger Äpfel. Und manche sind kleiner.
Rund 221.000 Tonnen hängende Ware erwartet die Obstregion Bodensee in dieser Saison. Sieben Prozent weniger als im vergangenen Jahr, neun Prozent weniger als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Der trockene Sommer hat Spuren hinterlassen.


Das allein wäre noch kein Grund, grundsätzlich über die Zukunft einer Branche zu sprechen. Landwirtschaft war schon immer vom Wetter abhängig. Gute Jahre, schlechte Jahre, große Früchte, kleine Früchte.
Doch beim traditionellen Auftakt der Bodensee-Apfelsaison wird schnell deutlich, dass die Obstbauern über etwas anderes reden wollen.
Über Geld.
Und über Wasser.
Erich Röhrenbach ist Vorsitzender der Obstregion Bodensee. Er sagt einen Satz, der ziemlich gut beschreibt, worum es den Betrieben geht:
„Unsere Betriebe produzieren unter höchsten Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards. Aber Nachhaltigkeit braucht wirtschaftliche Tragfähigkeit. Idealismus allein bezahlt keine Löhne, finanziert keine Investitionen und erhält keinen Familienbetrieb über die nächste Generation.“

Nach Angaben der Obstregion waren die Auszahlungspreise des vergangenen Vermarktungsjahres für viele Betriebe nicht kostendeckend.
Gleichzeitig ist die Produktion teurer geworden. 2019 habe es rund 45 Cent gekostet, ein Kilogramm Äpfel zu produzieren. Heute seien es etwa 65 Cent. 20 Cent Unterschied. Bei einem einzelnen Kilogramm klingt das überschaubar. Bei Zehntausenden Tonnen nicht mehr.
Deshalb fordert die Branche, die Logik der Preisbildung stärker an den tatsächlichen Erzeugerkosten auszurichten. Nicht erst schauen, was nach Handel, Vermarktung und Lebensmitteleinzelhandel noch übrig bleibt, sondern beim Produzenten anfangen.
„Die Lage im deutschen Obstbau ist ernst. Sehr ernst. Es geht inzwischen nicht mehr nur um die Frage, ob ein Jahr wirtschaftlich gut oder schlecht läuft. Es geht um die Frage, ob wir in Deutschland auch in fünf Jahren noch in nennenswertem Umfang heimisches Obst produzieren werden“, sagt Röhrenbach.
Dabei könnte ausgerechnet die kleinere Ernte den Betrieben in diesem Jahr helfen. Denn nicht nur am Bodensee hängen weniger Äpfel an den Bäumen.
Das Statistische Bundesamt erwartet für Deutschland 2026 rund 934.000 Tonnen Äpfel. Das sind 52.900 Tonnen oder 5,4 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2025. Gegenüber der besonders guten Ernte des vergangenen Jahres beträgt das Minus sogar 204.000 Tonnen beziehungsweise 17,9 Prozent.
Hitze und Trockenheit sind wesentliche Gründe dafür. Äpfel fallen vorzeitig vom Baum, bleiben klein oder bekommen Sonnenbrand. Einzelne Betriebe melden Hagelschäden bis hin zu punktuell fast vollständigen Ernteausfällen.
Europaweit ist das Bild ähnlich. Nach Angaben der Obstregion Bodensee werden etwa 9,5 Millionen Tonnen Äpfel erwartet, rund 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Es wäre die kleinste EU-Ernte seit 2017. Für ein Marktgleichgewicht in Europa seien etwa 10,7 Millionen Tonnen notwendig.
Eine knappe Ware kann höhere Preise bedeuten. Für die Bauern wäre das eine seltene Situation: weniger produzieren und am Ende möglicherweise wirtschaftlich besser dastehen. Ob diese Rechnung aufgeht, entscheidet sich allerdings nicht auf der Plantage. Sondern am Markt.
Baden-Württemberg spielt dabei eine besondere Rolle. Zusammen mit Niedersachsen verfügt das Land über 61,1 Prozent der deutschen Apfelanbaufläche. Zwei Drittel der heimischen Äpfel – genau 66,6 Prozent – kommen aus diesen beiden Bundesländern.
Während die Apfelernte schwächelt, zeichnet sich bei einem anderen heimischen Baumobst ein deutlich erfreulicheres Bild ab. Für Pflaumen und Zwetschgen erwartet Destatis 2026 eine überdurchschnittliche Ernte.
Nach der vorläufigen Schätzung könnten gut 49.300 Tonnen zusammenkommen. Das wären 5.100 Tonnen beziehungsweise 11,5 Prozent mehr als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, der bei 44.200 Tonnen liegt.
Ganz an das besonders ertragreiche Vorjahr reicht die Prognose allerdings nicht heran: Im Vergleich dazu wird eine um etwa 3,9 Prozent niedrigere Pflaumen- und Zwetschgenernte erwartet.
Für Baden-Württemberg sind die Aussichten besonders gut. Das Land ist Deutschlands bedeutendstes Anbaugebiet für Pflaumen und Zwetschen. Auf 1.700 Hektar werden in diesem Jahr rund 24.100 Tonnen erwartet.
tm/pm
28.08.2026
Die Äpfel, die jetzt am Bodensee geerntet werden, schmecken. Die Obstbauern sprechen von einem ausgewogenen Verhältnis von Zucker und Säure, von guter Fruchtfestigkeit und einem attraktiven Erscheinungsbild. Die Voraussetzungen für eine gute Vermarktung seien da.
Nur: Es sind weniger Äpfel. Und manche sind kleiner.
Rund 221.000 Tonnen hängende Ware erwartet die Obstregion Bodensee in dieser Saison. Sieben Prozent weniger als im vergangenen Jahr, neun Prozent weniger als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Der trockene Sommer hat Spuren hinterlassen.


Das allein wäre noch kein Grund, grundsätzlich über die Zukunft einer Branche zu sprechen. Landwirtschaft war schon immer vom Wetter abhängig. Gute Jahre, schlechte Jahre, große Früchte, kleine Früchte.
Doch beim traditionellen Auftakt der Bodensee-Apfelsaison wird schnell deutlich, dass die Obstbauern über etwas anderes reden wollen.
Über Geld.
Und über Wasser.
Erich Röhrenbach ist Vorsitzender der Obstregion Bodensee. Er sagt einen Satz, der ziemlich gut beschreibt, worum es den Betrieben geht:
„Unsere Betriebe produzieren unter höchsten Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards. Aber Nachhaltigkeit braucht wirtschaftliche Tragfähigkeit. Idealismus allein bezahlt keine Löhne, finanziert keine Investitionen und erhält keinen Familienbetrieb über die nächste Generation.“

Nach Angaben der Obstregion waren die Auszahlungspreise des vergangenen Vermarktungsjahres für viele Betriebe nicht kostendeckend.
Gleichzeitig ist die Produktion teurer geworden. 2019 habe es rund 45 Cent gekostet, ein Kilogramm Äpfel zu produzieren. Heute seien es etwa 65 Cent. 20 Cent Unterschied. Bei einem einzelnen Kilogramm klingt das überschaubar. Bei Zehntausenden Tonnen nicht mehr.
Deshalb fordert die Branche, die Logik der Preisbildung stärker an den tatsächlichen Erzeugerkosten auszurichten. Nicht erst schauen, was nach Handel, Vermarktung und Lebensmitteleinzelhandel noch übrig bleibt, sondern beim Produzenten anfangen.
„Die Lage im deutschen Obstbau ist ernst. Sehr ernst. Es geht inzwischen nicht mehr nur um die Frage, ob ein Jahr wirtschaftlich gut oder schlecht läuft. Es geht um die Frage, ob wir in Deutschland auch in fünf Jahren noch in nennenswertem Umfang heimisches Obst produzieren werden“, sagt Röhrenbach.
Dabei könnte ausgerechnet die kleinere Ernte den Betrieben in diesem Jahr helfen. Denn nicht nur am Bodensee hängen weniger Äpfel an den Bäumen.
Das Statistische Bundesamt erwartet für Deutschland 2026 rund 934.000 Tonnen Äpfel. Das sind 52.900 Tonnen oder 5,4 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2025. Gegenüber der besonders guten Ernte des vergangenen Jahres beträgt das Minus sogar 204.000 Tonnen beziehungsweise 17,9 Prozent.
Hitze und Trockenheit sind wesentliche Gründe dafür. Äpfel fallen vorzeitig vom Baum, bleiben klein oder bekommen Sonnenbrand. Einzelne Betriebe melden Hagelschäden bis hin zu punktuell fast vollständigen Ernteausfällen.
Europaweit ist das Bild ähnlich. Nach Angaben der Obstregion Bodensee werden etwa 9,5 Millionen Tonnen Äpfel erwartet, rund 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Es wäre die kleinste EU-Ernte seit 2017. Für ein Marktgleichgewicht in Europa seien etwa 10,7 Millionen Tonnen notwendig.
Eine knappe Ware kann höhere Preise bedeuten. Für die Bauern wäre das eine seltene Situation: weniger produzieren und am Ende möglicherweise wirtschaftlich besser dastehen. Ob diese Rechnung aufgeht, entscheidet sich allerdings nicht auf der Plantage. Sondern am Markt.
Baden-Württemberg spielt dabei eine besondere Rolle. Zusammen mit Niedersachsen verfügt das Land über 61,1 Prozent der deutschen Apfelanbaufläche. Zwei Drittel der heimischen Äpfel – genau 66,6 Prozent – kommen aus diesen beiden Bundesländern.
Während die Apfelernte schwächelt, zeichnet sich bei einem anderen heimischen Baumobst ein deutlich erfreulicheres Bild ab. Für Pflaumen und Zwetschgen erwartet Destatis 2026 eine überdurchschnittliche Ernte.
Nach der vorläufigen Schätzung könnten gut 49.300 Tonnen zusammenkommen. Das wären 5.100 Tonnen beziehungsweise 11,5 Prozent mehr als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, der bei 44.200 Tonnen liegt.
Ganz an das besonders ertragreiche Vorjahr reicht die Prognose allerdings nicht heran: Im Vergleich dazu wird eine um etwa 3,9 Prozent niedrigere Pflaumen- und Zwetschgenernte erwartet.
Für Baden-Württemberg sind die Aussichten besonders gut. Das Land ist Deutschlands bedeutendstes Anbaugebiet für Pflaumen und Zwetschen. Auf 1.700 Hektar werden in diesem Jahr rund 24.100 Tonnen erwartet.
tm/pm
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