Urlaub als Luxus? Für 17,3 Millionen Menschen in Deutschland bleibt die Reise aus

Eine Woche in den Sommerferien zu verreisen, ist für viele Menschen in Deutschland kaum möglich. Gut ein Fünftel (21 %) der Bevölkerung lebte im Jahr 2025 in Haushalten, die sich nach eigener Einschätzung keine einwöchige Urlaubsreise leisten konnten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen mitteilt, waren das rund 17,3 Millionen Menschen.
Der Bodensee gilt als beliebtes Reiseziel in der Sommerzeit. Foto: Tanja Meckler

24.06.2026

Dieser Anteil hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Bereits 2024 lag er bei 21 Prozent. 2023 waren es noch 23 Prozent gewesen.

Deutschland besser als der EU-Durchschnitt

Im europäischen Vergleich steht Deutschland dennoch vergleichsweise gut da. Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat können sich im Durchschnitt der Europäischen Union 28 Prozent der Menschen keine einwöchige Urlaubsreise leisten.

Besonders hoch ist der Anteil in Rumänien, wo 61 Prozent der Bevölkerung nach eigenen Angaben auf eine Urlaubsreise verzichten müssen. Es folgen Griechenland mit 47 Prozent sowie Bulgarien und Ungarn mit jeweils 39 Prozent. Am anderen Ende der Skala stehen Luxemburg mit 11 Prozent, Schweden mit 12 Prozent und die Niederlande mit 13 Prozent.

Die Zahlen verdeutlichen, wie unterschiedlich die finanziellen Spielräume innerhalb Europas ausfallen – und dass Urlaub für viele Menschen weiterhin keine Selbstverständlichkeit ist.

Einkommen entscheidet über Reisemöglichkeiten

Besonders deutlich zeigt sich der Zusammenhang zwischen Einkommen und Urlaubsfähigkeit. Im einkommensschwächsten Fünftel der Bevölkerung, das über ein monatliches Nettoäquivalenzeinkommen von maximal rund 1.600 Euro verfügt, kann sich fast jede zweite Person keine einwöchige Reise leisten. Der Anteil liegt hier bei 48 Prozent.

Bereits im nächsthöheren Einkommenssegment mit monatlichen Einkommen zwischen rund 1.600 und 2.100 Euro sinkt der Wert auf 28 Prozent. Auch in höheren Einkommensgruppen gibt es Menschen, die auf Urlaub verzichten müssen, allerdings deutlich seltener.

Die Ergebnisse machen deutlich: Die Möglichkeit, für einige Tage dem Alltag zu entfliehen, ist in Deutschland weiterhin eng an die wirtschaftliche Situation gekoppelt.

Alleinerziehende und Alleinlebende besonders betroffen

Neben dem Einkommen spielt auch die Haushaltsstruktur eine wichtige Rolle. Besonders häufig betroffen sind Haushalte, in denen höchstens eine Person Erwerbseinkommen erzielen kann.

Unter den Alleinlebenden geben 29 Prozent an, sich keinen einwöchigen Urlaub leisten zu können. Noch stärker betroffen sind Alleinerziehenden-Haushalte: Hier trifft dies auf 39 Prozent der Menschen zu.

Deutlich günstiger stellt sich die Situation in Haushalten mit zwei Erwachsenen dar. Ohne Kinder können sich 16 Prozent keinen Urlaub leisten, mit Kindern liegt der Anteil bei 18 Prozent.

Urlaub als Indikator für Lebensqualität

Die Frage, ob sich ein Haushalt mindestens eine Woche Urlaub pro Jahr leisten kann, ist mehr als eine Erhebung zu Reisegewohnheiten. Sie gilt als wichtiger Bestandteil der europäischen Messung materieller und sozialer Entbehrung.

Dabei wird nicht nur der klassische Hotelurlaub erfasst. Auch Aufenthalte bei Freunden oder Verwandten sowie Reisen in eine eigene Ferienunterkunft zählen dazu. Grundlage ist die subjektive Einschätzung der befragten Haushalte.

Die aktuellen Daten zeigen: Trotz stabiler Beschäftigung und vergleichsweise guter Position im europäischen Vergleich bleibt für Millionen Menschen in Deutschland eine einwöchige Auszeit finanziell außer Reichweite

Methodische Hinweise:

Die Ergebnisse entstammen aus der seit 2020 in Deutschland als Unterstichprobe in den Mikrozensus integrierten europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (European Union Statistics on Income and Living Conditions, EU-SILC). Bei den hier angegebenen Ergebnissen für 2025 handelt es sich um Endergebnisse, basierend auf dem Mikrozensus-Hochrechnungsrahmen aus dem Zensus 2022. EU-SILC ist die amtliche Hauptdatenquelle für die Messung von Armutsgefährdung und Lebensbedingungen in Deutschland und der Europäischen Union.

Bei der Erhebung wird abgefragt, ob sich der Haushalt finanziell leisten kann, mindestens eine Woche pro Jahr Urlaub woanders als zu Hause zu verbringen. Dazu zählt auch Urlaub bei Freunden/Verwandten oder in der eigenen Ferienunterkunft. Es handelt sich jedoch um eine subjektive Einschätzung der Haushalte.

Das Nettoäquivalenzeinkommen ist ein bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen, um die Einkommenssituation von Menschen in unterschiedlichen Haushaltszusammensetzungen vergleichbar zu machen. Ein Nettoäquivalenzeinkommen von beispielsweise 1 600 Euro entspricht bei einem Haushalt mit zwei Erwachsenen einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 2 400 Euro (Gewichtungsfaktor 1,5). Bei einem Haushalt mit zwei Erwachsenen und einem Kind unter 14 Jahren entspricht dies rund 2 900 Euro pro Monat (Gewichtungsfaktor 1,8).

Diese Selbsteinschätzung der Haushalte ist eines der Kriterien zur Messung der materiellen und sozialen Entbehrung (Deprivation).

pm/ tm

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