Ultrasonic Tech Days in Karlsbad stoßen international auf Interesse

Mehr als 200 Experten treffen sich zum Gedankenaustausch bei Herrmann Ultraschall in Karlsbad-Ittersbach. Dabei geht es auch um Gigafactories in der Batteriefertigung.
Großes Interesse an seinem Vortrag: Hannes Weinmann erläuterte bei den Ultra Tech Days, worauf es beim Aufbau effizienter Batteriefabriken ankommt. Foto: Nico Roller

25.06.2026

von Nico Roller

Bei Herrmann Ultraschall finden aktuell die Ultra Tech Days statt: Was Hannes Weinmann zu erzählen hat, stößt auf großes Interesse. Immer wieder gibt es Zwischenfragen, am Ende des Vortrags sogar eine kurze Diskussion. Der promovierte Ingenieur spricht über ein Thema, das auch mit Blick auf die Elektromobilität medial äußerst präsent ist: über die Batteriefertigung, konkret über die Rolle von Gigafactories, also von Fabriken, die auf Skaleneffekte und Automatisierung ausgelegt sind.

Internationales Fachprogramm mit breiter Themenvielfalt

Sein Vortrag ist nicht der einzige, der am Mittwoch und Donnerstag bei den Ultrasonic Tech Days in Karlsbad auf dem Programm steht. Ausgerichtet von Herrmann Ultraschall, bietet das Format insgesamt 25 Vorträge, Workshops und Einblicke aus erster Hand. Um die 200 Anmeldungen sind im Vorfeld eingegangen, auch aus Ländern wie den Vereinigten Staaten, Japan, China und Israel. Die Bandbreite der Themen ist groß und reicht vom akustischen Prozessmonitoring beim Ultraschallschweißen bis zur Cybersicherheit in der Lieferkette, vom Ultraschall-Metallschweißen für die E-Mobilität bis zu Trends in der Verpackungsindustrie. Für etwa ein Drittel der Vorträge hat man externe Referenten gewonnen.

Ein Experte mit internationaler Erfahrung

Referenten wie Hannes Weinmann, Kopf des internationalen Technologiezentrums des Unternehmens Lead in Deutschland. Als führender, in China ansässiger Hersteller bietet es schlüsselfertige Produktionslinien und Spezialmaschinen, unter anderem zur Herstellung von Batterie- und Akkuzellen. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 20.000 Mitarbeiter, darunter allein 5.000 Ingenieure in Forschung und Entwicklung.

Der Batteriemarkt hat sich deutlich verändert

Weinmann kennt sich aus. Der promovierte Ingenieur weiß, dass in Europa vor ein paar Jahren noch jeder Batteriefabriken bauen wollte, dass in Newslettern immer höhere Produktionskapazitäten angekündigt wurden. Doch inzwischen hat ein Abwärtstrend eingesetzt, dessen Talsohle Weinmann noch nicht ganz erreicht sieht. Er hat den Eindruck, dass Projekte in der Vergangenheit zumindest teilweise durch Visionen und politischen Willen getrieben wurden, nicht durch ein tatsächlich am Markt vorhandenes Potenzial. Denn die Produktion von Batterien in großem Maßstab ist alles andere als einfach, wenn sie profitabel sein soll. Zumal es in Asien aktuell große Überkapazitäten gibt, die für fallende Preise sorgen.

Wachstum bleibt trotz Herausforderungen möglich

Dennoch rechnet Weinmann wieder mit einem Wachsen des Markts, nicht zuletzt durch die Elektromobilität. Der Experte sieht ihn in einem stetigen Wandel, etwa durch technologische Weiterentwicklungen und das Hinzukommen neuer Einsatzgebiete wie die Verteidigung. Das Zelldesign ist nicht fix, sondern unterliegt stark technologiegetriebenen Innovationszyklen.

Effizienz und stabile Prozesse als Schlüssel zum Erfolg

Wichtig ist aus Weinmanns Sicht, zuverlässig und kostenoptimiert zu produzieren, vor allem vor dem Hintergrund, dass der Markt keine großen Margen abwirft. Der Experte betont, dass eine Gigafactory nicht in erster Linie groß sein, sondern industrielle Reife und Effizienz sicherstellen muss, auch in der Lieferkette. Er hält es für wichtig, die Produktion als solche zunächst gründlich zu validieren, bevor man sie skaliert. Aus seiner Sicht geht es nicht ohne ein großes, gut ausgebildetes Team, das Prozessinstabilitäten schnell analysiert und abstellt. Denn bei einer hohen Skalierung und Automatisierung können selbst kleinste Abweichungen zu hohen Ausschüssen führen.

Erst validieren, dann skalieren

Weinmann weiß, dass asiatische Unternehmen zunächst bei den Zellherstellern eine Pilotlinie aufsetzen, mit der sich ihre Ingenieure anschließend intensiv befassen, um Rückzusammenhänge zu verstehen und in eine Optimierung zu gehen, die im Sinn einer größtmöglichen Kosteneffizienz auf alles verzichtet, was zum Erreichen der gewünschten Qualität nicht erforderlich ist. Erst, wenn das Design robust und stabil ist, wird skaliert – und vor allem: nicht mehr abgewandelt.

Chancen für europäische Unternehmen

Für Weinmann ist der Erfolgsfaktor der Reifegrad der Produktionslinie. Der Experte sieht durchaus Chancen für europäische Akteure, wenn sie mit den Marktgegebenheiten zurechtkommen. Sein Unternehmen hilft ihnen dabei, etwa durch das Optimieren der Produktion.