30.03.2026
Im Zentrum des Abends stand die Frage, wie Verständigung gelingen kann, wenn Positionen verhärtet sind, Emotionen hochkochen und das Zuhören hinter dem eigenen Rechthaben zurücktritt.
Gesellschaftsspielregeln, Gendern oder Gehaltsverhandlung – wir alle kennen Situationen, sei es in der Familie, im Freundeskreis oder im Job, in denen heikle Themen die Gemüter erhitzen. Wenn sich Fronten verhärten und es scheint, als würden wir keinen gemeinsamen Nenner mehr finden, ist es wichtig, kooperativ zu denken. Erst wenn Menschen sich verstanden fühlen, sind sie bereit, ihre eigene Position zu überdenken. Das bedeutet, aktiv zuhören, Fragen zu stellen und zu versuchen, die Perspektive des Anderen einzunehmen.
Als besondere „Brandbeschleuniger“ benannte die Referentin drei Muster: emotional aufgeladene Wertethemen, Denken in Kategorien wie „richtig oder falsch“ sowie ein Gefühl von Ohnmacht. Wo diese drei Faktoren zusammenkämen, entstünden schnell extreme Kommunikationsformen. Die einen würden sich zurückziehen, die anderen gingen frontal in den Angriff. Beides, so ihre Botschaft, helfe nicht weiter. „Kommunikation ist kein Kriegsschauplatz“, sagt die Rhetoriktrainerin, „es geht nicht darum, anderen mit schlagfertigen Sprüchen zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat“. Stattdessen lenkte Braun den Blick auf die Zwischentöne: „Es gibt auch einen Raum dazwischen“, sagte sie, „und in diesem Raum liegt unsere Überzeugungskraft.“
Im Streit, so ihre Beobachtung, unterstellten die Beteiligten dabei oft der andere sei „dumm, krank oder böse“. Das Gegenüber werde zur Karikatur. Wer sein Gegenüber bloßstelle oder mundtot mache, könne rhetorisch punkten, überzeuge aber niemanden. Entsprechend schlussfolgerte Braun: „Verlierer stimmen nicht zu. Verlierer rüsten auf.“ Zugleich betonte sie, dass kooperative Kommunikation nichts mit Nachgiebigkeit zu tun habe. Es gehe weder um faule Kompromisse noch darum, die Wahrheit automatisch in der Mitte zu suchen. Entscheidend sei vielmehr, die andere Person ernst zu nehmen, ohne den eigenen Standpunkt aufzugeben.
Brauns Kernbotschaft: Wer Menschen gewinnen will, solle auf kooperative Gesprächstechniken, kluge Wortwahl und eine Haltung setzen, die Unterschiede aushält, statt sie zu bekämpfen. Gerade in polarisierenden Zeiten habe das die Wirkung einer kleinen Revolution mit großen Chancen: weniger Schlagabtausch, mehr Bewegung im Denken. Am Ende ihres Vortrags gab sie den begeisterten Zuhörer*innen einen praktischen Tipp: „Reden Sie doch mal mit einem Kotzbrocken. Anfangs vielleicht nicht mit dem Größten, fangen Sie klein an, um eine positive Erfahrung zu machen. Am Ende zeichnet sich ein gutes Gespräch auch nicht dadurch aus, dass eine Person zu hundert Prozent recht hat, sondern dadurch, dass am Ende beide ein bisschen anders denken als vorher.“
pm
30.03.2026
Im Zentrum des Abends stand die Frage, wie Verständigung gelingen kann, wenn Positionen verhärtet sind, Emotionen hochkochen und das Zuhören hinter dem eigenen Rechthaben zurücktritt.
Gesellschaftsspielregeln, Gendern oder Gehaltsverhandlung – wir alle kennen Situationen, sei es in der Familie, im Freundeskreis oder im Job, in denen heikle Themen die Gemüter erhitzen. Wenn sich Fronten verhärten und es scheint, als würden wir keinen gemeinsamen Nenner mehr finden, ist es wichtig, kooperativ zu denken. Erst wenn Menschen sich verstanden fühlen, sind sie bereit, ihre eigene Position zu überdenken. Das bedeutet, aktiv zuhören, Fragen zu stellen und zu versuchen, die Perspektive des Anderen einzunehmen.
Als besondere „Brandbeschleuniger“ benannte die Referentin drei Muster: emotional aufgeladene Wertethemen, Denken in Kategorien wie „richtig oder falsch“ sowie ein Gefühl von Ohnmacht. Wo diese drei Faktoren zusammenkämen, entstünden schnell extreme Kommunikationsformen. Die einen würden sich zurückziehen, die anderen gingen frontal in den Angriff. Beides, so ihre Botschaft, helfe nicht weiter. „Kommunikation ist kein Kriegsschauplatz“, sagt die Rhetoriktrainerin, „es geht nicht darum, anderen mit schlagfertigen Sprüchen zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat“. Stattdessen lenkte Braun den Blick auf die Zwischentöne: „Es gibt auch einen Raum dazwischen“, sagte sie, „und in diesem Raum liegt unsere Überzeugungskraft.“
Im Streit, so ihre Beobachtung, unterstellten die Beteiligten dabei oft der andere sei „dumm, krank oder böse“. Das Gegenüber werde zur Karikatur. Wer sein Gegenüber bloßstelle oder mundtot mache, könne rhetorisch punkten, überzeuge aber niemanden. Entsprechend schlussfolgerte Braun: „Verlierer stimmen nicht zu. Verlierer rüsten auf.“ Zugleich betonte sie, dass kooperative Kommunikation nichts mit Nachgiebigkeit zu tun habe. Es gehe weder um faule Kompromisse noch darum, die Wahrheit automatisch in der Mitte zu suchen. Entscheidend sei vielmehr, die andere Person ernst zu nehmen, ohne den eigenen Standpunkt aufzugeben.
Brauns Kernbotschaft: Wer Menschen gewinnen will, solle auf kooperative Gesprächstechniken, kluge Wortwahl und eine Haltung setzen, die Unterschiede aushält, statt sie zu bekämpfen. Gerade in polarisierenden Zeiten habe das die Wirkung einer kleinen Revolution mit großen Chancen: weniger Schlagabtausch, mehr Bewegung im Denken. Am Ende ihres Vortrags gab sie den begeisterten Zuhörer*innen einen praktischen Tipp: „Reden Sie doch mal mit einem Kotzbrocken. Anfangs vielleicht nicht mit dem Größten, fangen Sie klein an, um eine positive Erfahrung zu machen. Am Ende zeichnet sich ein gutes Gespräch auch nicht dadurch aus, dass eine Person zu hundert Prozent recht hat, sondern dadurch, dass am Ende beide ein bisschen anders denken als vorher.“
pm
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