TraFoNetz-Lounge über Generation Z: Wie wird ein Unternehmen zum Talent-Magneten?

Die Generation Z möchte nicht nur kuscheln, sagte Ole Haase, Experte für Persönlichkeits- und Team-Entwicklung. Zur Generation Z zählen im Bundesgebiet 12,4 Millionen Menschen, die zwischen 1995 und 2009 geboren wurden. Bei der TraFoNetz-Lounge in der historischen Kelter von Ötisheim erläuterte Haase, wie man die heute 16- bis 30-Jährigen verstehen, motivieren und fürs eigene Unternehmen gewinnen kann.
Als Experte für Persönlichkeits- und Team-Entwicklung leitet Ole Haase (40) seit sechs Jahren Seminare. Bei der Lounge-Veranstaltung des Transformationsnetzwerks (TraFoNetz) Nordschwarzwald in Ötisheim ging er auf den richtigen Umgang mit der Generation Z ein. Foto:GregorMetzler

Von Robin Daniel Frommer | Ötisheim

Ole Haase startet seinen Impulsvortrag zur Generation Z mit einer Prise Humor. Er schildert ein Bewerbungsgespräch, bei dem es um einen Ausbildungsplatz ging. Der Bewerber nahm den Termin mit seiner Mutter und ihrem Hund wahr. „Das Bild musst du dir erst mal geben“, prustet er lächelnd, „da haben wir einen Tisch, auf der einen Seite sitzt die Personalleiterin, auf der anderen der junge Mann, mit der Mutter. Und der Hund war auch noch im Raum“. Ole Haase zitiert den O-Ton der Personalleiterin: „Bei dem Gespräch hätte ich am liebsten den Hund eingestellt, das war hier der Einzige der keinen Mist erzählt hat“.

Der Keynote Speaker legt nach: „Tatsächlich kommt das dem Image nahe, das wir mit der jungen Generation verbinden. Nach so einem Gespräch ‚ghosten‘ die dich einfach, wie es auf Neu-Deutsch heißt. Da kannst du anrufen bis du schwarz wirst. Da geht keiner ran. Die gelten als unzuverlässig, die gelten als faul. Auch wenn Studien etwas Anderes zeigen, dies ist das vorherrschende Gefühl“. Gleichzeitig, sagt Ole Haase weiter, drehe sich bei ihnen sehr viel um die ‚Work-Life-Balance‘ und dazu kämen oft extreme Gehaltsforderungen. „Das Ganze gehe soweit“, fährt er fort, „dass die Bildzeitung ihnen irgendwann den Titel ‚Generation Feierabend‘ verliehen hat“.

Schon deshalb, sagt Haase „ist es gut, dass wir uns hier zusammengefunden haben, denn bis 2030 stellen die Generationen Z und Y die Hälfte aller deutschen Arbeitnehmer“. Er wirft einige der für den Zuhörerkreis relevanten Fragen auf: „Wie kannst du dein Unternehmen zum Talentmagneten machen? Wir wollen doch die Guten haben. Was ist wichtig, um Talente ins eigene Unternehmen reinzuziehen? Wann ist ein Arbeitgeber für junge Menschen attraktiv – und wenn sie schon da sind, wollen wir sie doch auch behalten, oder?“.

Analysierte unter anderem Online-Stellenausschreibungen unterschiedlicher Arbeitgeber: Referent Ole Haase bei der TraFoNetz-Lounge. Foto:RobinDanielFrommer

Ole Haase hält für die jungen Menschen der Generation Z aber auch höchstes Lob bereit: „Die heute 16- bis 30-Jährigen können auch richtig etwas. Die sind super innovativ und außerdem Technologie- und Digital-affin, dass es kracht. Die sind richtig gut darin, etwas zu lernen und sich Wissen selbst und selbständig zu erarbeiten. Wenn man den Rahmen richtig steckt, dann sind die sehr gut unterwegs. Und sie haben eine Fähigkeit, die ist in unserer schnelllebigen Zeit unfassbar wichtig: Die hinterfragen den Status Quo. Das Schwäbische ‚so haben wir’s schon immer gemacht‘ ist kein Argument bei den jungen Menschen“. Beim Werben um junge Arbeitnehmer seien Slogans nicht zwingend erforderlich. Er plädiert aber für griffige Ansprachen wie beispielsweise: „Du hast mehr auf dem Kasten als andere?“ oder „Bewirb Dich jetzt und werde Teil des technologischen Wandels in der Meinungsforschung“.

Zu den Teams der Zukunft macht Ole Haase deutlich: „20, 30 Jahre Berufserfahrung sind unglaublich wertvoll. Aber die Zukunft wird anders werden – und dafür brauchen wir die jungen Menschen, die kritische Fragen stellen. Und wenn diese beiden Generationen – auf Augenhöhe – zusammenarbeiten, dann .lassen sich Teams bilden, die für die Zukunft absolut ready sind“.

Mit Blick auf die Schlüsselfrage – „Warum ist es cool bei dir zu arbeiten?“ – analysiert er Online-Stellenausschreibungen unterschiedlicher Arbeitgeber, die häufig – „in gruseligem 90er-Jahre-Design gestaltet sind“ – und noch immer nicht zu den Bildschirmformaten von Handy und Tablet passen. Er erwähnt den „stark sechsstelligen“ Aufwand für das „Re-Branding“ eines Unternehmens aus dem Rems-Murr-Kreis. Doch alle dortigen Firmengebäude spiegeln – innen und außen – die biederen 70er-Jahre wider. Resultat: Das Unternehmen hat, trotz des hohen Investments in Werbung, nicht einen einzigen Bewerber, der das Werk besucht hat, für sich generieren können“.

Die Begrüßung der Lounge-Gäste und die Vorstellung der Service-Leistungen des Transformationsnetzwerks Nordschwarzwald übernahm TraFoNetz-Projektmanager Matthias Friedrich. Foto:RobinDanielFrommer

Lobend erwähnt er hingegen den Internet-Auftritt des Logistik-Unternehmens Fiege (fiege.com) in Greven und außerdem die Kampagne zur Gewinnung von Auszubildenden eines norddeutschen Kanalreinigungsunternehmens. Er schildert, dass die clevere Firmenleitung die Azubi-Akquise den vorhandenen jungen Talenten übertrug. „Für die Jungen war rasch klar, dass ein kleiner Fräsroboter mit eingebauten Kamera das coolste eingesetzte Werkzeug ihres Unternehmen ist.“ Kurzerhand hätten sie einen Plexiglas-Parcours gebaut und mit etwas Müll befüllt. Mit dem Roboter und ihrem Modell seien sie von Schule zu Schule gefahren. Die Schüler konnten den Fräsroboter selbst steuern. „So wurden innerhalb eines Monats acht qualifizierte Bewerbungen generiert werden“. Haase resümiert: „Das kannst du haben, wenn du die jungen Talente machen lässt“.

„Sicherheit“, weiß Haase, ist der Schlüsselfaktor von mehr als 80 Prozent der jungen Menschen. „Am letzten Banktag oder zum 15. eines Monats muss die Summe X zuverlässig auf dem Konto sein“. Eine befristete Anstellung bewertet er als nicht zielführend“. Er führt weiter an: „81Prozent der Gen Z achten auf ihre Work-Life-Balance – und viel junge Frauen wollen eben Kind und Karriere“.

Eine thematische Einführung in die erforderlichen Zukunftskompetenzen von Mitarbeitenden verband TraFoNetz-Projektmanagerin Svea Taube mit der Einladung zu den kommenden Aktivitäten des Transformationsnetzwerks Nordschwarzwald. Foto:RobinDanielFrommer

Natürlich würden Angebote wie beispielsweise Betriebskindergarten, Stress-Seminare, auch Massagen am Arbeitsplatz (bei geringer Zuzahlung) oder Yoga-Stunden im Büro, als Ausdruck absoluter Wertschätzung wahrgenommen. „Außerdem tun sie so etwas für das Stress-Level ihrer Mitarbeiter.“

Als ein weiteres wichtiges Motiv der Menschen der Generation Z nennt Haase die angestrebte Selbstverwirklichung. Er zitiert die Employer Branding Kampagnen der Deutsche Bahn, die, „im Gegensatz zu ihrem landläufigen Image, innovativ und ansprechend angelegt“ seien: Lokführer werden beispielsweise mit der Aufforderung „Werde Herr über 11.000 PS“ gesucht, die etwas mehr ökologisch Interessierten werden mit „sei Anwalt der Natur“ abgeholt. Es geht aber auch humorvoll und frech: „Mehr Menschen zusammenbringen als jede Partnerbörse“.    

„Die junge Generation möchte nicht nur kuscheln“, weiß Ole Haase. „Die lassen sich auch etwas sagen. Die Führungskräfte sollten einen Rahmen abstecken, und bis dahin darf der junge Mitarbeiter alles machen. So kannst du junge Menschen am besten leiten – du musst es ihnen aber auch sagen“. Er regt an: „Klare Prozesse sind hilfreich: Was ist bis wann zu lernen? Sag‘ ganz klar deine Erwartungshaltung und gib schnelles Feedback, sei Mentor!“


Transformationsnetzwerk Nordschwarzwald

TraFoNetz unter dem Dach der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald ist ein Netzwerk für Transformation und Innovation, das Unternehmen, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen bringt. Ziel ist es, die Region Nordschwarzwald zu einem führenden Standort für innovative Unternehmen und zukunftsfähige Technologien zu machen.

Partner des Transformationsnetzwerks Nordschwarzwald sind unter anderem die Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, die Hochschule Pforzheim, die AgenturQ mit Südwestmetall und IG Metall, die IHK Nordschwarzwald, die Handwerkskammern Karlsruhe und Reutlingen, e-mobil BW, IAB Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie Steinbeis InnoBW, wvib Wirtschaftsverband und weitere.

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