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WirtschaftsKRAFTplus ist in der Tat ein „Plus“ – ein Mehr an Themen, an Hintergründen und an Aktualität. Mit dieser Plattform wird die wirtschaftliche Kompetenz des Standortes Pforzheim medial begleitet und weit in die Region getragen.

Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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Topsharing: Zwei Chefinnen teilen sich bei Trumpf eine Stelle im Management

"Wir Kathrin Anandasivam und ich können nach 4.5 Jahren Tandem und einem gemeinsamen Karrieresprung nur bestätigen: Tandems - egal ob in Führung oder nicht - können fantastische Ergebnisse erzielen, wenn die Rahmenbedingungen, die Aufgabe und die persönlichen Voraussetzungen stimmen! ", sagt Katja Tiltscher.
Kathrin Anandasivam (rechts) und Katja Tiltscher (links) teilen sich eine Position im Bereich Entwicklung der TRUMPF Werkzeugmaschinen. Foto: TRUMPF

In guten wie in schlechten Zeiten: „Wir gehen alles als Team an – Erfolge wie Rückschläge“, sagen Katja Tiltscher und Kathrin Anandasivam. Tiltscher ist Betriebswirtin und Anandasivam ist Wirtschaftsingenieurin. Bei Trumpf in Ditzingen teilen sich die beiden seit anderthalb Jahren die Stelle der Hauptabteilungsleiterin, in der Entwicklung des Geschäftsbereichs Werkzeugmaschinen. Gemeinsam sind sie für rund 1000 MitarbeiterInnen verantwortlich. Als Tandem bei Trumpf sind die beiden 41-jährigen Frauen bereits seit fast fünf Jahren gemeinsam unterwegs. Ihre wichtigsten Learnings, damit es als Tandem im Berufsalltag funktioniert und sogar ein gemeinsamer Karrieresprung gelingt, braucht es: Vertrauen, eine uneingeschränkte Offenheit und ein gleiches Wertesystem. Auch, wenn sie sich eine Stelle teilen, bleiben sie dennoch zwei unterschiedliche Persönlichkeiten, das ist Anandasivam und Tiltscher ganz wichtig zu erwähnen. Jede von ihnen hat eigene Stärken und Schwächen. Im Job ergänzen Sie sich mittlerweile wie zwei Puzzelteile, die nahtlos ineinander passen, da muss inzwischen nichts mehr zurecht geruckelt werden. Aber auch das war ein Prozess und ging nicht von heute auf morgen.

So geht arbeiten heute: Katja Tiltscher und Kathrin Anandasivam sind gemeinsam erfolgreich. Als Jobtandem schafften sie den nächsten Karrieresprung. Foto: TRUMPF

WirtschaftsKRAFT: Sie sind als Jobsharing-Tandem in einer Führungsposition, war das Neuland für Sie?

Kathrin Anandasivam: Schon bevor es zum Tandem kam, waren wir bereits viele Jahre als Führungskraft tätig, in Vollzeit und  nach Elternzeit auch in Teilzeit. Daher war das Führungsthema nicht neu. Sich die Führung zu „teilen“ allerdings schon und es war auch erstmal herausfordernd die richtige Ausgestaltung dieses Tandems zu finden.

WirtschaftsKRAFT: Wieviel Prozent arbeiten sie jeweils?

Katja Tiltscher: Wir arbeiten beide zwischen 63 und 75 Prozent, abhängig vom anfallenden Arbeitsvolumen und der aktuellen familiären Situation. Gemeinsam kommen wir auf ca. 1,4 Vollzeit-Stellen.

WirtschaftsKRAFT: Wie schafft man es zu zweit Karriere zu machen, wie sah das bei Ihnen ganz konkret aus?

Kathrin Anandasivam: Zunächst ist es wichtig sich zu vertrauen und sich über die Ziele, die man verfolgt klar zu werden. Dann geht es darum zu zeigen, dass und welche Stärken die Tandem-Konstellation hat. Wir konnten gemeinsam durch die große Lernkurve in der ersten Phase unseres Tandems zeigen, dass wir gemeinsam größere Themenfelder gestalten können als  alleine – aufgrund der fachlichen Breite und der vorhandenen Leadership-Expertise.

WirtschaftsKRAFT: Ist es leichter einen Job zu zweit zu machen? Findet man zu zweit vielleicht eine kreativere Lösung, auf die man alleine so nicht gekommen wäre? Kracht es zwischen Ihnen auch manchmal?

Katja Tiltscher: Wenn man so eingespielt ist wie wir beide, dann ist es tatsächlich leichter, finden wir. Wenn es einer von uns gerade schwer fehlt, neue Ideen zu entwickeln, hat die andere vielleicht gerade eine kreative Phase. Und das miteinander sprechen und spiegeln erzeugt oft viel bessere Ergebnisse, als wenn man nur alleine über etwas nachzudenkt. Dafür braucht es aber Übung und Vertrauen. Am Anfang war es auch anstrengend sich gegenseitig über alles zu informieren. Inzwischen hat sich das aber gut eingespielt. Eigentlich kracht es nie zwischen uns, aber wir diskutieren schon auch kontrovers. Wir haben gelernt uns sehr schnell zu sagen, wenn wir anderer Meinung sind und das auch gegenseitig zu akzeptieren. Ansonsten wäre es schwer nicht in Streit zu geraten und sich gemeinsam messen zu lassen.

WirtschaftsKRAFT: Warum ist Jobsharing attraktiver als die klassische Teilzeitstelle?

Kathrin Anandasivam: In unserem speziellen Fall ergänzen wir uns durch unsere unterschiedlichen Kompetenzen und sind in der Lage ein sehr breites Feld abzudecken. Das wäre uns allein nicht möglich, ist aber ein großer Mehrwert. Wir arbeiten nicht in Schichten, da wir beide nachmittags unsere Kinder betreuen. Aber es gelingt uns besser uns gegenseitig Luft zu verschaffen oder auch einmal einzuspringen, wenn Not an der Frau ist. Und die große Chance durch unser ständiges Feedback selbst zu wachsen, begeistert uns. Wir haben in den letzten Jahren sehr viel durch unser geteiltes Modell und die Zusammenarbeit dazugelernt.

WirtschaftsKRAFT: Wenn beide 50% arbeiten, kommen da am Ende beim Unternehmen 100% oder mehr bei raus, wie schätzen Sie das ein?

Katja Tiltscher: Es bedarf in jedem Fall an Zeit für Abstimmungen und gemeinsame Termine, was die 100% einschränkt. Die Arbeitsergebnisse werden aber, wenn man die Potentiale eines Tandems nutzt, über denen von einzelnen Personen liegen. Das liegt daran, dass sie immer bereits reflektiert, durch eine weitere Person geprüft und im besten Fall aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wurden. Wenn man sich also von der reinen Zahlenlogik löst, wird man unterm Strich von einem Tandem profitieren – und Potentiale im Unternehmen halten!

WirtschaftsKRAFT: Hatten Sie Hilfe von außen, um sich als Tandem gut aufzustellen?

Kathrin Anandasivam: Wir sind erst einmal ohne Hilfe von außen gestartet und haben das Modell für uns getestet und Verschiedenes ausprobiert. Nach einiger Zeit ergab sich die Möglichkeit eines Coachings, das wir auch dazu genutzt haben als Tandem zusammenzuwachsen und zu lernen unsere persönlichen Ansprüche und Meinungen miteinander zu teilen und Konflikte auch mal auszuhalten.

WirtschaftsKRAFT: Wie sieht Jobsharing bei Ihnen im Alltag ganz konkret aus? Machen Sie beide genau das gleiche? Wie organisieren Sie sich? Arbeite Sie mit einem bestimmten Tool, um immer auf dem gleichen Stand zu sein?

Katja Tiltscher: Wir haben ein gemeinsames digitales Notizbuch, in dem wir gegenseitig Themen, Gespräche und Termine notieren. Hier führen wir auch unsere Aufgaben zusammen. Die meiste Zeit teilen wir uns die Aufgaben auf. Da wir schon so lange zusammenarbeiten, passiert dies ganz von selbst. Wir kennen unsere Stärken und Neigungen, sodass jede sich um die Themen kümmert, zu denen sie den größeren Beitrag leisten kann. Oder Mitarbeiter suchen sich eine von uns zur Zusammenarbeit aus. Einige Termine machen wir bewusst zusammen: Gespräche mit Mitarbeitern (wenn gewünscht), Abstimmungen mit unserem Vorgesetzten oder im Management.

WirtschaftsKRAFT: Bedeutet eine halbe Stelle auch nur halbe Verantwortung?

Kathrin Anandasivam: Wir tragen unsere Verantwortung gemeinsam. Also auch die volle Verantwortung für alles, was man uns anvertraut. Wir arbeiten auf die gleichen Ziele hin und unsere Arbeit wird am Enden an den gleichen Zielen gemessen. Auch das Mitarbeitergespräch mit unseren Vorgesetzten findet gemeinsam statt. Wir gehen alles als Team an – Erfolge wie Rückschläge.

WirtschaftsKRAFT: Gibt es bei Trumpf mehrere Jobtandems?

Katja Tiltscher: Ein weiteres „Führungs-Tandem“ ist gerade gestartet. Die Kollegin und der Kollege arbeiten ebenfalls in der Entwicklung.

WirtschaftsKRAFT: Kennen Sie auch männliche Tandems? Gibt es da Unterschiede?

Kathrin Anandasivam: Wir kennen bisher nur gemischte Tandems persönlich. Ob es da Unterschiede gibt, können wir nicht abschätzen. Die Voraussetzungen sind aber sicher die gleichen.

Das Gespräch führte Tanja Meckler.

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