11.03.2026
Die Namen der Betreiber Tante Enso und Tante M erinnern an frühere Zeiten. An den kleinen Laden um die Ecke und an die freundliche „Tante Emma“, die wusste, wer lieber Roggenbrot statt Mischbrot kauft. Die moderne Variante dieser „Tanten“ kommt allerdings (auch) ohne Personal aus, dafür mit Smartphone-Zugang, Selbstbedienung und teilweise rund um die Uhr geöffnet.
Dass diese neuen Ladenkonzepte mehr sind als Nostalgie mit digitaler Technik, zeigte eine Online-Veranstaltung der Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg, organisiert vom Innenstadtberater der IHK Karlsruhe, Michael Rausch, zum Thema „24/7-Nahversorgung: Smart Stores im ländlichen Raum“, an der 66 Interessierte teilnahmen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie automatisierte Dorfläden zur Sicherung der Nahversorgung beitragen können und welche neuen rechtlichen Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg dafür geschaffen wurden.
„Die Nahversorgung verändert sich ganz praktisch“, sagte Roland Fitterer, Vizepräsident der IHK Karlsruhe. Immer mehr Geschäfte im ländlichen Raum schließen, Personal wird knapper und Öffnungszeiten verkürzen sich, während die Erwartungen der Menschen an eine gute Versorgung hoch bleiben. Die jüngsten Änderungen im baden-württembergischen Ladenöffnungsgesetz schaffen hier neue Klarheit. „Es geht nicht um eine Spielerei, sondern um ein Werkzeug, das funktionieren kann, wenn man es richtig einsetzt“, betonte Fitterer. Ziel sei ein rechtlicher Rahmen, der wirtschaftlich tragfähige Lösungen ermöglicht und gleichzeitig den Kommunen Gestaltungsspielräume lässt.
Die wichtigsten Änderungen erläuterte Bernhard Nattermann, der im Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) die Federführung Handel innehat. Zentrale Neuerung ist die Definition der „vollautomatisierten Verkaufsstelle“. Sie gilt für Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 150 Quadratmetern, die ohne Verkaufspersonal betrieben werden können. Für diese Läden ist eine Öffnung an Sonn- und Feiertagen grundsätzlich möglich, sofern nur Waren des täglichen Bedarfs verkauft werden. Gleichzeitig können Kommunen Standort und Öffnungszeiten in einem gewissen Rahmen steuern.
An Sonn- und Feiertagen darf kein regulärer Betriebsablauf stattfinden, doch beispielsweise das Nachfüllen von Backwaren bleibt erlaubt. Bestimmte Feiertage wie Karfreitag sind ausdrücklich ausgenommen. „In der Summe ist das eine Regelung, die sich in der Praxis gut umsetzen lässt und gleichzeitig ausreichend unternehmerischen Freiraum bietet“, so Nattermann.
Wie dynamisch sich das Konzept entwickelt, zeigte Prof. Dr. Stephan Rüschen, Professor für Lebensmittelhandel und Studiengangsleiter an der DHBW Heilbronn. Seit März 2021 betreibt die Hochschule selbst einen Smart Store auf dem Campus. Deutschlandweit gibt es inzwischen rund 870 solcher Läden, im Durchschnitt eröffnet alle zwei Tage ein neuer. Rund 380 davon bieten ein Vollsortiment, andere konzentrieren sich auf regionale Produkte oder auf die Direktvermarktung landwirtschaftlicher Betriebe.
Für viele Anbieter eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten. Landwirtschaftliche Betriebe können ihre Produkte rund um die Uhr anbieten, ohne zusätzliches Personal einsetzen zu müssen. Auch im Handwerk entstehen neue Modelle: Rund hundert Metzgereien betreiben inzwischen automatisierte Verkaufsstellen. Neben vollständig unbemannten Läden gibt es auch hybride Lösungen, bei denen zu bestimmten Zeiten Personal vor Ort ist und außerhalb dieser Zeiten der automatisierte Betrieb läuft.
Umfragen zeigen eine hohe Akzeptanz solcher Konzepte. Mehr als 94 Prozent der Befragten sagen, dass ein Smart Store ihren Ort aufwertet, und ähnlich viele schätzen besonders die Möglichkeit, auch sonntags einkaufen zu können. Rund 90 Prozent möchten nach eigenen Angaben nicht mehr auf das Angebot verzichten. Erfolgsfaktoren sind vor allem ein geeigneter Standort, möglichst bestehende Gebäude statt Containerlösungen, ein Sortiment mit regionalen Produkten und Preise, die für die Kundschaft akzeptabel bleiben.
Wie solche Konzepte im Alltag aussehen, schilderte Norbert Hegmann vom Anbieter Tante Enso. Viele der Läden setzen bewusst auch auf eine soziale Funktion im Ort mit Sitzecken, kleinen Cafébereichen oder sogar Apothekenecken. So wird der automatisierte Laden zugleich wieder zu einem Treffpunkt im Ort, ganz im Sinne der alten Tante-Emma-Tradition.
pm / mm
11.03.2026
Die Namen der Betreiber Tante Enso und Tante M erinnern an frühere Zeiten. An den kleinen Laden um die Ecke und an die freundliche „Tante Emma“, die wusste, wer lieber Roggenbrot statt Mischbrot kauft. Die moderne Variante dieser „Tanten“ kommt allerdings (auch) ohne Personal aus, dafür mit Smartphone-Zugang, Selbstbedienung und teilweise rund um die Uhr geöffnet.
Dass diese neuen Ladenkonzepte mehr sind als Nostalgie mit digitaler Technik, zeigte eine Online-Veranstaltung der Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg, organisiert vom Innenstadtberater der IHK Karlsruhe, Michael Rausch, zum Thema „24/7-Nahversorgung: Smart Stores im ländlichen Raum“, an der 66 Interessierte teilnahmen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie automatisierte Dorfläden zur Sicherung der Nahversorgung beitragen können und welche neuen rechtlichen Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg dafür geschaffen wurden.
„Die Nahversorgung verändert sich ganz praktisch“, sagte Roland Fitterer, Vizepräsident der IHK Karlsruhe. Immer mehr Geschäfte im ländlichen Raum schließen, Personal wird knapper und Öffnungszeiten verkürzen sich, während die Erwartungen der Menschen an eine gute Versorgung hoch bleiben. Die jüngsten Änderungen im baden-württembergischen Ladenöffnungsgesetz schaffen hier neue Klarheit. „Es geht nicht um eine Spielerei, sondern um ein Werkzeug, das funktionieren kann, wenn man es richtig einsetzt“, betonte Fitterer. Ziel sei ein rechtlicher Rahmen, der wirtschaftlich tragfähige Lösungen ermöglicht und gleichzeitig den Kommunen Gestaltungsspielräume lässt.
Die wichtigsten Änderungen erläuterte Bernhard Nattermann, der im Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) die Federführung Handel innehat. Zentrale Neuerung ist die Definition der „vollautomatisierten Verkaufsstelle“. Sie gilt für Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 150 Quadratmetern, die ohne Verkaufspersonal betrieben werden können. Für diese Läden ist eine Öffnung an Sonn- und Feiertagen grundsätzlich möglich, sofern nur Waren des täglichen Bedarfs verkauft werden. Gleichzeitig können Kommunen Standort und Öffnungszeiten in einem gewissen Rahmen steuern.
An Sonn- und Feiertagen darf kein regulärer Betriebsablauf stattfinden, doch beispielsweise das Nachfüllen von Backwaren bleibt erlaubt. Bestimmte Feiertage wie Karfreitag sind ausdrücklich ausgenommen. „In der Summe ist das eine Regelung, die sich in der Praxis gut umsetzen lässt und gleichzeitig ausreichend unternehmerischen Freiraum bietet“, so Nattermann.
Wie dynamisch sich das Konzept entwickelt, zeigte Prof. Dr. Stephan Rüschen, Professor für Lebensmittelhandel und Studiengangsleiter an der DHBW Heilbronn. Seit März 2021 betreibt die Hochschule selbst einen Smart Store auf dem Campus. Deutschlandweit gibt es inzwischen rund 870 solcher Läden, im Durchschnitt eröffnet alle zwei Tage ein neuer. Rund 380 davon bieten ein Vollsortiment, andere konzentrieren sich auf regionale Produkte oder auf die Direktvermarktung landwirtschaftlicher Betriebe.
Für viele Anbieter eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten. Landwirtschaftliche Betriebe können ihre Produkte rund um die Uhr anbieten, ohne zusätzliches Personal einsetzen zu müssen. Auch im Handwerk entstehen neue Modelle: Rund hundert Metzgereien betreiben inzwischen automatisierte Verkaufsstellen. Neben vollständig unbemannten Läden gibt es auch hybride Lösungen, bei denen zu bestimmten Zeiten Personal vor Ort ist und außerhalb dieser Zeiten der automatisierte Betrieb läuft.
Umfragen zeigen eine hohe Akzeptanz solcher Konzepte. Mehr als 94 Prozent der Befragten sagen, dass ein Smart Store ihren Ort aufwertet, und ähnlich viele schätzen besonders die Möglichkeit, auch sonntags einkaufen zu können. Rund 90 Prozent möchten nach eigenen Angaben nicht mehr auf das Angebot verzichten. Erfolgsfaktoren sind vor allem ein geeigneter Standort, möglichst bestehende Gebäude statt Containerlösungen, ein Sortiment mit regionalen Produkten und Preise, die für die Kundschaft akzeptabel bleiben.
Wie solche Konzepte im Alltag aussehen, schilderte Norbert Hegmann vom Anbieter Tante Enso. Viele der Läden setzen bewusst auch auf eine soziale Funktion im Ort mit Sitzecken, kleinen Cafébereichen oder sogar Apothekenecken. So wird der automatisierte Laden zugleich wieder zu einem Treffpunkt im Ort, ganz im Sinne der alten Tante-Emma-Tradition.
pm / mm
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