Rekordhitze setzt Baden-Württembergs Landwirtschaft zu

Die Getreideernte 2026 in Baden-Württemberg erzählt eine Geschichte über den Klimawandel, knappe Ressourcen und die wachsende Bedeutung regionaler Landwirtschaft. Rekordtemperaturen kosteten viele Betriebe Ertrag – und machten deutlich, wie eng Wetter, Logistik und Versorgungssicherheit inzwischen miteinander verknüpft sind.
Pressefoto. Siloanlage Rheinhafen Karlsruhe. Foto: Ralf H. Peter

04.08.2026

„40 Grad können heute über den Ertrag eines ganzen Jahres entscheiden. Genau das haben wir Ende Juni erlebt“, sagt Richard Volz, Agrar-Geschäftsbereichsleiter der ZG Raiffeisen.

Mit diesem Satz bringt Volz die diesjährige Getreideernte auf den Punkt. Denn nachdem Herbst, Winter und Frühjahr zunächst günstige Bedingungen boten, brachte die Hitzewelle Ende Juni die Wende. An der DWD-Messstation Waghäusel-Kirrlach wurden mit 41,4 Grad Celsius neue Höchstwerte für Baden-Württemberg gemessen – mit spürbaren Folgen für die Landwirtschaft.

Ein Land – zwei Ernten

Wie stark der Ertrag vom richtigen Zeitpunkt abhängt, zeigt sich besonders beim Weizen. Entlang der Rheinschiene, wo die Bestände früher abreiften, konnten vielerorts noch zwischen 7,5 und 8,5 Tonnen pro Hektar eingefahren werden. In Nordbaden und den höheren Lagen hingegen fehlte den Pflanzen durch die Hitze wertvolle Zeit für die Kornfüllung. Dort blieben vielerorts nur sechs bis sieben Tonnen pro Hektar.

Immerhin: Die Qualität des Weizens stimmt. Gute Hektolitergewichte und bislang kaum Probleme mit Fallzahlen oder Fusarien sorgen dafür, dass die Ernte qualitativ besser ausfällt als vielerorts befürchtet. Weniger erfreulich entwickelt sich dagegen der Raps, dessen Erträge mit 3,0 bis 3,5 Tonnen je Hektar häufig unter dem langjährigen Mittel liegen.

Noch kritischer blickt die Branche auf den Mais. Ausgerechnet während der Blüte trafen Hitze und Trockenheit die Pflanzen in einer ihrer empfindlichsten Entwicklungsphasen. Während tiefgründige Böden die Schäden teilweise abfedern konnten, sind auf leichteren Standorten deutliche Trockenschäden sichtbar. Nach Einschätzung der ZG Raiffeisen könnte die Maisernte rund 30 Prozent unter dem Durchschnitt liegen.

Die Ernte endet nicht am Feldrand

Die Herausforderungen beschränken sich jedoch längst nicht mehr auf den Acker. Auch die Vermarktung wird schwieriger. Weltweit übersteigt der Getreideverbrauch nach aktuellen Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) inzwischen die Produktion, die globalen Vorräte sind auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gesunken. Trotzdem bleiben die Preise bislang hinter den Erwartungen vieler Betriebe zurück, weil zahlreiche Erzeuger auf günstigere Vermarktungszeitpunkte warten.

Hinzu kommen logistische Engpässe. Das ungewöhnlich frühe Niedrigwasser auf dem Rhein reduzierte bereits Mitte Juli die Ladekapazitäten der Binnenschiffe erheblich. Frachtraum wurde knapp, Transportkosten stiegen, Lager mussten früher als üblich freigeräumt werden. Die Ernte zeigt damit einmal mehr: Eine gute Ernte allein reicht nicht aus – sie muss auch transportiert, gelagert und vermarktet werden können.

Mehr als Landwirtschaft

Die ZG Raiffeisen versteht die Ernte 2026 deshalb auch als Signal für die Bedeutung regionaler Wertschöpfungsketten. Wetterextreme, volatile Märkte und eine störanfällige Logistik machen deutlich, wie eng Landwirtschaft und Versorgungssicherheit inzwischen miteinander verbunden sind.

„Ernährungssicherheit beginnt auf dem Acker. Regionale Landwirtschaft bleibt eine tragende Säule unserer Versorgungssicherheit“, fasst Richard Volz zusammen.

Über die ZG Raiffeisen
Die ZG Raiffeisen-Gruppe mit Hauptsitz in Karlsruhe ist als Handels- und Dienstleistungsunternehmen in BadenWürttemberg, Rheinland-Pfalz sowie im Elsass tätig. Rund 2.000 Mitarbeitende sind in den Geschäftsfeldern Agrar, Märkte, Technik, Energie und Baustoffe beschäftigt. Die Unternehmensgruppe verfügt über ein dichtes Netz von Niederlassungen und Werkstätten in der Region. Der Jahresumsatz der ZG Raiffeisen-Gruppe lag im vergangenen Jahr bei rund 1,35 Mrd. Euro.

tm/pm

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