Regen als Überraschungsgast: Kräuterwanderung im Hohenwart Forum

Starker Regen statt Waldspaziergang – doch die gute Laune ließ sich davon nicht vertreiben. Bei der Kräuterwanderung des Hohenwart Forums wurde kurzerhand improvisiert. Aus der Exkursion durch den Wald wurde ein ebenso lehrreicher Kräuterworkshop im Trockenen – inklusive vieler spannender Einblicke in die Welt heimischer Wildpflanzen und eines genussvollen Abschlusses mit einem ausgefallenen Kräuterbuffet.
Gleich zu Beginn der Kräuterwanderung wurde der Regen leider so stark, dass man umkehren musste. Foto: Sandra Gallian

1.7.2026

von Sandra Gallian

Der Himmel verheißt nichts Gutes, als sich 27 Teilnehmende zur Kräuterwanderung am Hohenwart Forum treffen. Doch von Regen ist zunächst nur am Horizont etwas zu ahnen. An der liebevoll gestalteten Bar im Freien werden Holunder-Cocktails gereicht, alte Bekannte begrüßen sich herzlich. Viele der Gäste waren bereits bei der vergangenen Kräuterwanderung dabei und nehmen dafür sogar eine Anreise aus dem Pfinztal oder aus Göbrichen in Kauf.

Die Kräuterwanderung ist Teil der Veranstaltungsreihe „Vollmondbar“, mit der das Hohenwart Forum regelmäßig zu besonderen Themenabenden einlädt. Für Konzeption und Organisation ist Servicemitarbeiterin Nicole Klittich verantwortlich. Sie entwickelt die wechselnden Themen, bereitet die Veranstaltungen vor und sorgt gemeinsam mit ihrem Team dafür, dass jeder Abend einen besonderen Charakter erhält. Nachdem die Kräuterwanderung bereits im vergangenen Jahr auf große Begeisterung stieß, war schnell klar: Dieses Format wird wiederholt.

Warum die Kräuterwanderungen so beliebt sind? „Die Menschen möchten wieder mehr selbst machen“, erklärt Kräuterführerin Roswitha Hild. Marmeladen aus Mahonienbeeren, Holundersirup oder selbstgemachte Gelees seien nur einige Beispiele. Passend dazu wächst direkt vor dem Eingang des Hohenwart Forums ein Mahonienstrauch, dessen dunkelblaue Beeren sich hervorragend für Sirup, Saft oder Gelee eignen.

Zur Begrüßung gabe es Cocktails mit Holunderblütensirup. Foto: Sandra Gallian

Die Natur mit anderen Augen entdecken

Roswitha Hild ist Schwarzwald-Guide und Naturpädagogin. Auch unabhängig von der Vollmondbar bietet Roswitha Hild im Hohenwart Forum regelmäßig Natur- und Kräuterveranstaltungen an. Ihr Wissen geht weit über essbare Wildkräuter hinaus.

„Es geht nicht nur um Pflanzen, die man essen kann. Auch Moose, Flechten oder Orchideen gehören dazu. Die Natur bietet unglaublich viel, wenn man genauer hinschaut“, erzählt sie.

Besonders wichtig sei ihr, Menschen wieder einen Zugang zur Natur zu vermitteln. Wer Pflanzen kenne, könne selbst weiter recherchieren und ausprobieren. Schließlich lasse sich aus Wildpflanzen weit mehr herstellen als nur leckere Gerichte: Salben, Seifen oder Tinkturen gehörten ebenso dazu. „Für mich steht aber ganz klar die Kulinarik im Vordergrund“, sagt Hild lachend.

Roswitha Hild lässt sich die gute Laune nicht verderben und plant kurzfristig um. Foto: Sandra Gallian

Stammgäste mit Begeisterung

Unter den Teilnehmenden sind auch drei Frauen aus Göbrichen, die bereits mehrfach dabei waren.

Susanne erinnert sich besonders gerne an den Fichtensirup, der bei der letzten Wanderung verkostet wurde. „Und natürlich an das schöne gemeinsame Zusammensitzen.“

Stefanie begeistert vor allem, wie viele essbare Kräuter im Wald wachsen. „Man nutzt sie viel zu selten. Waldmeister zum Beispiel kennt fast jeder, aber kaum jemand verwendet ihn außerhalb der klassischen Maibowle.“

Maria möchte ihr Wissen einfach wieder auffrischen. „Ich habe gemerkt, dass ich schon wieder die Hälfte vergessen habe.“

Der Regen kommt schneller als gedacht

Mit den ersten Tropfen macht sich die Gruppe auf den Weg zum nur wenige Meter entfernten Waldrand. Bereits am Eingang erklärt Roswitha Hild noch die dort wachsende Distel, deren junge Triebe gedünstet hervorragend schmecken.

Doch dann öffnet der Himmel seine Schleusen. Innerhalb weniger Minuten schüttet es wie aus Kübeln. Isabell Fichter, Assistentin der Geschäftsleitung des Hohenwart Forums, organisiert noch schnell Regenschirme – vergeblich. Die Teilnehmenden sind bereits bis auf die Haut durchnässt.

Die Kräuterwanderung muss abgebrochen werden, bevor sie richtig begonnen hat.

Kurzerhand werden die Pflanzenkübel im Innenraum aufgebaut. Foto: Sandra Gallian

Improvisation mit Pflanzenkübeln

Doch Aufgeben kommt für Roswitha Hild nicht infrage.

Zurück im Hohenwart Forum werden zunächst Handtücher verteilt. Während draußen der Regen weiter prasselt, verwandelt sich der Raum kurzerhand in ein Kräuterlabor. Vorausschauend hat Hild zahlreiche Pflanzen in Kübeln mitgebracht und baut sie auf einem großen Tisch auf.

So erfahren die Teilnehmenden, dass Giersch zusammen mit Löwenzahn und Brennnessel zu den drei wichtigsten ganzjährig verfügbaren Wildpflanzen gehört. Seine Blätter und Blüten sind essbar, beim Verarbeiten empfiehlt Hild allerdings Handschuhe, da sich die Fingernägel dunkel verfärben können.

Auch der Schlangenknöterich, wegen seiner rosafarbenen Blüten umgangssprachlich „Zahnbürste“ genannt, eignet sich hervorragend als Spinatersatz. Seinen Namen verdankt er der schlangenförmigen Wurzel – gegen Schlangenbisse helfe diese allerdings nicht, bemerkt Hild schmunzelnd.

Es folgen zahlreiche weitere Pflanzen mit ihren Besonderheiten: Rotklee, der aufgrund seiner hormonähnlichen Inhaltsstoffe traditionell bei Frauenbeschwerden verwendet wird, Gänseblümchen als Zutat für selbstgebackenes Knäckebrot, Pfennigkraut für Kräuterfrischkäse oder Gundermann, dessen intensives Aroma vor allem Desserts, Joghurt oder sogar geschmolzene Schokolade verfeinern kann.

Roswitha Hild erklärt den Giersch, eine der drei wichtigsten ganzjährig verfügbaren Wildpflanzen. Foto: Sandra Gallian

Die Brennnessel – ein heimisches Superfood

Als die Runde nach ihren Lieblingspflanzen gefragt wird, fallen häufig Holunder, Zitronenmelisse und Bärlauch. Roswitha Hild nennt ohne Zögern die Brennnessel.

Nicht ohne Grund: Sie enthält unter anderem Calcium, Eisen, Magnesium, Kalium sowie Vitamin C und Eiweiß. Ihr Eisengehalt liegt deutlich über dem von Spinat und sogar über dem von Rindfleisch. Für Hild gehört die oft unterschätzte Pflanze deshalb zu den wertvollsten heimischen Wildkräutern überhaupt.

Kurzerhand wurden Handtücher organisiert, mit denen sich die regennassen Teilnehmenden etwas abtrocknen konnten. Foto: Sandra Gallian

Ein genussvoller Abschluss

Den Abschluss des Abends bildet ein liebevoll angerichtetes Kräuterbuffet, das Roswitha Hild vorbereitet hat. Serviert werden unter anderem eine Kräuterquiche mit Gorgonzola, Wildkräutersalat, verschiedene Kräuterbrote und hausgemachte Aufstriche. Als Dessert wartet eine Panna Cotta mit Holunderspiegel.

Die Schuhe und Socken vieler Gäste sind am Ende zwar noch immer feucht. Die Stimmung hingegen ist ungebrochen. Statt einer Wanderung durch den Wald wurde der Abend zu einem besonderen Erlebnis – und alle nehmen viele neue Ideen rund um die heimische Kräuterwelt mit nach Hause.

Die Vollmondbar-Reihe wird auch in den kommenden Monaten fortgesetzt. Bereits am 12. Juli lädt das Hohenwart Forum zum Tag der offenen Tür ein, bevor am 29. Juli bei der Beachparty sommerliche Urlaubsstimmung auf der Terrasse aufkommt.

Das liebevoll angerichtete Kräuterbuffet erfreute die Gaumen. Foto: Sandra Gallian

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