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Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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Preisgekrönt: Neuartiger Balletschuh für den Spitzentanz aus Karlsruhe

Gründen erfordert Ausdauer: Die Pforzheimer Design-Absolventin Sophia Lindner konzipierte 2017 einen komplett neuartigen Ballett-Spitzenschuh für Profitänzer. Schon damals wurde sie mit dem James Dyson-Award ausgezeichnet und dem IAF Research Excellence Award ihrer Hochschule. Nun erhielt sie für ihr innovatives Konzept den Artur Fischer Erfinderpreis
Pforzheimer Design-Absolventin Sophia Lindner Foto: Tobias Süsser

Sophia Lindner erhält Artur Fischer Erfinderpreis

"Eine Idee produktionsfähig zu machen, braucht sehr viel Zeit."
Sophia Lindner, Geschäftsführein act´ble GmbH

Tänzer leiden stark unter den Verletzungen ihrer Füße, ihr Gesundheitsrisiko ist enorm. Im professionellen Tanz wird ein Spitzenschuh in nur einem Tag „zertanzt“ – eine teure und ineffiziente Angelegenheit. Sophia Lindner, die selbst lange Ballett tanzte, weiß, dass kein Standardmodell die individuellen Bedürfnisse von Tänzern erfüllen kann.

In der Technologie rund um den Spitzentanzschuh herrscht immenser Nachholbedarf, wenn wir die Entwicklung im Bereich des normalen Sportschuhs damit vergleichen.

Sophia Lindner

In der Zwischenzeit hat sich viel getan bei der Designerin: Nach ihrem Studienabschluss 2018 meldete sie ein Patent an. Ihr Vortrag auf dem Internationalen Kongress für Tanzmedizin in Frankfurt im selben Jahr brachte dann Bewegung in das Projekt. Mittlerweile hat sie sich in Karlsruhe selbstständig gemacht, eine GmbH gegründet und beschäftigt vier feste Mitarbeiter.

Viele Prototypen entstehen auf dem Weg von der Idee bis zur Realisierung. Foto: act’ble
 

„Eine Idee produktionsfähig zu machen, braucht sehr viel Zeit“, sagt die 27-Jährige. Ihr Spitzenschuh „act‘ble“ besteht aus drei Teilen: einer flexiblen Sohle, einer „Skin“ und Bändern. Anderes Material und eine andere Bauweise machen den Schuh flexibler und damit gesünder für die Tänzer. Die neue Sohle spielt die wichtigste Rolle: Sie ist durch Einschnitte in die eine Richtung flexibel und kann in die andere Richtung für den Spitzenstand blockieren und stabilisieren. Die „Skin“ kanalisiert die Kräfte durch Kompressionszonen und schont dadurch die Muskulatur. Mehr als 100 Prototypen sind mittlerweile entstanden, alle in Zusammenarbeit mit professionellen Tänzern und dem Fraunhofer Institut. Ohne Fördergelder – wie etwa das Programm StartUp BW Pro-Tect, das die junge Unternehmerin derzeit unterstützt – ist so ein Projekt kaum stemmbar. Auch Sophia Lindner wurde durch die Pandemie etwas ausgebremst, aber nun steht der Schuh kurz vor der Produktion. Dass sie nun erneut ausgezeichnet wurde für ihr neuartiges Schuhkonzept zeigt, dass sich Ausdauer lohnt.

Der Artur Fischer Erfinderpreis, gestiftet von Artur Fischer und der Baden-Württemberg Stiftung, wurde in diesem Jahr zum elften Mal verliehen. Überreicht wurden die mit insgesamt 36.500 Euro dotierten Preise und Anerkennungen sowie der Sonderpreis in Waldachtal am Sitz der Unternehmensgruppe fischer Ende Juni 2021. Coronabedingt fand die Ehrung in kleinem Kreis statt. Sie wurde für alle Interessierten per Livestream übertragen.

Vor Ort erklärte Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU): „Tüftlerinnen und Erfinder waren schon immer die eigentlichen Helden der baden-württembergischen Landesgeschichte. In gegenwärtigen Zeiten des Umbruchs aber zählen Kreativität und der Mut zu neuem Denken mehr denn je.“ Der Artur Fischer Erfinderpreis motiviere die Cleveren in allen Altersklassen – von der Schülerin bis zum Rentner – und fördere so die Innovationskultur im Land. „Die Preisträgerinnen und Preisträger sind Inspiration und Ansporn für uns alle.“

Marc-Sven Mengis, Vorsitzender der Geschäftsführung der Unternehmensgruppe fischer, gratulierte den anwesenden Preisträgerinnen und Preisträgern: „Sie habenbewiesen, dass Deutschland nach wie vor ein Land der Erfinderinnen und Erfinder ist!“ Er merkte allerdings auch an, dass „die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklunghierzulande sicherlich besser sein könnten.“

pm/tm

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