Pestizide im Job: IG BAU warnt in Pforzheim vor erhöhtem Parkinson-Risiko

Arbeit im Grünen gilt als gesund – doch in Pforzheim warnt die IG BAU vor einem erhöhten Parkinson-Risiko durch Pestizide. Ärzte sollen Patienten gezielt auf mögliche Berufserkrankungen ansprechen.
Wenn nach dem Job die Schüttellähmung kommt: Parkinson durch chemische Pflanzenschutzmittel ist als Berufskrankheit anerkannt. Darauf hat die IG BAU Nordbaden hingewiesen. „Denn wer auf dem Feld oder im Gewächshaus über Jahre häufig Pflanzenschutzmittel spritzt, der hat ein erhöhtes Risiko, später Parkinson zu bekommen“, warnt Wolfgang Kreis von der Agrar-Gewerkschaft.. Foto: IG BAU | Tobias Seifert

05.05.2026

Risiko im „grünen Job“ oft unterschätzt

Arbeiten unter freiem Himmel oder im Gewächshaus stehen für viele Menschen für frische Luft und gesunde Bedingungen. Doch genau hier kann ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko lauern. Darauf weist die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Nordbaden hin.

„Wer in Pforzheim auf den Feldern oder in Gewächshäusern arbeitet, den kann es treffen: Ein erhöhtes Risiko, Parkinson zu bekommen. Und zwar immer dann, wenn er über Jahre häufig mit Pflanzenschutzmitteln zu tun hatte“, sagt Wolfgang Kreis von der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

Das sogenannte Parkinson-Syndrom durch Pestizide ist inzwischen als Berufskrankheit anerkannt. Voraussetzung ist jedoch, dass Betroffene nachweisen können, mindestens 100 Tage im Berufsleben mit chemischen Pflanzenschutzmitteln gearbeitet zu haben – etwa mit Fungiziden, Insektiziden oder Herbiziden.

Ist dieser Nachweis erbracht, greift die gesetzliche Unfallversicherung. „Dann bekommen Beschäftigte, die an Schüttellähmung erkrankt sind, Unterstützung von der gesetzlichen Unfallversicherung: Die Hilfe der Berufsgenossenschaft reicht von guter medizinischer Versorgung bis zu Geldleistungen“, so Wolfgang Kreis. Neben der Landwirtschaft betrifft das auch Beschäftigte im Gartenbau und in der Forstwirtschaft.

Ärzte und Kassen in der Pflicht

Die Gefahren beschränken sich jedoch nicht nur auf klassische „grüne Berufe“. Auch in der Floristik oder auf dem Bau kann der Kontakt mit Pestiziden vorkommen, etwa bei Sanierungsarbeiten oder durch Baustoffe mit Anti-Schimmelmitteln.

„Denn auch bei Sanierungsarbeiten wird mit Pestiziden gearbeitet. Vielen ist gar nicht bewusst, wo überall Pestizide zu finden sind. Gerade im Sanitärbereich kommen häufig Baustoffe mit Anti-Schimmelmitteln zum Einsatz. Und die enthalten oft Pestizide“, erklärt Wolfgang Kreis von der IG BAU Nordbaden.

Vor diesem Hintergrund richtet die Gewerkschaft einen klaren Appell an die Ärzteschaft in Pforzheim: Parkinson-Patienten sollten gezielt darauf angesprochen werden, ob ihre Erkrankung beruflich bedingt sein könnte. Auch die gesetzlichen Krankenkassen sieht die IG BAU in der Verantwortung, aktiv zu informieren.

„Immerhin haben Patienten, wenn es um eine Berufserkrankung geht, die Chance auf eine intensive Betreuung und gute medizinische Versorgung, für die die Berufsgenossenschaft steht“, so Wolfgang Kreis.

Zugleich kündigt die IG BAU an, sich verstärkt für die Anerkennung weiterer Fälle einzusetzen – insbesondere bei Beschäftigten, die indirekt Pestiziden ausgesetzt waren. „Es geht vor allem um die, die nicht selbst Pflanzenschutzmittel gespritzt haben, die aber zum Beispiel in Gewächshäusern den Pestiziden ausgesetzt waren“, so Kreis.

Betroffenen und Beschäftigten in gefährdeten Branchen wird empfohlen, sich bei ihrer Berufsgenossenschaft zu informieren. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) bietet dazu unter anderem eine spezielle „Parkinson-Hotline“ an.

pm/tm

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