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Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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„Nein, ich stehe nicht nur einfach am Beckenrand.“

Was es heißt Bademeister zu sein, weiß Moritz Schroth sehr genau. Sein Job beinhaltet soviel mehr, als nur die reine Aufsichtspflicht. Der 38-Jährige ist geprüfter Meister für Bäderbetriebe, so lautet der vollständige Ausbildungstitel. Seit 2009 hat Schroth die Position des Betriebsleiters im Freibad Karlsbad inne.
Moritz Schroth, Betriebsleiter Freibad Karlsbad. Von der Brücke aus hat er einen guten Überblick. Foto: Tanja Meckler

von Tanja Meckler

"Wir bräuchten eine Fachkraft, am besten noch zwei Rettungsschwimmer und eine Kassiererin, dann wären wir perfekt besetzt."
Moritz Schroth, Betriebsleiter Freibad Karlsbad

Der Spruch „du stehst doch eh nur den ganzen Tag am Beckenrand“, nervt ihn gewaltig. Das Problem sei, viele würden nicht einmal wissen, dass BademeisterIn ein Ausbildungsberuf ist, erzählt Schroth, während seine Augen wachsam auf dem Schwimmbecken ruhen. Es ist jedoch ein eher kühler Freitag Morgen und es ziehen nur ein paar SchwimmerInnen gemächlich ihre Bahnen. Schroth kennt sie alle. Im vergangenen Sommer habe er eine ältere Frau aus dem Wasser ziehen müssen und sie per Defibrillator wiederbeleben müssen. Inzwischen komme die Dame wieder regelmäßig zum schwimmen und das freue ihn ganz besonders.

Drei Jahre lang hat Schroth in Mannheim im Blockunterricht die Schulbank gedrückt. Anschließend setzte er noch den Meister oben drauf. Das waren neun Monate in Vollzeit und da sein damaliger Arbeitgeber, die Kosten nicht bezahlen wollte, zahlte er sie aus eigener Tasche.

Jedes Jahr muss Schroth eine Chlorgasschulung absolvieren, alle zwei Jahre den Erste-Hilfe-Schein erneuern und ebenfalls alle zwei Jahre das DLRG Silberzeichen ablegen. Als Bademeister ist Moritz Schroth ein wahrer Allround-Manager. „ Man ist alles- Gärtner, Maler, Gaswasserinstallateur  Chemielaborant, Techniker,  alles Mögliche.“ Das Aufgabenpensum ist groß, Moritz Schroth muss regelmäßig die Wasserqualität prüfen, er muss sich mit der technischen Wasseraufbereitungsanlage auskennen, Chlorgasflaschen tauschen, die Liegewiesen kontrollieren, verarzten und manchmal fühlt er sich auch wie ein Psychologe.

Diese Vielseitigkeit findet Schroth schon auch cool. Außerdem sei er sein eigener Chef und könne sich das Geschäft selbst einteilen. Ein reiner Bürojob wäre nichts für ihn, er genießt es im Sommer viel draußen zu sein und natürlich sei es cool zu sehen, dass man Kinder einfach durch das Anschalten einer Rutsche glücklich machen kann. Doch was nach außen easy peasy zu sein scheint und mit einem Hauch von Baywatch umwoben ist, hat es ganz schön in sich. Die Hitze, die Lautstärke und natürlich auch die große Verantwortung, das sehen die meisten nicht.

In der Region sieht es an der BademeisterInnen Front inzwischen ganz schon düster aus. Der Nachwuchs fehlt. Auf Stellenausschreibungen kommt oft nur wenig Resonanz.

„Man merkt einen brutalen Fachkräftemangel, wir haben auch schon seit Jahren das Problem.  Es wird einfach nicht mehr. Im Umkreis sucht jedes Bad mindestens eine Fachkraft, wenn nicht sogar noch fünf oder zehn, mal ganz salopp daher gesagt. Selbst  Rettungsschwimmer will keiner mehr werden. Und dafür  bräuchte man ja eigentlich nur den Silberschein vom DLRG- Für Studierende eigentlich ein toller Nebenjob, wir haben jetzt auch wieder eine Stelle als Rettungsschwimmer ausgeschrieben, aber bislang bewirbt sich niemand. Dabei könnte man sogar den DLRG Silberschein direkt bei uns im Freibad machen“, erzählt Moritz Schroth.

Die Personalplanung für diese Saison stehe Spitz auf Knopf, irgendwie werde es zwar schon gehen, aber helfende Hände würden trotzdem dringend gebraucht werden.

„Wir bräuchten eine Fachkraft, am besten noch zwei Rettungsschwimmer und eine Kassiererin, dann wären wir perfekt besetzt“, meint Schroth.

In den Sommermonaten ist Schroth sechs Tage die Woche im Freibad anzutreffen, im Zweischichtbetrieb. Ist an einem heißen Sommertag nachmittags die Hölle los im Freibad und es ist kein Rettungsschwimmer greifbar, muss die Frühschicht da bleiben. In dieser Saison sei es bis jetzt noch nicht zu diesem Szenario gekommen, aber er rechne schon noch damit, meint Schroth und fügt hinzu „und dann brauchen Sie nach so nem Tag nichts mehr, da ist man dann wirklich durch.“

Sorge bereitet ihm aktuell, dass es immer mehr Eltern gibt, die sich lieber auf der Liegewiese tummeln, als nach ihrem Nachwuchs zu schauen. Dem steht Gegenüber, dass es viele Kinder gibt, die während der Pandemie, aufgrund von ausgefallenen Kursen, nicht richtig schwimmen gelernt haben.

„Die Eltern denken sie kommen ins Bad und der Kunde ist König, schließlich bezahlt man ja Eintritt, aber die Eltern haben die Aufsichtspflicht und auch Schwimmflügel können mal wegrutschen. Wir können nicht alles im Blick haben das funktioniert einfach nicht.“

Eigentlich sieht das Berufsbild BademeisterIn auch vor Schwimmkurse anzubieten. Allein der Gedanke ist aber aufgrund des Aufgabenpensums und der Personalsituation utopisch.

 „Die Fachkräfte haben eine hohe Verantwortung, es ist ja nicht nur, dass jemand ertrinken könnte, man muss ja auch die Wasserqualität prüfen und hat auch mit  Chlorgas und mit Chemikalien zu tun. Salopp gesagt, spielt man jeden Tag mit seinem Leben, wenn man einen Chlorgasflaschenwechsel macht. Atmet  man einen halben Fußball davon ein, dann ist man tot, weil es die Lunge verätzt.“ Unumwunden betont Schroth auch, dass die Arbeitszeit, das Aufgabenpensum und die Verantwortung die man hat, nicht unbedingt zusammen passen.

Moritz Schroth prüft die Wasserqualität des Schwimmerbeckens. Foto: Tanja Meckler
Auch das wechseln der Chlorgasflasche gehört zum Job von Moritz Schroth. Foto: Tanja Meckler

Viele Stellen seien mit der Entgeltgruppe 5 ausgeschrieben, ein Witz, meint Schroth und verweist darauf, dass in Insidergruppen in den sozialen Medien über solche Stellenangebote nur wenig nette Worte fallen würden.

Und was macht der Bademeister eigentlich im Winter, wenn das Freibad geschlossen hat?

Moritz Schroth und seine Kollegin sind beim technischen Dienst der Gemeinde Karlsbad angestellt. In den Herbst und Wintermonaten werden sie dann dort eingespannt. Zu den Aufgaben gehören dann beispielsweise Spielplatzkontrollen.

„Aber im Prinzip sind das höchsten drei, vier Monate im Jahr, wenn überhaupt, die man dort verbringt.“ Denn bereits im März beginnen die Arbeiten für das Herrichten des Freibades und auch die Außerbetriebnahme dauert meist bis Oktober. Ist das Freibad dann winterfest gemacht, beginnt für Moritz Schroth die Urlaubszeit und auch die Überstunden wollen abgefeiert werden und dann macht sich auch schon die Vorfreude für die nächste Saison breit. Denn auch wenn es viel ist, Moritz Schroth ist gerne Betriebsleiter und Bademeister. Ein paar KollegInnen mehr und eine größere Wertschätzung, das würde seinen Job, den er insgeheim liebt, leichter machen.

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