Mit 23 zum Millionenumsatz: Wie Kevin Felde den Sneaker-Hype in ein Business verwandelte

Mit 14 träumte er von einem Yeezy, mit 20 eröffnete er seinen eigenen Store in Bestlage – und knackte die Millionenmarke. Kevin Felde steht für eine neue Generation junger Unternehmer, die Trends nicht nur mitmachen, sondern daraus ein Business formen. Wie aus Sneaker-Leidenschaft ein Millionenumsatz wurde, warum Rückschläge ihn stärker machten und weshalb „Social Media is key“ für seinen Erfolg ist – die Geschichte eines Gründers, der früh groß dachte und noch größer plant.
Seit der Eröffnung erwirtschaftete er mit seinem Store und über E-Commerce einen Umsatz von rund 1,4 Millionen Euro. Foto: Sandra Gallian

12.2.2026

Nur wer selbst fest an etwas glaubt, kann andere überzeugen.
Kevin Felde

von Sandra Gallian

Vom Teenager mit Sneaker-Traum zum Store-Owner in Bestlage

Mit gerade einmal 20 Jahren eröffnete Kevin Felde 2023 seinen Store in der Stuttgarter Innenstadt – und erfüllte sich damit einen Traum, der bereits in der siebten Klasse begann. 2002 in Möckmühl geboren, steht er für eine neue Generation von Unternehmern: digital vernetzt, trendaffin, mutig – und bereit, Lehrgeld zu zahlen.

Seit der Eröffnung erwirtschaftete er mit seinem Store und über E-Commerce einen Umsatz von rund 1,4 Millionen Euro. Doch der Weg dorthin war alles andere als geradlinig. „Wenn alles glatt läuft, ist jeder dein Freund. In schwierigen Zeiten sieht die Welt anders aus“, sagt Felde heute – und spricht aus Erfahrung.

Die seltene Collegejacke aus der Fall Winter Collection 2022 von Louis Vuitton kostet 9500 Euro. Foto: Sandra Gallian

Concrete: Sneaker-Galerie trifft Streetwear-Statement

Wer den Store Concrete heute betritt, taucht in eine andere Welt ein. Betongraue Wände, cleaner Industrial-Style, Chrom und Beton und eine minimalistische Inszenierung. Rechts an der Wand: bunte Sneaker, ausgestellt wie Kunstwerke in einem Museum. Der teuerste kostet aktuell 7.500 Euro.

Im Eingangsbereich schwebt ein besonderes Highlight von der Decke: eine seltene Collegejacke aus der Fall Winter Collection 2022 von Louis Vuitton.


– Preis: 9.500 Euro. Dazu Hoodies, T-Shirts und Caps angesagter Brands. 2500 Artikel sind im Store vorhanden. Wer hier einkauft, sucht keine Massenware, sondern Statements. Zu seinen bekanntesten Kunden zählen Rapper wie Nimo und Bausa, aber auch einige bekannte Fußballprofis.

Seltene Sneaker kosten locker auch mal mehrere tausend Euro. Foto: Sandra Gallian

Eigentlich wollte er Psychologie studieren

Kevin Felde spricht schnell, konzentriert, reflektiert. Er wirkt älter, als er ist. Nach einem sehr guten Realschulabschluss (1,8) und einer ebenfalls erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung spielte er mit dem Gedanken, sein Abitur nachzuholen und Psychologie zu studieren. Statt Hörsaal entschied er sich jedoch für Unternehmertum – und für Sneaker. Heute führt er einen Luxus-Sneaker-Store in bester Innenstadtlage.

Der Anfang: Ein Yeezy namens „Pirate Black“

Alles begann mit einem Schuh: dem adidas Yeezy Boost „Pirate Black“. Kevin war 14 Jahre alt, siebte Klasse.

„Den fand ich einfach cool“, erinnert er sich. Damals kostete das Modell rund 2.000 Euro – eine unerreichbare Summe für einen Teenager. Über Instagram verfolgte er Releases, bewunderte ältere Schüler mit limitierten Modellen und trug sich in sogenannte „Raffles“ ein – Verlosungen, die überhaupt erst zum Kauf berechtigen. „Ich konnte ihn mir nicht leisten, aber allein die Teilnahme hat sich wie ein Gewinn angefühlt.“

Vom Nebenjob zum ersten Reselling-Business

Mit 16 wurde aus der Leidenschaft ein Geschäftsmodell. Von seinem ersten Nebenjob-Gehalt kaufte er sich 2018 bei FootLocker den Jordan 11 Retro UNC Win Like 82 für 199 Euro. „Den habe ich heute noch – gerade ist er in der Restauration.“ Er begann, über den Account seines Vaters Sneaker auf eBay zu kaufen, zu reinigen, zu restaurieren und privat weiterzuverkaufen.

Mit 18 erfüllte er sich schließlich seinen Traum und kaufte den Yeezy, den er mit 14 so begehrte – für 650 Euro. „Ein hoher Betrag für einen Azubi. Aber ich habe ihn getragen. Sneaker sollte man tragen – nicht nur sammeln.“

Stolz ist Kevin Felde auch auf den Teppich der Marke Off White. Foto: Sandra Gallian

Botting, Server, fünfstellige Investitionen

Richtig Fahrt nahm das Business während seiner Ausbildung bei der Audi AG in Neckarsulm auf. Kevin Felde tauchte tief in die Welt des Sneaker-Resellings ein – inklusive sogenanntem Botting. Dabei kaufen automatisierte Programme limitierte Sneaker innerhalb von Sekundenbruchteilen in Online-Shops. „Du brauchst starke Server, gute Proxies – und Kapital“, erklärt er. Teilweise liefen bis zu 1.000 parallele Kaufversuche.

Allein ein Bot kostete damals zwischen 2.000 und 10.000 Euro. Namen wie FlareAio, Cyber und Ganesh waren die bekanntesten und in der Szene begehrt. Die Lizenzen waren limitiert. Man musste Kontakte haben – und Glück. Aus ein, zwei Paar wurden schnell zehn, dann hundert. Ein Beispiel: Der Nike Dunk Low kostete im Retail 89,95 Euro – und ließ sich zeitweise für bis zu 350 Euro weiterverkaufen. Verkauft wurde über Plattformen wie StockX, GOAT/Alias oder Restoxx, die Echtheit prüfen und als Zwischenhändler fungieren. „Damals konntest du richtig viel Geld verdienen“, sagt Felde.

Gute und schlechte Zeiten

Der Schritt vom Online-Reseller zum stationären Store markierte den nächsten großen Meilenstein. Dieser Weg war jedoch auch mit Rückschlägen verbunden: Fehlbestände, die nicht eindeutig nachvollzogen werden konnten, führten zu hohen Schulden bei Lieferanten. Kevin Felde stellte sich dieser Verantwortung und beglich die offenen Beträge.

„In guten Zeiten hat man viele Freunde, in schlechten lernt man sie kennen“ – auch diese Erfahrung blieb ihm nicht erspart. Es gab Menschen, die falsche Versprechen machten und sein Vertrauen missbrauchten.

Doch anstatt aufzugeben, wuchs er an den Herausforderungen. Die Jahre 2024 und 2025 hätten ihn stark geprägt – sowohl persönlich als auch unternehmerisch. Der alte Store schloss seine Türen, und ein neuer begann: mit neuem Namen, neuem Konzept und neuer Ästhetik – Concrete. „Ich habe gelernt, wie viel Willenskraft in mir steckt.“

Im Store gibt es neben coolen Sneakern auch Kleidung angesagter Brands. Foto: Sandra Gallian

Social Media is Key

Heute weiß Kevin Felde: Das Geschäft lebt von Geschwindigkeit, Trends – und Sichtbarkeit. „Social Media is key“, sagt er. Instagram und TikTok sind seine wichtigsten Kanäle. Neue Ware wird inszeniert, „New Arrivals“ promotet, manchmal mit einem Augenzwinkern. Inspiration holt er sich aus den USA.

Entscheidend seien Netzwerk und Kontakte – nur so komme man an limitierte Ware in relevanten Mengen. Ein weiterer Fokus: Originalität. Der Markt ist voller Fälschungen. Vertrauen ist Kapital.

Nächster Schritt: Expansion

Aktuell plant Kevin Felde ein Pop-up mit dem Wertheim Village – nachdem er bereits 2025 ein Projekt in Belgien realisiert hatte. Langfristig verfolgt er ein klares Ziel: „In fünf Jahren möchte ich mehrere Stores haben – eine eigene Ladenkette.“ Er ist überzeugt, dass der Sneaker- und Streetwear-Markt wieder deutlich anziehen wird. „Das Geschäft wird weiter boomen.“

Der Glaube an die eigene Vision

Hinter dem Unternehmer steht ein starkes Umfeld. Seine Eltern, seine Schwester, seine Verlobte – sie alle hätten ihn mental getragen, sagt er. „Nur wer selbst fest an etwas glaubt, kann andere überzeugen.“ Und Concrete ist erst der Anfang.

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