Lifehacks für mehr Gelassenheit mit Antje Holzer, Resilienz-Trainerin: die eigenen Bedürfnisse

Sie funktionieren, halten alles zusammen und sind immer für andere da – doch irgendwo auf dem Weg sind Sie selbst ein Stück verloren gegangen. Der aktuelle Hack "Stress, lass nach!" von Antje Holzer beleuchtet die leisen Momente, in denen wir uns selbst aus dem Blick verlieren, und zeigt, wie wir wieder behutsam in Kontakt mit uns kommen können.
Zwischen Funktionieren und Innehalten – ein leiser Moment, in dem Sie sich selbst wieder ein Stück näherkommen können. Foto: ©KI-gestützter Inhalt

29.04.2026

Du hältst alles am Laufen, nur dich selbst nicht

Wie man sich langsam und leise im eigenen Leben verlieren kann

Es gibt Menschen, bei denen läuft es einfach – zwar nicht perfekt, aber doch stabil. Sie sind immer da, wenn man sie braucht, sie können organisieren und halten alles zusammen. Vielleicht sind Sie ja genau so jemand.

Diese Menschen wirken nie überfordert, eher so, als ob sie sehr viel tragen können. Und ja – oft stimmt das auch. Diese Menschen haben gelernt sich zusammenzunehmen, immer weiterzugehen, nicht zu jammern oder sich im Dramatisieren zu verlieren. Sie wissen, wie man funktioniert, auch wenn es innen drin ganz anders aussieht. Und genau da liegt der Punkt, über den kaum jemand spricht.

Dieses „Ich krieg das schon hin“ hat eine zweite Seite, eine leisere. Eine, die nicht sofort auffällt. Sie zeigt sich nicht im Chaos, sondern eher in der Abwesenheit von sich selbst. Diese Seite meldet sich in Momenten, die gar nicht spektakulär sind. Sie sitzen gerade irgendwo und schauen aus dem Fenster, und für einen kurzen Augenblick ist da dieses schwer greifbare Gefühl: Irgendwas fehlt. Nicht viel, aber genug, dass es Sie kurz innehalten lässt. Und danach machen Sie wie gewohnt weiter.

Weil es einfacher ist, weil es keine klare Begründung gibt, warum Sie jetzt aussteigen oder etwas ändern sollten. Das Leben funktioniert doch und genau hier beginnen wir, uns zu verlieren, indem wir uns Stück für Stück ein kleines bisschen nach hinten stellen. Es braucht keinen Zusammenbruch oder ein großes Drama, um sich zu verlieren.

Vielleicht kennen Sie diese inneren Bewegungen. Dieses kurze Zögern, bevor Sie „ja“ sagen, obwohl Sie eigentlich müde sind, oder dieses Wegschieben eines Gefühls, weil gerade kein Platz dafür ist. Es ist dieses automatische Weitermachen und Funktionieren, obwohl etwas in Ihnen leise dagegenhält. Es sind keine großen Entscheidungen, sondern viele kleine, aus denen irgendwann ein Leben entsteht, das von außen stimmig wirkt, sich innen drin aber nicht mehr nach Ihrem eigenen Leben und Selbstbestimmtheit anfühlt.

Viele Menschen unterschätzen das und halten es für eine Schwäche, doch das Gegenteil ist der Fall.  Oft sind es genau die starken Menschen, die sich auf diese Weise verlieren. Sie haben gelernt, sich anzupassen, Verantwortung zu übernehmen und Dinge auszuhalten. Aber Stärke hat eine Grenze, eine leise, nicht sichtbare Grenze. Sie ist eher wie ein inneres Ziehen, das mit der Zeit deutlicher wird. Sie sind schneller erschöpft, als Sie es kennen, reagieren empfindlicher, obwohl Sie sich eigentlich als belastbar erleben. Und dann ist manchmal eine leise Unruhe da, selbst dann, wenn gerade alles ruhig ist. Viele Menschen versuchen, das zu übergehen, noch ein bisschen mehr Disziplin ausüben, noch ein bisschen mehr Zusammenreißen. Oder sie sagen sich: „Andere haben es schwerer, ich sollte mich nicht so anstellen.“ Das funktioniert erstaunlich lange, aber es bringt Sie immer weiter weg von Ihnen selbst.

Der Wendepunkt

Der Schlüsselmoment kommt selten spektakulär, er ist eher unscheinbar. Es ist ein Moment, in dem Sie sich selbst plötzlich nicht mehr überhören können. Vielleicht, weil Sie merken, dass dieses „Weiter so“ sich einfach nicht mehr richtig anfühlt.  Es ist nicht falsch genug, um alles zu ändern – aber auch nicht mehr stimmig genug, um es zu ignorieren. Und genau da beginnt etwas Neues. Nicht mit einem großen Plan, nicht mit radikalen Entscheidungen, sondern mit einer anderen Haltung sich selbst gegenüber. Ein kleines Innehalten, ein kurzer Moment, in dem Sie nicht sofort funktionieren, sondern wahrnehmen, ohne es gleich wieder sich selbst oder anderen gegenüber zu rechtfertigen.

Und hier dürfen Sie gerne in sich hinein spüren. Vielleicht ist es genau das, was vielen Menschen fehlt. Es geht nicht um noch mehr Optimierung, nicht um noch mehr Selbstdisziplin – sondern um einen ehrlichen Kontakt zu sich selbst. Ohne Anspruch, ohne Bewertung. Einfach nur: Wie geht es mir eigentlich gerade? Und vielleicht kommt darauf keine klare Antwort. Möglicherweise nur ein Gefühl, eine tiefe Müdigkeit, oder einfach nur das Bedürfnis, einmal nichts leisten zu müssen.  Das reicht schon. Sie müssen nicht erst am Ende Ihrer Kräfte sein, um sich selbst ernst zu nehmen, um sich selbst zu spüren und die eigenen Grenzen permanent zu überschreiten. Es genügt, wenn Sie bemerken, dass Sie sich gerade selbst verloren haben. Jetzt dürfen Sie sich dazu entscheiden, sich wieder ein kleines Stückchen näher zu kommen. Nicht für andere, nicht um zu leisten, aber ohne sich selbst etwas vorzumachen.

Denn vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, weniger stark zu sein, sondern darum, sich in der eigenen Stärke nicht mehr selbst zu übergehen.

Ich wünsche Ihnen viele kleine ehrliche und verändernde Momente.

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