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Jetzt erst recht: Pforzheimer Unternehmer eröffnet trotz Corona und Lockdown ein Ladengeschäft für Tee-Spezialitäten

Lockdown, Öffnungsverbote, Umsatzschwund und Existenzängste – ist es sinnvoll, in dieser stürmischen Pandemie-Zeit einen neuen Laden zu eröffnen? Offenbar ja, wie das Beispiel des Franchise-Nehmers Julian Baumbusch in Pforzheim zeigt.
Tee Gschwendener ist mit attraktive Ecklage an exponiertem Standort in der Pforzheimer Innenstadt eröffnet worden. ©GerdLache

Von Gerd Lache | 24.03.2021

Mit der Eröffnung setzen Sie in der Pandemie ein klares Zeichen, auch für die Bevölkerung, dass es weitergeht.
Peter Boch, Pforzheimer Oberbürgermeister, zur Geschäftseröffnung von Tee Gschwendner

Abwarten und Tee trinken, das war für Julian Baumbusch keine Option. Mitten in der Corona-Hochphase mit ihren existenzbedrohenden Lockdown-Auswirkungen für den Handel hat sich der Unternehmer entschlossen, in der Pforzheimer Fußgängerzone ein neues Ladengeschäft in attraktiver Ecklage zu eröffnen, nachdem die Modekette Bennetton dort nach 20 Jahren die Segel gestrichen hatte.

Seinen bisherigen Standort hat Baumbusch aufgegeben. Der Unternehmer ist Franchise-Nehmer von Tee Gschwendner aus Meckenheim bei Bonn, dem nach eigenen Angaben „unangefochtenen Marktführer im Teefacheinzelhandel“ mit mehr als 30-jähriger Erfahrung und mehr als 350 Teesorten im Angebot.

Sicherheit im Fokus, die Maske gehört dazu. Meja Baumbusch beim Abfüllen einer Teemischung. ©GerdLache

Zwei Festangestellte und drei Auszubildende gehören zum festen Team, das insbesondere in der Wintersaison mit Aushilfen aufgestockt werde. Alle seien derzeit natürlich nach den Hygieneerfordernissen ausgestattet, Kundenbedienung beispielsweise nur mit Maske.

Die deutschlandweit über 120 Partnergeschäfte von Gschwendner haben eine durchschnittliche Ladenfläche von rund 55 Quadratmetern. Baumbusch als Franchise-Partner setzt in Pforzheim noch eins drauf: „Wir haben jetzt rund 80 Quadratmeter reine Verkaufsfläche. Hinzu kommen noch die Nebenräumlichkeiten.“ Eine geplante Wohlfühlecke mit Teeverkostung schiebt er Corona-bedingt auf die lange Bank, denn: „Wegen der Maskenpflicht und dem ganzen Drumherum macht das momentan keinen Sinn“.

Pforzheims Oberbürgermeister wertet den Unternehmermut als „symbolischen Akt, dass ausgerechnet während der Pandemie ein Ladenumzug stattfindet“, wie Peter Boch bei der Eröffnung – freilich ohne Feier – sagt. Baumbusch will damit „der Bevölkerung zeigen, dass es positiv nach vorne geht, auch in ganz schwierigen Zeiten“, betont er.

Corona verhindert die feierliche Eröffnung des neuen Tee Gschwendner: Beim Foto-Shooting hinter den  Masken von links: Wirtschaftsförderungs-Direktor Oliver Reitz, Vermieter Udo Pfattheicher, Ladeninhaber Monika und Julian Baumbusch sowie Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch. ©GerdLache

Als einer der Ersten hat er sich an der Gutscheinaktion „Handel(n) für Pforzheim“ beteiligt. Vom städtischen Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP) initiiert, kann auf dieser digitalen Plattform ein Gutschein mit persönlicher Widmung des lokalen Lieblingsgeschäftes erworben werden. Nähere Informationen dazu unter folgendem Link: https://www.handeln-fuer-pforzheim.de/

Corona-getrieben liefert Tee Gschwendner ab einem 20-Euro-Einkauf innerhalb des Stadtgebiets frei Haus. Und wie läuft’s für ihn mit dem Online-Geschäft, das einige Unternehmen in der Pandemie als möglichen Rettungsanker für sich entdeckt haben? Dazu kann Baumbusch wenig sagen, ein Teil dieses Umsatzes gehe an ihm vorbei. Denn Kunden, die ihre Online-Bestellungen auf der Startseite des Franchise-Gebers Tee Gschwendner aufgäben, würden direkt beim Stammhaus in Meckenheim ordern. Erst das Klicken auf die Unterseiten hin zu dem Pforzheimer Franchise-Partner ermögliche die Bestellung über Baumbusch. Zugegeben, für manchen User sei das etwas kompliziert, räumt er ein.

Aber „der Großteil sind ohnehin die Kunden, die direkt vor Ort bei uns aufschlagen“. Diese schätzten das Einkaufserlebnis. „Schon wenn man den Laden betritt, werden sie von sich überschlagenden Duftnoten empfangen. Und sofern wieder ein normaler Zustand herrscht, kann man an den Tees schnuppern, man hat das Visuelle, die Haptik, die ganze Sensorik. Und nicht zu vergessen, die Beratungskompetenz.“ Allein schon Pralinen aus seinem Sortiment online zu bestellen, das sei „so eine Sache, die ich persönlich nicht glücklich finde“, bekennt Baumbusch.

Bestellungen via „Click & Reserve“ hingegen kommen umsatzmäßig bei dem Pforzheimer Händler an. Der Unterschied gegenüber dem System „Click & Collect“: Kauf und Bezahlung der Ware erfolgen im Geschäft. Dies ermögliche Kunden, ein Produkt online im Laden hinterlegen zu lassen und vor Ort zu testen, bevor es gekauft werde. „Click & Reserve spielt daher insbesondere im Vertrieb von Produkten, bei denen das Sehen, Fühlen oder Riechen der Ware vor dem Kauf sehr wichtig ist, eine entscheidende Rolle“, erklärt die Managementberatung BearingPoint. Baumbuschs Tee-Sortiment und seine feinen Schokoladenprodukte zählen demnach eindeutig zu dieser Kategorie.

Auch feine Pralinen sind im Angebot des Tee-Fachgeschäfts, hier präsentiert von Stefanie Mihai.  ©GerdLache

Frage an den obersten Wirtschaftsförderer von Pforzheim: Wie gut ist der Fachhandel in der Goldstadt mit  Multichannel aufgestellt? „Es dürften gerne mehr sein“, sagt WSP-Direktor Oliver Reitz. Einige Unternehmen hätten in den vergangenen Monaten „ad hoc etwas derartiges hochgezogen, teilweise durchaus erfolgreich. Aber wir würden uns schon wünschen, dass sich viel mehr Händler in den verschiedenen Kanälen positionieren, um flexibel mit der jeweiligen Situation umgehen zu können“.

Laut Reitz wird es nach Corona „so sein, dass wir den Kunden nicht nur vor Ort begrüßen und pflegen sollten, sondern ihm fast rund um die Uhr die Wünsche erfüllen“. Während der Pandemie hätten sich viele Konsumenten an eine gewisse Bequemlichkeit gewöhnt. Der Direktor der Wirtschaftsförderung glaubt deshalb nicht, „dass wir je wieder vollends in die früheren Strukturen zurück kommen werden“.

Unterdessen warnt Oberbürgermeister Boch vor weiteren Einschnitten für den Handel: „Für manchen droht jetzt schon der letzte Zucker.“ Pforzheim habe eine schlüssige Hygiene- und Teststrategie konzipiert, die es den Ladeninhabern erlauben könnte, ihre Geschäfte zu öffnen.

Boch begrüße zwar grundsätzlich das Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ von Tübingen gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg. Dort wird untersucht, inwieweit Schnelltests die Öffnung von Geschäften sinnvoll begleiten können. Allerdings macht das Pforzheim Stadtoberhaupt deutlich, dass ein solches Projekt nicht auf eine einzelne Stadt begrenzt sein solle. Vor allem aber kritisiert er: „Ein solches Konzept hätten wir vor Wochen und Monaten schon vorlegen können. Bloß war das damals nicht gewünscht.“

https://stores.teegschwendner.de/pforzheim/

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