Archivartikel 25.09.2025
von Tanja Meckler
Wenn ein Sechsjähriger zum ersten Mal in sein Unterrichtszimmer stolpert, sieht Matthias Becker nicht nur kleine Hände mit Schlagstöcken. Er sieht einen Weg, der sich über Jahre erstreckt: Einschulung, Pubertät, Prüfungen, Entscheidungen.
„Wo sonst gibt es das, dass ein Kind jede Woche einen Erwachsenen trifft, der ganz für es da ist?“, fragt er. Proben, Gespräche über Krisen, Erfolge, Freundschaften – alles findet hier Platz. „Eine halbe Stunde nur für dich – das gibt es sonst fast nirgends.“

Wer Beckers Unterrichtsraum betritt, spürt sofort: Hier geht es nicht nur ums Trommeln. „Schlagzeug“ bedeutet mehr, als vielen bewusst ist – jedes Instrument, das durch Anschlagen klingt, gehört dazu.
Diese Vielfalt lebt Becker vor. An der Wand in Ettlingen hängt eine goldene Schallplatte – ein Geschenk von Pola Roy, Schlagzeuger der Band Wir sind Helden und einst Beckers Schüler.

Pola Roy ist bislang der einzige Schüler von Matthias Becker, der als Schlagzeuger den großen Durchbruch geschafft hat. Doch auch viele andere ehemalige Schüler haben bemerkenswerte Karrieren eingeschlagen – und den Kontakt zu Matthias Becker nie verloren. Mit einigen entwickelt er neue Projekte, mit anderen arbeitet er regelmäßig zusammen.
Da ist zum Beispiel Jonas Denzel, ein international erfolgreicher Projection-Mapping-Künstler. Über zehn Jahre lang nahm er Unterricht bei Becker – und träumt noch heute von einer gemeinsamen Zusammenarbeit. Oder Susi Herzberger, ebenfalls eine ehemalige Schülerin: Sie leitet inzwischen eine Produktionsfirma, organisiert Konzerte mit ihm und ist dabei für Ton und Licht verantwortlich.
Becker selbst betont jedoch: „Nicht alle müssen Profis werden. Auch als Hobby bleibt Musik ein wichtiger Teil des Lebens.“
Aufgewachsen in Keltern, begann Becker im Posaunenchor, entdeckte mit 14 das Schlagzeug und spielte Beatles-Songs im Keller – ohne Plan, aber mit Leidenschaft. Über das Hilda-Gymnasium Pforzheim führte ihn der Weg an die Musikhochschule Karlsruhe. Eine Brasilienreise während des Studiums wurde prägend: Samba, Conga, Percussion-Energie – und ein ganzer Schwung Instrumente, die er damals auf Kommilitonen verteilte und die bis heute in seinem Unterricht klingen.
Neben dem Unterricht liebt Becker außergewöhnliche Projekte. Mit Geduld und Kreativität bringt er junge Musiker zusammen – auch wenn es anfangs chaotisch klingt. „Wenn 20 Leute gemeinsam Viva la Vida spielen, vom Grundschüler bis zum Studenten – das sind Augenblicke, die bleiben.“
Video: Tanja Meckler
Unvergessen bleibt auch „Albgaubad in Concert“: Ein Schwimmbad als Bühne, donnernde Trommeln, ein Sprung vom Dreimeter-Turm – Musik, die Räume verwandelt und Erinnerungen schafft.
Ein fester Höhepunkt ist außerdem die Musiknacht im Grünhaus Ettlingen, die alle zwei Jahre stattfindet. Dann verwandelt sich das Werksgelände der Stadtwerke Ettlingen in mehrere Konzertsäle – ein Event, das längst weit über die Region hinaus bekannt ist . Besonders gefeiert wird dabei das Ensemble „Drums and More“, das Becker ins Leben rief. Schon beim allerersten Konzert 2006 in Karlsbad war die Begeisterung groß.

Das Ensemble „Drums and More“, über die Jahre ein fester Kern von rund 16 Mitgliedern, besteht heute fast ausschließlich aus ehemaligen Schülern – verstreut von Hamburg bis München. Wenn ein Auftritt ansteht, schreibt Becker einfach in die WhatsApp-Gruppe – und die Musiker, teils selbst schon Familienväter, kommen zusammen. Auch Jonas Denzel gehört zum Kreis. „Dass die Jungs nach all den Jahren sofort wieder dabei sind, wenn ich sie frage, ist für mich ein riesiges Geschenk“, sagt Becker. Natürlich ist selten die komplette Besetzung beisammen, doch in wechselnder Formation gelingt es immer wieder, die Bühne zu füllen.
Für Becker ist „Drums and More“ einfach ein einmaliges Ensemble. Es ist ein lebendiges Netzwerk, das zeigt, wie stark Musik verbinden kann – über Lebensphasen, Entfernungen und Berufe hinweg. Unterschiedlichste Charaktere, vereint durch Rhythmus und Freundschaft, und das Ganze über Jahre hinweg auf bemerkenswert hohem Niveau. „Dass die Jungs nach all der Zeit sofort wieder dabei sind, wenn ich frage, ist für mich ein riesiges Geschenk“, sagt Becker.
Ein besonderer Gänsehautmoment bleibt für ihn der Auftritt von „Drums and More“ beim Weihnachtszirkus Karlsruhe 2019. Eingeladen zur Comedy Night des Lions Clubs, traten sie vor über 1.400 Zuhörern auf. Mit energiegeladenen Rhythmen, an Stomp angelehnten Show-Elementen und zum großen Finale „We Will Rock You“ von Queen, bei dem das ganze Zelt mit einstimmte, entstand einer der magischsten Momente in Beckers Laufbahn. „Das werde ich nie vergessen“, sagt er.
34 Unterrichtsstunden pro Woche, Ensembles, Projekte – viel Arbeit. Aber Becker spricht nie von Belastung. „Es kommt so viel zurück“, sagt er. Wann er aufhört? „Theoretisch nächstes Jahr. Praktisch: solange ich spüre, dass ich etwas bewegen kann.“ Als Honorarkraft weiter zumachen in Rente ist leider kompliziert. Denn seit dem sogenannten Herrenberg-Urteil müssen Musikschulen ihre Mitarbeiter festanstellen. Für viele Musikschulen ein kostspieliger Kraftakt und für Menschen die gerne an zwei Nachmittagen noch ein paar Stunden Unterricht geben würden eine Hürde.

Heute, fast 40 Jahre nach seinem Start in Ettlingen, lebt Matthias Becker den Rhythmus als Haltung: Musik als Brücke zwischen Generationen, als Verbindung von Orten und Menschen – wie Trommelschläge, die übers Wasser gehen und weiterklingen.

Archivartikel 25.09.2025
von Tanja Meckler
Wenn ein Sechsjähriger zum ersten Mal in sein Unterrichtszimmer stolpert, sieht Matthias Becker nicht nur kleine Hände mit Schlagstöcken. Er sieht einen Weg, der sich über Jahre erstreckt: Einschulung, Pubertät, Prüfungen, Entscheidungen.
„Wo sonst gibt es das, dass ein Kind jede Woche einen Erwachsenen trifft, der ganz für es da ist?“, fragt er. Proben, Gespräche über Krisen, Erfolge, Freundschaften – alles findet hier Platz. „Eine halbe Stunde nur für dich – das gibt es sonst fast nirgends.“

Wer Beckers Unterrichtsraum betritt, spürt sofort: Hier geht es nicht nur ums Trommeln. „Schlagzeug“ bedeutet mehr, als vielen bewusst ist – jedes Instrument, das durch Anschlagen klingt, gehört dazu.
Diese Vielfalt lebt Becker vor. An der Wand in Ettlingen hängt eine goldene Schallplatte – ein Geschenk von Pola Roy, Schlagzeuger der Band Wir sind Helden und einst Beckers Schüler.

Pola Roy ist bislang der einzige Schüler von Matthias Becker, der als Schlagzeuger den großen Durchbruch geschafft hat. Doch auch viele andere ehemalige Schüler haben bemerkenswerte Karrieren eingeschlagen – und den Kontakt zu Matthias Becker nie verloren. Mit einigen entwickelt er neue Projekte, mit anderen arbeitet er regelmäßig zusammen.
Da ist zum Beispiel Jonas Denzel, ein international erfolgreicher Projection-Mapping-Künstler. Über zehn Jahre lang nahm er Unterricht bei Becker – und träumt noch heute von einer gemeinsamen Zusammenarbeit. Oder Susi Herzberger, ebenfalls eine ehemalige Schülerin: Sie leitet inzwischen eine Produktionsfirma, organisiert Konzerte mit ihm und ist dabei für Ton und Licht verantwortlich.
Becker selbst betont jedoch: „Nicht alle müssen Profis werden. Auch als Hobby bleibt Musik ein wichtiger Teil des Lebens.“
Aufgewachsen in Keltern, begann Becker im Posaunenchor, entdeckte mit 14 das Schlagzeug und spielte Beatles-Songs im Keller – ohne Plan, aber mit Leidenschaft. Über das Hilda-Gymnasium Pforzheim führte ihn der Weg an die Musikhochschule Karlsruhe. Eine Brasilienreise während des Studiums wurde prägend: Samba, Conga, Percussion-Energie – und ein ganzer Schwung Instrumente, die er damals auf Kommilitonen verteilte und die bis heute in seinem Unterricht klingen.
Neben dem Unterricht liebt Becker außergewöhnliche Projekte. Mit Geduld und Kreativität bringt er junge Musiker zusammen – auch wenn es anfangs chaotisch klingt. „Wenn 20 Leute gemeinsam Viva la Vida spielen, vom Grundschüler bis zum Studenten – das sind Augenblicke, die bleiben.“
Video: Tanja Meckler
Unvergessen bleibt auch „Albgaubad in Concert“: Ein Schwimmbad als Bühne, donnernde Trommeln, ein Sprung vom Dreimeter-Turm – Musik, die Räume verwandelt und Erinnerungen schafft.
Ein fester Höhepunkt ist außerdem die Musiknacht im Grünhaus Ettlingen, die alle zwei Jahre stattfindet. Dann verwandelt sich das Werksgelände der Stadtwerke Ettlingen in mehrere Konzertsäle – ein Event, das längst weit über die Region hinaus bekannt ist . Besonders gefeiert wird dabei das Ensemble „Drums and More“, das Becker ins Leben rief. Schon beim allerersten Konzert 2006 in Karlsbad war die Begeisterung groß.

Das Ensemble „Drums and More“, über die Jahre ein fester Kern von rund 16 Mitgliedern, besteht heute fast ausschließlich aus ehemaligen Schülern – verstreut von Hamburg bis München. Wenn ein Auftritt ansteht, schreibt Becker einfach in die WhatsApp-Gruppe – und die Musiker, teils selbst schon Familienväter, kommen zusammen. Auch Jonas Denzel gehört zum Kreis. „Dass die Jungs nach all den Jahren sofort wieder dabei sind, wenn ich sie frage, ist für mich ein riesiges Geschenk“, sagt Becker. Natürlich ist selten die komplette Besetzung beisammen, doch in wechselnder Formation gelingt es immer wieder, die Bühne zu füllen.
Für Becker ist „Drums and More“ einfach ein einmaliges Ensemble. Es ist ein lebendiges Netzwerk, das zeigt, wie stark Musik verbinden kann – über Lebensphasen, Entfernungen und Berufe hinweg. Unterschiedlichste Charaktere, vereint durch Rhythmus und Freundschaft, und das Ganze über Jahre hinweg auf bemerkenswert hohem Niveau. „Dass die Jungs nach all der Zeit sofort wieder dabei sind, wenn ich frage, ist für mich ein riesiges Geschenk“, sagt Becker.
Ein besonderer Gänsehautmoment bleibt für ihn der Auftritt von „Drums and More“ beim Weihnachtszirkus Karlsruhe 2019. Eingeladen zur Comedy Night des Lions Clubs, traten sie vor über 1.400 Zuhörern auf. Mit energiegeladenen Rhythmen, an Stomp angelehnten Show-Elementen und zum großen Finale „We Will Rock You“ von Queen, bei dem das ganze Zelt mit einstimmte, entstand einer der magischsten Momente in Beckers Laufbahn. „Das werde ich nie vergessen“, sagt er.
34 Unterrichtsstunden pro Woche, Ensembles, Projekte – viel Arbeit. Aber Becker spricht nie von Belastung. „Es kommt so viel zurück“, sagt er. Wann er aufhört? „Theoretisch nächstes Jahr. Praktisch: solange ich spüre, dass ich etwas bewegen kann.“ Als Honorarkraft weiter zumachen in Rente ist leider kompliziert. Denn seit dem sogenannten Herrenberg-Urteil müssen Musikschulen ihre Mitarbeiter festanstellen. Für viele Musikschulen ein kostspieliger Kraftakt und für Menschen die gerne an zwei Nachmittagen noch ein paar Stunden Unterricht geben würden eine Hürde.

Heute, fast 40 Jahre nach seinem Start in Ettlingen, lebt Matthias Becker den Rhythmus als Haltung: Musik als Brücke zwischen Generationen, als Verbindung von Orten und Menschen – wie Trommelschläge, die übers Wasser gehen und weiterklingen.

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