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Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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Perspektiven für Hotellerie und Tourismus bis 2025 im Ländle

Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl und der Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums Dr. Patrick Rapp kamen ans Fraunhofer IAO, um sich über Konzepte aus der angewandten Forschung auszutauschen. Dort startet das Verbundprojekt »FutureHotel« bald in seine siebte Forschungsphase.
v.l. Prof. Dr. Wilhelm Bauer (Institutsleiter Fraunhofer IAO), Thomas Strobl (Innenminister von Baden-Württemberg), Prof. Dr. Vanessa Borkmann (Forscherin am Fraunhofer IAO), Dr. Patrick Rapp (Staatssekretär des Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg) © Fraunhofer IAO, Foto: Christian Hass

Die Hotel- und Tourismusbranche benötigen resiliente und innovative Geschäftsmodelle, um zukunftsfähig aus der Krise hervorzugehen.

"Die Gäste- und Mitarbeiterzufriedenheit, Service-Effizienz und -Qualität, der Einsatz von Digitalisierung und neuen Technologien, aber auch die daraus resultierenden Auswirkungen auf Geschäftspartner, Stakeholder und zukünftige Mitarbeitende sind essenziell für die Zukunft dieser Branche".
DR. Patrick Rapp, Staatssekretär Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg

Allein im ersten Quartal des Jahres 2021 ging die Gesamtanzahl aller Hotelübernachtungen in Baden-Württemberg laut des Statistischen Landesamts im Vergleich zum Vorjahr um 63 Prozent zurück. Speziell im Schwarzwald wurden bis Mitte 2021 Einbußen von rund 31 Prozent vermeldet. Seit März 2020 erlebt das Hotelgewerbe weltweit und branchenübergreifend eine der bisher spürbarsten Krisen. Die Pandemie verursacht in fast allen Betrieben des Gastgewerbes nicht nur massive finanzielle Einbußen und akute Existenzängste, sondern auch Sorgen um die eigene Belegschaft und Zukunftsfragen. Das Geschäftsreiseverhalten, der Tourismus und die Anforderungen der Reisenden werden sich weiter verändern, ebenso wie der Markt das Wettbewerbsumfeld. Die Hotellerie- und Tourismusbranche muss sich nun neu aufstellen und innovative Alleinstellungsmerkmale sowie Standortfaktoren für In- und Ausland schaffen. Aus diesem Grund unternahm der Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg Dr. Patrick Rapp Mitte Oktober eine Reise durch mehrere Ausbildungsbetriebe der Tourismusbranche in Baden-Württemberg, um sich vor Ort über die aktuelle Situation, die Herausforderungen durch Corona und neue, kreative Ansätze auszutauschen. (Wirtschaftskraft berichtete: https://wirtschaftskraft.de/artikel/wirtschaftsstaatssekretaer-rapp-auf-ausbildungsreise)

Mitte Oktober 2021 kam Rapp gemeinsam mit dem baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl an das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart, um über Erkenntnisse aus der angewandten Forschung zu sprechen, die für die Zukunft von Hotellerie und Tourismus in Baden-Württemberg von Bedeutung sind. Am Institut forscht Prof. Dr. Vanessa Borkmann bereits seit 2008 im Verbundforschungsprojekt »FutureHotel« an zentralen Fragestellungen für das Hotel der Zukunft.

Sie studierte Architektur an der Technischen Universität Stuttgart und der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Sie initiierte das Verbundforschungsprojekt FutureHotel und erhielt 2011 den Innovationspreis für Technologiemanagement für die Entwicklung des gleichnamigen Showcase FutureHotel. Borkmann beschäftigt sich mit innovativen Konzepten und Lösungen für Hotellerie und Tourismus und unterstützt Unternehmen bei deren Umsetzung im Betrieb.

Vanessa Borkmann präsentiert die Ergebnisse ihrer Zukunftsforschung und Innovationsentwicklung als Referentin bei zahlreichen Kongressen und Workshops. Foto: Bernd Müller © Fraunhofer IAO

Wie sieht das Hotel der Zukunft aus? Dieser Frage geht das Fraunhofer IAO im Rahmen des Innovationsnetzwerks »FutureHotel« gemeinsam mit Wirtschaftspartnern aus der Hotelbranche nach. Die Verbundpartner erforschen zentrale Fragestellungen und entwerfen Konzepte und Lösungen für das Hotel der Zukunft. Relevante Schlüsselentwicklungen und deren Auswirkungen auf die Hotellerie werden ebenso analysiert wie die Anforderungen verschiedener Gästetypen und Optimierungspotenziale im Hotelbetrieb.

Prototyp eines Hotelzimmers im »Urban Living Lab« des Fraunhofer IAO:
Auch zum multimedialen Arbeiten lädt das Hotelzimmer der Zukunft ein. Anschlüsse für eigene Geräte sowie eine kabellose Lademöglichkeit für das Smartphone sind in den Prototypen des Hotelzimmers integriert. Foto: Bernd Müller © Fraunhofer IAO

Für die Bereiche wie Hotelzimmer, Lobby, Rezeption, Tagungsbereiche etc. werden neue, zukunftsweisende Lösungen aufgezeigt und dabei technologische Innovationen sowie wirtschaftliche, ökologische und gesamtgesellschaftliche Gesichtspunkte berücksichtigt.
Darüber hinaus bieten eigene Laborumgebungen wie der Showcase »FutureHotel« in Duisburg und das »Urban Living Lab« in Stuttgart die einzigartige Möglichkeit, theoretische Forschung mit einem realen Testfeld zu verbinden. Konkrete Ergebnisse aus der Forschung reichen von der individuellen, spezifischen Hotelzimmerauswahl bis hin zu Lösungen für innovative Bad- und Wellnessbereiche.

Im Hotel Schani Wien steht die Lobby morgens für das Frühstück zur Verfügung, während die Empore schon von den Coworkern zur Arbeit genutzt wird.
© Hotel Schani Wien by Arnold Poeschl

Für eine resiliente Post-Corona Hotelbranche

Im Januar 2022 startet die siebte Forschungsphase mit Fokus auf innovative und resiliente Geschäftsmodelle im »New Better«.Welche Reisemuster und -anforderungen ergeben sich aus den neuen multimodalen Mobilitätsangeboten in unserer Gesellschaft? Wie verändert sich das Wettbewerbsumfeld in der Hotellerie? Welche Hotelkonzepte, Standorte und Standards werden in Zukunft gefragt sein? Welche innovativen Business Cases lassen sich identifizieren? Um diese und viele weitere Fragen zur Zukunft der Hotel- und Tourismusbranche zu beantworten, dreht sich die neue Forschungsphase von »FutureHotel« um innovative Geschäftsmöglichkeiten für eine resiliente Post-Corona-Hotelbranche. Neben Lösungen für zukunftsfähige Arbeitswelten im Gastgewerbe geht es auch um solche für vernetzte und nachhaltige Hotels mit digitalisierten Services.

Hierbei entstehen zahlreiche Anknüpfungspunkte und Synergien für das Land Baden-Württemberg, wie Strobl betont: »Baden-Württemberg ist DER Innovationsstandort in Europa. Die Pandemie hat vielen Bereichen enorm zugesetzt, insbesondere der Tourismusindustrie. Gerade deshalb sind Forschungsprojekte wie das FutureHotel des Fraunhofer IAO so wichtig, gerade auch die Erprobung ganz neuer, digitaler Ansätze. Die Digitalisierung wird über unsere Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Deshalb haben wir als Landesregierung hier einen klaren Schwerpunkt gesetzt und eine Milliarden-Investitionsoffensive gestartet, alleine 2,5 Milliarden in den letzten fünf Jahren. Nur wenn wir hier alle anpacken, werden wir erfolgreich sein!« Für das Bundesland zählt das Gastgewerbe mit zu den wichtigsten Wirtschafts- und Standortfaktoren: Rund 377 000 rechnerische Vollzeitarbeitsplätze waren im Jahr 2019 laut der dwif-Consulting GmbH dort vergeben mit einem Umsatz von über 13 Milliarden Euro. Rapp dazu: »Die Gäste- und Mitarbeiterzufriedenheit, Service-Effizienz und -Qualität, der Einsatz von Digitalisierung und neuen Technologien, aber auch die daraus resultierenden Auswirkungen auf Geschäftspartner, Stakeholder und zukünftige Mitarbeitende sind essenziell für die Zukunft dieser Branche. Dabei ist es auch an der Politik, bei der Findung passender Formate und Lösungen zu unterstützen sowie die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen.«

»Damit wir geeignete Digital- und Transferformate für die Branche entwickeln können, benötigen wir viele Partner aus der Hotelbranche für unsere neue Forschungsphase«, so Borkmann vom Fraunhofer IAO. »Deshalb freuen wir uns auf jede einzelne Zusammenarbeit mit Hotels, die gemeinsam mit uns Lösungen für das eigene Haus innovativ und zukunftsweisend gestalten.«

Außerdem sehen die Expert*innen des Fraunhofer IAO im Baden-Württemberg Haus auf der Expo 2020 eine thematische Schnittmenge zwischen Tourismus, Standortmarketing und Digitalisierung als Brücke für ein mögliches ressortübergreifendes Vorgehen. Als einziger Regionspavillon auf der Weltausstellung in Dubai bietet dieser internationale Sichtbarkeit und Perspektiven für das Gastgewerbe in Baden-Württemberg.

pm/tm

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