Im Gespräch mit Deutschlands bekanntester Truckerin: Christina Scheib

Die NUFAM 2025 brachte vier Tage lang die Welt der Nutzfahrzeuge nach Karlsruhe. Zwischen Innovationen, Fachforen und Action-Zonen stach eine Persönlichkeit heraus: Truckerin Christina Scheib, die im Gespräch mit Wirtschaftskraft von ihrem Weg in einer Männerdomäne berichtete.
Christina Scheib auf der NUFAM 2025. Ihre schwarze Zugmaschine ‚Leonella‘ nennt sie liebevoll ihr Baby. Foto: Sandra Gallian

30.09.2025

"Als Frau wird man oft nicht ernstgenommen, aber ich liebe meinen Job."
Christina Scheib

von Sandra Gallian

Christina Scheib ist eine der wenigen Truckerinnen in Deutschland. Die 39-jährige hat geschafft, wovon viele nur träumen: Sie ist selbstständige Fuhrunternehmerin – in einer Branche, die noch immer stark von Männern geprägt ist. Im Gespräch mit Wirtschaftskraft berichtet sie von ihrem Weg, den Hürden und den Chancen für Frauen in der Logistik.

Vom Chefarztsekretariat hinter das Lenkrad eines 40-Tonners

Begonnen hat alles fernab der Autobahn. Neben ihrem Hauptberuf als Chefarztsekretärin arbeitete Christina Scheib auf Minijob-Basis im Büro eines Abschleppdienstes. „Ab und zu bin ich auch kleine Lkw gefahren“, erinnert sie sich. „Damals habe ich immer die großen Trucks gesehen und gedacht: Ich will die großen Lkw fahren!

Vor 13 Jahren machte sie Nägel mit Köpfen, erwarb ihren Führerschein und sattelte beruflich um. „Ich wollte schon immer etwas anderes machen. Mechanikerin, Zimmerin – alles eher männliche Berufe. Irgendwann wurde es dann der Lkw.“

Hürden in einer Männerdomäne

Der Einstieg war kein leichter. „Die Unternehmen schreien alle nach Fahrern, aber am liebsten hätten sie jemanden mit 30 Jahren Erfahrung, 20 Jahre alt – und männlich“, sagt sie schmunzelnd. „Gerade für Frauen ist es schwer, in dieser Branche Fuß zu fassen.“ Doch sie ließ sich nicht entmutigen. „Ich habe nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Ich habe oft geweint, ich habe oft am Boden gelegen – aber ich habe es durchgezogen.“

Eigenes Unternehmen, eigene Zugmaschine

Heute fährt Scheib ihre eigene schwarze Zugmaschine mit pinken Akzenten, liebevoll „Leonella“ genannt. Anschaffungspreis: 165.000 Euro. „Das ist mein Baby“, sagt sie stolz.

Christina Schaib ist Berufskraftfahrerin. Als Frauenbotschafterin will sie anderen Frauen Mut machen, als Fernfahrerin zu starten. Sie ist überzeugt: “ Es ist einer der wichtigsten Jobs.“

Dennoch bleibt der Druck hoch. „Als Frau wird man oft nicht ernst genommen, es ist wie ein Haifischbecken“, erklärt sie. „Wenn man erfolgreich ist, ohne dass man jemanden gebraucht hat, fehlt manchmal die Anerkennung. Und wenn man Hilfe hatte, heißt es, andere hätten den Erfolg ermöglicht.“

Gleichzeitig sieht Scheib klare Vorteile: „Frauen haben oft eine emotionalere Haltung. An der Rampe kann etwas Charme durchaus helfen, um ernster genommen zu werden. Und viele Männer haben das Problem, dass sie Frauen unbedingt helfen wollen. Aber wir wollen eben auch unsere Frau stehen.“

Zwischen Leidenschaft und Realität

Früher fuhr Scheib quer durch Europa, heute konzentriert sie sich auf den Nahverkehr. „Die Branche steckt gerade in einer Tiefphase. Mit den Dumpingpreisen osteuropäischer Anbieter können wir als deutsche Kleinunternehmer kaum mithalten“, sagt sie. Deshalb fährt sie aktuell an drei Tagen pro Woche und ist zusätzlich im öffentlichen Dienst angestellt.

„Leonella“: Die pink-schwarze Scania-Zugmaschine ist das Markenzeichen von Christina Schaib.

„Keine Angst haben – einfach machen!“

Besonders am Herzen liegt ihr, junge Frauen zu ermutigen. „Mein Rat ist: einfach machen und sich nicht reinreden lassen. Man wird scheitern – aber auch Männer scheitern. Entscheidend ist, dass man stärker wieder aufsteht, als man gefallen ist.“

Wie ihre Reise weitergeht, ist offen. „Die Transportbranche ist extrem schnelllebig. Zusätzliche Mauten, hohe Kosten – viele Unternehmer müssen aufgeben.“ Auch für sie bleibt die Zukunft ungewiss. Dennoch ist klar: Ihre Leidenschaft für den Beruf wird bleiben.

„Ich liebe meinen Job. Und ich liebe es, anderen über Social Media eine Plattform zu geben. Egal, was kommt – aufgeben ist keine Option.“

Alle Fotos: Sandra Gallian

Jetzt Newsletter abonnieren und von vielen Vorteilen profitieren!