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WirtschaftsKRAFTplus ist in der Tat ein „Plus“ – ein Mehr an Themen, an Hintergründen und an Aktualität. Mit dieser Plattform wird die wirtschaftliche Kompetenz des Standortes Pforzheim medial begleitet und weit in die Region getragen.

Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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Wo Hidden Champions zuhause sind und Fachkräfte sich wohlfühlen können

Wenn es um ihre Weiterentwicklung am Wirtschaftsstandort Nordschwarzwald, um die Vernetzung mit anderen Branchen und um den direkten Draht zu Kommunen und Kammern geht, braucht die Region einen starken Akteur. Dafür ist vor über 20 Jahren die Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG) gegründet worden. Sie berät die ansässigen Unternehmen, unterstützt die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Standortes, vertritt die Interessen der Unternehmen und ist Ansprechpartner für Investoren. Doch der Nordschwarzwald ist nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Fachkräfte, deren Familien sowie für Studenten attraktiv. Im Wettbewerb um die klügsten Köpfe setzt der Nordschwarzwald auf den Charme und die Attraktivität einer vitalen Region und auf professionelles Standort-Marketing. Seit Juni 2016 agiert Jochen Protzer (59) als Geschäftsführer der WFG. Kürzlich hat der Verwaltungsrat seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert. „WirtschaftsKRAFT plus“ hat den Diplom-Verwaltungswirt zu seinen vielfältigen Aufgaben und über die Wirtschaft der Region befragt.
Will die Region Nordschwarzwald weiter nach vorne bringen: Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung. ©WFG / Bearbeitung Gerd Lache

Das Interview führte Gerd Lache

Der schnelle und flächendeckende Ausbau der Breitbandinfrastruktur ist wichtiger denn je.
Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald

Herr Protzer, der WFG-Aufsichtsrat hat Sie kürzlich lobend für weitere fünf Jahre in die zweite Amtszeit als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH entsandt. Was macht für Sie persönlich den Reiz dieser Tätigkeit aus?

Eine spannende Aufgabe an der Schnittstelle von Wirtschaftspolitik, Unternehmen, Wissenschaft und Öffentlichkeit. Und das in einer der attraktivsten Regionen des ganzen Landes. Das breite Spektrum an Themen und Projekten –  vom Standortmarketing bis zum regionalen Cluster-Kontakt, vom Junior Manager Contest bis zum Digital Hub, von der Expertise im Bereich Europa-Aktivitäten und Fördermittel bis zum Ausbau des Forschungs- und Wissensstandortes Nordschwarzwald und vom Gewerbeimmobilien-Portal bis zum Gemeinschaftsauftritten bei Messen  –, das fordert und begeistert mich immer wieder aufs Neue.

Wenn Sie den Nordschwarzwald beschreiben müssten, wie würden Sie die Region einem auswärtigen Unternehmen mit Interesse an einer Standortniederlassung im Nordschwarzwald darstellen?

Im Nordschwarzwald sind bereits viele Unternehmen als sogenannte Hidden Champions ansässig. Die Region zählt längst zu den dynamischsten des Südwestens, mit einer Vielzahl von global agierenden Unternehmen und renommierten Bildungseinrichtungen. Lernen, Leben, Arbeiten – der Nordschwarzwald bietet Raum für die perfekte Synthese.

Und mit welchen Worten würden sie die Region einer Fachkraft auf Jobsuche empfehlen?

Der Nordschwarzwald ist für Fachkräfte, deren Familien sowie für Studenten hochattraktiv. Kluge Köpfe und tüchtigsten Fachkräfte finden hier eine charmante und vitale Region mit besten Karriere-Chancen und einer einzigartigen Symbiose von Wohnen, Arbeiten und Leben.

Die Region Nordschwarzwald liegt geografisch zwischen den Metropolen Stuttgart und Karlsruhe. Fluch oder Segen?

Wie in einem Sandwich, bei dem bekanntlich das Beste in der Mitte liegt.

Im Interesse des WFG-Geschäftsführers ist es, weitere Gesellschafter für die GmbH der Wirtschaftsförderung zu akquirieren. Wer kann grundsätzlich als Gesellschafter eintreten und wie sind die Bedingungen?

Die WFG hat nach dem Beitritt der Stadt Calw derzeit 20 Gesellschafter und ist offen für weitere Partner, die sich inhaltlich einbringen und die Wirtschaftsregion Nordschwarzwald voranbringen möchten. Notwendig ist die einmalige Einlage als Stammkapital und eine jährliche Umlage. Für Privatpersonen ist diese regionale Plattform nicht wirklich geeignet, herzlich eingeladen sind Institutionen, Kommunen und Unternehmen.

Insbesondere die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen sowie von Existenzgründern und Start-ups soll gefördert werden.

Welchen Nutzen hat ein WFG-Gesellschafter mit seinem Beitritt?

Die WFG ist eine starke wirtschaftsaffine Gemeinschaft. Neben Solidarität, dem bewussten Schulterschluss mit der Wirtschaftsregion, schärft das Engagement in der WFG das eigene wirtschaftliche Profil im gesamtregionalen Kontext. Durch gemeinsame Standortmarketing-Maßnahmen und Kampagnen positionieren sich Gesellschafter innerhalb und außerhalb der Region. Das Engagement als Gesellschafter erhöht Einfluss und Mitsprache bei gesamtregionalen Projekten.

Die Digitalisierung bekommt derzeit einen außerordentlich großen Schub. Mit welchen Maßnahmen wird das Thema im Nordschwarzwald vorangetrieben?

Die WFG baut eine regionale Digitalisierungsplattform als Nukleus für digitale Innovation im Nordschwarzwald auf. Innerhalb dieser Plattform werden Beratungs- und Dienstleistungsangebote zur Digitalisierung der regionalen Unternehmen entwickelt. Dafür führt die WFG das Know-how regionaler Unternehmen mit dem Wissen von Digitalisierungsexperten, Hochschulen und anderen Fachinitiativen zusammen. Insbesondere die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen sowie von Existenzgründern und Start-ups soll gefördert werden. Die Kernmaßnahme ist der Aufbau des Digital Hub Nordschwarzwald als regionales Kompetenzzentrum für Digitalisierungsthemen. Darin entwickelt der Digital Hub Nordschwarzwald Angebote zu Erfahrungsaustausch, Wissenstransfer, Beratung und Kollaboration. Im Fokus stehen Digitalisierungsthemen sowie Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der regionalen Unternehmen.

Künstliche Intelligenz, kurz KI, steht bei der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin ganz oben auf der Agenda – wie befördern Sie bei der WFG dieses Thema?

Mit dem Projekt KI-Lab Nordschwarzwald ergänzen wir Information- und Sensibilisierung über Chancen und Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz. Wir vernetzen im Bereich Wissensvermittlung und Erfahrungsaustausch zum Thema KI, stellen Räumlichkeiten und notwendige technischen Infrastruktur für die Erprobung und das Experimentieren mit KI. Bei konkreten KI-Anwendungsfälle in der Praxis und Fördermöglichkeiten unterstützen wir.

Gerade die Corona-Pandemie hat die wunden Punkte der Wirtschaftsregion Nordschwarzwald schonungslos offengelegt und den anstehenden Strukturwandel beschleunigt. Hier müssen wir mit beherztem Handeln gegensteuern – insbesondere der schnelle und flächendeckende Ausbau der Breitbandinfrastruktur ist wichtiger denn je.

Manchmal ist auch das Zuhören, das Nachfragen wie geht’s, oder das Trösten schon ganz viel wert.

Apropos Corona: Wie wirkt sich in der Region der nunmehr zweite Lockdown aus?

Die Lage ist für unsere regionale Wirtschaft sehr ernst. Baden-Württemberg und auch die Region Nordschwarzwald gehören zu den Regionen in Deutschland, die aufgrund der Branchenstruktur von der Corona Krise vergleichsweise stark betroffen sind. Nach einer Analyse der Prognos AG sind im Bundesdurchschnitt 22 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Branchen tätig, auf die die Corona Pandemie hohe negative Auswirkungen hat. Diese Zahl liegt in Baden-Württemberg bei rund 30 Prozent und in der Region Nordschwarzwald bei durchschnittlich rd. 36 Prozent. Das zeigt die starke Betroffenheit unserer Unternehmen.

Wie und mit welchen Maßnahmen hilft die WFG den Betroffenen?

Die Bewältigung der Krise und ihrer Herausforderungen steht im Vordergrund nahezu aller Aktivitäten. Seit Beginn der Corona Krise kümmern wir uns wie viele anderen Akteure, beispielsweise Kommunen, Kammern und Institutionen, sehr intensiv um die Wirtschaft. Wir unterstützen regionale Unternehmen zielgerichtet mit umfassenden, individuell abgestimmten Maßnahmen, mit detaillierten und tagesaktuellen Informationen auf der Website, mit Sondernewslettern, Online Seminaren und Kontaktvermittlung zu Expertennetzwerken. Damit stellen wir ein breites Serviceangebot zur Verfügung. Manchmal ist auch das Zuhören, das Nachfragen wie geht’s, oder das Trösten schon ganz viel wert.

Welche Maßnahmen haben sich als besonders notwendig herausgestellt?

Besonders wichtig sind die Kommunikation und der Wissenstransfer zwischen den verschiedenen Akteuren. Wir stehen daher in permanentem Austausch mit der Landesregierung, den Kommunen, den Kammern und Unternehmen und geben Wissen, Kontakte und Ideen weiter. Zur Unterstützung der regionalen Netzwerke, Unternehmen, Selbständigen und Freiberuflern haben wir verschiedene Formate entwickelt und mit kompetenten Partnern umgesetzt. Als Beispiel möchte ich hier unsere kostenlose Erstberatung zu Fördermitteln jeglicher Art nennen. In Zeiten, in denen finanzielle Rücklagen oftmals ausgeschöpft sind, können sinnvoll angewendete Fördermittel zu einer innovativen Neu- und Weiterentwicklung von Unternehmen beitragen. So veranstalteten wir unter anderem in Kooperation mit der Steinbeis 2i GmbH Online Seminare zum Thema Fördermöglichkeiten und Einzelberatungen.

Unsere Mission ist auch weiterhin, in der gesamten Region positive Rahmenbedingungen für gedeihliches wirtschaftliches Handeln zu gestalten und die Region als innovativen und attraktiven Standort zu positionieren.

Ende Februar 2019 wurde mit dem Projekt „Nordschwarzwald 2030+“ die Zukunft der Region in den Fokus genommen. Wer sind die Akteure und wie ist die Zwischenbilanz nach nicht ganz zwei Jahren?

Die Industrie- und Handelskammer (IHK), die Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG) sowie der Regionalverband Nordschwarzwald (RVNSW) haben nach einem breit angelegten Prozess unter Beteiligung zahlreicher Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Bürgerschaft die regionale Entwicklungsstrategie vorgestellt. Sie sind Treiber der Entwicklung und Verantwortliche für die Umsetzung.

In insgesamt sechs Handlungsfelder und Entwicklungsziele wurde gezeigt, wie sich die Chancen der Region wahren und ausbauen sowie die Risiken in der Region abbauen lassen. Nach knapp 2 Jahren sehen wir uns im Umsetzungsprozess auf einem guten Weg.

Gibt es schon konkrete Umsetzungen aus dem Projekt 2030+?

Beispielsweise hat der Regionalverband Nordschwarzwald die Geschäftsstelle der AG Kulturregion eingerichtet. Die WFG hat zum Beispiel den Digital Hub Nordschwarzwald mit drei Standorten in Pforzheim, Nagold und Horb bereits umgesetzt und die IHK hat beispielsweise das Welcome-Center für ausländische Fachkräfte errichtet.

Ungeachtet der Pandemie: Was sind die Herausforderungen, Pläne und Ziele der WFG für die nächsten Jahre, wohin soll die Reise unter ihrer Leitung gehen?

Die natürlichen Gegebenheiten der Region haben das Leben der Menschen im Nordschwarzwald schon immer geprägt. Sie sind sich bewusst, dass ihnen nichts in den Schoß fällt – sie packen an und wissen, dass Teamwork und Zusammenhalt unerlässlich sind. In diesem Bewusstsein arbeiten wir auch in den nächsten Jahren intensiv an der ökonomischen Daseinsvorsorge und leisten einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität in der Region. Unsere Mission ist auch weiterhin, in der gesamten Region positive Rahmenbedingungen für gedeihliches wirtschaftliches Handeln zu gestalten und die Region als innovativen und attraktiven Standort zu positionieren.

Wir führen die Synergien der Region zusammen und entwickeln sie für die Zukunft weiter. Unsere Schwerpunkte sind dort, wo die Kompetenzen und Möglichkeiten der einzelnen Kommunen enden.

Wir brauchen Impulse an den Schnittstellen von Wirtschaft und Wissenschaft, bei der Digitalisierung, der Künstlichen Intelligenz und der Transformation der Wirtschaft. Dazu gehört der weitere Ausbau der flächendeckenden Breitbandversorgung, aber auch die Ansiedlung und Gründung von Forschungseinrichtungen.

Mit Mut, Zuversicht und Zusammenhalt packen wir diese Herausforderungen.

Die Gesellschafter der WFG

Rund 590.00 Einwohner, 70 Kommunen, 30.000 Unternehmen und sechs Hochschulen, das Ganze auf einer Fläche von rund 234.000 Hektar – das ist die Region Nordschwarzwald, die sich – grob umrissen – zwischen Sternenfels im Norden und Alpirsbach im Süden der Region erstreckt. Dazwischen liegen unter anderem die Städte Pforzheim, Calw, Nagold, Horb und Freudenstadt (siehe unten stehend Grafik mit Branchenschwerpunkten).

Die Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald (WFG) ist nach eigenen Angaben die einzige gesamtregionale Solidargemeinschaft, die alle Wirtschaftsakteure in dieser Region abbildet, ihre Interessen bündelt und die wirtschaftsaffinen Standpunkte der Region und ihrer Unternehmen klar und deutlich auch gegenüber der Politik artikuliert.  

Die 20 Gesellschafter der WFG sind: Niefern-Öschelbronn, Horb am Necker, Handwerkskammer Karlsruhe, Hochschule Pforzheim, Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald, Kreissparkasse Freudenstadt, die Landkreis Calw, Freudenstadt und Enzkreis, der Regionalverband Nordschwarzwald, die Sparkasse Pforzheim Calw, Bad Teinach-Zavelstein, Freudenstadt, Knittlingen, Maulbronn, Mühlacker, Nagold, Pforzheim und das Technologiezentrum Horb am Necker sowie ab 2021 die Stadt Calw. gel

https://www.nordschwarzwald.de/

Schwerpunkte der Region Nordschwarzwald
Schwerpunkte der Region Nordschwarzwald

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