17.12.2025
von Tanja Meckler
Die 24-Jährige, die ihre Ausbildung am Stadttheater Pforzheim absolvierte, beweist eindrucksvoll, wie stark die regionale Ausbildungslandschaft ist. Und ihre Erfolge sprechen für sich:
• 3. Kammersiegerin der Handwerkskammer Karlsruhe bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk
• 3. Platz beim Landeswettbewerb Die Gute Form
• Stipendium des IBB über rund 10.000 Euro für berufliche Fortbildung

Damit hat Kristina Maly nicht nur ein Gesellenstück geschaffen, das in Erinnerung bleibt – sie hat sich auch eine berufliche Startrampe gebaut, die sie künftig nach Hamburg führen soll. Dort möchte sie ihre Ausbildung mit dem Ziel „Gewandmeisterin“ fortsetzen.

Ihr Weg ins Handwerk begann früh – und mit einem klaren Ziel. Maly arbeitete bereits vor ihrer Ausbildung als Kostümassistentin und brachte wertvolle Theatererfahrung mit. Ihre Ausbilderin, Gewandmeisterin Sandra Welker, beschreibt sie als neugierig, motiviert und fachlich beeindruckend: „Kristina konnte schon viel, interessiert sich für alles – und es gab sogar ein Projekt, bei dem wir von ihrem Wissen profitieren konnten.“ Auch der Geschäftsführende Direktor des Stadttheaters, Uwe Dürigen, zeigt sich begeistert: „Es ist einfach optimal, wenn ‚Beruf‘ aus ‚Berufung‘ kommt – wenn junge Menschen eine Vision haben, wo sie sich im späteren Arbeitsleben wiederfinden wollen. Genau das ist der Weg, wie wir hier am Theater dem Fachkräftemangel begegnen wollen. Wir brauchen Menschen, die eine intrinsische Motivation zum lebenslangen Lernen haben – und solch eine Persönlichkeit haben wir in Kristina Maly gefunden.“

Kristina Maly ist ein Beispiel dafür, wie Talent, Engagement und ein gutes Ausbildungssystem zusammenwirken können. Und sie zeigt, dass Handwerk mehr ist als Technik – es ist Ausdruck, Leidenschaft und Gestaltungskraft.
1. Was bedeutet für dich „Die Gute Form“ – wie würdest du gutes Handwerk persönlich definieren?Gutes Handwerk bedeutet für mich, dass ein Werkstück nicht nur technisch einwandfrei ausgeführt wird, sondern auch mit Leidenschaft entsteht. Es ist die Kombination aus Präzision und Kreativität, die dem Handwerk einen besonderen Wert verleiht.
2. Was war der emotionalste Moment, als du erfahren hast, dass du gleich mehrfach ausgezeichnet wirst?
Die Informationen über die Auszeichnungen kamen nacheinander, was das Ganze noch aufregender gemacht hat. Zu erfahren, dass ich bei der Kammersiegerprüfung gut abgeschnitten habe, war schon ein toller Moment – aber dass ich auch beim Landeswettbewerb ‚Die Gute Form‘ auf dem Treppchen landete, hat mich wirklich überwältigt. Ich habe natürlich gehofft, gut abzuschneiden, aber dass es so gut lief, hat mich sehr gefreut und auch stolz gemacht.
3. Dein Gesellenstück ist ein anspruchsvolles Damenkostüm. Welche Details liegen dir dabei besonders am Herzen – und warum?
Besonders am Herzen liegen mir die handgearbeiteten Knopflöcher, die mit drei Garnen in einem Flechtmuster gearbeitet sind. Sie sind ein schönes Detail, das nicht nur funktional ist, sondern auch ästhetische Wirkung hat. Ebenso gefallen mir die gesmokten Ellenbogeneinsätze. Diese sind eher dekorativ als rein funktionell und wurden ebenfalls von Hand gearbeitet. Für mich ist es diese Detailverliebtheit, die einem Stück Charakter verleiht und die Arbeit auf eine neue Ebene hebt.
4. Du hast bereits Theatererfahrung mitgebracht. Wie beeinflusst die Bühnenwelt deine gestalterische Arbeit?
Der Großteil meiner gestalterischen Arbeiten ist für die Bühne. Das bedeutet, dass ich bei der Auswahl von Stoffen und der Technik auch die speziellen Anforderungen berücksichtigen muss, wie zum Beispiel die Waschbarkeit und die Lichtwirkung der Materialien. Diese Anforderungen in der Theaterwelt beeinflussen meine Arbeit maßgeblich und bringen oft zusätzliche Herausforderungen, die zu lösen aber sehr viel Spaß macht, weil man manchmal um die Ecke denken muss.
5. Das Weiterbildungsstipendium eröffnet viele Möglichkeiten. Welche Pläne hast du ganz konkret für die kommenden zwölf Monate?
Ich wurde bis Ende dieser Spielzeit im August am Theater Pforzheim übernommen, was eine tolle Chance ist, meine praktischen Erfahrungen weiter auszubauen. Zusätzlich besuche ich den gestalterischen Vorkurs KATAPULT an der Hochschule Pforzheim. Für die Zeit danach werde ich mich auf Jobs bewerben müssen, vorzugsweise an einem Theater. Sollte es in der Umgebung keine freien Stellen geben, werde ich wohl flexibel sein und mich auch für andere Orte oder Umzüge offen zeigen, um in der Theaterwelt zu bleiben. Da lässt sich noch nicht absehen, wo man landet.
6. Warum soll es als Nächstes nach Hamburg zur Gewandmeister-Ausbildung gehen – und was reizt dich an dieser Spezialisierung besonders?
Hamburg bietet, neben einem Studium in Dresden, die einzige Möglichkeit in Deutschland, einen spezialisierten Meisterbrief für Theaterkostüme zu absolvieren.
7. Viele junge Menschen sind unsicher, welchen Weg sie nach der Schule einschlagen sollen. Was würdest du ihnen raten, wenn sie mit dem Gedanken spielen, ein Handwerk zu lernen?
Ich würde empfehlen, auf jeden Fall Praktika zu machen. Es muss nicht immer ein Studium sein – in vielen Handwerksberufen gibt es genauso viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln und seine Kreativität auszuleben. Praktika sind eine tolle Gelegenheit, verschiedene Bereiche kennenzulernen und sich selbst ein Bild von den Möglichkeiten zu machen. Gleichzeitig zeigen sie in einer Bewerbung echtes Interesse und Engagement.
8. Und zum Schluss: Welches Projekt würdest du liebend gerne einmal umsetzen, wenn alle Türen offen stünden?
Ich würde sehr gerne einmal das komplette Kostümbild für eine Produktion gestalten – also nicht nur die Umsetzung, sondern die vollständige Gestaltung der Kostüme. Diese Möglichkeit hatte ich bereits ehrenamtlich bei Kindertheatern, aber ich würde es gern einmal im professionellen Bereich mit mehr Ressourcen und einer größeren Bühne umsetzen. Das wäre eine großartige Herausforderung
17.12.2025
von Tanja Meckler
Die 24-Jährige, die ihre Ausbildung am Stadttheater Pforzheim absolvierte, beweist eindrucksvoll, wie stark die regionale Ausbildungslandschaft ist. Und ihre Erfolge sprechen für sich:
• 3. Kammersiegerin der Handwerkskammer Karlsruhe bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk
• 3. Platz beim Landeswettbewerb Die Gute Form
• Stipendium des IBB über rund 10.000 Euro für berufliche Fortbildung

Damit hat Kristina Maly nicht nur ein Gesellenstück geschaffen, das in Erinnerung bleibt – sie hat sich auch eine berufliche Startrampe gebaut, die sie künftig nach Hamburg führen soll. Dort möchte sie ihre Ausbildung mit dem Ziel „Gewandmeisterin“ fortsetzen.

Ihr Weg ins Handwerk begann früh – und mit einem klaren Ziel. Maly arbeitete bereits vor ihrer Ausbildung als Kostümassistentin und brachte wertvolle Theatererfahrung mit. Ihre Ausbilderin, Gewandmeisterin Sandra Welker, beschreibt sie als neugierig, motiviert und fachlich beeindruckend: „Kristina konnte schon viel, interessiert sich für alles – und es gab sogar ein Projekt, bei dem wir von ihrem Wissen profitieren konnten.“ Auch der Geschäftsführende Direktor des Stadttheaters, Uwe Dürigen, zeigt sich begeistert: „Es ist einfach optimal, wenn ‚Beruf‘ aus ‚Berufung‘ kommt – wenn junge Menschen eine Vision haben, wo sie sich im späteren Arbeitsleben wiederfinden wollen. Genau das ist der Weg, wie wir hier am Theater dem Fachkräftemangel begegnen wollen. Wir brauchen Menschen, die eine intrinsische Motivation zum lebenslangen Lernen haben – und solch eine Persönlichkeit haben wir in Kristina Maly gefunden.“

Kristina Maly ist ein Beispiel dafür, wie Talent, Engagement und ein gutes Ausbildungssystem zusammenwirken können. Und sie zeigt, dass Handwerk mehr ist als Technik – es ist Ausdruck, Leidenschaft und Gestaltungskraft.
1. Was bedeutet für dich „Die Gute Form“ – wie würdest du gutes Handwerk persönlich definieren?Gutes Handwerk bedeutet für mich, dass ein Werkstück nicht nur technisch einwandfrei ausgeführt wird, sondern auch mit Leidenschaft entsteht. Es ist die Kombination aus Präzision und Kreativität, die dem Handwerk einen besonderen Wert verleiht.
2. Was war der emotionalste Moment, als du erfahren hast, dass du gleich mehrfach ausgezeichnet wirst?
Die Informationen über die Auszeichnungen kamen nacheinander, was das Ganze noch aufregender gemacht hat. Zu erfahren, dass ich bei der Kammersiegerprüfung gut abgeschnitten habe, war schon ein toller Moment – aber dass ich auch beim Landeswettbewerb ‚Die Gute Form‘ auf dem Treppchen landete, hat mich wirklich überwältigt. Ich habe natürlich gehofft, gut abzuschneiden, aber dass es so gut lief, hat mich sehr gefreut und auch stolz gemacht.
3. Dein Gesellenstück ist ein anspruchsvolles Damenkostüm. Welche Details liegen dir dabei besonders am Herzen – und warum?
Besonders am Herzen liegen mir die handgearbeiteten Knopflöcher, die mit drei Garnen in einem Flechtmuster gearbeitet sind. Sie sind ein schönes Detail, das nicht nur funktional ist, sondern auch ästhetische Wirkung hat. Ebenso gefallen mir die gesmokten Ellenbogeneinsätze. Diese sind eher dekorativ als rein funktionell und wurden ebenfalls von Hand gearbeitet. Für mich ist es diese Detailverliebtheit, die einem Stück Charakter verleiht und die Arbeit auf eine neue Ebene hebt.
4. Du hast bereits Theatererfahrung mitgebracht. Wie beeinflusst die Bühnenwelt deine gestalterische Arbeit?
Der Großteil meiner gestalterischen Arbeiten ist für die Bühne. Das bedeutet, dass ich bei der Auswahl von Stoffen und der Technik auch die speziellen Anforderungen berücksichtigen muss, wie zum Beispiel die Waschbarkeit und die Lichtwirkung der Materialien. Diese Anforderungen in der Theaterwelt beeinflussen meine Arbeit maßgeblich und bringen oft zusätzliche Herausforderungen, die zu lösen aber sehr viel Spaß macht, weil man manchmal um die Ecke denken muss.
5. Das Weiterbildungsstipendium eröffnet viele Möglichkeiten. Welche Pläne hast du ganz konkret für die kommenden zwölf Monate?
Ich wurde bis Ende dieser Spielzeit im August am Theater Pforzheim übernommen, was eine tolle Chance ist, meine praktischen Erfahrungen weiter auszubauen. Zusätzlich besuche ich den gestalterischen Vorkurs KATAPULT an der Hochschule Pforzheim. Für die Zeit danach werde ich mich auf Jobs bewerben müssen, vorzugsweise an einem Theater. Sollte es in der Umgebung keine freien Stellen geben, werde ich wohl flexibel sein und mich auch für andere Orte oder Umzüge offen zeigen, um in der Theaterwelt zu bleiben. Da lässt sich noch nicht absehen, wo man landet.
6. Warum soll es als Nächstes nach Hamburg zur Gewandmeister-Ausbildung gehen – und was reizt dich an dieser Spezialisierung besonders?
Hamburg bietet, neben einem Studium in Dresden, die einzige Möglichkeit in Deutschland, einen spezialisierten Meisterbrief für Theaterkostüme zu absolvieren.
7. Viele junge Menschen sind unsicher, welchen Weg sie nach der Schule einschlagen sollen. Was würdest du ihnen raten, wenn sie mit dem Gedanken spielen, ein Handwerk zu lernen?
Ich würde empfehlen, auf jeden Fall Praktika zu machen. Es muss nicht immer ein Studium sein – in vielen Handwerksberufen gibt es genauso viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln und seine Kreativität auszuleben. Praktika sind eine tolle Gelegenheit, verschiedene Bereiche kennenzulernen und sich selbst ein Bild von den Möglichkeiten zu machen. Gleichzeitig zeigen sie in einer Bewerbung echtes Interesse und Engagement.
8. Und zum Schluss: Welches Projekt würdest du liebend gerne einmal umsetzen, wenn alle Türen offen stünden?
Ich würde sehr gerne einmal das komplette Kostümbild für eine Produktion gestalten – also nicht nur die Umsetzung, sondern die vollständige Gestaltung der Kostüme. Diese Möglichkeit hatte ich bereits ehrenamtlich bei Kindertheatern, aber ich würde es gern einmal im professionellen Bereich mit mehr Ressourcen und einer größeren Bühne umsetzen. Das wäre eine großartige Herausforderung
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