13.8.2026
von Sandra Gallian
Steakdöner ist zwar teurer, aber auch qualitativ hochwertiger als ein herkömmlicher Döner. Einer, der genau auf dieses Qualitätssegment setzt, ist Onur Bangusch. Der 32-Jährige führt die Bangusch GmbH in Remchingen – einen von rund 400 Dönerproduktionsbetrieben in Deutschland. Zwar gehört das Familienunternehmen nicht zu den größten der Branche, doch genau darin sieht Bangusch keinen Nachteil. „Wir sind nicht die Größten. Es gibt Betriebe, die zehn- oder zwanzigmal so groß sind. Aber wir stehen für Qualität.“

Rund 50 Mitarbeiter aus verschiedenen Nationen arbeiten bei Bangusch. Während viele Wettbewerber ihre Produktion mittlerweile nach Osteuropa verlagern, bleibt der Unternehmer bewusst in Deutschland. „Hier habe ich meine Familie. Hier sind meine Mitarbeiter. Ich trage Verantwortung für sie“, sagt Bangusch. Für ihn sei der günstigere Produktionsstandort allein kein Argument. „Für Geld würde ich mein Leben nicht komplett umkrempeln.“
Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch das Unternehmen. Viele Beschäftigte arbeiten seit der Gründung vor rund 16 Jahren im Betrieb. „Einige sind heute über 50 Jahre alt. Die können wir doch nicht einfach zurücklassen.“

Wenn andere noch schlafen, hat Onur Bangusch seinen Arbeitstag längst begonnen. Gegen vier Uhr ist er bereits im Betrieb – noch bevor die ersten Mitarbeiter oder Fleischlieferanten eintreffen. Feierabend macht er meist als Letzter. Diese Einstellung habe ihm sein Vater vermittelt. „Lebe vor, was du von anderen erwartest.“
Nach der Schule stieg Bangusch direkt in den Familienbetrieb ein. Die Realität sei allerdings deutlich härter gewesen, als er sie sich vorgestellt hatte. Er arbeitete zunächst selbst in der Produktion, lernte sämtliche Abläufe von Grund auf und musste Fehler auch finanziell ausbaden. „Einmal habe ich eine falsche Kundenabrechnung übersehen. Den Schaden musste ich selbst bezahlen. Das war eine Lehre fürs Leben.“ Eine Zeit lang wohnte er sogar direkt über der Firma, um jederzeit vor Ort sein zu können. „Ich habe mich komplett mit dem Unternehmen identifiziert.“

Qualität beginnt für Onur Bangusch bereits bei der Anlieferung. Temperatur, pH-Wert und Zustand des Fleisches werden sorgfältig kontrolliert. Entspricht eine Lieferung nicht den eigenen Anforderungen, wird sie konsequent zurückgewiesen. Auch die eigens entwickelte Gewürzmischung bleibt ein gut gehütetes Betriebsgeheimnis.
Anschließend beginnt die körperlich anspruchsvolle Arbeit in der gekühlten Produktionshalle. Rund 30 Männer und eine Frau schneiden das Fleisch, stecken jedes einzelne Stück von Hand auf die Spieße, bringen diese in Form und verpacken sie. Für einen 40 Kilogramm schweren Kalbfleischspieß benötigen die Mitarbeiter bis zu 30 Minuten. Danach werden die Spieße etikettiert, bei minus 40 Grad schockgefrostet und erst ausgeliefert, wenn sie eine Kerntemperatur von mindestens minus 18 Grad erreicht haben. Täglich produziert die Bangusch GmbH zwischen acht und zehn Tonnen Dönerspieße und beliefert Kunden in weiten Teilen Süddeutschlands.

Besonders wichtig ist Bangusch die Herkunft seiner Rohstoffe. Seit vielen Jahren arbeitet das Unternehmen mit denselben vier Lieferanten zusammen. „Manche kennen wir wie eine Familie. Man besucht sich gegenseitig oder geht gemeinsam essen.“ Günstigeres Fleisch aus Osteuropa komme für ihn nur bedingt infrage. Qualität und Tierwohl seien für ihn keine Nebensache. „Die Bildung eines Volkes lässt sich daran messen, wie es mit Tieren umgeht.“
Dass große Wettbewerber ihre Produktion nach Polen verlagern, könne er wirtschaftlich durchaus nachvollziehen. Steuerliche Vorteile und günstigere Produktionsbedingungen machten diesen Schritt attraktiv. Für ihn selbst komme das dennoch nicht infrage. „Nur die Ratten verlassen das sinkende Schiff zuerst“, sagt Bangusch. „Ich möchte lieber in Deutschland investieren als woanders.“
Deutschland biete nicht nur gute Rahmenbedingungen für Unternehmen, sondern auch ein funktionierendes Sozialsystem. Gerade während der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, welchen Wert diese Sicherheit habe. „Wir bezahlen Steuern. Aber wir bekommen auch vieles zurück.“

Besonders stolz ist Bangusch auf sein Team. Viele Mitarbeiter kommen als Quereinsteiger aus der Türkei, Afghanistan, Bosnien, Nordmazedonien oder Aserbaidschan. Wer neu beginnt, kann zunächst drei Monate kostenlos in einer Firmenwohnung wohnen. Morgens gibt es gemeinsames Frühstück mit frischem Brot und Tee, Firmenfahrzeuge dürfen ebenfalls genutzt werden. Doch damit endet die Unterstützung nicht.
„Wir sind manchmal Lebensberater, Eheberater, Psychologen oder Finanzexperten.“ Bangusch begleitet neue Mitarbeiter zur Bank, hilft bei Behördengängen oder erklärt ihnen das deutsche System. Gerade Menschen, die neu nach Deutschland kommen, benötigten zunächst Orientierung. „Zufriedene Mitarbeiter arbeiten am besten.“

Der Betrieb sei jederzeit auf Kontrollen durch Lebensmittelüberwachung oder Veterinäramt vorbereitet. Jede Lieferung lasse sich vollständig zurückverfolgen. „Unser Anspruch ist, jederzeit das Maximum an Hygiene einzuhalten.“ Nahezu alle Bestandteile der Tiere werden weiterverwertet. Knochen, Haut oder Hufe gelangen in andere Verarbeitungsbetriebe und werden beispielsweise zu Tierfutter, Leder oder Kosmetikprodukten verarbeitet.

Rund eine Million Euro investiert Bangusch jedes Jahr in Wartung, Reparaturen oder neue Maschinen. Insgesamt beläuft sich der Maschinenpark auf rund zwei Millionen Euro. Viele Betriebe habe er in den vergangenen Jahren entstehen und wieder verschwinden sehen. „Man muss auf dem Boden bleiben und sauber kalkulieren.“
Dieser bodenständige Blick zieht sich wie ein roter Faden durch das Unternehmen. Für Onur Bangusch bedeutet Unternehmertum nicht, möglichst schnell zu wachsen. Er möchte Verantwortung übernehmen – für seine Mitarbeiter, für die Qualität seiner Produkte und für den Standort Deutschland.
13.8.2026
„Lebe vor, was du von anderen erwartest.“
von Sandra Gallian
Steakdöner ist zwar teurer, aber auch qualitativ hochwertiger als ein herkömmlicher Döner. Einer, der genau auf dieses Qualitätssegment setzt, ist Onur Bangusch. Der 32-Jährige führt die Bangusch GmbH in Remchingen – einen von rund 400 Dönerproduktionsbetrieben in Deutschland. Zwar gehört das Familienunternehmen nicht zu den größten der Branche, doch genau darin sieht Bangusch keinen Nachteil. „Wir sind nicht die Größten. Es gibt Betriebe, die zehn- oder zwanzigmal so groß sind. Aber wir stehen für Qualität.“

Rund 50 Mitarbeiter aus verschiedenen Nationen arbeiten bei Bangusch. Während viele Wettbewerber ihre Produktion mittlerweile nach Osteuropa verlagern, bleibt der Unternehmer bewusst in Deutschland. „Hier habe ich meine Familie. Hier sind meine Mitarbeiter. Ich trage Verantwortung für sie“, sagt Bangusch. Für ihn sei der günstigere Produktionsstandort allein kein Argument. „Für Geld würde ich mein Leben nicht komplett umkrempeln.“
Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch das Unternehmen. Viele Beschäftigte arbeiten seit der Gründung vor rund 16 Jahren im Betrieb. „Einige sind heute über 50 Jahre alt. Die können wir doch nicht einfach zurücklassen.“

Wenn andere noch schlafen, hat Onur Bangusch seinen Arbeitstag längst begonnen. Gegen vier Uhr ist er bereits im Betrieb – noch bevor die ersten Mitarbeiter oder Fleischlieferanten eintreffen. Feierabend macht er meist als Letzter. Diese Einstellung habe ihm sein Vater vermittelt. „Lebe vor, was du von anderen erwartest.“
Nach der Schule stieg Bangusch direkt in den Familienbetrieb ein. Die Realität sei allerdings deutlich härter gewesen, als er sie sich vorgestellt hatte. Er arbeitete zunächst selbst in der Produktion, lernte sämtliche Abläufe von Grund auf und musste Fehler auch finanziell ausbaden. „Einmal habe ich eine falsche Kundenabrechnung übersehen. Den Schaden musste ich selbst bezahlen. Das war eine Lehre fürs Leben.“ Eine Zeit lang wohnte er sogar direkt über der Firma, um jederzeit vor Ort sein zu können. „Ich habe mich komplett mit dem Unternehmen identifiziert.“

Qualität beginnt für Onur Bangusch bereits bei der Anlieferung. Temperatur, pH-Wert und Zustand des Fleisches werden sorgfältig kontrolliert. Entspricht eine Lieferung nicht den eigenen Anforderungen, wird sie konsequent zurückgewiesen. Auch die eigens entwickelte Gewürzmischung bleibt ein gut gehütetes Betriebsgeheimnis.
Anschließend beginnt die körperlich anspruchsvolle Arbeit in der gekühlten Produktionshalle. Rund 30 Männer und eine Frau schneiden das Fleisch, stecken jedes einzelne Stück von Hand auf die Spieße, bringen diese in Form und verpacken sie. Für einen 40 Kilogramm schweren Kalbfleischspieß benötigen die Mitarbeiter bis zu 30 Minuten. Danach werden die Spieße etikettiert, bei minus 40 Grad schockgefrostet und erst ausgeliefert, wenn sie eine Kerntemperatur von mindestens minus 18 Grad erreicht haben. Täglich produziert die Bangusch GmbH zwischen acht und zehn Tonnen Dönerspieße und beliefert Kunden in weiten Teilen Süddeutschlands.

Besonders wichtig ist Bangusch die Herkunft seiner Rohstoffe. Seit vielen Jahren arbeitet das Unternehmen mit denselben vier Lieferanten zusammen. „Manche kennen wir wie eine Familie. Man besucht sich gegenseitig oder geht gemeinsam essen.“ Günstigeres Fleisch aus Osteuropa komme für ihn nur bedingt infrage. Qualität und Tierwohl seien für ihn keine Nebensache. „Die Bildung eines Volkes lässt sich daran messen, wie es mit Tieren umgeht.“
Dass große Wettbewerber ihre Produktion nach Polen verlagern, könne er wirtschaftlich durchaus nachvollziehen. Steuerliche Vorteile und günstigere Produktionsbedingungen machten diesen Schritt attraktiv. Für ihn selbst komme das dennoch nicht infrage. „Nur die Ratten verlassen das sinkende Schiff zuerst“, sagt Bangusch. „Ich möchte lieber in Deutschland investieren als woanders.“
Deutschland biete nicht nur gute Rahmenbedingungen für Unternehmen, sondern auch ein funktionierendes Sozialsystem. Gerade während der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, welchen Wert diese Sicherheit habe. „Wir bezahlen Steuern. Aber wir bekommen auch vieles zurück.“

Besonders stolz ist Bangusch auf sein Team. Viele Mitarbeiter kommen als Quereinsteiger aus der Türkei, Afghanistan, Bosnien, Nordmazedonien oder Aserbaidschan. Wer neu beginnt, kann zunächst drei Monate kostenlos in einer Firmenwohnung wohnen. Morgens gibt es gemeinsames Frühstück mit frischem Brot und Tee, Firmenfahrzeuge dürfen ebenfalls genutzt werden. Doch damit endet die Unterstützung nicht.
„Wir sind manchmal Lebensberater, Eheberater, Psychologen oder Finanzexperten.“ Bangusch begleitet neue Mitarbeiter zur Bank, hilft bei Behördengängen oder erklärt ihnen das deutsche System. Gerade Menschen, die neu nach Deutschland kommen, benötigten zunächst Orientierung. „Zufriedene Mitarbeiter arbeiten am besten.“

Der Betrieb sei jederzeit auf Kontrollen durch Lebensmittelüberwachung oder Veterinäramt vorbereitet. Jede Lieferung lasse sich vollständig zurückverfolgen. „Unser Anspruch ist, jederzeit das Maximum an Hygiene einzuhalten.“ Nahezu alle Bestandteile der Tiere werden weiterverwertet. Knochen, Haut oder Hufe gelangen in andere Verarbeitungsbetriebe und werden beispielsweise zu Tierfutter, Leder oder Kosmetikprodukten verarbeitet.

Rund eine Million Euro investiert Bangusch jedes Jahr in Wartung, Reparaturen oder neue Maschinen. Insgesamt beläuft sich der Maschinenpark auf rund zwei Millionen Euro. Viele Betriebe habe er in den vergangenen Jahren entstehen und wieder verschwinden sehen. „Man muss auf dem Boden bleiben und sauber kalkulieren.“
Dieser bodenständige Blick zieht sich wie ein roter Faden durch das Unternehmen. Für Onur Bangusch bedeutet Unternehmertum nicht, möglichst schnell zu wachsen. Er möchte Verantwortung übernehmen – für seine Mitarbeiter, für die Qualität seiner Produkte und für den Standort Deutschland.
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