„Familientreffen“ der Metallbranche in Pforzheim: Warum die Stanztec trotz Krise voll ist

Pforzheim. Zwischen Innovationsdruck und Konjunktursorgen: Auf der Stanztec-Messe im CCP zeigen regionale Firmen, warum sie in dieser schwierigen Zeit investieren und neue Märkte suchen.
Die "Stanztec"-Messe im CCP ist ein Publikumsmagnet und voll ausgebucht. Mit dabei auch die Firma Haecker Metall. Kai Nittel (links) und Jonas Zilly zeigen was das Unternehmen produziert. Foto: Thomas Meyer, Pforzheimer Zeitung

17.06.2026

von Katharina Lindt

Das Congresszentrum Pforzheim wirkt am Dienstag (16.06.2026) wie ein Labyrinth. Die Stände stehen präzise aneinander, jeder Quadratzentimeter wird genutzt, in den Gängen staut es sich: Die Messe für Stanz- und Umformtechnik Stanztec ist ausgebucht – trotz Krise. Für den Messeveranstalter P. E. Schall um Geschäftsführerin Bettina Schall gibt es dafür sogar einen „Sold-Out“-Preis des Pforzheimer Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing (WSP).

Die „Stanztec“-Messe im CCP ist für drei Tage das Zentrum der Stanz- und Umformtechnik. Foto: Thomas Meyer, Pforzheimer Zeitung

Es ist ein hoffnungsvolles Signal in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. „Und die Wirtschaft lebt von solchen Signalen“, sagt WSP-Chef Oliver Reitz. „Wir freuen uns, dass die Stanztec wieder im Zentrum der Metallverarbeitung ist. Es ist wie ein Familientreffen.“ Bis Donnerstag ist daher das „Who is Who“ der Branche vertreten, rund 133 Aussteller aus der Region und darüber hinaus. Auch internationale Besucher führt es in den Nordschwarzwald. Die Stadt kann sich über ausgebuchte Hotels und Unterkünfte freuen.

„Ohne neue Entwicklungen wird es schwer“

Dass die Messe voll ist, spüren nicht nur Veranstalter und Stadt. Auch die Unternehmen selbst setzen auf Sichtbarkeit – gerade jetzt. „Die Stanztec ist ein Pflichttermin“, sagt Michael Stepper, Chef der Fritz Stepper GmbH & Co.Kg mit Sitz in Pforzheim. „Wir haben tolle Sachen am Start.“ So etwa das „X-Treme Hochleistungsstanzwerkzeug“, das für Kunden allerhand Vorteile bringen soll: reduzierte Werkzeuglänge, kleinere Presse, höhere Geschwindigkeit, geringere Produktionskosten. Erreicht werde dies mit innovativer Lasertechnik. „Wir versuchen, die Grenzen weiter zu verschieben. Denn ohne neue Entwicklungen wäre es schwierig unter den aktuellen Rahmenbedingungen“, sagt er. Druck wird so zum Innovationsmotor.

Bei dem Pforzheimer Traditionsunternehmen G. Rau ist man bester Laune und Zuversicht (von links): Sascha Lassierra, Julia Waidelich, Daniel Langbein und Timo Brandstädter. Foto: Thomas Meyer, Pforzheimer Zeitung

Auch andere Pforzheimer Unternehmen haben trotz Krise investiert. Das Pforzheimer Traditionsunternehmen Haecker Metall hat etwa ein neues Schneidcenter mit Büro- und Sozialräumen auf der Wilferdinger Höhe errichtet. Die Investitionen sollen neue Märkte wie den Technologie-Sektor eröffnen. „Wir haben die Hausaufgaben gemacht, nun hoffen wir, dass der Markt mitspielt“, sagt Vertriebsmitarbeiter Kai Nittel. Haecker Metall liefert seit 1885 präzise NE-Metallhalbzeuge für die verarbeitende Industrie. Steigende Metallpreise aufgrund politischer Verwerfungen treffen das Unternehmen – etwa bei Kupfer.

„Neue Kontakte knüpfen, bestehende vertiefen“

Dessen Preis gilt eigentlich als Konjunkturbarometer: Wenn die Wirtschaft boomt, gibt es eine rege Nachfrage nach dem Industriemetall. Doch die globalen Kupferlieferketten sind gestört, was das Angebot verknappt und den Preis nach oben treibt. Kupfer ist das Schlüsselmaterial in der E-Mobilität, Digitalisierung und Energiewende.

So wie Haecker Metall geht es auch anderen Firmen. Mit einer Portion Hoffnung wollen sie sich für die kommende Zeit Mut zusprechen. „Es geht auch darum, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende zu vertiefen“, sagt Daniel Langbein, Vertriebsleiter bei G. Rau. Er zeigt sich optimistisch. „Wir sind breit aufgestellt und verlieren nicht den Mut. Wir nutzen die Chance – trotz der herausfordernden Zeit“, sagt er. So habe die G. Rau Gruppe neue Projekte in den unterschiedlichsten Bereichen, etwa in der Mobilität. Nächste Woche sei das Unternehmen zudem auf der Intersolar in München und habe die Nachhaltigkeitsbranche im Blick.

Unternehmen erwägen Verlagerung ins Ausland

Doch so zuversichtlich viele Gespräche an den Ständen klingen: Ganz ausblenden lässt sich die schwierige Lage nicht. Manche Firmen berichten etwa von Kunden, die eine Verlagerung der Produktion nach Osteuropa erwägen oder sich mit neuen Aufträgen oder Projekten zurückhalten. Die nächsten Tage werden zeigen, ob der Optimismus oder die Unsicherheit dominiert.

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