17.11.2025
von Claudia Keller
„Dies ist ein Gemeinschaftsprojekt des Verkehrsministeriums zusammen mit der AVG“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann bei seinem Besuch bei der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) in Karlsruhe. Er erinnerte daran, dass die Idee vor vier Jahren entstanden sei, weil einerseits die Branche über Probleme klagte, Fachkräfte zu gewinnen und es andererseits viele Flüchtlinge gab. Daraus entstand die innovative Idee, eine entsprechende Ausbildung für Geflüchtete anzubieten. „Wir freuen uns, dass diese Kurse gelingen, dass es immer wieder Bewerberinnen und Bewerber gibt, die mitmachen“, stellte der Minister fest. „Wir sehen auch, dass es nicht so ganz leicht ist, die Ausbildung zu machen, wenn man die Sprache noch nicht beherrscht, deswegen ist es auch so wichtig, dass 50 Prozent der Arbeitszeit der Sprachqualifizierung dient.“

Unterstützung kommt gut an
Als Schlüssel des Erfolgs bezeichnete er die Integrations-Coaches, die die Kursteilnehmer begleiten und unterstützen. Das Verkehrsministerium finanziert seit dem Jahr 2019 die entsprechend geschulten Coaches, die die Auszubildenden bei organisatorischen Fragen und Behördengängen sowie beim Spracherwerb unterstützen. „Sie stellen die Brücke zwischen Unternehmen, Behörden und den Menschen her“, betonte Hermann. „Wir sind davon überzeugt, dass diese Art von Ausbildung und Integration für alle Beteiligten ein Erfolg ist.“ Er betonte, dass man hier außerdem sehen soll, dass auch Menschen, die nicht hier geboren sind, einen wesentlichen Beitrag in unserer Gesellschaft leisten können. Das Land setzt für derartige Projekte Mittel in Höhe von rund 700.000 Euro ein. Auf die laufende Maßnahme in Karlsruhe entfallen rund 100.000 Euro.

„Mitarbeitergewinnung, gerade im Triebfahrzeugführerbereich, ist für uns weiterhin ein riesen Thema“, so Professor Dr. Alexander Pischon, Vorsitzender der Geschäftsführung der AVG. „Wir werden besser, nicht zuletzt durch dieses Projekt.“ Derzeit seien 25 Menschen in der Ausbildung und zwölf Teilnehmer haben in den letzten Jahren bereits erfolgreich abgeschlossen. Er ergänzte, dass die AVG inzwischen angefangen habe, auch die nicht geflüchteten Auszubildenden durch Coaches zu unterstützen.

Torsten Krüger, AVG Ausbildungsleiter der Abteilung Triebfahrzugführer berichtete aus der Praxis. „Wir hatten bei zwei Kursen eine 100 Prozent Erfolgsquote, was wir bei Quereinsteigerkursen in der Regel nicht haben“, hob er hervor. „Zurzeit haben wir drei Kurse laufen.“ Als Triebfahrzeugführer sei es wichtig, die Sprache zu können. Das größte Hindernis sei, die Sprache neben dem Beruf zu lernen. Und so gehen die Teilnehmer zunächst jeweils einen halben Tag in die Sprachschule und einen halben Tag in den Fahrscheinprüfdienst. Nach Abschluss der Sprachschule geht es dann in die Triebfahrzeugführerausbildung. Im Jahr gebe es insgesamt 120 Plätze für Triebfahrzeugführer, entweder über die Quereinsteigerausbildung oder die Duale Ausbildung. Er berichtete weiter, dass in den ersten Kursen vor allem Syrer waren. Aktuell seien es vor allem Menschen aus der Ukraine, darunter aber auch Personen beispielsweise aus Afghanistan, Venezuela und der Türkei.
Motivierter Nachwuchs
Vier Auszubildende waren beim Besuch des Ministers anwesend. Alle vier haben im September 2024 mit der Sprachschule und dem Fahrscheinprüfdienst begonnen und im Mai 2025 die Triebfahrzeugführerausbildung angefangen. Den ersten Teil, den Triebfahrzeugführerschein, haben sie inzwischen schon erfolgreich absolviert. Seit August sind sie in der Straßenbahnausbildung. Ab Januar 2026 beginnt für sie der zweite Teil der Triebfahrzeugführerausbildung für die Strecken der Deutschen Bahn und der AVG. Bei einer kleinen Rundfahrt mit der Straßenbahn freute sich Minister Hermann über die Gelegenheit, dem Fahrer direkt über die Schulter zu schauen.
Hilfe bei der Integration
Während die Bahn über die Schienen ruckelte, berichtete Ausbildungs- und Integrationscoachin Rebecca Rastetter im Gespräch mit WirtschaftsKRAFT über typische Themen in ihrem Arbeitsalltag. Dazu gehörten Probleme mit der Ausländerbehörde, die sie anhand eines jungen Mannes aus der Ukraine, der nur einen russischen Pass hat, verdeutlichte. So sei es schwierig dessen Aufenthaltstitel zu verlängern, den er für den Erhalt des Triebfahrzeugführerscheins brauche. Auch die Wohnungssuche sei ein häufiges Thema für die Auszubildenden, sowie weiterhin die Sprachförderung. Nur wer mindestens die Prüfung für Sprachniveau B2 bestehe, könne mit dem Triebfahrzeugführer-Einführungskurs beginnen. Dmitry Derevyanko ist seit drei Jahren in Deutschland. Beim Warten an einer Haltestelle hatte er erfahren, dass es einen Mangel an Fahrern gibt. Er habe dann im Jobcenter nachgefragt und sich für das Projekt beworben. Nach acht Monaten Sprachkurs hat er die Ausbildung begonnen und inzwischen bereits den Triebfahrzeugführerschein bestanden. „Die Kollegen sind nett und helfen uns sehr“, zeigt er sich zufrieden mit seiner zukünftigen Arbeitsstelle.

Alle Fotos: Tilo Keller
17.11.2025
von Claudia Keller
„Dies ist ein Gemeinschaftsprojekt des Verkehrsministeriums zusammen mit der AVG“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann bei seinem Besuch bei der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) in Karlsruhe. Er erinnerte daran, dass die Idee vor vier Jahren entstanden sei, weil einerseits die Branche über Probleme klagte, Fachkräfte zu gewinnen und es andererseits viele Flüchtlinge gab. Daraus entstand die innovative Idee, eine entsprechende Ausbildung für Geflüchtete anzubieten. „Wir freuen uns, dass diese Kurse gelingen, dass es immer wieder Bewerberinnen und Bewerber gibt, die mitmachen“, stellte der Minister fest. „Wir sehen auch, dass es nicht so ganz leicht ist, die Ausbildung zu machen, wenn man die Sprache noch nicht beherrscht, deswegen ist es auch so wichtig, dass 50 Prozent der Arbeitszeit der Sprachqualifizierung dient.“

Unterstützung kommt gut an
Als Schlüssel des Erfolgs bezeichnete er die Integrations-Coaches, die die Kursteilnehmer begleiten und unterstützen. Das Verkehrsministerium finanziert seit dem Jahr 2019 die entsprechend geschulten Coaches, die die Auszubildenden bei organisatorischen Fragen und Behördengängen sowie beim Spracherwerb unterstützen. „Sie stellen die Brücke zwischen Unternehmen, Behörden und den Menschen her“, betonte Hermann. „Wir sind davon überzeugt, dass diese Art von Ausbildung und Integration für alle Beteiligten ein Erfolg ist.“ Er betonte, dass man hier außerdem sehen soll, dass auch Menschen, die nicht hier geboren sind, einen wesentlichen Beitrag in unserer Gesellschaft leisten können. Das Land setzt für derartige Projekte Mittel in Höhe von rund 700.000 Euro ein. Auf die laufende Maßnahme in Karlsruhe entfallen rund 100.000 Euro.

„Mitarbeitergewinnung, gerade im Triebfahrzeugführerbereich, ist für uns weiterhin ein riesen Thema“, so Professor Dr. Alexander Pischon, Vorsitzender der Geschäftsführung der AVG. „Wir werden besser, nicht zuletzt durch dieses Projekt.“ Derzeit seien 25 Menschen in der Ausbildung und zwölf Teilnehmer haben in den letzten Jahren bereits erfolgreich abgeschlossen. Er ergänzte, dass die AVG inzwischen angefangen habe, auch die nicht geflüchteten Auszubildenden durch Coaches zu unterstützen.

Torsten Krüger, AVG Ausbildungsleiter der Abteilung Triebfahrzugführer berichtete aus der Praxis. „Wir hatten bei zwei Kursen eine 100 Prozent Erfolgsquote, was wir bei Quereinsteigerkursen in der Regel nicht haben“, hob er hervor. „Zurzeit haben wir drei Kurse laufen.“ Als Triebfahrzeugführer sei es wichtig, die Sprache zu können. Das größte Hindernis sei, die Sprache neben dem Beruf zu lernen. Und so gehen die Teilnehmer zunächst jeweils einen halben Tag in die Sprachschule und einen halben Tag in den Fahrscheinprüfdienst. Nach Abschluss der Sprachschule geht es dann in die Triebfahrzeugführerausbildung. Im Jahr gebe es insgesamt 120 Plätze für Triebfahrzeugführer, entweder über die Quereinsteigerausbildung oder die Duale Ausbildung. Er berichtete weiter, dass in den ersten Kursen vor allem Syrer waren. Aktuell seien es vor allem Menschen aus der Ukraine, darunter aber auch Personen beispielsweise aus Afghanistan, Venezuela und der Türkei.
Motivierter Nachwuchs
Vier Auszubildende waren beim Besuch des Ministers anwesend. Alle vier haben im September 2024 mit der Sprachschule und dem Fahrscheinprüfdienst begonnen und im Mai 2025 die Triebfahrzeugführerausbildung angefangen. Den ersten Teil, den Triebfahrzeugführerschein, haben sie inzwischen schon erfolgreich absolviert. Seit August sind sie in der Straßenbahnausbildung. Ab Januar 2026 beginnt für sie der zweite Teil der Triebfahrzeugführerausbildung für die Strecken der Deutschen Bahn und der AVG. Bei einer kleinen Rundfahrt mit der Straßenbahn freute sich Minister Hermann über die Gelegenheit, dem Fahrer direkt über die Schulter zu schauen.
Hilfe bei der Integration
Während die Bahn über die Schienen ruckelte, berichtete Ausbildungs- und Integrationscoachin Rebecca Rastetter im Gespräch mit WirtschaftsKRAFT über typische Themen in ihrem Arbeitsalltag. Dazu gehörten Probleme mit der Ausländerbehörde, die sie anhand eines jungen Mannes aus der Ukraine, der nur einen russischen Pass hat, verdeutlichte. So sei es schwierig dessen Aufenthaltstitel zu verlängern, den er für den Erhalt des Triebfahrzeugführerscheins brauche. Auch die Wohnungssuche sei ein häufiges Thema für die Auszubildenden, sowie weiterhin die Sprachförderung. Nur wer mindestens die Prüfung für Sprachniveau B2 bestehe, könne mit dem Triebfahrzeugführer-Einführungskurs beginnen. Dmitry Derevyanko ist seit drei Jahren in Deutschland. Beim Warten an einer Haltestelle hatte er erfahren, dass es einen Mangel an Fahrern gibt. Er habe dann im Jobcenter nachgefragt und sich für das Projekt beworben. Nach acht Monaten Sprachkurs hat er die Ausbildung begonnen und inzwischen bereits den Triebfahrzeugführerschein bestanden. „Die Kollegen sind nett und helfen uns sehr“, zeigt er sich zufrieden mit seiner zukünftigen Arbeitsstelle.

Alle Fotos: Tilo Keller
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