Ernte ins Stocken geraten – Niederschläge verschieben den Maschineneinsatz

Ein riesiger Berg Weizen in der Lagerhalle von Landwirt Christian Schmidt in Eisingen ist die perfekte Kulisse für das Pressegespräch zum Thema Ernte gewesen, zu dem das Landratsamt des Enzkreises eingeladen hatte.
Wie wird die Ernte 2025 im Enzkreis? Foto: Tilo Keller

05.08.2025

von Claudia Keller

Beim Erntepressegespräch des Landratsamts Enzkreis: (v.l.) Michael Mauer (Landratsamt), Joachim Fuchs (Bauernverband), Corinna Henkel (Leiterin Landwirtschaftsamt), Felicitas und Joachim Schmid (Gastgeber), Holger Nickel (Dezernent Landratsamt), Ralf Jäkle (Bäcker-Innung Alb-Neckar-Nordschwarzwald), Jörg Schneider (ZG Raiffeisen). Foto: Tilo Keller

„Lebensmittel sind lebensnotwendig“ so Holger Nickel, Enzkreis Dezernent für Landwirtschaft, Forsten und öffentliche Ordnung beim diesjährigen Erntepressegespräch. „Die Krisen der letzten Jahre haben gezeigt, dass es in diesem Bereich nicht gut ist, wenn man zu sehr abhängig ist von der Weltlage.“ Er erinnerte, dass es in Corona-Zeiten plötzlich keine Nudeln mehr gab und zu Beginn des Ukraine-Krieges kein Sonnenblumenöl. „Das kann uns in verschiedenen Bereichen treffen, wenn wir uns selbst nur zu einem geringen Teil versorgen können“, sagte er und appellierte an die Verbraucher, regionale Produkte zu kaufen, als Beitrag zum Erhalt der Betriebe im Kreis.

Außerdem bat er die Bevölkerung gerade in der Erntezeit um Verständnis für mögliche Behinderungen durch landwirtschaftliche Fahrzeuge auf den Straßen oder vorübergehende Geruchsbelästigung durch das Ausbringen von Dünger.

Holger Nickel (Mitte), Dezernent für Landwirtschaft, Forsten und öffentlichen Ordnung begrüßt die Teilnehmer beim Erntegespräch. Foto: Tilo Keller

Unterschiedliche Bedingungen

Corinna Benkel, Leiterin des Landwirtschaftsamtes ging auf die aktuellen Erntebedingungen ein. „Wir haben noch einiges an Weizen draußen stehen, der momentan nicht geerntet werden kann“, sagte sie in Bezug auf den Regen. „Wir wissen auch noch nicht, wann das möglich ist und wie dann die Qualität ausfällt.“ Gestiegene Preise für Energie, Dünger oder Pflanzenschutzmittel würden bei manchen Betrieben dafür sorgen, dass der Erlös die Kosten nicht decke. Sie betonte, dass es nicht jedem landwirtschaftlichen Betrieb gleich gut gehe. „Das vergisst man oft, wenn man die Gesamtmengen sieht“, erklärte sie. Benkel machte außerdem darauf aufmerksam, dass die Witterung im Enzkreis kleinklimatisch so unterschiedlich sei, dass es einen Landwirt mit Frost oder Hagel treffe, während der Landwirt fünf Kilometer weiter eine gute Ernte einfahre. „Das sind auch Indizien für den Klimawandel, den die Landwirte extrem spüren“, stellte sie fest. „Sie müssen mit der Witterung und dem Klima arbeiten und sich darauf einstellen. Die Anforderungen an das Können der Landwirte wird immer höher.“

Corinna Benkel, Leiterin des Landwirtschaftsamtes, weist auf die Probleme der Landwirte hin. Foto: Tilo Keller

Schwierige Situation

Michael Mauer Enzkreis Sachgebietsleiter Produktion und Vorortkontrollen ging auf die Witterungsbedingungen ein. „Jedes Jahr ist anders“, sagte er und blickte zunächst auf das Jahr 2024 zurück, das durch Spätfröste im Frühjahr und insgesamt durch hohe Niederschläge auffiel. Das Frühjahr 2025 sei dagegen eher normal gewesen. Innerhalb der Region gab es dieses Jahr große Unterschiede bei Regenfällen. Probleme entstanden auch durch eine große Trockenheit im Vorsommer. „Ab 30 Grad gibt es keinen Ertragszuwachs mehr“, stellte Mauer fest. „So auch für das Getreide, das schnell abgereift ist.“ So begann die Ernte bereits früh, geriet dann aber durch die nasse Witterung ins Stocken. Mauer erklärte, dass das Getreide an Qualität verliert, wenn es zu lange „am Halm“ stehe. „Es war regional sehr unterschiedlich“, stellte er fest. „An einem Eck war es trocken und man konnte ernten, während es woanders schon wieder geregnet hat und Ernte nicht möglich war.“ Er betonte, dass man noch mitten in der Ernte stecke.

Verständnis gefordert

„Nach der Ernte ist vor der Ernte“, sagte Mauer und wies darauf hin, dass die Landwirte nun wieder die Felder für die nächste Aussaat vorbereiten. Typisch für diese Jahreszeit sei die Düngung der Flächen mit organischem Dünger, wie Gülle, Mist oder Gärresten. „Das sind wertvolle Volldünger, die der Pflanze alles bieten, was sie braucht“, hob er hervor. „Da kann es eben auch mal zu Geruchsbelästigung kommen.“ Um dies zu minimieren, gebe es inzwischen gute Technik, die den Dünger direkt in den Boden einbringt, was die Geruchsbelästigung minimiert oder verhindert. Da das Gespräch in einer Halle von Landwirt Christian Schmidt in Eisingen stattfand, konnte das entsprechende Güllefass mit Schleppschuh auch gleich bewundert werden.

Bisher gute Qualität

„Die diesjährigen Getreideerträge waren fast durchweg gut“, sagte Jörg Schneider, Regionalleiter Vertrieb der ZG Raiffeisen. Er stellte fest, dass die Ernte teilweise schon am 23. Juni 2025 begonnen hat, wobei in den letzten Jahren meist auch schon im Juni begonnen wurde. „Die einzige Kultur, die in diesem Jahr schwächer abscheidet ist der Raps, aber nicht gravierend schwächer“, führte Schneider aus.

„Für einen Bäcker ist immer die Qualität entscheidend“, hob Ralf Jäkle von der Bäcker-Innung Alb-Neckar-Nordschwarzwald hervor. „Es kommt immer auf das Eiweiß im Getreide an.“ Man könnte zwar entsprechende Zusatzstoffe in den Teig geben, das sei aber eigentlich nicht gewollt. Gerade für lange Garzeiten sei gutes Eiweiß für stabilen Teig ausschlaggebend.

Herausforderung für Landwirte

Joachim Fuchs vom Bauernverband beschrieb das beschränkte Zeitfenster in Kombination mit Wetter, Kornfeuchte und der Verfügbarkeit von Erntetechnik als Managementproblem für die Landwirte. „Große Mengen Getreide einzubringen, da muss die Logistik und das Wetter passen“, sagte er und erklärte, dass die Erntetechnik der Lohnunternehmer vom Rheintal aufwärts wandert. Wenn es dann zu Verzögerungen bei der Ernte komme, bereite dies den Landwirten, die später an der Reihe sind, „Kopfweh“.

Benkel machte darauf aufmerksam, dass die Distanz der Menschen zur Landwirtschaft immer größer werde und auch das Verständnis fehle. So bekämen sie auch nicht mit, wenn es Ernteausfälle durch Frost oder Hagel gebe. „Die Läden sind immer voll“, stellte sie fest.

„Wir haben eine durch die Menschen geprägte Kulturlandschaft“, erklärte Benkel eine weitere Funktion der Landwirte, die die Landschaft durch die Bewirtschaftung offenhalten. „Unsere Pflanzen- und Tierwelt ist genau an diese Felderwirtschaft angepasst.“

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