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WirtschaftsKRAFTplus ist in der Tat ein „Plus“ – ein Mehr an Themen, an Hintergründen und an Aktualität. Mit dieser Plattform wird die wirtschaftliche Kompetenz des Standortes Pforzheim medial begleitet und weit in die Region getragen.

Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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Digitale Buchhaltung aus Offenburg

"Als ein Kommilitone auf mich zukam und meinte, er bräuchte eine Software zum Rechnungen schreiben, war die Idee geboren", erzählt Fabian Silberer. Er spricht von einer unglaublichen Chance und träumt groß. Jetzt hat sich sevDesk frisches Kapital in Höhe von 50 Millionen Euro gesichert.
Marco Reinblod und Fabian Silberer haben zusammen sevDesk gegründet. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Offenburg. Foto: sevDesk

von Tanja Meckler

„Mit den neuen Hauptinvestoren holen wir uns für die Zukunft starke Partner an unsere Seite. Wir sind stolz, diese Tech-Spezialisten für uns gewonnen zu haben, um mit ihnen den nächsten Wachstumsschritt zu gehen."
Fabian Silberer, Gründer und CEo sevDesk

Abseits der Start-Up-Metropolen – Offenburg hat seine Vorteile und manchmal ist Zusammenhalt wichtiger, als die hippe Szene.

Fabian Silberer und Marco Reinbold haben beide in Karlsruhe studiert. Während dieser Zeit entstand auch die Idee zu sevDesk, einer cloudbasierten Buchhaltungssoftware. Statt nach Berlin oder in eine andere hippe Großstadt zu pilgern, vertrauten die beiden auf ihre Heimat Offenburg und gründeten sevDesk auf einem Bauernhof.

Selbstständigen und Kleinunternehmen eine Plattform an die Hand geben, mit der sie ihre Buchhaltung selbst bewältigen können, damit sie genug Zeit und Raum haben, ihre eigenen Ideen und Innovationen zu entfalten – das ist die Vision der beiden Gründer. Ihre Software soll ein langfristiger Problemlöser werden.

Seit der Markteinführung 2014, machte sich sevDesk rasch einen Namen und rief auch bekannte Geldgeber auf den Plan. Erst jüngst konnte das Start-Up in einer Series B-Finanzierungsrunde frisches Kapital in Höhe von 50 Millionen Euro einsammeln.

In den nächsten fünf bis zehn Jahren wollen wir mit sevDesk Marktführer in Deutschland sein. Wir sitzen auf einer unglaublichen Chance.

Fabian Silberer, CEO sevDesk

Die unglaubliche Chance von der Fabian Silberer spricht, zielt auf die rund 5,8 Millionen Selbstständigen in Deutschland ab. Aktuell nutzt nur ein Bruchtteil von ihnen eine cloudbasierte Software. Aber der digitale Wandel ist für Unternehmen jeder Größe in vollem Gange und beschleunigt den Bedarf. Um die Marktposition weiter auszubauen, kam die Fianzierungsrunde deshalb natürlich wie gerufen. Automatisierung, künstliche Intelligenz und mobiles Arbeiten durch cloudbasierte Web-und Smartphone-Applikationen stehen bei der Weiterentwicklung der Plattform ganz oben auf der Agenda.

Mit Tech-Spezialisten durchstarten.

Die neuen Hauptinvestoren sind die Arena Holdings und Unternehmer Carsten Thoma. Arena mit Sitz in New York und Büros in San Francisco, Shanghai und Singapur ist eines der führenden Investmenthäuser für digitale Plattformen wie zum Beispiel Celonis, Square und andere. Carsten Thoma, erfolgreicher Unternehmer, Investor und Mentor zahlreicher aufstrebender Start-ups weltweit, wird ebenfalls neuer Miteigentümer und wird künftig als strategischer Berater für Skalierungs-und Produktfragen aktiv sein. Thoma, ehemaliger Gründer von Hybris, ist einer der wenigen deutschen Tech-Gründer, der selbst ein Unternehmen mit einem Marktwert von über einer Milliarde Euro aufgebaut hat. Alle Bestandsinvestoren, darunter der Karlsruher Technologieinvestor LEA Partners, das Family-Office Wecken & Cie sowie der weltweit agierende Technologieinvestor Global Founders Capital (GFC) beteiligten sich ebenfalls an der Finanzierungsrunde.

„Nach der jetzigen Finanzierungsrunde ist es das gemeinsame Ziel, unsere starke Marktposition konsequent auszubauen und unser Produktportfolio zu einer kompletten Finanzsoftware zu erweitern“, erklärt Marco Reinbold, Gründer und CTO von sevDesk.

Blickt optimistisch in die Zukunft: Marco Reinbold, Gründer und CTO sevDesk. Foto:sevDesk

Das neu gewonnene Kapital wird in die Weiterentwicklung des Produktportfolios und Serviceangebots sowie den Ausbau von Personal fließen.

Glaubt an den Standort Offenburg: Fabian Silberer, CEO sevDesk. Foto: sevDesk

Interview mit Fabian Silberer:

Wie können Händler von sevDesk profitieren? Welche Rolle spielt KI?
sevDesk ist eine intuitive cloudbasierte Buchhaltungssoftware, die es dem Nutzer ermöglicht jederzeit und von überall aus auf seine Daten zuzugreifen. Händler können ihr Shop-System direkt an sevDesk anbinden, wodurch die Rechnungserstellung einfach und automatisiert abläuft. KI spielt in sevDesk eine wichtige Rolle bei der Belegerfassung. Eingescannte Belege werden dank selbstlernender Algorithmen analysiert und die Software schlägt automatisch die passende Buchungskategorie vor. Somit spart sevDesk nicht nur Zeit, sondern ermöglicht vor allem einen tagesaktuellen Überblick über die eigenen Finanzen.

Inwieweit wird KI unseren Alltag verändern bzw. auch erleichtern?
KI wird in den kommenden Jahren unseren Alltag maßgebend verändern. Bereits jetzt nutzen wir einige technische Geräte, die mittels Sprachsteuerung oder Texterkennung ohne menschliches Zutun funktionieren. KI wird uns helfen Prozesse zu automatisieren, wodurch viele händische Aufgaben überflüssig werden. So können wir in Zukunft zielgerichteter und effizienter arbeiten und uns auf die wesentlichen Dinge konzentrieren.

Wenn es um Start-Ups geht, wandern die Blicke alle gleich schnell Richtung Berlin, stört Sie das?
Ja und nein. Als mein Freund und Studienkollege Marco Reinbold und ich sevDesk gegründet haben, war es oft mühsamer Investoren oder Arbeitskräfte zu finden, weil wir weder das Netzwerk noch die Infrastruktur wie in Berlin haben. Aber wir sind beide sehr heimatverbunden und haben an den Standort Offenburg geglaubt. Mit viel Ehrgeiz und Fleiß haben wir uns abseits einer Start-Up-Metropole ein Unternehmen aufgebaut und gemerkt, dass genau durchdas seine Vorteile hat. Unsere Mitarbeiter sind überaus loyal, wir haben eine starke Unternehmenskultur und wir können uns auf das Wesentliche, nämlich unser Produkt, konzentrieren, ohne von zu vielen äußeren Einflüssen abgelenkt zu werden.

Wo entstand Ihre Idee? Gibt es in Offenburg auch ein Hippster Café, indem sich die Start-Up Szene trifft?
Wir sind selbst Söhne von Selbstständigen und haben den Bedarf nach einem einfachen System daher früh erkannt. Wir haben unser Start-Up im Keller meines Elternhauses auf dem Bauernhof gegründet, uns war der Zusammenhalt untereinander wichtiger als eine hippe Szene in einer Großstadt. Klar haben wir den Nutzen zum Networking gesehen und sind öfters nach Karlsruhe gefahren, aber auch in Offenburg gibt es die Möglichkeit sich mit anderen Gründern auszutauschen.

Gibt es ein Gründernetzwerk in Offenburg?
Mit StartUp.connect haben wir in Offenburg ein ausgezeichnetes Gründernetzwerk. Es bietet einerseits ein Co-Working Space mit allem, was man braucht, aber auch verschiedene Programme oder Veranstaltungen für Start-Ups, Gründer und Selbstständige, um sich auszutauschen und gemeinsam an Innovationen zu arbeiten.

Wie sah ihr persönlicher Weg zum eigenen Star-Up aus? Was haben Sie erlebt?
Ich habe schon früh begonnen mir mein eigenes Geld mit kleinen Projekten zu verdienen. Damals noch mit dem Erstellen von Websites, was im Studium in das Programmieren von Software überging. Als ein Kommilitone auf mich zukam, er bräuchte eine Software zum Rechnungen schreiben, war die Idee geboren. Marco und ich wollten einen Mehrwert stiften und den Leuten das leidige Problem der Buchhaltung abnehmen. Wir haben uns vieles selbst beigebracht und schnell bemerkt, dass wir mit unserer Idee Geld verdienen konnten. Andererseits haben wir festgestellt, dass es für ein Unternehmen auch andere Bereiche wie Marketing, Finanzen und natürlich Buchhaltung braucht. So waren wir lange Anwender unserer eigenen Software und konnten sofort auf fehlende Elemente reagieren. Heute haben wir über 165 Mitarbeiter, und Kunden aus über 100 Branchen vertrauen auf uns. Das macht mich enorm stolz und zeigt mir, dass man mit harter Arbeit, Vertrauen in sich selbst und Durchhaltevermögen sehr viel erreichen kann.

Sie wollen kein Mittelständler bleiben, welche Vision verfolgen Sie?
In den nächsten 5 bis 10 Jahren wollen wir mit sevDesk Marktführer in Deutschland sein. Wir sehen großes Potential und sitzen auf einer unglaublichen Chance. Allein in Deutschland gibt es 5,8 Millionen Selbstständige und nur ein Bruchteil von ihnen nutzt eine cloudbasierte Software. Meine Vision ist, dass wir diesen Selbstständigen und Kleinunternehmen eine Plattform an die Hand geben, mit der sie ihre Buchhaltung einfach selbst bewältigen können, damit sie genug Zeit und Raum haben ihr eigenen Ideen und Innovationen zu entfalten.

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