20.11.2025
von Sandra Gallian
Jakob Bänschs Weg vom Enzkreis auf die renommierten Festivalbühnen ist ebenso beeindruckend wie sein musikalischer Anspruch – und sein zweites Album „All The Others“ zeigt eindrücklich, wie weit dieser junge Künstler bereits gereift ist.

Jakob Bänsch wuchs in einer Musikerfamilie auf. In Tiefenbronn – wo er auch heute noch regelmäßig vorbeischaut, zuletzt beim Abitreffen – wurde früh klar, dass Musik zu seinem Alltag gehören würde. Beide Eltern sind klassische Musiker, der Vater spielte lange beim SWR. Und genau dort beginnt auch Bänschs eigene Geschichte.
„Mein Vater hat mir einfach mal die alte Trompete meines Opas aus dem Keller in die Hand gedrückt – so aus Spaß, ich war acht Jahre alt“, erinnert sich Bänsch. Bald folgte Unterricht an der Musikschule in Calw, doch beruflich sah er sich damals noch ganz woanders. „Es war nie der Plan, dass ich das mal professionell mache. Ich dachte eher an etwas Technisches.“
Dass der Weg doch ein musikalischer wurde, liegt an einem engen Familienfreund: Jazzmusiker Libor Šíma aus Neuhausen. Er lud den jungen Jakob in seine Schüler-Jazzband ein, gemeinsam mit seinen eigenen Kindern. „Er hat mich zu Workshops geschickt, nach Ochsenhausen etwa. Da war ich 14. Diese eine Woche dort hat alles verändert. Wir haben bis tief in die Nacht gespielt – diese Energie, diese Freiheit – da wusste ich: Das will ich beruflich machen. Alles andere hätte sich falsch angefühlt.“
Von da an ging es schnell: Preise wie „Jugend musiziert“, das Landesjugendorchester, Jungstudium an der HMdK Stuttgart, später das Bundesjazzorchester, Stipendienprogramme und schließlich sein Debütalbum „Opening“ (2023), für das er den „Deutschen Jazzpreis“ erhielt.
„Da habe ich gemerkt: Jetzt bin ich wirklich in der Jazzszene angekommen – und das als Student.“

Mit „All The Others“ (2025) zeigt Bänsch nun eine neue künstlerische Tiefe. Das Album widmet sich Figuren aus Literatur, Film und bildender Kunst – ein Konzept, das zeigt, wie weit sein Blick über die Musik hinausgeht.
„Es gibt dieses schöne Zitat von Keith Jarrett: ›Babies don’t come from babies‹. Musik entsteht nicht nur aus Musik, sondern aus allem, was einen umgibt.“
Bänsch beschreibt sich selbst als jemanden, der sich gut in fiktive Welten verlieren kann. Besonders prägend war für ihn der japanische Animationsfilm Spirited Away, dessen geheimnisvolle Figur Kaonashi er ein eigenes Stück widmet. „Ein magischer Film, eigentlich für Kinder, der aber so viele erwachsene Themen berührt.“
Auch die Literatur hat ihn beeinflusst. Hermann Hesses Siddharta etwa – nicht zuletzt, weil Hesse ganz in der Nähe seiner Heimat lebte. „Dieses Nachdenken über Spiritualität hat mich in einer wichtigen Phase erwischt.“
All diese Einflüsse sind nun im neuen Album hörbar – zwischen Jazzquartett, großer Besetzung, impressionistischen Farben und freier Improvisation.
Aktuell befindet sich Jakob Bänsch im letzten Studienjahr an der Musikhochschule Köln. Seine feste Band besteht aus engen Freunden – ein Faktor, der laut ihm essenziell für die emotionale Kraft der Stücke ist.
Gleichzeitig blickt er bereits nach vorne: „Ich beschäftige mich viel mit elektronischer Musik. Diese Art von Klangerzeugung fasziniert mich total.“
In einem Jahr etwa möchte er gerne ein elektronisch produziertes Album veröffentlichen, ergänzt durch echte Trompetenklänge. Besonders reizt ihn dabei, das Tanzelement zurück in den Jazz zu holen: „So hat Jazz ja angefangen – Musik, zu der man sich bewegt.“
Bei aller künstlerischen Freiheit ist sich Bänsch seiner Rolle bewusst:
„Gerade in schwierigen politischen Zeiten ist Kunst wichtig. Sie kann Menschen die Augen öffnen. Kunst ist nie unpolitisch – und als Künstler trägt man Verantwortung.“
Mit dieser Haltung, gepaart mit technischem Können und einer enormen Reife für sein Alter, steht Jakob Bänsch an der Schwelle zu einer großen Karriere – und bringt zugleich ein Stück Pforzheim in die Jazzwelt hinaus.
20.11.2025
„Gerade in schwierigen politischen Zeiten ist Kunst wichtig. Sie kann Menschen die Augen öffnen. Kunst ist nie unpolitisch – und als Künstler trägt man Verantwortung.“
von Sandra Gallian
Jakob Bänschs Weg vom Enzkreis auf die renommierten Festivalbühnen ist ebenso beeindruckend wie sein musikalischer Anspruch – und sein zweites Album „All The Others“ zeigt eindrücklich, wie weit dieser junge Künstler bereits gereift ist.

Jakob Bänsch wuchs in einer Musikerfamilie auf. In Tiefenbronn – wo er auch heute noch regelmäßig vorbeischaut, zuletzt beim Abitreffen – wurde früh klar, dass Musik zu seinem Alltag gehören würde. Beide Eltern sind klassische Musiker, der Vater spielte lange beim SWR. Und genau dort beginnt auch Bänschs eigene Geschichte.
„Mein Vater hat mir einfach mal die alte Trompete meines Opas aus dem Keller in die Hand gedrückt – so aus Spaß, ich war acht Jahre alt“, erinnert sich Bänsch. Bald folgte Unterricht an der Musikschule in Calw, doch beruflich sah er sich damals noch ganz woanders. „Es war nie der Plan, dass ich das mal professionell mache. Ich dachte eher an etwas Technisches.“
Dass der Weg doch ein musikalischer wurde, liegt an einem engen Familienfreund: Jazzmusiker Libor Šíma aus Neuhausen. Er lud den jungen Jakob in seine Schüler-Jazzband ein, gemeinsam mit seinen eigenen Kindern. „Er hat mich zu Workshops geschickt, nach Ochsenhausen etwa. Da war ich 14. Diese eine Woche dort hat alles verändert. Wir haben bis tief in die Nacht gespielt – diese Energie, diese Freiheit – da wusste ich: Das will ich beruflich machen. Alles andere hätte sich falsch angefühlt.“
Von da an ging es schnell: Preise wie „Jugend musiziert“, das Landesjugendorchester, Jungstudium an der HMdK Stuttgart, später das Bundesjazzorchester, Stipendienprogramme und schließlich sein Debütalbum „Opening“ (2023), für das er den „Deutschen Jazzpreis“ erhielt.
„Da habe ich gemerkt: Jetzt bin ich wirklich in der Jazzszene angekommen – und das als Student.“

Mit „All The Others“ (2025) zeigt Bänsch nun eine neue künstlerische Tiefe. Das Album widmet sich Figuren aus Literatur, Film und bildender Kunst – ein Konzept, das zeigt, wie weit sein Blick über die Musik hinausgeht.
„Es gibt dieses schöne Zitat von Keith Jarrett: ›Babies don’t come from babies‹. Musik entsteht nicht nur aus Musik, sondern aus allem, was einen umgibt.“
Bänsch beschreibt sich selbst als jemanden, der sich gut in fiktive Welten verlieren kann. Besonders prägend war für ihn der japanische Animationsfilm Spirited Away, dessen geheimnisvolle Figur Kaonashi er ein eigenes Stück widmet. „Ein magischer Film, eigentlich für Kinder, der aber so viele erwachsene Themen berührt.“
Auch die Literatur hat ihn beeinflusst. Hermann Hesses Siddharta etwa – nicht zuletzt, weil Hesse ganz in der Nähe seiner Heimat lebte. „Dieses Nachdenken über Spiritualität hat mich in einer wichtigen Phase erwischt.“
All diese Einflüsse sind nun im neuen Album hörbar – zwischen Jazzquartett, großer Besetzung, impressionistischen Farben und freier Improvisation.
Aktuell befindet sich Jakob Bänsch im letzten Studienjahr an der Musikhochschule Köln. Seine feste Band besteht aus engen Freunden – ein Faktor, der laut ihm essenziell für die emotionale Kraft der Stücke ist.
Gleichzeitig blickt er bereits nach vorne: „Ich beschäftige mich viel mit elektronischer Musik. Diese Art von Klangerzeugung fasziniert mich total.“
In einem Jahr etwa möchte er gerne ein elektronisch produziertes Album veröffentlichen, ergänzt durch echte Trompetenklänge. Besonders reizt ihn dabei, das Tanzelement zurück in den Jazz zu holen: „So hat Jazz ja angefangen – Musik, zu der man sich bewegt.“
Bei aller künstlerischen Freiheit ist sich Bänsch seiner Rolle bewusst:
„Gerade in schwierigen politischen Zeiten ist Kunst wichtig. Sie kann Menschen die Augen öffnen. Kunst ist nie unpolitisch – und als Künstler trägt man Verantwortung.“
Mit dieser Haltung, gepaart mit technischem Können und einer enormen Reife für sein Alter, steht Jakob Bänsch an der Schwelle zu einer großen Karriere – und bringt zugleich ein Stück Pforzheim in die Jazzwelt hinaus.
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