Chinesische CWB-Gruppe investiert im Nordschwarzwald in eine Smart Factory und neue Arbeitsplätze

Wie wird aus einer Fabrik ein flexibler, datenbasierter Produktionsstandort? Bei „TraFoNetz @ CWB“ in Wiernsheim wurde sichtbar, wie viel davon bereits vor dem ersten Maschinenstart entschieden wird: mit digital simulierten Abläufen und einer von Beginn an auf Vernetzung ausgelegten Fertigung. Mehr als 90 Teilnehmende aus Wirtschaft und Politik kamen im neuen Produktionsgebäude der CWB Electronics Germany GmbH zusammen, um das als Smart Factory konzipierte Werk zu besichtigen und Zukunftsfragen zu diskutieren.
Rundgang bei CWB in Wiernsheim mit (von links) Jochen Protzer (WFG-Geschäftsführer), Matthias Friedrich (TraFoNetz-Teilprojektleiter), Robert Tesch (Geschäftsführer CWB Electronics Germany GmbH), Philipp Sommer (Head of Industrial Engineering, CWB Electronics Germany GmbH), Dr. Shynyi Li (Geschäftsführer CWB Electronics Germany GmbH), Sarah Ocker (Head of HR, CWB Electronics Germany GmbH). (c)Foto:GerdLache

Von Gerd Lache | 02.11.2026

CWB habe sich bewusst für einen Produktionsstandort in Deutschland entschieden, sagte Geschäftsführer Dr. Shunyi Li. Die CWB Electronics Germany GmbH ist der deutsche Standort der CWB Automotive Electronics Co., Ltd. Der Name CWB gehe auf den Gründer Chen Wen Bao zurück, der 1988 in China den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Heute decke die Unternehmensgruppe Stanz-, Galvano- und Kunststofftechnik, Automation, Werkzeugbau und Labortechnik ab.

Dr. Shunyi Li, Geschäftsführer CWB Electronics Germany GmbH. Foto:GerdLache

Das Stammwerk in Hongqiao/Yueqing nahe Wenzhou beschäftige rund 2.000 Mitarbeitende. In Deutschland sei CWB seit 2005 vertreten. Im neuen Werk in Wiernsheim mit mehr als 10.000 Quadratmetern Fläche und in der Verwaltung in Frankfurt am Main beschäftigt CWB Electronics Germany derzeit rund 45 Mitarbeitende (Stand Oktober 2026). Das Werk ist auf mehr als 100 Arbeitsplätze ausgelegt; das Personal werde schrittweise aufgebaut.

Li verwies auf industrielle Gemeinsamkeiten zwischen der rund 9.000 Kilometer Luftlinie entfernten Region um Wenzhou und dem Nordschwarzwald: Elektronik, Automotive und Maschinenbau. Praktische Gründe wie Lieferkettenrisiken, Zölle und die Forderung einzelner Kunden nach einer Bauteilfertigung außerhalb Chinas hätten die Entscheidung für „Made in Germany“ zusätzlich beeinflusst. Der Standort solle eine Brücke zwischen China und Deutschland, zwischen Ländern und Kulturen werden. „Wir glauben, dass wir gemeinsam gewinnen können, indem wir zusammenarbeiten und voneinander lernen“, bekräftigte Li.

Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG). Foto:GerdLache

Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG), die das Projekt Transformationsnetzwerk (TraFoNetz) federführend betreut, wertet die Investition als starkes Signal für den regionalen Industriestandort. Der Neubau in Wiernsheim stehe für moderne Produktionsfläche und die Perspektive auf qualifizierte Arbeitsplätze.

Angesichts globaler Debatten über China warb der WFG-Geschäftsführer für einen offenen Dialog: „Wettbewerb und Zusammenarbeit schließen sich nicht grundsätzlich aus, und wirtschaftliche Beziehungen werden auch nicht dadurch besser, dass wir nur übereinander sprechen“, betonte er. „Transformation der Wirtschaft gelingt dort am besten, wo Unternehmen neue Wege gehen, wo sie voneinander lernen und gemeinsam etwas in Bewegung setzen.“

Philipp Sommer, Head of Industrial Engineering, CWB Electronics Germany GmbH. Foto:GerdLache

Wie sich dies technisch umsetzen lässt, erläuterte Philipp Sommer, Head of Industrial Engineering bei CWB. In seinem Impulsvortrag „Smart Factory von Beginn an gedacht“ zeigte er, dass das Team bereits vor dem ersten Spatenstich am digitalen Modell Materialflüsse, Fahrwege und Anlagenlayouts simuliert habe.

Produziert werden sollen unter anderem komplexe Baugruppen für die Fahrzeugelektronik, darunter Hochvolt-EMV-Filter für Elektrofahrzeuge. Stanzen, Kunststoffumspritzen, Laserschweißen, Elektronik-Integration und Prüfen greifen ineinander. Data-Matrix-Codes, Prozesssensorik sowie Kamera-, Laser- und Dichtheitsprüfungen helfen, Fehler zu vermeiden und Bauteile rückzuverfolgen. Bis zu 200 Prozessdatenpunkte pro Spritzgussschuss unterstützen Qualitätssicherung und vorausschauende Wartung. Mit KI-Unterstützung selbst entwickelte Werkzeuge prüfen zudem Automationsabläufe schon vor der 3D-Konstruktion auf Zykluszeiten und Engpässe. Dennoch bleibt für Sommer der Mensch entscheidend: „Die Umsetzung im Betrieb braucht Fachwissen und Verantwortung.“

TraFoNetz-Connect bei CWB mit (vordere Reihe von rechts) Dr. Shunyi Li, Geschäftsführer CWB Electronics Germany GmbH, Jochen Protzer, WFG-Geschäftsführer, Matthias Enz, Bürgermeister von Wiernsheim, TraFoNetz-Teilprojektleiter Matthias Friedrich. Foto:GerdLache

Beim Rundgang machte Geschäftsführer Robert Tesch die Planung in den Hallen greifbar. Rund 1.700 Quadratmeter pro Produktionslinie, stützenfreie Flächen und eine vorbereitete Infrastruktur sollen den Anlagenaufbau flexibel halten. Material werde zentral kommissioniert; künftig sollen fahrerlose Transportsysteme die Versorgung übernehmen. Dafür werden Leitstand sowie Lager- und Produktionssoftware verknüpft. Abwärme soll im Winter zum Heizen dienen.

Marcel Rath, TraFoNetz Projektmanager informierte über die Markteintrittshandbücher des Transformationsnetzwrks Nordschwarzwald. Foto:GerdLache

Bürgermeister Matthias Enz begrüßte die Ansiedlung als Stärkung Wiernsheims. TraFoNetz-Projektmanager Marcel Rath stellte ergänzend neue Markteintrittshandbücher zum Geschäftsfeld Robotik vor, die im Herbst erscheinen werden. Teilprojektleiter Matthias Friedrich verwies auf weitere Unterstützungsangebote und den digitalen TraFoNetz-Marktplatz, über den Unternehmen, Kommunen und Wissenschaft ihre Angebote und Bedarfe sichtbar machen können.

TraFoNetz unter dem Dach der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG) ist die größte regionale Gemeinschaftsinitiative für Transformation und Innovation zur Unterstützung der Unternehmen und ihrer Beschäftigten im Nordschwarzwald bei der Bewältigung des Wandels.

Das Netzwerk bringt Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen. Ziel ist es, die Region Nordschwarzwald als führenden Standort für innovative Unternehmen und zukunftsfähige Technologien zu erhalten.

Partner des Transformationsnetzwerks Nordschwarzwald sind unter anderem die Hochschule Pforzheim, die Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, die AgenturQ mit Südwestmetall und IG Metall, die IHK Nordschwarzwald, die Handwerkskammer Karlsruhe, e-mobil BW, IAB Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Senioren der Wirtschaft sowie Steinbeis InnoBW, wvib Wirtschaftsverband und weitere.

Das Projekt TraFoNetz wird zu 100 Prozent vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert.

www.trafonetz.de